Eine Geschichte unserer Gastautorin Martina Zidek
Manche von uns sind Hundemenschen und ich gehöre dazu. Hunde haben meine Kindheit reich gemacht und mir durch die komplizierte Jugend geholfen. Als junge Erwachsene gaben sie mir die Sicherheit, die meine noch mangelnde Erfahrung mit der Welt mir nicht geben konnte.
Nach meiner Übersiedlung von Salzburg nach Niederösterreich brauchte ich lange um Wurzeln zu schlagen und traute mir in dieser Zeit nicht zu, einem Hund ein schönes Zuhause zu bieten. Doch auch diese Phase ging vorüber und plötzlich war er da: der übermächtige Wunsch, mit einem Hund mein Leben zu teilen.
Ich verhandelte lange mit meinem Mann, wer welche Aufgaben übernehmen sollte, bis wir uns schließlich einigten, dass ich alles machen sollte (ich war zu wirklich jedem Kompromiss bereit) und stöberte nächtelang durch jede nur denkbare Tierschutzseite auf der Suche nach dem perfekten Hund. In meiner Phantasie sah ich mich mit einem ungeheuer folgsamen Dackel durch den 1. Bezirk promenieren – wenn ich mich heute mit derben Schuhen und schmutzigem Anorak durch ein Gebüsch kämpfe, muss ich jedes Mal darüber lachen, dass ich mich nicht mehr an die Realität eines Hundemenschen erinnern konnte (oder wollte).
Jedenfalls, ich werde den Moment wohl nie vergessen, blätterte ich durch eine Tierschutzseite und da war er: klein, rötlich, abgeknickte Ohren, Ringelschwänzchen, kurz: das Ja Natürlich-Ferkel in Hundeform.
Noch am selben Tag fuhren wir durch Eis und Schnee und holten ihn heim. Es war der 28. Dezember, wir feiern ihn jedes Jahr als Frauli-Komm-Tag.
Liebe auf den ersten Blick – von wegen!
Unser Kennenlernen verlief natürlich völlig anders, als erwartet: der kleine Hund wollte nicht adoptiert werden.
Als Straßenhund in Spanien aufgewachsen, vom Hundefänger eingefangen und von der spanischen Perrera in einen österreichischen Gnadenhof transportiert, fand er, dass sein kurzes Leben bereits genug Wechselfälle geboten hatte und klammerte sich verzweifelt an seinen Tierheimpapa. Ich war ernüchtert: eigentlich sollte er mir in die Arme springen, mein Gesicht lecken und lebenslänglich dankbar für seine Rettung sein – so hatte ich es mir jedenfalls ausgemalt.
Auf Drängen meines Mannes (ich wollte frustriert die Segel streichen und mich auf den Heimweg machen) unterschrieben wir die Adoptionspapiere und trugen den sich sträubenden Kerl ins Auto, wo er sich unzählige Male übergab, bis wir ihm endlich sein neues Zuhause zeigen konnten.
Unsere Bemühungen, ihn mit Wasser, Futter und Spielzeug zu beglücken ignorierte er, einzig eine Decke nahm er dankend an um sich darin zu verkriechen. Ein wenig ratlos beschloss ich ihn zu baden, da seine Kotzerei im Auto natürlich Spuren auf seinem derben, borstigen Fell hinterlassen hatte (übrigens auch auf meinen Schuhen, meiner Hose, der Jacke, dem Autositz, den Fußmatten….).
Das erste Bad im Leben eines Hundes ist naturgemäß ein schreckliches Erlebnis: der Initiationsritus in die Welt der Haushunde, aber in unserem Fall war es beinahe traumatisch: er verfiel in eine Art Schockstarre und wagte nicht einmal sich das Wasser aus dem Fell zu schütteln, als es vorüber war.
Da stand er: der arme kleine Kerl, der noch nie Schönes oder Liebe erfahren hatte, der von den Menschen auf der Straße geprügelt und von den Hunden im Tierheim gemobbt worden war und zitterte vor Angst, weil ihm schon wieder Schreckliches angetan wurde.
Ich schloss ihn in meine Arme und in mein Herz, legte mich mit ihm auf die Badematte und hielt ihn fest, bis er wieder trocken war. Seitdem sind drei Jahre vergangen und das Band, das wir in diesen Stunden knüpften hält uns noch immer fest umschlossen.
Er braucht einen Namen
Dieses Baderlebnis machte uns zu Freunden, zu Mutter und Sohn, zu Seelengeschwistern – mir gehen die Vergleiche aus, drum kurz: zu Frauli und Hund.
Für die nächsten Monate wich mir der Wicht nicht von der Seite. Er überwand seine Angst vor dem Keller, wenn ich Wäsche aufhängte und seine Abscheu vor Kosmetikdüften, wenn ich ins Bad ging, nur damit wir uns auch nicht für ein paar Minuten trennen mussten. Doch an diesem ersten Abend, musste eine wichtige Sache noch geklärt werden: Er brauchte einen Namen.![Martina&Franzi_[11.1.2014]-17](http://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/01/MartinaFranzi_11.1.2014-17-300x200.jpg)
Im Tierheim hieß er Hugito – was soll ich sagen: ich kann nicht Spanisch, aber ich singe gerne Weihnachtslieder und da die stille Nacht gerade erst vorüber war, wurde er kurzerhand Franz-Xaver benannt. Ein bisschen holprig, war’s schon, ihn so zu rufen, also wurde bald ein Franzi aus ihm. Heute hat er, wie jedes geliebte Kind, viele Namen: Schneckiwutz, Stutzi, Augenstern, Prinz Franz und manchmal auch Mistvieh um nur ein paar Bespiele zu nennen.
Viele meiner Bekannten sind der Meinung, dass wir ihn durch diesen Namen vermenschlichen. Ich finde das nur gerecht: in unseren besten Momenten kann ich durch ihn die Welt ein bisschen durch Hundeaugen sehen, warum also sollte er nicht auch ein paar menschliche Attribute von mir verpasst bekommen?
Hundiversum: Und langsam wachs ma zamm…
Hundiversum, LebenEin Beitrag von Martina Zidek
Meine Begeisterung für unser Leben als Minirudel hingegen war ungebremst und schließlich sprang der Funke über: Ich sang vor mich hin (das tue ich ebenso gerne wie grauenvoll) und bemerkte seinen interessierten Blick. Über die Hälfte der Dauer des Songs schaute er verdutzt zu mir auf und dann: sein erstes, zaghaftes Schwanzwedeln. Es war das erste von unzähligen Malen aber für uns war es ein Meilenstein, mit dem ein neues Kapitel begann.
La vita e bella
Um es mit Robyn Davidson zu sagen: Der liebe Gott in seiner unendlichen Weisheit gab uns drei Dinge, um das Leben erträglich zu machen: Hoffnung, Humor und Hunde. Das Wichtigste aber waren die Hunde.
Warum wir Umfragen nicht trauen sollten …aber trotzdem helfen sie uns
Gesellschaft, Gesellschaftspolitik, WissenschaftEin Gastbeitrag von Uwe Höfferer
Erst jüngst veröffentlichten die beiden großen Salzburger Tageszeitungen „Salzburger Nachrichten“ und die Kronen Zeitung ihre aktuelle Umfragen zur Bürgermeister- und Gemeinderats-Wahl in der Stadt, die am 9. März stattfinden. Hier ein kleiner Leitfaden, wie man Umfragen richtig liest, wo gesunde Skepsis angebracht ist und wie wir einen Mehrwert aus Umfragen ziehen können.
Wieso ist bei Umfragen gesunde Skepsis angebracht?
Eine Umfrage ist zuallererst eine Bestandsaufnahme, keine Prognose. Aus einer Umfrage ein Wahlergebnis abzuleiten, ist nicht seriös. Umfragen beruhen auf Befragung, sprich man erfährt nicht das was die Leute denken oder tun, sondern das was sie einem sagen. Wie die Erfahrung lehrt, entspricht das eine nicht unbedingt dem anderen.
Wie können uns Umfragen trotzdem helfen?
Trotzdem: Richtig angewandt und mit einem kräftigen Schuss von Transparenz und Offenheit von Seiten der Auftraggeber können Umfragen ein wertvolles Instrument in der Einschätzung der aktuellen politischen Lage sein: Das Sample (sprich die Anzahl der Befragten) kann schon einiges über die Qualität der Umfrage aussagen. Viele Umfragen beruhen auf 400er-Samples. Ich halte das eindeutig für zu wenig, weil die Ergebnisse aus meiner Erfahrung sehr sprunghaft sind. Eine landesweite Umfrage in Salzburg sollte mindestens 500 Interviews beinhalten. Eine seriöse Umfrage sollte einige grundlegende Daten zur Methode angeben, damit der Leser die Qualität selbst bewerten kann. Neben der Zahl der Befragten sind das unter anderem der Zeitpunkt der Befragung, der Auftraggeber, die exakte Fragestellungen und ob die Umfrage methodisch als repräsentativ gelten kann.
In der Regel steht eine Umfrage nicht allein da, gerade in Wahlzeiten werden oft mehrere Umfragen zeitgleich präsentiert. Ein Vergleich dieser Umfragen macht sicherer. Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo (deutliche) Abweichungen? Warum könnte das so sein? Zusammen mit dem persönlichen Gespür für die Stimmung im Lande ergeben mehrere Umfragen ein besseres Bild über den momentanen politischen Status.
Last but not least: Ein großer Schritt zu mehr Transparenz wäre es, wenn Meinungsforschungsinstitute oder ihre Auftraggeber die Rohdaten veröffentlichen sowie ihre Gewichtung beschreiben würden. Damit könnte man die Qualität der Sonntagsfrage und damit ihre Aussagekraft ganz anders überprüfen. Abschließend wäre es wünschenswert, wenn JournalistInnen wieder mehr ihren Job machen würden und einen kritischen Blick auf das ihnen vorgelegte Material werfen. Sie sollten von Umfragen, die sie veröffentlichen, einfach grundlegende Qualitäts- und Transparenzmerkmale verlangen. Damit das analysieren von Umfragen auch morgen noch Spaß macht.
Hundiversum… auf einer grünen Aue
Augenblicke, Gesellschaft, Hundiversum, LebenEin Beitrag von Martina Zidek
Für Marion, Helmut und Burli
Wenn wir die Entscheidung treffen, unser Leben mit einem Tier zu teilen so tun wir es in dem Bewusstsein, dass die uns zugemessene, gemeinsame Zeitspanne endlich ist. Egal wieviel Lebenszeit unseren Tieren zugewiesen wird, sie ist doch niemals lang genug und der Trost, den uns die Gedanken an beendetes Leid und ersparte Schmerzen spenden, kann nicht die Sehnsucht nach ihnen lindern, wenn wir sie gehen lassen mussten.
Für viele Menschen ist dieser Gedanke so unerträglich, dass sie lieber auf das Zusammenleben mit einem Tier verzichten, als mit einem Haustier zu leben und täglich dem unvermeidlichen Moment der endgültigen Trennung einen Schritt näher zu kommen.
Manchmal jedoch beschließt das Leben uns keine Wahl zu lassen. Mein Katerneffe Burli kam in das Leben meiner Schwester als unabänderliche Tatsache und verließ es nach einem gemeinsamen Weg der gegenseitigen Liebe und Verbundenheit an diesem Samstag. Zurück blieb ein gebrochenes Herz, das sich nun langsam seinen Weg zu den schönen Erinnerungen suchen muss, die er zurück gelassen hat. Obwohl dies eine Hundekolumne ist, möchte ich mich an dieser Stelle von Burli verabschieden, denn die Liebe zu unseren Tieren ist universell und unterscheidet nicht zwischen den Arten, ebenso wenig wie der Schmerz es tut:
Lieber Burli, du schöner Bub,
wir wissen wenig über deine jungen Jahre. Deine Narben und dein eingerissenes Ohr lassen uns vermuten, dass du so manche schlechte Zeit durchgemacht hast und es macht uns stolz, dass du dich dafür entschieden hast, die letzten Jahre deines Lebens als Teil unserer Familie zu verbringen.
Komm vorbei, auf deinem letzten Weg. Halte Ausschau nach dem Haus vor dem die Kerzen brennen und wenn du eine Frau am Fenster stehen siehst, so werde ich es sein, die auf Dich wartet. Wenn ich in der Dunkelheit Augen leuchten sehe, so werde ich wissen, dass du es bist. Nimm meine Grüße mit für die, die uns voraus gegangen sind und dann sei glücklich, sei frei, sei ein Funkeln in der Nacht bis wir alle uns wiedersehen.
Deine Tante Martina
Neues vom Lieblingsplaneten: Olympische Gedanken
Kolumne, Neues vom Lieblingsplaneten, WeltEin Beitrag von Alexandra Schmidt
Westerwelle sagte, hinfahren sei ein Zeichen und daheim bleiben auch. Das gefällt mir. Olympische Spiele sind voll von Zeichen. Sportlerinnen aus verfeindeten Staaten treten gegeneinander an und die Unterlegene gratuliert der Siegerin. Überhaupt: in 43 Sportarten treten Frauen an; zB im Schispringen Daniela Iraschko-Stolz, frisch verpartnert. Sie darf sich nicht vom Regenbogen-Thema ablenken lassen, sie hat Chancen auf Gold (für Österreich!). Weiß noch wer, wie viele Knüppel die Verbände den Schispringerinnen vor die Füße geworfen haben bis sie endlich antreten durften? Eine andere Geschichte. Homosexualität war da nicht das Problem, immerhin.
Das findet wirklich und wahrhaftig, eure Xela
PS: Wer sich für Homosexualität interessiert oder eine Anlaufstelle sucht, hier lang: www.hosi.or.at Wer sich gute Bilder von Politik und Gesellschaft „About Sochi“ machen möchte, hier lang: www.fotohof.at
Hundiversum: Frauli-Komm
Hundiversum, LebenEine Geschichte unserer Gastautorin Martina Zidek
Manche von uns sind Hundemenschen und ich gehöre dazu. Hunde haben meine Kindheit reich gemacht und mir durch die komplizierte Jugend geholfen. Als junge Erwachsene gaben sie mir die Sicherheit, die meine noch mangelnde Erfahrung mit der Welt mir nicht geben konnte.
Nach meiner Übersiedlung von Salzburg nach Niederösterreich brauchte ich lange um Wurzeln zu schlagen und traute mir in dieser Zeit nicht zu, einem Hund ein schönes Zuhause zu bieten. Doch auch diese Phase ging vorüber und plötzlich war er da: der übermächtige Wunsch, mit einem Hund mein Leben zu teilen.
Ich verhandelte lange mit meinem Mann, wer welche Aufgaben übernehmen sollte, bis wir uns schließlich einigten, dass ich alles machen sollte (ich war zu wirklich jedem Kompromiss bereit) und stöberte nächtelang durch jede nur denkbare Tierschutzseite auf der Suche nach dem perfekten Hund. In meiner Phantasie sah ich mich mit einem ungeheuer folgsamen Dackel durch den 1. Bezirk promenieren – wenn ich mich heute mit derben Schuhen und schmutzigem Anorak durch ein Gebüsch kämpfe, muss ich jedes Mal darüber lachen, dass ich mich nicht mehr an die Realität eines Hundemenschen erinnern konnte (oder wollte).
Jedenfalls, ich werde den Moment wohl nie vergessen, blätterte ich durch eine Tierschutzseite und da war er: klein, rötlich, abgeknickte Ohren, Ringelschwänzchen, kurz: das Ja Natürlich-Ferkel in Hundeform.
Noch am selben Tag fuhren wir durch Eis und Schnee und holten ihn heim. Es war der 28. Dezember, wir feiern ihn jedes Jahr als Frauli-Komm-Tag.
Liebe auf den ersten Blick – von wegen!
Unser Kennenlernen verlief natürlich völlig anders, als erwartet: der kleine Hund wollte nicht adoptiert werden.
Als Straßenhund in Spanien aufgewachsen, vom Hundefänger eingefangen und von der spanischen Perrera in einen österreichischen Gnadenhof transportiert, fand er, dass sein kurzes Leben bereits genug Wechselfälle geboten hatte und klammerte sich verzweifelt an seinen Tierheimpapa. Ich war ernüchtert: eigentlich sollte er mir in die Arme springen, mein Gesicht lecken und lebenslänglich dankbar für seine Rettung sein – so hatte ich es mir jedenfalls ausgemalt.
Auf Drängen meines Mannes (ich wollte frustriert die Segel streichen und mich auf den Heimweg machen) unterschrieben wir die Adoptionspapiere und trugen den sich sträubenden Kerl ins Auto, wo er sich unzählige Male übergab, bis wir ihm endlich sein neues Zuhause zeigen konnten.
Unsere Bemühungen, ihn mit Wasser, Futter und Spielzeug zu beglücken ignorierte er, einzig eine Decke nahm er dankend an um sich darin zu verkriechen. Ein wenig ratlos beschloss ich ihn zu baden, da seine Kotzerei im Auto natürlich Spuren auf seinem derben, borstigen Fell hinterlassen hatte (übrigens auch auf meinen Schuhen, meiner Hose, der Jacke, dem Autositz, den Fußmatten….).
Das erste Bad im Leben eines Hundes ist naturgemäß ein schreckliches Erlebnis: der Initiationsritus in die Welt der Haushunde, aber in unserem Fall war es beinahe traumatisch: er verfiel in eine Art Schockstarre und wagte nicht einmal sich das Wasser aus dem Fell zu schütteln, als es vorüber war.
Da stand er: der arme kleine Kerl, der noch nie Schönes oder Liebe erfahren hatte, der von den Menschen auf der Straße geprügelt und von den Hunden im Tierheim gemobbt worden war und zitterte vor Angst, weil ihm schon wieder Schreckliches angetan wurde.
Ich schloss ihn in meine Arme und in mein Herz, legte mich mit ihm auf die Badematte und hielt ihn fest, bis er wieder trocken war. Seitdem sind drei Jahre vergangen und das Band, das wir in diesen Stunden knüpften hält uns noch immer fest umschlossen.
Er braucht einen Namen
Dieses Baderlebnis machte uns zu Freunden, zu Mutter und Sohn, zu Seelengeschwistern – mir gehen die Vergleiche aus, drum kurz: zu Frauli und Hund.
Für die nächsten Monate wich mir der Wicht nicht von der Seite. Er überwand seine Angst vor dem Keller, wenn ich Wäsche aufhängte und seine Abscheu vor Kosmetikdüften, wenn ich ins Bad ging, nur damit wir uns auch nicht für ein paar Minuten trennen mussten. Doch an diesem ersten Abend, musste eine wichtige Sache noch geklärt werden: Er brauchte einen Namen.![Martina&Franzi_[11.1.2014]-17](http://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/01/MartinaFranzi_11.1.2014-17-300x200.jpg)
Im Tierheim hieß er Hugito – was soll ich sagen: ich kann nicht Spanisch, aber ich singe gerne Weihnachtslieder und da die stille Nacht gerade erst vorüber war, wurde er kurzerhand Franz-Xaver benannt. Ein bisschen holprig, war’s schon, ihn so zu rufen, also wurde bald ein Franzi aus ihm. Heute hat er, wie jedes geliebte Kind, viele Namen: Schneckiwutz, Stutzi, Augenstern, Prinz Franz und manchmal auch Mistvieh um nur ein paar Bespiele zu nennen.
Viele meiner Bekannten sind der Meinung, dass wir ihn durch diesen Namen vermenschlichen. Ich finde das nur gerecht: in unseren besten Momenten kann ich durch ihn die Welt ein bisschen durch Hundeaugen sehen, warum also sollte er nicht auch ein paar menschliche Attribute von mir verpasst bekommen?
Die Mafia der Wall Street
Entertainment, KulturThe Wolf of Wall Street beschreibt den Aufstieg eines jungen Mannes [Leonardo DiCaprio] aus kleinen Verhältnissen zu einer berühmt-berüchtigten Persönlichkeit an der Wall Street. Er besitzt ein Überzeugungstalent, mit dem er alles verkaufen kann. Dabei beginnt seine Karriere gar nicht vielversprechend. Seinen Job als zugelassener Börsenmakler tritt er ausgerechnet am 19. Oktober 1987 an. Wegen des gewaltigen Börsencrashs ist dieser Tag als der Schwarze Montag bekannt. Der junge Mann, Jordan Belfort, verliert gleich wieder seinen Job und muss sich daraufhin damit begnügen, abseits der Wall Street sogenannte Penny Stocks zu verkaufen. Die Preise dieser Schrottaktien liegen bei wenigen Cents, aber bei Provisionen von satten 50 Prozent muss man nur ausreichend umsetzen. Dann füllen sich die Taschen des Maklers trotzdem gut. Und so bringen diese Geschäfte Jordan 70.000 Dollar im Monat ein. Wenn kümmert’s, dass er seinen Kunden Dreck verkauft. Aber Jordan will mehr und gründet seine eigene Firma. Er schart eine Gruppe Leute um sich – keine Leuchten, aber sie sind geil auf Geld und können verkaufen. Die Firma ist erfolgreich und wächst. Nach richtig guten Tagen tanzt eine Parade von Blasmusikern (halbnackt), Huren (ganz nackt) und kleinwüchsigen Menschen (in Wurfzwerg-Berufskleidung: Overalls und Sturzhelm) durch das ganze Büro. Es wird viel getrunken, gebumst und gekokst – mitten im Büro und eigentlich den ganzen Tag über. Freilich sind auch die Geschäfte nicht durchwegs legal und das FBI wird bald auf die dubiosen Makler aufmerksam.
Diese Geschichte wurde von Martin Scorsese als recht schmissige Satire inszeniert und Leonardo DiCaprio spielt hervorragend den
Mafiaboss Jordan Belfort. Hab ich da eben Mafiaboss geschrieben? Er ist natürlich Börsenmakler. Trotzdem habe ich den ganzen Film über einen Film-Mafiaboss vor mir gesehen – mit allem dazugehörigen Gestus, Habitus und Lebensstil. Die Figur des Jordan Belfort könnte direkt aus etlichen anderen Scorsese-Filmen stammen. Und das ist nicht das Einzige, das mir bekannt vorkam. Auch die Geschichte vom Aufstieg eines Mannes, der seine Bodenhaftung völlig verliert, sich als unverwundbar einschätzt und daher sehr tief fällt nimmt seinen ganz konventionellen Verlauf. Bei so viel Lob und so vielen Nominierungen für alle möglichen Preise hatte ich mich auf Originelleres eingestellt. Es geht zwar ganz amüsant dahin, manchmal sogar recht schräg und aberwitzig, trotzdem ist The Wolf of Wall Street nicht so richtig kurzweilig, dass man ihm die Überlänge nicht anmerkt – immerhin 2 Stunden 59 Minuten, wenn man es ganz genau nimmt. Zu sehr geht es ständig um Drogen-, Alkohol- und Sex-Exzesse und um Männer, für die Geld Macht bedeutet, und dort wo noch mehr Machtdemonstration nötig ist, wedeln sie nicht nur mit ihrem Geld herum, sondern mit dem, was sie in der Hose haben (oft nur verbal – typisch). Das wird ein bisschen anstrengend, wenn man nicht gerade eine besondere Vorliebe für Vulgarität hat.
Übrigens, The Wolf of Wall Street beruht auf einer wahren Geschichte. Jordan Belfort verbrachte wegen Betrugs und Geldwäscherei vier Jahre im Gefängnis. Er hat Anleger um viel Geld gebracht und muss insgesamt 110 Millionen Dollar Schadenersatz leisten. Selbst als hochbezahlter Motivationstrainer und Buchautor wird er die Summe noch eine Weile abstottern müssen. Die Filmrechte haben ihm jedenfalls einiges eingebracht. Ich frage mich: Ist er auch an den Einspielergebnissen beteiligt? Wenn ja, dann hier mein Aufruf: Helft den Opfern Jordan Belforts und kauft euch alle ein Kinoticket für diesen Film! Dann kann sich auch jeder selbst ein Bild darüber machen und darf mir widersprechen.
Meine Bewertung auf IMDB: 7 Punkte
Tolle Bilder, tolle Ausstattung, tolle Schauspieler, aber die Story bringt nichts Neues. Ich hätte mich gerne überraschen lassen. Richtig sehenswert ist aber der Cameo-Auftritt von Matthew McConaughey, der erklärt, worum es an der Wall Street wirklich geht: Keiner weiß, wie die Kurse sich entwickeln, Makler am allerwenigsten. Deren Ziel ist es nur, die Kunden ordentlich zu schröpfen und das Geld in Form von Provisionen in ihre eigenen Taschen zu stopfen. Alles andere ist reine Chimäre.