Anfangs war es mir unangenehm. Die bittende Haltung, die Unterwürfigkeit, das zur Schau Stellen einer massiven körperlichen Beeinträchtigung. Wie sollte ich damit umgehen? Wenn ich etwas gebe, so hilft es ihnen auch nicht weiter. Will ich sie hier haben in meiner Stadt? Kommen da nicht noch mehr, wenn ich etwas gebe? Ich wandte mein Gesicht ab.

Dann schaue ich aber hin und mein Blick wandelt sich: Menschen, die im Grunde die gleichen Bedürfnisse haben wie du und ich. Menschen, die ein Geschichte haben und vom Schicksal geschlagen werden. Sie zeigen mir, dass Armut bitter schmeckt und auch in einer der reichsten Städte der Welt Realität ist. Der Großteil des Elends spielt sich im Verborgenen hinter den Kulissen ab. Meine (Groß-) Elterngeneration hat diese grausame Armut noch selbst am eigenen Leib gespürt.

Wenn ich heute morgens durch die Innenstadt zur Arbeit gehe, treffe ich bekannte und unbekannte Gesichter. Ich werde freundlich gegrüßt. Ich nicke und lächle respektvoll zurück. Manchmal gebe ich etwas, manchmal nicht. Mein Leistungsdenken macht mich nicht zu einem besseren Menschen. Ich bin der Meinung, dass die Bettelmigranten Salzburg vielfältiger und solidarischer machen. Das zeigen auch die unterschiedlichen Beiträge hier auf Zartbitter u.a. von Alexandra Schmid und Astrid Steindl. Mich bereichern sie auf jeden Fall.

Deshalb unterstütze ich die Kampagne www.hinschauen-statt-verurteilen.at.

Wichtige Basisinfos finde ich bei Josef P. Mautner und natürlich in der Studie über Bettelmigration von Heinz Schoibl. Sie liefern Grundlagen für eine menschenwürdige Diskussion, den Abbau von Ängsten und die Basis für politisches Handeln, das nicht auf dem Rücken der Schwächeren ausgetragen wird.

gü4Eines meiner Lieblingsdesserts aus der orientalischen Küche ist Güllac- Freunde haben es auch „süße Lasagne“ getauft. Eigentlich ist Güllac eine typische Süßspeise für die Fastenzeit. Denn Güllac ist ein sehr leichtes Dessert. Wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat, sollte man auch am Abend auf ein leichtes Essen achten, sonst ist der Magen gleich mal überfordert. Aber natürlich schmeckt Güllac auch zu jeder anderen Zeit. Was man mögen muss ist Milch, Nüsse und vor allem Rosenwasser. Heute kann man Güllac ganz einfach herstellen, in den Zeiten der Osmanen gab es extra Köche, die für bestimmte Speisen zuständig waren, auch fürs Güllac. Denn die Grundlage sind hauchdünne Reisblätter. Früher schwierig herzustellen ist es heute einfach ein Griff ins  türkische Supermarktregal. Übrigens bekommt man dort auch das Rosenwasser.

Wie macht man nun Güllac?gü3

Zutaten für 8 Personen :

Ca. 300 gr Reisblätter

1,5 Liter Milch

250 Gramm Zucker

Geriebene Nüsse

gü2Kokosette

Rosenwasser

Granatapfelkerne

Gehackte Pistazien

Blaubeeren

Zubereitung:

Zuerst die Milch erwärmen und den Zucker darunter rühren, einen Schuss Rosenwasser dazugeben.

gü1In einem Kuchenblech, das etwas höhere Ränder hat, die erste Lage Reisblätter mit der glänzenden Seite nach oben hineingeben. Dann warme Milch darüber geben. So weitere 2 Lagen Reisblätter hinein schichten. Dann geriebene Nüsse und Kokosette hinauf streuen. Weitere Lagen Reisblätter, die immer mit der warmen Milch übergossen werden, aufschichten. Auf die letzte Lage die Pistazien, Granatäpfelkerne und die Blaubeeren geben. Dann für mindestens eine Stunde kaltstellen.

Portionsweise auf den Tellern anrichten, servieren und genießen :)

 

Ein jährlicher Höhepunkt meines Arbeitsjahres ist der Männertag in St. Virgil. Am 14. und 15. März ist es unter dem Titel „frei und geborgen“ wieder soweit. Ich freue mich darauf, da hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Es ist eine seltene Gelegenheit, wo sich Männer mit Spiritualität und Glaubensthemen bewusst auseinandersetzen. Hier kann Mann sich von seiner persönlichen Seite zeigen. Endlich mal keine berufliche oder familiäre Rolle spielen müssen. Durchatmen, inspirierende Impulse bekommen und bei gutem Essen wertvolle Gespräche führen.

Hier kann ich so sein, wie ich bin. Nicht dem entsprechen, was andere oder Institutionen von mir erwarten. Nicht das Funktionieren steht im Vordergrund, sondern das Sein. Was mich an diesem Männerkreis begeistert? Da ist wertschätzende männliche Kraft spürbar. Da treffe ich Männer, die mehr wollen als es das tägliche Hamsterrad vorgibt. Ich gönne mir diesen Tag, weil ich hier Kraft tanke. Weil ich Gleichgesinnte treffe und ich motiviert werde, meinen spirituellen Weg in aller Freiheit weiterzugehen. Ich denke, den Kirchen tun diese freien Männer sehr, sehr gut. Sie sind stark und mutig, weil sie geborgen sind. Ich freue mich, Euch kennenzulernen.

www.kirchen.net/kmb

 

 

Ein Beitrag von Martina Zidek

Hugo1„In einem herrlichen Schloss in Spanien lebte ein kleiner Hundeprinz mit seiner Mutter, der schönen Königin. Sie liebte ihn über alles und jeder Tag war erfüllt von Lachen, Freude und Sonnenschein. So viel Glück rief die Geister der Missgunst auf den Plan. Sie schickten den Nachtwind um den Hundeprinzen zu rauben……“ So beginnt Franzis Märchen, nimmt jedes Mal einen anderen Verlauf und endet stets damit, dass er seinem Frauli in die Arme springt und die beiden glücklich bis ans Ende ihrer Tage zusammen leben.

Diese Geschichte hat Franzis erste Autofahrten und Brückenüberquerung möglich gemacht, ihn an lärmenden Jugendlichen und ratternden Baumaschinen vorbei begleitet und ihn nach einer Operation aus der Narkose geführt. Wann immer Franzi sich fürchtet, erzähle ich und er lauscht konzentriert meiner Stimme und lässt sich von ihr beruhigen. Franzi ist heute in so hohem Grad gefestigt, dass er den nervösen Neulingen in der Hundeschule als Ruhepol zur Seite gestellt wird und macht mich täglich stolz mit der Unerschrockenheit, mit der er unbekannten Dingen begegnet. So ist es ist kaum noch notwendig, ihn von Ängsten abzulenken und ich hatte die Geschichte schon fast vergessen, bis ich gestern im Wartezimmer des Tierarztes einen angstschlotternden Franzi zu meinen Füssen hatte.

Angst essen Seele auf

Martina&Franzi_[11.1.2014]-28Angst ist eine gute Verbündete im Überlebenskampf eines Straßenhundes, im Leben eines Haushundes gibt es nur noch wenige reelle Anlässe dafür, was sie aber nicht weniger drängend macht – und das nicht nur für Hunde. In meinem Kopf ist mir zum Beispiel absolut klar, dass die Gruppe von Menschen, vor denen ich sprechen soll, mich nicht Stöcke schwingend davon jagen wird und doch werden meine Hände feucht und einzig die Vernunft hält mich davon ab, mich unter einem Tisch zu verkriechen. Unsere Hunde denken in anderen Bahnen, und so gehorchen sie diesem kategorischen Imperativ der Natur, der seit Anbeginn das Überleben sichert, auf unterschiedliche Weise: manche ziehen sich zitternd zurück, andere wiederum gehen in die Offensive und versuchen die vermeintliche Bedrohung zu verjagen. Beide Varianten mit all den Abstufungen dazwischen, sind dringende Appelle an die Empathie von Frauli oder Herrli: es ist eine unserer nobelsten Pflichten, unseren Hunden beizustehen, wenn sie in Bedrängnis sind – egal wie nichtig uns der Anlass erscheint.

Wann immer ich den Expertenrat lese, Hundeängste zu ignorieren drängt sich mir die Frage auf, ob irgendjemand ein Kind in der Arztpraxis links liegen lassen würde, um es davon zu überzeugen, dass keine Gefahr droht und bis mir jemand eine einleuchtende Erklärung für diese Theorie bieten kann, werde ich tun, was uns bisher viel Erfolg gebracht hat: ich werde Geschichten erzählen, Kekse verfüttern und ihm zeigen, dass ich ihn in schweren Zeiten niemals allein lassen werde.

Mitgefühl ist die Antwort des Herzens auf den Schmerz. Wir haben Anteil an der Schönheit des Lebens und am Ozean der Tränen. Das Leiden am Leben ist Teil unseres Herzens sowie Teil dessen, was uns miteinander verbindet. Es trägt eine Zärtlichkeit in sich, ein Mitgefühl und ein Wohlwollen, das alle Dinge umfängt und jedes Wesen berühren kann. (Jack Kornfield * 1945)

Ein Beitrag von Alexandra Schmidt

XelaWir wählen am 9. März 2014 den Salzburger Gemeinderat. Der nette ältere Verkäufer in einem kleinen Shop in der Getreidegasse wusste vorige Woche noch nichts davon. Eine der Kellnerinnen im Stammlokal geht nie wählen – sie traut sich nicht zu, das politische Angebot richtig zu bewerten und eine Entscheidung zu treffen. Ein anderer Freund, mehrfach akademisch gebildet, geht schon lang nicht mehr wählen – er fühlt sich allgemein nicht vertreten. Einige gute Bekannte, manche davon schon eher Freundinnen, engagieren sich für manche der Parteien und KanditatInnen, die antreten. Die Erfahrungen bei dieser Knochenarbeit sind manchmal lustig (sie bekommen bei Hausbesuchen frisches Gebäck geschenkt), manchmal verstörend (jemand fängt zu weinen an) und manchmal hart (die Angesprochenen beschimpfen sie). Ja, es ist wohl so: die meisten politisch Tätigen genießen nicht viel Respekt. Sie sind „an allem“ schuld, verdienen zu viel, tun zu wenig oder das falsche und geben zu viel Geld aus. Gleich nach ihnen kommen alle die in der Verwaltung oder woanders im öffentlichen Dienst arbeiten (zB in den Schulen…). Die sind faul, überbezahlt und korrupt.

Wofür wahlkämpfen? Wofür politisch tätig sein? Wofür „ins Amt“ gehen?

Für mich ist das völlig klar: für ein gutes Leben für alle. Ein gutes Leben, das ist ein Einkommen mit dem man auskommt und ein bisschen was bleibt übrig, keine Sorge wovon die Miete/der Wochenendeinkauf/der Schulschikurs/das Pflegeheim bezahlt wird diesen Monat. Und nächsten. Genug Freizeit für Zeit im Kreise lieber Menschen, an der frischen Luft, im Kino/Theater/Konzert, beim Wirten und im Verein. Genug freie Tage zum faul sein/ sporteln/ wegfahren/ daheimbleiben/ wahlzettelmithelfen. Eine Arbeit mit Anerkennung. Eine Schule ohne Druck. Gute Chancen. Guter Schlaf. Eine Ärztin oder einen Arzt wenn nötig. Leere Mülltonnen, funktionierende Straßenbeleuchtung und am Samstag um eins in der Früh angstfrei heimgehen. Das gute Leben, das meint nicht, dass alle das gleiche oder gleich viel haben oder hergeben. Es heißt, dass jede Person in der eigenen persönlichen Situation viele Wohlfühlmomente hat und wenige  Sorgen. Dass es ein gutes Miteinander gibt. Dass unter dem Strich ein Plus steht. Dafür sollen die Menschen in der Politik sorgen und den Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten die Voraussetzungen und Ressourcen geben. Wir haben die Wahl.

Das findet, ehrlich wahr, eure Xela

hbWahlkampf heißt zu den Menschen zu gehen und mit den Menschen zu sprechen. Seit einiger Zeit mache ich Hausbesuche. Auch heute war ich wieder mit Kolleginnen unterwegs. Man, wer auch  immer das ist, sagt ja den Salzburgerinnen und Salzburgern nach, dass sie eher verschlossen seien. Also ich kann jetzt nach vielen Wochen Hausbesuchen voller Überzeugung sagen: Das stimmt nicht!

Bei einem Hausbesuch lädt man sich ja quasi selbst ein, also man kündigt sich nicht an. Aber egal bei wem man anklopft oder läutet, die Türen öffnen sich und man wird freundlich begrüßt. Egal ob Alt oder Jung, zugewandert oder seit Generationen in Salzburg ansässig. Manchmal ist es ein kurzes Gespräch, oft aber erzählen die Menschen über sich. Über ihre Freuden, über ihre Sorgen. Manchmal wird man zum Kaffee eingeladen oder zum Essen. Denn oft riecht es so richtig gut und ich schaue dann wahrscheinlich recht hungrig drein. Von einer Jause über Guglhupf bis zu einem chinesischen Essen wurde uns schon angeboten. Da fällt es dann schwer nein zu sagen ;)

Und hier will ich DANKE sagen. Dass sich die Türen öffnen und oft auch die Herzen.