Wir sind mitten in einer Pflegedebatte und jeder ist Experte. Hat er oder auch sie Verwandte im Seniorenwohnhaus oder eine Cousine, die Pflegekraft ist, dann kann man schon mitreden. Oder ist Politikerin, so wie ich. Politiker wissen sowieso immer alles am Besten.

Und mitten in dieser Pflegedebatte haben viele Menschen über den Nachtdienst gesprochen und geschrieben. Ich auch, obwohl ich das nur vom Hörensagen kannte. Also hab ich mir gedacht, dass ich es jetzt wirklich wissen will, wie so eine Nacht im Seniorenwohnhaus abläuft. Als verantwortliche Politikerin habe ich mich selbst zu einem Dienst im Seniorenwohnhaus Hellbrunn eingeteilt. Natürlich nur als Beiwagerl zu einer echten Pflegekraft.

Hier mein Bericht:

Hausgemeinschaft Hellbrunn

Um 19 Uhr komme ich ins Seniorenwohnhaus. Drei Hausgemeinschaften mit insgesamt 41 BewohnerInnen. Um 19.30 ist die Dienstübergabe an den Nachtdienst. Penibel wird über jede Bewohnerin, jeden Bewohner berichtet. Um 20 Uhr bin ich mit Frau Elisabeth alleine, sie ist heute Nacht zuständig für alle Menschen in den drei Hausgemeinschaften. Wir beginnen die erste Runde. Weit kommen wir nicht. Frau M. hat Angst vor Frau B., die sich gerade am Gang entkleidet. Beide Damen sind sehr dement. Frau Elisabeth bringt Frau M. in ihr Zimmer, beruhigt sie und versichert ihr, dass sie jetzt keine Angst mehr zu haben braucht, weil wir beide für sie da sind. Währenddessen verschwindet Frau B. auch in ihrem Zimmer. Bis auf die Unterwäsche lässt sie ihre Kleidung über einem Sessel am Gang hängen. Herr H. läutet dazwischen, er möchte auf die Toilette. Wir gehen zu ihm, aber jetzt muss er doch nicht mehr. Frau Elisabeth geht jetzt durch alle Zimmer, fragt nach dem Rechtem, schaut, ob etwas zu trinken da ist, erkundigt sich nach dem Wohlbefinden. Schaltet einen Fernseher für eine Bewohnerin ein, für eine andere aus. Um halb zehn dann, bringt sie Herrn K. zu Bett. Das ist nicht einfach, Herr K. sitzt im Rolli und ist sehr kräftig. Er gibt genaue Anweisungen, wie Frau Elisabeth das machen soll, damit er keine Schmerzen hat. Es dauert fast 20 Minuten bis Herr K. im Bett liegt.

Dazwischen läutet es, Herr H. will jetzt doch auf die Toilette. Er muss sich noch ein paar Minuten gedulden, bis wir bei ihm sind. Das sagt ihm Frau Elisabeth mit ruhiger Stimme über den Schwesternnotruf. Auf dem Weg zu ihm erzählt sie mir, dass er oft bis zu  acht Mal in der Nacht auf die Toilette will. Diese Nacht wird er nur zwei Mal wollen, eine seltene Ausnahme. Dafür wünscht er sich ein Butterbrot, was er natürlich auch bekommt.

Alltag

Apropos Toilette. Ich lerne in dieser Nacht, dass jeder Bewohner, jede Bewohnerin nach seinen Wünschen den Toilettgang erledigt. Herr H. sitzt am liebsten am Leibstuhl. Frau F. will selbstständig auf die Toilette gehen. Herr M. besteht auf seiner Urinalflasche. Andere, die sich nicht mehr artikulieren können, bekommen eine Einlage. Und weil Frau F. selbstständig auf die Toilette möchte, passiert es immer wieder, dass sie es nicht schafft. Beim Rundgang um Mitternacht entdecken wir Frau F. in ihrem Badezimmer, sie schimpft, dass es wohl erlaubt sei, alleine auf die Toilette zu gehen und da schon mal was passieren könnte. Von ihrem Bett bis ins Bad zieht sich eine Urinspur. Frau Elisabeth wischt auf und wechselt das Leintuch. Dabei muss sie sich von Frau F. anhören, dass sie das bitte selber machen kann. 

Dazwischen läutet wieder Frau M., weil sie sich fürchtet. Wir gehen zu ihr, Frau Elisabeth gibt ihr zu trinken und versichert ihr, dass wir beide auf sie aufpassen. Nach dem Rundgang, bei dem Frau Elisabeth manchen Bewohner umgelagert hat, ist es ruhig. Frau Elisabeth dokumentiert das bisher Geschehene, richtet die Medikamente für den Tagdienst. Ich husche davon und gehe ins Haupthaus in Hellbrunn. Dort ist es nach Mitternacht auch sehr ruhig. Auch im Stöckl, der kleinsten Einheit in Hellbrunn ist es ruhig und ich plaudere ein bisschen mit der Nachtschwester. Dann gehe ich wieder zu „meinen Bewohnern“. Ich komme gerade rechtzeitig für den Einlagenwechsel. Frau Elisabeth weiß genau, welche Bewohner eine frische Einlage benötigen. Mit ruhiger Stimme erklärt sie jedem, was sie genau tut. Im Halbschlaf bekommen die meisten nur wenig mit. Die ruhige Stimme von Frau Elisabeth lässt sie gleich weiterschlafen. Eine Bewohnerin begegnet uns am Gang, sie will schon zum Frühstück, es ist 4 Uhr. Wir können sie überzeugen, dass sie sich noch ein bisschen hinlegen soll. Die Vögel beginnen zu zwitschern. Jetzt zieht sich jede Minute, zumindest für mich. Frau Elisabeth dokumentiert am Computer weiter alle Geschehnisse der Nacht. Gegen 5 Uhr früh machen wir die letzte Runde. Die meisten schlafen, eine Bewohnerin sieht fern. Frau W. kommt aus ihrem Zimmer und fragt wie lange sie denn hier gebucht hätte. Frau Elisabeth erklärt ihr, dass es ihr Zimmer ist, sie könne immer hier bleiben. Frau W. fragt nochmals nach, ganz kann sie das nicht glauben. Jetzt läutet Frau M., sie hat wieder Angst. Wir kommen in ihr Zimmer, sie ist putzmunter und will wissen, wann ihr Mann kommt. Um 9 Uhr sagt ihr Frau Elisabeth und lädt sie ein mit uns zu kommen. Sie macht ihr einen Kakao, den Frau M. genussvoll trinkt. Dann schläft sie auf dem Stuhl ein. Das ist jeden Morgen so, sagt Frau Elisabeth. Gegen halb sieben kommen die Alltagsbetreuerinnen und beginnen das Frühstück zu richten. Um 7 Uhr sind die Pflegekräfte vom Tagdienst da und es beginnt das Dienstübergabegespräch. Um 7.30 Uhr ist Schluss für Frau Elisabeth und mich.

Was hat der Nachtdienst gebracht?

Notrufanlage

Ich bin froh, dass ich diesen Dienst mitgemacht habe. Ein großes Danke an Frau Elisabeth, die mir diesen Einblick gegeben hat. Sie ist eine wunderbare Frau, die hochprofesionell und mit großem Herz ihre Arbeit macht. Sie mag die Menschen, das spürt man bei jedem Wort und jeder pflegerischen Tätigkeit. 

Kein Nachtdienst ist wie der andere. Man weiß nie, was geschehen wird. Ich durfte eine relativ ruhige Nacht erleben. Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Herausfordernd finde ich den Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Sie in ihrer Wirklichkeit zu verstehen und die Verbindung zu den Notwendigkeiten des Alltags in einem Seniorenwohnhaus herstellen. Ruhig zu bleiben, wenn drei Bewohnerinnen gleichzeitig etwas brauchen. Und es auszuhalten, dass man innerhalb einer Minute in einer ganz anderen Situation sein kann, auf jede Überraschung gefasst sein. 

Und wir müssen über die Rahmenbedingungen sprechen. Passt es so? Oder braucht es mehr? Wie viel Geld wollen wir als Gesellschaft für die Pflege ausgeben. Wann beginnen wir umzudenken und Ausgaben für Soziales als Investition zu sehen. So wie es die Politik seit Jahrzehnten sieht, wenn sie Bauten in Auftrag gibt. Diese Millionen werden immer als Investition in die Arbeitsplätze gesehen, das kurbelt die Wirtschaft an, heißt es, wenn man Gebäude und Infrastruktur baut. Arbeit für Menschen wird noch viel zu selten als Investition gesehen. Fangen wir damit an! Bei den Menschen, die in einem Seniorenwohnhaus arbeiten, im Kindergarten oder in einem Frauenhaus. Geben wir dieser Arbeit mehr Wert. Das hat mir der Nachtdienst wieder vor Augen geführt.

von Alex Fuggersberger

Zu alt, zu klein zu wenig rentabel? Das älteste – und kleinste – Schiff auf dem Wolfgangsee wird aus der Flotte ausgemustert. Vielen Bewohnern rund um den Wolfgangsee gefällt das gar nicht. Warum mit der Kaiserin Elisabeth vermutlich weit mehr verschwindet, als eine erlebbare Erinnerung aus meiner Kindheit …

Tasch-Tasch war seit jeher der Spitzname des Schaufelraddampfers Kaiser Franz Josef, weil die Schaufeln bei der Fahrt genau dieses Geräusch machen. Die Kaiserin Elisabeth und ihr Mann, der Tasch-Tasch, gehören in meiner Erinnerung zusammen.

Welches Kind hat schon die Gelegenheit von der Schule mit dem Schiff nach Hause zu fahren? Ich war so ein glückliches Kind. Oft hat mich die Kaiserin von der Schule in Strobl sicher nach St. Wolfgang gebracht.

Schön war sie, die Fahrt von Strobl nach Wolfgang, nicht nur nach der Rechenstunde. Die Schaffner haben mich schon gekannt, sie haben auch genau gewusst, wo ich wohne, denn ich hab’ meiner Mama jedes Mal gewunken, kurz bevor das Schiff in St. Wolfgang angelegt hat.

Bei schönem Wetter hab’ ich es genossen, an Deck zu sitzen. Ich weiß noch, dass mir die Frühsommersonne immer die ersten Sommersprossen ins Gesicht gezaubert hat. Dazu ging stets ein leichter Wind, aber nie zu stark. So schnell sind wir mit der alten Monarchin nie gefahren.

Wenn es geregnet hat, sind alle unter Deck geflüchtet. Dort roch es nach trockenem Holz, man hörte den Regen aufs Deck prasseln und die Wellen gegen die Fenster peitschen. Dann hab’ ich meiner Mama hinter der nassen Scheibe gewunken und sie hat gewusst: In fünf Minuten muss das Essen fertig sein.

Später dann bin ich mit Begeisterung am Kinderschiff mitgefahren – das hat natürlich auch auf der Kaiserin stattgefunden. Auf der Elisabeth hab’ ich zum Beispiel gelernt, dass man auf der Falkensteinwand einen Elefanten sehen kann. Und noch vieles mehr.

 

 

 

 

 

Heute weiß ich: Erinnerungen wie meine, finden in Wirtschaftlichkeitsberechnungen keinen Platz. Auch, wenn es rund um den See ganz, ganz viele solcher Geschichten gibt, die Einheimische und Besucher nicht mehr vergessen können.

Schade, denn neben der großartigen landschaftlichen Kulisse sind es nämlich genau diese vielen Kleinigkeiten, die unsere Gegend in Summe so einzigartig und liebenswert machen. Wirklich schade, dass man das nicht berechnen kann.

Muss man die English Drama Group Salzburg überhaupt noch vorstellen? Nach dem 50. Jubiläum im letzten Jahr sicher nicht mehr. Doch ein halbes Jahrhundert sind nicht genug: Die English Drama Group Salzburg macht weiter. Die diesjährige Produktion ist sogar ein vielversprechenden Auftakt zu den nächsten 50 Jahren.

Um die 15 Leute auf der Bühne, aufwändige Bühnenausstattung und atemberaubende Kostüme. Es gibt wohl kein Laien-Ensemble, das damit mithalten konnte. In diesem Jahr ist alles anders: Statt einem großen Cast sind es nur eine handvoll Leute, die Bühnenausstattung ist schlicht (aber keineswegs schlecht), es gibt nicht viel Gelegenheit sich bei den Kostümen so richtig auszutoben. Sackleinen und Nonnentrachten beherrschen das Bild.

Michael Darmanin, der Leiter hat noch eine Überraschung: Er hat für den Theaterabend gleich zwei Stücke inszeniert. In beiden geht es ums Rechthaben und späte Erkenntnisse. Das erste (Kurz-)Stück heißt Noonday Demons, geschrieben von Peter Barnes. Zwei Einsiedler streiten sich darum, wer den größeren Glauben habe. Das Slapstick-gefüllte handgreifliche Gezänk –  samt Kratzen, Beißen, Haarereißen und „Titty-Twistern“ – endet böse. Denn letztlich hat im Streit um die Religion auch der Teufel ein Wörtchen mitzureden.
Konstantin Beck-Mannagetta und Benjamin Scherer unterhalten ihr Publikum mit sehenswertem Körpereinsatz.

Handgreifliche Einsiedler in Noonday Demons

 

Ein ganz anderer Teufel ist der Zweifel. Nicht als Gegensatz zum Glauben, sondern zur Gewissheit. Das mit einem Pulitzer Preis ausgezeichnete Stück Doubt, A Parable spielt in einer Klosterschule. Sister James ist Lehrerin aus Leidenschaft und gibt, nichts Böses wollend, eine Beobachtung an die strenge Schulleiterin Sister Aloysius weiter. Diese verfolgt daraufhin mit allen Mitteln ihr Ziel, Pfarrer Flynn ein schlimmes Fehlverhalten zu nachzuweisen. Sie befindet sich auf einem wahren Kreuzzug. Doch nichts will ihr die Beweise liefern, nicht einmal ein Gespräch mit der Mutter des von dem Vorfall betroffenen Schülers. Während Sister Aloysius’ Überzeugung wächst, macht sich im Publikum immer mehr Zweifel breit.
Mathew Rushmere, Tamara Stidwell, Eva Nedwed und Sara Schneider verkörpern die Rollen überzeugend und mit mitreißender Intensität.

Der Abend mit zwei Stücken ist eine echte Empfehlung nicht nur für Freunde der englischen Sprache, sondern für alle Theaterfreunde. Zweimal gibt es noch Gelegenheit, die Produktion zu sehen:

23. und 24. Mai, jeweils 19:30
ARGE Nonntal
Tickets gibts an der Abendkasse oder hier:
T:+43-662-848784 | M:[email protected]

Frühling bedeutet nicht nur, dass es endlich wieder wärmer und angenehmer wird. Es bedeutet auch, dass sich die Ställe wieder mit frisch geschlüpften und geborenen Tierkindern füllen.

Wir hatten im Vorjahr schweren Herzens beschlossen, unsere Hühner nicht brüten zu lassen. Das Jahr begann mit der Vogelgrippe. Keiner wusste so richtig, wann diese endet. Und dann starb auch noch unser Hahn.
Darum konzentrierten wir uns ganz auf den Bestand, den wir noch hatten. Unsere Erfahrung war es, dass es in einer Gruppe Hühner ohne Hahn schnell zu Reibereien kommen kann. Das wollten wir vermeiden. Und so zog dann im Herbst ein neuer stattlicher Hahn namens Bruno bei uns ein.

Unser Bruno ist eher ein ganz ruhiger Kerl. Oftmals dachten wir uns, er interessiere sich nicht wirklich für seine Mädels. Er lag eher gemütlich zwischen ihnen oder lockte sie zum Futter. Doch „treten“ haben wir ihn nie gesehen.

In einem Gespräch mit der Vorbesitzerin von Bruno stellte sich heraus, dass er auch bei ihr in der Gruppe eher im Hintergrund geblieben ist. Ihr ist jedoch aufgefallen, dass er eher auf die dunkler gefiederten Hennen anspricht als auf weiße. Ein Hahn mit Präferenzen also.

Es war tatsächlich so. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, hatte er sich auch bei uns seine Favoritinnen herausgesucht: alles Mädels in Schwarz, Dunkelbraun und Dunkelgrau. Die weißen und hellen lässt er nicht nur links liegen, nein er verscheucht sie auch gerne vom besten Futter, damit mehr für die anderen bleibt.
OK, dann soll er das haben, was er möchte.


Jetzt im Frühling haben sich scheinbar seine Ansichten geändert. Inzwischen findet er alle seine Mädels interessant und schart alle um sich. Und zwar nicht nur, um sie ans Futter zu locken. Er ist jetzt der große Macher im Auslauf.
Seine früheren Lieblingshennen können sich nun wieder entspannen und müssen nicht ständig vor ihm auf der Hut sein.

Wir haben jetzt also gute Aussichten auf befruchtete Eier und auf die Brutlust unserer Hühner können wir zählen. Sobald die Sonne wärmer wurde, war auch schon die erste Henne auf den Eiern und wollte diese nicht mehr verlassen. Es war Zeit unseren Glucken-Stall zu reaktivieren. Die Glucke konnte vom Hühnerstall in den ruhigen Gluckenstall ziehen. Da wir mobile Nester verwenden, ist das auch ganz einfach und für die Glucke überhaupt nicht störend.

Nun sitzt sie – dick und breit – bereits seit einer Woche in ihrem Stall. Zwei der untergelegten Eier gingen in den ersten Tagen kaputt. So etwas kann schon mal passieren. Die restlichen Eier (11) werden aber bewacht und von ihr gepflegt, gewendet, umsortiert und feinsäuberlich zugedeckt. So wird jedes der Eier gleichmäßig warm gehalten. Sie verlässt nur einmal am Tag schnell das Nest, um zu fressen, trinken, sich zu erleichtern und ein schnelles federpflegendes Staub-Bad zu nehmen. Das alles dauert keine 10 Minuten aber auch hier hält sie immer Kontakt mit den Eiern, und zwar akustisch, indem sie die ganz typischen Gluckenlaute von sich gibt.

Nun heißt es warten. Insgesamt brüten Hühner 21 Tage, 7 Tage sind bereits vorbei, bleiben noch genau 14 Tage. Es wird sich zeigen, was Bruno geleistet hat.

Wenn alles nach Plan läuft, dann schlüpfen die Küken genau zu Ostern. Wir können es kaum erwarten, bis aus den elf Eiern hoffentlich 11 kleine flauschige Knäuel schlüpfen und es auch auf Weieregg wieder Tierbabys gibt.

von Patrick Peifenberger

Wir haben ein Haus gekauft! Nach Jahren der Suche, die ich im Detail nicht schildern möchte – sagen wir, es war eine Achterbahn der Gefühle – hatten wir ein echtes Schmuckstück gefunden. Baujahr 1950, klassische Ziegelbauweise, guter Grundriss, stadtnah, Garten und Kastenstockfenster.

Es war erschwinglich. Wahrscheinlich weil der Verkäufer das Gebäude als Abrissobjekt ansah (viele unserer Freunde übrigens auch). Wir aber sahen das genaue Gegenteil: ein wunderschönes Haus mit Geschichte. Mit viel Liebe und noch mehr Arbeit sollte es zu unserem neuen Zuhause werden.

Durch frühere Zimmer-Renovierungen war Thema Sanierung für uns also nicht ganz neu. Meine Frau und ich sind handwerklich außerdem recht begabt. Aber eine Haussanierung ist schon noch mal eine ganz andere Liga. Der Weg war mitunter sehr steinig, aber wir haben auch extrem viel dazugelernt – daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen.

Tipps vor dem Kauf:

1. Holt euch vorher fachkundigen Rat

Es geht um die wohl größte Investition eures Lebens, also sollte jemand mit Fachwissen das Haus begutachten. Häuser schauen außen wie innen oft noch ganz gut aus aber stellen sich in weiterer Folge doch als baufällig und wirklich abrissreif heraus.

Das Immobiliengeschäft ist knallhart und manche Verkäufer schaffen es tatsächlich Bruchbuden als Schmuckkästchen zu verkaufen. Mit fachkundigem Rat, bekommt man auch einen guten Überblick, was eine Sanierung so in etwa kosten wird. Das ist gut investiertes Geld und kann vor großem Schaden schützen.

2. Informiert euch bei der Gemeinde

Was ist dort eigentlich genehmigt? Was darf man dort (noch) dazu bauen? Wie hoch darf ich bauen? Gibt es Vorgaben der Gemeinde in Bezug auf das Ortsbild? Die Bauämter der Gemeinden sind hier wirklich wichtig.

Für unsere Generalsanierung mit Dachhebung und Zubau brauchte es eine Baugenehmigung.

Oder wenn ihr in Städten wie zum Beispiel Salzburg umbaut, wird es vielleicht noch heikler: Dort gibt es zum Beispiel Altstadtschutz-Zonen. Jedes neue Dachfenster kann da schon mal zum echten Problem werden.

Darum: Vorher zur Gemeinde und Infos über das Objekt einholen!

3. Schaut ins Grundbuch

Lasst euch einen aktuellen Grundbuchsauzug vom Makler oder Verkäufer vorlegen. Es kann sein, dass das Grundstück mit einer so genannten Dienstbarkeit belastet ist. Das heißt, dass jemand anderer ein Recht hat das euer Grundstück/Haus betrifft. Das kann etwa ein Wegerecht sein (jemand darf z.B. durch den Garten gehen, um seine Scheune oder ähnliches zu erreichen). Oder es besitzt noch die Oma des Verkäufers ein Wohnrecht im Haus. Nichts gegen Erweiterung der Familie, aber man muss das im Vorfeld klären.

Da hatten wir noch viel Arbeit vor uns …

4. Kaufvertrag steht an – prüfen und verhandeln

Oft kommt es vor, dass Kaufverträge vom Anwalt des Verkäufers aufgesetzt werden. Meistens, weil dies schon im Kaufangebot so vereinbart wurde. (Eine Klausel die man gerne überliest, weil man sich auf den Preis konzentriert). Lasst einen Juristen eures Vertrauens drüberlesen . Kaufverträge für Häuser sind kompliziert und enthalten manchmal enthalten Klauseln die einen Käufer benachteiligen. Die kann man noch rechtzeitig ändern.

Auch die Kosten sind nicht in Stein gemeißelt. Bei Banken, Maklern, Rechtsanwälten und Notaren kann man Geld sparen. Auch wenn bestimmte Berufsgruppen ihre Tarife in Prozenten des Kaufwertes verlangen, lohnt sich zu verhandeln – zum Beispiel eine Pauschale. Wer nicht fragt, gewinnt nichts. Bei der Finanzierung solltet ihr unbedingt die Angebote mehrerer Banken vergleichen. Die Hausbank ist nicht immer die beste.

Gratulation, du bist jetzt (wahrscheinlich) Hausbesitzer! Als nächstes steht, die notwendigen Bewilligungen der Gemeinde vorausgesetzt, die Renovierung an!

5. Vergleiche aber verzettle dich nicht

Was haben wir nicht alles verglichen: Heizsysteme, Dämmsysteme, (Bau)Holzarten, Estriche, Böden, Innenputze, Außenputze, Wandsysteme, Dachsysteme und noch viel mehr.

Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen. Wer viel selbst machen will, kann zu einer größeren Baustofffirma fahren und sich dort beraten zu lassen. Manche Firmen schicken euch auch einen Außendienstmitarbeiter, damit er sich ein Bild vor Ort macht. Wir haben das auch gemacht – schon alleine, um unseren Kostenrahmen nochmals zu überprüfen. In manchen Entscheidungen hat uns das bestärkt, aber der eine oder andere Rat hat uns neue Wege gezeigt. Nur einen Rat, den uns wirklich alle gegeben haben, den haben wir nicht befolgt: Wir haben die 60 Jahre alten Kastenfenster nicht gegen neue Kunststoff, Holz oder Holz-Alu-Fenster getauscht! Diese Fenster haben wir alle aufwendigst abgeschliffen, gekittet, und neu lackiert. Lediglich bei den Innenflügeln haben wir der Kinder wegen neues, bruchsicheres Glas eingesetzt. Ansonsten haben wir sogar aus alten Abbruchhäusern stilgleiche Kastenfenster gekauft und neu in unseren Windfang und ins Wohnzimmer eingesetzt! Es war die beste Entscheidung, die wir gegen jede Meinung getroffen haben. Die Fenster dämmen hervorragend und lassen kaum Schall in das Haus.

Klein, aber unser. Hier noch mitten in der Renovierungsphase

6. Manche Sachen sind komplizierter als man denkt

Bevor ihr eifrig mit der Renovierung startet – lest euch in das Thema ein! Manche Sachen, die klar und logisch scheinen, sind dann doch komplizierter als man denkt. Unsere alten Holztramdecken zum Beispiel hätten nie und nimmer das Gewicht des neuen (erstmals eingebrachten) Estrichs getragen. Also: zuerst die Böden alle öffnen, Holztrame verstärken, Böden schließen, Estrich drauf. Oder die Dampfbremse Richtung oberste Geschossdecke. Da kann man so viele Fehler machen und die können so fatale Folgen haben. Darum auch während der Baustelle: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Fachberatung holen.

7. Auch Selbermacher brauchen Profis

Es gibt Dinge, die kann und darf man bei besten Willen und handwerklichen Geschick einfach nicht selber machen. Bei uns waren das: Elektro- Heizungs- und Wasser-Installationen. Von Anschlüssen, Verteiler- und Sicherungskästen haben wir lieber die Finger gelassen. (Außerdem muss der Sicherungskasten von einem befugten Unternehmern abgenommen werden).

Lange Rede kurzer Sinn: hier haben wir auf die Hilfe von Professionisten zurückgreifen müssen. Nachdem wir im Grenzland zum schönen Bayern liegen, war es für mich auch naheliegend, dass ich dort nach Handwerkern Ausschau halte. Und tatsächlich: den günstigsten und sympathischsten Installateur haben wir dort gefunden. Eine echte One-Man-Show! Stellte mir ein super Angebot und wir beauftragten ihn damit, eine Heizung sowie eine Wasserversorgungsanlage einzubauen. Alles wunderbar bis zu dem Moment, wo mir ein Freund die Frage gestellt hat, wie denn das so rechtlich ist, wenn ich ein deutsches Unternehmen mit einem Werk in Österreich beauftrage.

Daran hatte ich gar nicht gedacht. Zwar ist die Rechtslage für Werkverträge ist in Österreich und Deutschland oft sehr ähnlich, aber unterscheidet sich dann doch auch wieder in kleinen aber nicht unwesentlichen Details.

Unser Installateur erledigte alles zu unserer vollsten Zufriedenheit. Trotzdem verfolge ich jetzt aber das Thema Werkvertrag ein wenig – gerade weil ich immer wieder in Deutschland bestelle oder auch beauftrage und weil es jüngst dort auch zu Änderungen im Werkvertragsrecht gekommen ist. So gibt es neuerdings im Gegensatz zu Österreich eigene Regeln für Bauverträge! Informationen dazu habe ich hier gefunden: https://www.evocate-inkasso.de/werkvertragrecht

Wir sind glücklich in unserem Haus. Was sind eure Erfahrungen mit Hauskauf, Renovierungen und Werkverträgen?

 

Dieser Post kann Spuren von Werbung enthalten

von Gabriele Rothuber

Wissensvermittlung über geschlechtliche Vielfalt, über Geschlechtsidentitäten, und sexuelle Orientierung ist in Salzburgs Schulen angekommen. Die „Schule der Vielfalt“ der HOSI Salzburg leistet hier großartige Arbeit! Und auch andere sexualpädagogisch Arbeitende greifen diese Themen selbstverständlich und unaufgeregt auf. Das Team der Schule der Vielfalt geht mit LGBT-Personen in die Klassen, vermittelt Infos – und: beantwortet (anonyme) Fragen der Schüler*innen.

Das ist echt tolle Arbeit, baut Hemmungen und Vorurteile ab. Pro Jahr werden so derzeit rund 500 Schüler*innen erreicht. Aber: gebucht werden diese Workshops halt auch nur von den aufgeschlossenen Lehrpersonen. Was ist mit den „anderen“, denen, die vielleicht sogar homophob oder transphob sind? Wie erreicht man diese? Wie erreicht man Lehrende, auch auf Fachhochschulen? Wie erreicht man Unternehmen, die sich in ihrer Unternehmenskultur – hoffentlich neben anderen relevanten Themen wie etwa Sexismus – mit einer offenen und wertschätzenden Kultur gegenüber geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten auseinandersetzen möchten?

Dazu hat die HOSI Salzburg einen neuen Bildungsschwerpunkt gesetzt: Das Projekt „Vielfalt im Beruf“, das in Kooperation mit der HIL-Foundation, dem Land und der Stadt Salzburg finanziert wird. Das Konzept hat Kathleen Schröder, Betriebswirtin, Gesundheitspräventologin und diplomierte Mediatorin, ausgearbeitet. Sie bringt auch langjährige Erfahrung aus ähnlichen Bildungsprojekten mit.

Für einen wertschätzenden Umgang braucht es weit mehr als eine offene Grundhaltung. Es braucht Wissen über gesundheitliche Risikofaktoren, die Lebensrealitäten von LGBTI*Personen (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Inter), über Anlaufstellen, rechtliche Grundlagen etc.
Das neue Fortbildungsangebot vermitteln dies: diese so genannte Regenbogenkompetenzen. Stehen doch die Farben des Regenbogens für die menschliche Vielfalt.

Damit leistet die HOSI Salzburg wichtige Antidiskriminierungsarbeit: Sie bietet Multiplikator*innen eine umfassende menschenrechtsbasierte und gewaltpräventive Schulung.

Und dass es noch viele Schulungen braucht, damit ALLE Menschen gerne, unbeschwert und gefahrlos in die Schule, Universität oder Arbeit gehen – das zeigen ein paar einfache Fragen, die ich 2016 hier formuliert habe:
https://zartbitter.co.at/gesellschaftspolitik/menschenrechte/was-sind-deine-vor-ur-teile-ein-test/

Seitdem hat sich kaum etwas verändert. Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende durch den Verfassungsgerichtshof tritt mit 1.1.2019 in Kraft.

Details / Infos unter: http://www.hosi.or.at/2018/01/24/projektstart-vielfalt-im-beruf
Kontakt:
Kathleen Schröder
Projektleitung „Schule der Vielfalt“ und „Vielfalt im Beruf“
Tel.: +43 677 61745933
E.Mail: [email protected]