Ein Beitrag von Martina Zidek

franzi 2Nach Jahren der Hundeabstinenz war ich nun wieder ein Frauli und ich war schockverliebt. Jede Regung von Franzi wurde kommentiert und analysiert und mehr als einmal habe ich das Radio abgedreht, um seinem Schnarchen zu lauschen (ich bin übrigens bis heute davon überzeugt, dass er das schönste Schnarchen der Welt hat). Wir karrten Spielzeuge heran und kundeten Gassirouten aus, aber Franzi blieb ein ernster und  nachdenklicher kleiner Hund, der sein Leben in Geborgenheit als Intermezzo betrachtete, das jederzeit zu Ende gehen konnte.

Meine Begeisterung für unser Leben als Minirudel hingegen war ungebremst und schließlich sprang der Funke über: Ich sang vor mich hin (das tue ich ebenso gerne wie grauenvoll) und bemerkte seinen interessierten Blick. Über die Hälfte der Dauer des Songs schaute er verdutzt zu mir auf und dann: sein erstes, zaghaftes Schwanzwedeln. Es war das erste von unzähligen Malen aber für uns war es ein Meilenstein, mit dem ein neues Kapitel begann.

La vita e bella

franzi3Der Bann war gebrochen und wenn auch noch das Herrli zu unseren Spielen kam und wir ihn mit Quietschis durchs Haus jagten, war Franzi meist so vom Glück überwältigt, dass er sein Spiel unterbrach, den Kopf in den Boden bohrte und wie ein Kreisel rundherum lief  – der Ausdruck seines ungläubigen Staunens darüber, dass das Leben so lustig sein kann. Diese freudige Erkenntnis führte zu großem Vertrauen und seine Lust auf neue Abenteuer war geweckt: er entdeckte den Spaß am Autofahren (mit Hilfe einer Rückbankverbreitung und eines darauf befestigten Bettis), wurde zum Shopaholic (um ihm die Angst vor fremden Menschen zu nehmen, gehen wir einmal wöchentlich ins Hundegeschäft, wo er sich bewundern und verwöhnen lässt), fand Spielkameraden und Lieblingsbeschäftigungen (wie zum Beispiel Fährten suchen) und lehrte mich Zug um Zug Geduld zu haben und nichts erzwingen wollen, dessen Zeit noch nicht gekommen ist. Heute verständigen wir uns in einer gemeinsame Sprache, die wir in drei Jahren des partnerschaftlichen, respektvollen Umgangs mit- und füreinander entwickelt haben. Wir stützen und beschützen einander und gehen achtsam mit den Bedürfnissen des jeweils anderen um. Wir haben Glück, einander zu haben und sind dankbar dafür.

Um es mit Robyn Davidson zu sagen: Der liebe Gott in seiner unendlichen Weisheit gab uns drei Dinge, um das Leben erträglich zu machen: Hoffnung, Humor und Hunde. Das Wichtigste aber waren die Hunde.

 SONY DSC

Ein Gastbeitrag von Uwe Höfferer

umfrage 2Wahlzeit ist Umfragenzeit. Nicht zu Unrecht, denn Umfragen sind die Würze in Wahlkämpfen. Umfragen liefern nämlich all das, was spannend ist und schließlich auch Spaß macht. Wettbewerb, Ergebnisse, Rankings, (vermeintliche) Sieger und Verlierer. Kleine Veränderungen in der Ausgangslage werden von Experten und Interessierten stundenlang und leidenschaftlich analysiert. In den Parteien wiederum bricht große Hektik aus, wie man das eine oder andere Prozent doch noch für sich gewinnen kann.

Erst jüngst veröffentlichten die beiden großen Salzburger Tageszeitungen „Salzburger Nachrichten“ und die Kronen Zeitung ihre aktuelle Umfragen zur Bürgermeister- und Gemeinderats-Wahl in der Stadt, die am 9. März stattfinden. Hier ein kleiner Leitfaden, wie man Umfragen richtig liest, wo gesunde Skepsis angebracht ist und wie wir einen Mehrwert aus Umfragen ziehen können.

 Wieso ist bei Umfragen gesunde Skepsis angebracht?

Eine Umfrage ist zuallererst eine Bestandsaufnahme, keine Prognose. Aus einer Umfrage ein Wahlergebnis abzuleiten, ist nicht seriös. Umfragen beruhen auf Befragung, sprich man erfährt nicht das was die Leute denken oder tun, sondern das was sie einem sagen. Wie die Erfahrung lehrt, entspricht das eine nicht unbedingt dem anderen.

umfrage 1Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht die Sonntagsfrage. Schließlich liefert sie ein Ergebnis in handfesten Zahlen und das berühmte von den Medien geliebte horse race. Trotzdem oder gerade deswegen sollte man ihr mit großer Vorsicht begegnen. Die größte Schwäche liegt sicher darin, dass die Sonntagsfrage nicht direkt aus der Befragung abgebildet wird. Nicht jeder Befragte sagt nämlich, wen er wählt, sondern viele halten sich bedeckt (weiß noch nicht, keine Angabe). Darüber hinaus „zählt“ nicht jeder Befrage gleich viel. Um jetzt ein Ergebnis darzustellen wird auf Basis der sogenannten Rohdaten hochgerechnet (oder wie es im Fachbegriff heißt „gewichtet“). Wie das gemacht wird, bleibt meistens ein gut gehütetes Geheimnis.

 Wie können uns Umfragen trotzdem helfen?

 Trotzdem: Richtig angewandt und mit einem kräftigen Schuss von Transparenz und Offenheit von Seiten der Auftraggeber können Umfragen ein wertvolles Instrument in der Einschätzung der aktuellen politischen Lage sein: Das Sample (sprich die Anzahl der Befragten) kann schon einiges über die Qualität der Umfrage aussagen. Viele Umfragen beruhen auf 400er-Samples. Ich halte das eindeutig für zu wenig, weil die Ergebnisse aus meiner Erfahrung sehr sprunghaft sind. Eine landesweite Umfrage in Salzburg sollte mindestens 500 Interviews beinhalten. Eine seriöse Umfrage sollte einige grundlegende Daten zur Methode angeben, damit der Leser die Qualität selbst bewerten kann. Neben der Zahl der Befragten sind das unter anderem der Zeitpunkt der Befragung, der Auftraggeber, die exakte Fragestellungen und ob die Umfrage methodisch als repräsentativ gelten kann.

In der Regel steht eine Umfrage nicht allein da, gerade in Wahlzeiten werden oft mehrere Umfragen zeitgleich präsentiert. Ein Vergleich dieser Umfragen macht sicherer. Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo (deutliche) Abweichungen? Warum könnte das so sein? Zusammen mit dem persönlichen Gespür für die Stimmung im Lande ergeben mehrere Umfragen ein besseres Bild über den momentanen politischen Status.

Last but not least: Ein großer Schritt zu mehr Transparenz wäre es, wenn Meinungsforschungsinstitute oder ihre Auftraggeber die Rohdaten veröffentlichen sowie ihre Gewichtung beschreiben würden. Damit könnte man die Qualität der Sonntagsfrage und damit ihre Aussagekraft ganz anders überprüfen. Abschließend wäre es wünschenswert, wenn JournalistInnen wieder mehr ihren Job machen würden und einen kritischen Blick auf das ihnen vorgelegte Material werfen. Sie sollten von Umfragen, die sie veröffentlichen, einfach grundlegende Qualitäts- und Transparenzmerkmale verlangen. Damit das analysieren von Umfragen auch morgen noch Spaß macht.

 Ein Beitrag von Martina Zidek

Für Marion, Helmut und Burli

Wenn wir die Entscheidung treffen, unser Leben mit einem Tier zu teilen so tun wir es in dem Bewusstsein, dass die uns zugemessene, gemeinsame Zeitspanne endlich ist. Egal wieviel Lebenszeit unseren Tieren zugewiesen wird, sie ist doch niemals lang genug und der Trost, den uns die Gedanken an beendetes Leid und ersparte Schmerzen spenden, kann nicht die Sehnsucht nach ihnen lindern, wenn wir sie gehen lassen mussten.Burli

Für viele Menschen ist dieser Gedanke so unerträglich, dass sie lieber auf das Zusammenleben mit einem Tier verzichten, als mit einem Haustier zu leben und täglich dem unvermeidlichen Moment der endgültigen Trennung einen Schritt näher zu kommen. 

Manchmal jedoch beschließt das  Leben  uns keine Wahl zu lassen. Mein Katerneffe Burli kam in das Leben meiner Schwester als unabänderliche Tatsache und verließ es nach einem gemeinsamen Weg der gegenseitigen Liebe und Verbundenheit an diesem Samstag. Zurück blieb ein gebrochenes Herz, das sich nun langsam seinen Weg zu den schönen Erinnerungen suchen muss, die er zurück gelassen hat. Obwohl dies eine Hundekolumne ist, möchte ich mich an dieser Stelle von Burli verabschieden, denn die Liebe zu unseren Tieren ist universell und unterscheidet nicht zwischen den Arten, ebenso wenig wie der Schmerz es tut:

 

Lieber Burli, du schöner Bub,

wir wissen wenig über deine jungen Jahre. Deine Narben und dein eingerissenes Ohr lassen uns vermuten, dass du so manche schlechte Zeit durchgemacht hast und es macht uns stolz, dass du dich dafür entschieden hast, die letzten Jahre deines Lebens als Teil unserer Familie zu verbringen.

TrauerDie Lücke, die du hinterlässt, kann ich nur unzureichend beschreiben, meine Worte sind nicht genug für das Gefühl der Verlassenheit das du zurückgelassen hast. Die Tage werden vergehen und irgendwann werden wir wieder an die guten, die gemeinsamen Zeiten denken, doch bis dahin wird unser Herz weh sein, bei jedem Gedanken an dich und bei jedem Blick auf die Bilder von dir. Ein letztes Geschenk, das morgen auf die Reise zu Dir gegangen wäre, gebe ich zwei tapferen kleinen Katzenschwestern, die wie dein Frauli und ich fest zusammenhalten und ich werde es mit dem Gedanken tun, dass auch du einmal menschlicher Hilfe bedurftest.  

Komm vorbei, auf deinem letzten Weg. Halte Ausschau nach dem Haus vor dem die Kerzen brennen und wenn du eine Frau am Fenster stehen siehst, so werde ich es sein, die auf Dich wartet. Wenn ich in der Dunkelheit Augen leuchten sehe, so werde ich wissen, dass du es bist. Nimm meine Grüße mit für die, die uns voraus gegangen sind und dann sei glücklich, sei frei, sei ein Funkeln in der Nacht bis wir alle uns wiedersehen.

Deine Tante Martina

Ein Beitrag von Alexandra Schmidt

XelaAb 7. Februar sind in Sochi, Russland die Olympischen Winterspiele. Es heißt richtig „Soooodschi“ und nicht „Sottschi“, wie diese Deutschen es aussprechen. Wie viele werden diesmal über „Curling“ lachen?  Wer fährt hin: Vanessa Mae, weil sie sich qualifiziert hat (ja, die Stargeigerin. Sie fährt dort für Thailand Schi). Thomas Morgenstern, weil er die Karriere nicht mit einem Horror-Sturz beenden wolle. Oder Sportminister Klug, weil er die Regierung repräsentiert. Interessant finde ich, wie viele Leute jetzt darüber gar so entrüstet sind. Dass österreichische Firmen dort 1,3 Milliarden Euro umgesetzt haben hat niemand öffentlich abgelehnt. Guido Westerwelle wäre als Außenminister hingeflogen – hat er im Spiegel-Interview gesagt. Privat sind er und sein Mann aber nicht dabei. Hermann Maier bleibt auch daheim – sein Zeichen gegen das Versammlungs-,  Erwähnungs- und was-weiß-ich-was-für-ein-unerträgliches Verbot von Homosexualität dort. Russische Homosexuelle sagen, dass ihnen die breite Öffentlichkeit jetzt hilft, weil endlich wer hinschaut auf ihre furchtbare Lage. Journalisten sagen, Russland verdeckt mit dem Thema Homophobie die Repressalien im Nordkaukasus und in Abchasien. Dort verschwinden Menschen(rechtlerInnen) einfach so. Und nach der Folter kommen viele nicht zurück. Niemand aus dem Westen darf sich frei bewegen – nur ausgewählte Straßen und Orte sind offen. Die Fotojournalisten Rob Hornstra und Arnold van Bruggen haben das seit dem Olympia-Zuschlag 2007 in „About Sochi“ dokumentiert. Sie waren mehrfach inhaftiert und haben jetzt Einreiseverbot. So unerschrocken möchte ich mal sein, dass ich da trotzdem dranbleibe.

Westerwelle sagte, hinfahren sei ein Zeichen und daheim bleiben auch. Das gefällt mir. Olympische Spiele sind voll von Zeichen. Sportlerinnen aus verfeindeten Staaten treten gegeneinander an und die Unterlegene gratuliert der Siegerin. Überhaupt: in 43 Sportarten treten Frauen an; zB im Schispringen Daniela Iraschko-Stolz, frisch verpartnert. Sie darf sich nicht vom Regenbogen-Thema ablenken lassen, sie hat Chancen auf Gold (für Österreich!). Weiß noch wer, wie viele Knüppel die Verbände den Schispringerinnen vor die Füße geworfen haben bis sie endlich antreten durften? Eine andere Geschichte. Homosexualität war da nicht das Problem, immerhin.

ol1Fast wären diese Olympischen Spiele in Salzburg gewesen. Ich hab damals dafür gestimmt und bei der Vergabe die Daumen gehalten. Jetzt bin ich froh, dass wir kein Eisstadion bauen mussten und trotzdem einen neuen Bahnhof haben. Aber sportliche Großereignisse sind toll. Wer erinnert sich noch: an die Rad-WM ohne einen Regentropfen, an die Stimmung beim Public Viewing am Residenzplatz bei der Fußball-WM, an die Griechen und Spanier bei der EM bei uns und die wunderschönen Salzburg-Bilder, wo alle jubeln? Es ist doch so bei Olympia: Menschen aus aller Welt kommen in Frieden zusammen. Sie matchen sich sportlich: ich wär auch gerne mal im gleichen Bewerb wie Tina Maze, zwar chancenlos – aber die gleich Liga! Oder ich gewinne gar Gold (in Curling könnt ich’s probieren mit viel Training) ;-) Und dann spielen sie für mich die Bundeshymne – wow. Auch zum zuschauen: hautnah Spitzensport erleben, das Gastgeberland kennen lernen, die Leute, das Essen, den Wein und die Fans von überall her…so ein Trip zu Olympischen Spielen erspart einem direkt eine Weltreise. Und für Diplomatie und Politik: Endlich austauschen abseits von „offiziellen Verhandlungen“. Würd ich mir als Präsidentin nicht entgehen lassen. Gut, in Sochi würd ich ein Regenbogen-Halstuch tragen. Als Mitbringsel vielleicht Life-Ball-Einladungen. Oder Schwedenbomben? Ob ich den Mumm dafür hätte? Ich meine, gegen Russland stellt man sich ja nicht mal so nebenbei. Aber dabei sein ist alles.

Das findet wirklich und wahrhaftig, eure Xela

PS: Wer sich für Homosexualität interessiert oder eine Anlaufstelle sucht, hier lang: www.hosi.or.at Wer sich gute Bilder von Politik und Gesellschaft „About Sochi“ machen möchte, hier lang: www.fotohof.at

Eine Geschichte unserer Gastautorin Martina Zidek

Manche von uns sind Hundemenschen und ich gehöre dazu. Hunde haben meine Kindheit reich gemacht und mir durch die komplizierte Jugend geholfen. Als junge Erwachsene gaben sie mir die Sicherheit, die meine noch mangelnde Erfahrung mit der Welt mir nicht geben konnte.

Nach meiner Übersiedlung von Salzburg nach Niederösterreich brauchte ich lange um Wurzeln zu schlagen und traute mir in dieser Zeit nicht zu, einem Hund ein schönes Zuhause zu bieten. Doch auch diese Phase ging vorüber und plötzlich war er da: der übermächtige Wunsch, mit einem Hund mein Leben zu teilen.Hugo6

Ich verhandelte lange mit meinem Mann, wer welche Aufgaben übernehmen sollte, bis wir uns schließlich einigten, dass ich alles machen sollte (ich war zu wirklich jedem Kompromiss bereit) und stöberte nächtelang durch jede nur denkbare Tierschutzseite auf der Suche nach dem perfekten Hund. In meiner Phantasie sah ich mich mit einem ungeheuer folgsamen Dackel durch den 1. Bezirk promenieren – wenn ich mich heute mit derben Schuhen und schmutzigem Anorak durch ein Gebüsch kämpfe, muss ich jedes Mal darüber lachen, dass ich mich nicht mehr an die Realität eines Hundemenschen erinnern konnte (oder wollte).

Jedenfalls, ich werde den Moment wohl nie vergessen, blätterte ich durch eine Tierschutzseite und da war er: klein, rötlich, abgeknickte Ohren, Ringelschwänzchen, kurz: das Ja Natürlich-Ferkel in Hundeform.

Noch am selben Tag fuhren wir durch Eis und Schnee und holten ihn heim. Es war der 28. Dezember, wir feiern ihn jedes Jahr als Frauli-Komm-Tag.

 Liebe auf den ersten Blick – von wegen!

Unser Kennenlernen verlief natürlich völlig anders, als erwartet: der kleine Hund wollte nicht adoptiert werden.

Als Straßenhund in Spanien aufgewachsen, vom Hundefänger eingefangen und von der spanischen Perrera in einen österreichischen Gnadenhof transportiert, fand er, dass sein kurzes Leben bereits genug Wechselfälle geboten hatte und klammerte sich verzweifelt an seinen Tierheimpapa. Ich war ernüchtert: eigentlich sollte er mir in die Arme springen, mein Gesicht lecken und lebenslänglich dankbar für seine Rettung sein – so hatte ich es mir jedenfalls ausgemalt.

Auf Drängen meines Mannes (ich wollte frustriert die Segel streichen und mich auf den Heimweg machen) unterschrieben wir die Adoptionspapiere und trugen den sich sträubenden Kerl ins Auto, wo er sich unzählige Male übergab, bis wir ihm endlich sein neues Zuhause zeigen konnten.fra

Unsere Bemühungen, ihn mit Wasser, Futter und Spielzeug zu beglücken ignorierte er, einzig eine Decke nahm er dankend an um sich darin zu verkriechen. Ein wenig ratlos beschloss ich ihn zu baden, da seine Kotzerei im Auto natürlich Spuren auf seinem derben, borstigen Fell hinterlassen hatte (übrigens auch auf meinen Schuhen, meiner Hose, der Jacke, dem Autositz, den Fußmatten….).

Das erste Bad im Leben eines Hundes ist naturgemäß ein schreckliches Erlebnis: der Initiationsritus in die Welt der Haushunde, aber in unserem Fall war es beinahe traumatisch: er verfiel in eine Art Schockstarre und wagte nicht einmal sich das Wasser aus dem Fell zu schütteln, als es vorüber war.

Da stand er: der arme kleine Kerl, der noch nie Schönes oder Liebe erfahren hatte, der von den Menschen auf der Straße geprügelt und von den Hunden im Tierheim gemobbt worden war und zitterte vor Angst, weil ihm schon wieder Schreckliches angetan wurde.

Ich schloss ihn in meine Arme und in mein Herz, legte mich mit ihm auf die Badematte und hielt ihn fest, bis er wieder trocken war. Seitdem sind drei Jahre vergangen und das Band, das wir in diesen Stunden knüpften hält uns noch immer fest umschlossen.

Er braucht einen Namen

Dieses Baderlebnis machte uns zu Freunden, zu Mutter und Sohn, zu Seelengeschwistern – mir gehen die Vergleiche aus, drum kurz: zu Frauli und Hund.

Für die nächsten Monate wich mir der Wicht nicht von der Seite. Er überwand seine Angst vor dem Keller, wenn ich Wäsche aufhängte und seine Abscheu vor Kosmetikdüften, wenn ich ins Bad ging, nur damit wir uns auch nicht für ein paar Minuten trennen mussten. Doch an diesem ersten Abend, musste eine wichtige Sache noch geklärt werden: Er brauchte einen Namen.Martina&Franzi_[11.1.2014]-17

Im Tierheim hieß er Hugito – was soll ich sagen: ich kann nicht Spanisch, aber ich singe gerne Weihnachtslieder und da die stille Nacht gerade erst vorüber war, wurde er kurzerhand Franz-Xaver benannt. Ein bisschen holprig, war’s schon, ihn so zu rufen, also wurde bald ein Franzi aus ihm. Heute hat er, wie jedes geliebte Kind, viele Namen: Schneckiwutz, Stutzi, Augenstern, Prinz Franz und manchmal auch Mistvieh um nur ein paar Bespiele zu nennen.

Viele meiner Bekannten sind der Meinung, dass wir ihn durch diesen Namen vermenschlichen. Ich finde das nur gerecht: in unseren besten Momenten kann ich durch ihn die Welt ein bisschen durch Hundeaugen sehen, warum also sollte er nicht auch ein paar menschliche Attribute von mir verpasst bekommen?

wall streetSchon in den ersten zwei Minuten stellt die Hauptfigur dem Publikum vor, wie sein Leben so aussieht: Er besitzt alles, was man besitzen kann – vom riesigen Anwesen über eine Yacht bis zum Luxusgeschöpf von Ehefrau. Aber es hat auch alles seine schmuddelige Seite, denn er säuft wie ein Loch, kokst immer und überall und kauft sich täglich Sex. Total zugedröhnt setzt er seinen (eigenen) Hubschrauber recht unsanft aus fünf Metern Höhe am Boden auf.

The Wolf of Wall Street beschreibt den Aufstieg eines jungen Mannes [Leonardo DiCaprio] aus kleinen Verhältnissen zu einer berühmt-berüchtigten Persönlichkeit an der Wall Street. Er besitzt ein Überzeugungstalent, mit dem er alles verkaufen kann. Dabei beginnt seine Karriere gar nicht vielversprechend. Seinen Job als zugelassener Börsenmakler tritt er ausgerechnet am 19. Oktober 1987 an. Wegen des gewaltigen Börsencrashs ist dieser Tag als der Schwarze Montag bekannt. Der junge Mann, Jordan Belfort, verliert gleich wieder seinen Job und muss sich daraufhin damit begnügen, abseits der Wall Street sogenannte Penny Stocks zu verkaufen. Die Preise dieser Schrottaktien liegen bei wenigen Cents, aber bei Provisionen von satten 50 Prozent muss man nur ausreichend umsetzen. Dann füllen sich die Taschen des Maklers trotzdem gut. Und so bringen diese Geschäfte Jordan 70.000 Dollar im Monat ein. Wenn kümmert’s, dass er seinen Kunden Dreck verkauft. Aber Jordan will mehr und gründet seine eigene Firma. Er schart eine Gruppe Leute um sich – keine Leuchten, aber sie sind geil auf Geld und können verkaufen. Die Firma ist erfolgreich und wächst. Nach richtig guten Tagen tanzt eine Parade von Blasmusikern (halbnackt), Huren (ganz nackt) und kleinwüchsigen Menschen (in Wurfzwerg-Berufskleidung: Overalls und Sturzhelm) durch das ganze Büro. Es wird viel getrunken, gebumst und gekokst – mitten im Büro und eigentlich den ganzen Tag über. Freilich sind auch die Geschäfte nicht durchwegs legal und das FBI wird bald auf die dubiosen Makler aufmerksam.

Diese Geschichte wurde von Martin Scorsese als recht schmissige Satire inszeniert und Leonardo DiCaprio spielt hervorragend den lpMafiaboss Jordan Belfort. Hab ich da eben Mafiaboss geschrieben? Er ist natürlich Börsenmakler. Trotzdem habe ich den ganzen Film über einen Film-Mafiaboss vor mir gesehen – mit allem dazugehörigen Gestus, Habitus und Lebensstil. Die Figur des Jordan Belfort könnte direkt aus etlichen anderen Scorsese-Filmen stammen. Und das ist nicht das Einzige, das mir bekannt vorkam. Auch die Geschichte vom Aufstieg eines Mannes, der seine Bodenhaftung völlig verliert, sich als unverwundbar einschätzt und daher sehr tief fällt nimmt seinen ganz konventionellen Verlauf. Bei so viel Lob und so vielen Nominierungen für alle möglichen Preise hatte ich mich auf Originelleres eingestellt. Es geht zwar ganz amüsant dahin, manchmal sogar recht schräg und aberwitzig, trotzdem ist The Wolf of Wall Street nicht so richtig kurzweilig, dass man ihm die Überlänge nicht anmerkt – immerhin 2 Stunden 59 Minuten, wenn man es ganz genau nimmt. Zu sehr geht es ständig um Drogen-, Alkohol- und Sex-Exzesse und um Männer, für die Geld Macht bedeutet, und dort wo noch mehr Machtdemonstration nötig ist, wedeln sie nicht nur mit ihrem Geld herum, sondern mit dem, was sie in der Hose haben (oft nur verbal – typisch). Das wird ein bisschen anstrengend, wenn man nicht gerade eine besondere Vorliebe für Vulgarität hat.

Übrigens, The Wolf of Wall Street beruht auf einer wahren Geschichte. Jordan Belfort verbrachte wegen Betrugs und Geldwäscherei vier Jahre im Gefängnis. Er hat Anleger um viel Geld gebracht und muss insgesamt 110 Millionen Dollar Schadenersatz leisten. Selbst als hochbezahlter Motivationstrainer und Buchautor wird er die Summe noch eine Weile abstottern müssen. Die Filmrechte haben ihm jedenfalls einiges eingebracht. Ich frage mich: Ist er auch an den Einspielergebnissen beteiligt? Wenn ja, dann hier mein Aufruf: Helft den Opfern Jordan Belforts und kauft euch alle ein Kinoticket für diesen Film! Dann kann sich auch jeder selbst ein Bild darüber machen und darf mir widersprechen.

Meine Bewertung auf IMDB: 7 Punkte

Tolle Bilder, tolle Ausstattung, tolle Schauspieler, aber die Story bringt nichts Neues. Ich hätte mich gerne überraschen lassen. Richtig sehenswert ist aber der Cameo-Auftritt von Matthew McConaughey, der erklärt, worum es an der Wall Street wirklich geht: Keiner weiß, wie die Kurse sich entwickeln, Makler am allerwenigsten. Deren Ziel ist es nur, die Kunden ordentlich zu schröpfen und das Geld in Form von Provisionen in ihre eigenen Taschen zu stopfen. Alles andere ist reine Chimäre.