Niki: Wer fragt die Kinder?

Seit einigen Tagen gehen die Wogen hoch. Ein Nudist oder Exhibitionist im Sportzentrum Rif. Viele Medienberichte, Leserbriefe, Kommentare und eine Landtagsdebatte.

Kalt lässt das Thema niemanden. Rechtsanwälte sind eingeschaltet. Ich habe Niki Solarz vor kurzem getroffen und natürlich war auch ich neugierig und habe sie gefragt, was an der Sache dran ist und warum sie so hartnäckig bleibt. Ihre Antwort hat mich beeindruckt: „Weil es mir um die Kinder geht und weil ich das Gefühl habe, dass niemand auf die Kinder hört. Alles andere scheint wichtiger.“

Wir alle sind sensibel was Kinder und Sexualität anbelangt. Wir lesen und hören oft genug von Missbrauch in den Medien und alle, die im Sozialbereich arbeiten wissen, dass es besser ist ein Mal mehr hinzusehen als wegzusehen. Und das macht Niki auch gegen viel Widerstand. Das finde ich gut. Was nach den Recherchen und Befragungen herauskommt, werden wir sehen. Aber wenn Kinder von etwas berichten, das ihnen unangenehm ist, dann sollten wir hinhören. Ob in einem Sportzentrum, einer Jugendgruppe, in der Familie, einer religiösen Organisation oder in der Kinderbetreuung.

Franz Xaver Ortner – Herr der Fliegen

Ein Schnupperkurs ist ja dazu da, etwas Neues kennen zu lernen. Beim Schnupperkurs „Fliegenfischen für Frauen“ hat Franz Xaver Ortner auch Einblicke ins Fliegenbinden gegeben.

Seit 35 Jahren hat Franz Xaver eine große Leidenschaft – das Binden von Fliegen. Und wenn man ihm so zuschaut, sieht und spürt man sofort, dass er der Herr der Fliegen. Er gehört zur Weltspitze, seine Expertise ist überall gefragt. Das führt ihn auch zu den schönsten Gewässern der Welt, aber in Salzburg ist er zu Hause. Beim Fischereiverein Salzburg wirft er seine Fliegen in der Salzach aus, das Revier des Vereins reicht von der Staatsbrücke bis nach Urstein.

 

Beim Fliegenfischen geht es den meisten Fischen nicht an den Kragen. Der Köder hängt an der Angel ohne Widerhaken, damit wollen die Fischer verhindern, dass die Fische verletzt ins Wasser zurückkommen.

Beim Schnupperkurs zeigt uns Franz Xaver, wie man eine Fliege bindet. Sein persönlicher Rekord liegt bei 1 Minute und 36 Sekunden, natürlich auch mit geschlossenen Augen. Eine gute Fliege um die zwei Euro. Wenn es naturalistisch sein sollte, steigt der Preis schon mal auf gut 20 Euro.

Die Fliege „Fast Food“ entsteht

 

Frisch geölt kann „Fast Food“ in den Einsatz

Fasziniert schauen alle zu, wie er die Fliege „Fast Food“ bindet. Blitzschnell ist der orange Rumpf gebunden, dann kommt der Rest der Fliege dran.

Franz Xaver zeigt wie es geht: Das Auswerfen der Angel

Aber er ist beim Kurs nicht nur fürs Fliegenbinden da, er zeigt den Frauen auch, wie man die Angel richtig auswirft. Und wenn man so zuschaut, weiß man, warum Fischen so beliebt ist. Es gibt keinen Stress, alles verläuft ruhig. Franz Xaver wirft die Angel so aus wie er Fliegen bindet: Die Handgriffe sitzen, nichts ist hektisch.

Wer hat jetzt Lust auf Fliegenfischen?

Jan Kubala und Herwig Geroldinger vom Fischereiverein Salzburg freuen sich über neue Mitglieder

Bernhard Nisslmüller weiß vieles über das Fliegenfischen zu erzählen

Hier erzählt Bernhard Nisslmüller über sein liebstes Hobby.

Fit bleiben: Salzburgs älteste Trainingsrunde

Sie ist wohl Salzburgs älteste freie Trainingsgruppe: Der Senioren-Trainingskreis der Volkshilfe–Salzburg. Turnlehrerin Renate Huthmann (77) bewegt die muntere Seniorenrunde.

Die jüngste Teilnehmerin an diesem Training ist 83, die älteste, Burgi Krainer ist 90. Sie kommt etwas zu spät, da sie gerne noch persönlich im Stau steht und selbst fährt.

Die freundliche Einladung zum Mittrainieren ignoriere ich diesmal und beschränke mich aufs Fotografieren. Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer hat mich auf die Idee gebracht, doch einmal etwas über die älteren Sportler zu schreiben und lerne jetzt Sesselgymnastik kennen. Das Übungsgerät ist ein Theraball, den jede zuerst einmal selbst aufblasen muss. Koordinationsübungen, Kräftigungsübungen und Beweglichkeitstraining stehen am Plan. Die Seniorinnen haben bequeme Freizeitkleidung an. Keine Sportkleidung. Statt Sportschuhen haben sie Wollsocken an.

Renate Huthmann beginnt mit dem Training und wie auf Kommando stellen die Seniorinnen den Smalltalk ein und konzentrieren sich auf die Übung: Ball zwischen die Oberschenkel und zusammenpressen. Das kräftigt. Wer gerade erst an der Hüfte operiert ist, darf bei dieser Übung nicht mitmachen.

Theraball Übungen stehen beim Seniorentraining am Plan

Kniekreisen, Ball hochwerfen, Fangen, Ball zuwerfen – alles Übungen, die ich erwartet hatte. Ins Staunen gerade ich bei der nächsten Übung: Ball mit geschlossenen Augen hochwerfen und fangen. Die können das wirklich. Dann kommen Reaktionsübungen. Eine prellt den Ball unten, die andere wirft ihn oben. Mit zwei Bällen gleichzeitig. Oder gleichzeitig die Bälle zuwerfen. Ein Ball wird am Boden zugerollt, während der andere Ball oben gespielt wird. Die Seniorinnen sind super drauf. „Wir üben das auch jede Stunde“, erzählt mir Frau Huthmann und sieht das als Beweis, dass die Übungen wirklich was bringen.

Ihr Ziel ist das Lernen, nicht das Perfektionieren. Im Alter ginge es darum, das Gedächtnis zu stützen. Nur neue Impulse könnten das. Sobald eine Bewegung automatisiert ist, bringt das nicht mehr den gewünschten Trainingseffekt. Frau Huthmann ist Profi in ihrem Bereich. Sie hat mit 62 die Aufnahmeprüfung zum Sportlehrwart gemacht und mit 65 abgeschlossen. Privat trainiert sie mit viel jüngeren und kümmert sich begeistert um ihre Enkelkinder.

Die Teilnehmerinnen ihres Kurses wohnen alle noch selbstständig in ihren Wohnungen und betreiben regelmäßig Sport. Manche auch mehr als die Mittwochsstunde in den Räumen der Volkshilfe in der Ignaz Harrerstraße. Mathilde Lackner (89) geht zum Radeln in den Vitaclub Nord. Maria Fenk (85) besucht auch noch Rhythmische Sportgymnastik für Senioren und Käthe Lackner geht zum Turnen beim Roten Kreuz.

Ihr seid’s net zur Gaudi da

Die Seniorinnen bleiben nicht nur am Sessel für ihre Gymnastik. Sie stellen sich Rücken an Rücken und dann wird der Ball übergeben. Über den Kopf, zwischen den Beinen. Und dann Richtungswechsel. Unglaublich, wie beweglich man im hohen Alter noch sein kann, wenn man sich ständig bewegt. Endgültig fasziniert bin ich dann bei den Dehnungsübungen. Die 85jährige Maria Fenk kommt problemlos mit ihren Händen bei gestreckten Beinen zum Boden. „Bis 73 hab ich den Spagat können. Dann hab ich mir bei einer Showeinlage in Tunesien einen Muskelfaserriss zugezogen, seither hab ich das nicht mehr probiert.“

Für Stabilitätsübungen setzen sich die Seniorinnen auf die Bälle (auf den Sesseln) und heben die Beine. „Diese Übung wäre mir auf Pezzibällen zu riskant“, so die Turnlehrerin. Man muss immer auch darauf achten, dass manche auch Kreislaufprobleme haben können.

Wenn man in die Gesichter sieht, weiß man, dass alle Spaß haben. Auch wenn dazwischen schon mal kurz gestöhnt wird. „Ihr seid´s net zur Gaudi da“, erinnert Frau Huthmann und startet die letzte Runde mit Akkupressurpunkt drücken und über Meridiane streichen.

Die wirklich bewegliche und fitte 90jährige Burgi verrät mir zum Schluss ihr Altersgeheimnis: Nie mit dem Sport aufhören und viel Gemüse essen. Nur Zilli, die „Chefin“ im Volkshilfe Raum, macht nur bei ausgesuchten Übungen mit und murrt vor sich hin: „Und morgen jammern wieder alle, dass ihnen alles weh tut.“ Bis zur nächsten Turnstunde ist das allerdings wieder vergessen.

Doris Wild

Dieser Artikel erschien zuerst bei PROBETRAINING SALZBURG

alle Bilder: Doris Wild

Daisy Ducks – Cheerleading in Salzburg

Im Juni war ich bei den Salzburg Ducks, einer tollen American Football Mannschaft. Und was eine gute Football Mannschaft ist, braucht natürlich auch Cheerleaderinnen. Im Juni habe ich sie nicht getroffen, aber heute! Die Mädchen haben mindestens so viel Power wie die Jungs. Ich war total begeistert von der Lebensfreude der Daisy Ducks. So heißt ihre Cheerleader-Truppe.

Cheerleading ist Sport

Wer jetzt glaubt, die Mädchen hüpfen halt ein bisschen am Spielfeldrand herum, schütteln die Pompons und sind sonst nur schön, der täuscht sich. Wenn Eva Gallus, die Trainerin,  und die Co-Trainerin Jaqueline Will über die Daisy Ducks erzählen, dann weiß man: das ist Sport!

„Wir trainieren drei Mal in der Woche. Am liebsten stunten wir. Das heißt wie machen Hebefiguren, wie zum Beispiel eine Pyramide.“, erzählt Jaqueline begeistert.

Daisy Ducks sind eine Familie

Und die Mädchen zeigen mir gleich, wie das geht. Wirklich beeindruckend und mir wird klar, dass Cheerleading eine besondere Mischung aus Akrobatik, Turnen und Tanzen ist. Und man ist nicht zu alt für diesen Sport: „Wenn eine Frau noch gut beweglich ist, kann sie auch mit 70 Jahren bei uns mitmachen. Wir brauchen eine bunte Mischung aus jung und alt, groß und klein, dick und dünn. Wie beim Team der Football-Spieler auch. Es gibt für jede einen guten Platz in unserem Sport. Um eine schöne Pyramide machen zu können brauchen wir kräftige Mädchen als Basis und die jüngsten und leichtesten machen die Spitze. Derzeit sind wir 20 Mädchen und Frauen, wir freuen uns über jeden Neuzugang. Sport UND Spaß zeichnet uns aus und irgendwie sind wir hier alle wie eine große Familie.“, sagt mir Eva mit strahlenden Augen.

Wer jetzt Lust auf Cheerleading bekommen hat, kann sich bei jedem Heimspiel der Salzburg Ducks die Daisy Ducks anschauen. „Und dann einfach beim  nächsten Training vorbeikommen, mitmachen und dabei bleiben!“ so Eva und Jaqueline.

So geht Lehener Park 2016

Könnt ihr euch erinnern? Letztes Jahr um diese Zeit war der Lehener Park ständig in den Schlagzeilen. Drogenhandel, Kriminalität und ein Toter. Viele Menschen hatten Angst. Eins war klar, ein öffentlicher Raum kann niemals 100% sicher sein. Aber alle zusammen können dazu beitragen ihn sicherer und lebenswerter zu machen, den Lehener Park. Die Polizei geht und fährt regelmäßig Streife. Die Stadtgärtnerei kümmert sich um Sauberkeit und Ordnung, lichtet die Büsche aus, wo sich bis dahin der Drogenhandel abgespielt hat. Das Amt für öffentliche Beleuchtung macht einen Weg heller, damit man den Park auch in der Nacht besser queren kann und es dort weniger dunkle Ecken gibt.

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Human Flag!

Was war los im Park?

Das sind die besten Rahmenbedingungen dafür, dass die Menschen sich ihren Park gestalten, ihn nutzen. Miteinander, nebeneinander, für alle soll etwas dabei sein. Und man soll gerne in den Lehener Park gehen. Die Stadt Salzburg hat sich mit vielen Kooperationspartnern einiges einfallen lassen. Heute haben wir die Workout-Anlage mit Onemove eröffnet. Am Sonntag gab es schon das zweite Parkkonzert mit dem Golden Brass Quintett. Die Lehener Schule hat ein tolles Labyrinth gebaut und junge Flüchtlinge lernten Asphaltstockschießen. Streusalz ist immer wieder dort, Sport und Spiel wird groß geschrieben. Und ich habe mich heute ein bisschen umgehört und viele Menschen sagen: Ja, es ist wirklich besser geworden, wir sind wieder gerne im Park!

Schauen wir alle miteinander darauf, dass das auch so bleibt!

Bilder: Stadt Salzburg/Johannes Killer

Warum ich in den USA Fußball schätzen lernte

Mit der Sportbegeisterung ist es bei meinem Partner, Robert, und mir so eine Sache. Fußball schauen wir höchstens, wenn EM und WM Finalspiele laufen – und das nur weil eine Freundin dann immer zum gemeinschaftlichen Schauen mit Buffet einlädt. Manchmal ist ein Spiel besonders spannend. Dann verfolgen wir das Geschehen sogar mit einiger Aufmerksamkeit. Für einige Minuten vergessen wir dann fast, noch ein Stück Kuchen vom Buffet zu holen.

Nur zweimal hab ich ein Fußballspiel in einem Stadion erlebt. Das war richtiggehend mitreißend – viel spannender als im Fernsehen. Zu einer dauerhaften Begeisterung für Fußball hat es allerdings trotzdem nicht gereicht.

Sport & Entertainment

Ja, Live-Stimmung, die macht echt etwas aus. In Florida haben mich mal Bekannte eingeladen, ein Football-Spiel live anzusehen – irgendwas in einer wichtigen Liga. Es machte Spaß: viel Gedränge vor dem Spiel, viel Geschrei währenddessen, dazwischen viel Entertainment mit toll choreographiertem Cheerleading und Blasmusik. Das fehlte im Fußball-Stadion zu Hause in Österreich. Vom Spiel hatte ich vorher und nachher keine Ahnung – trotz geduldiger Erklärungen der amerikanischen Bekannten. Zwei Reihen Spieler stehen sich gegenüber, rennen auf einander los, großes Tohuwabohu und unsanfte Rempeleien und irgendwer kommt dann mit dem Ball weit genug. Das dauert vielleicht eine Minute – danach gehts wieder zurück an den Start. Wer das hier liest, soll sich jetzt besser nicht 100%ig auf diese Schilderung verlassen, aber so bzw. so ähnlich war das. Es war gewöhnungsbedürftig, wenn das Spiel scheinbar immer dann unterbrochen wird, wenn’s gerade richtig spannend ist. Spaß machte es trotzdem – auch wenn eine Unterbrechung mal länger dauerte, weil für die Zuschauer zu Hause gerade ein Fernsehwerbeblock lief.

Mittendrin sagten unsere Freunde: „So, jetzt fahren wir lieber nach Hause und sehen uns den Rest im Fernsehen an.“ Ich war perplex. Sie waren interessiert und WOLLTEN das Spiel fertig sehen. Wie kann man da bloß mittendrin und bei dieser Stimmung nach Hause fahren? Würde ein Fußballfan in Österreich ein Spiel vorzeitig verlassen?

Zwei Sportbanausen beim Baseball

Derzeit sind Robert und ich in San Diego – für drei Monate. Robert wollte unbedingt ein Baseball-Spiel der San Diego Padres anschauen. Warum? Das erklärt er auf unserem Reiseblog solongsuckers.us. [Lest hier seinen Bericht: Pulled Pork vs Home Run]

Im Petco Park Stadion der San Dieog Padres – wir sind schon aufgeregt

Im Petco Park Stadion der San Dieog Padres – wir sind schon aufgeregt

Ich fand, ich sollte mich vor dem Spiel ein klein wenig über Baseball informieren. Zum Glück gibt es YouTube. Ein Baseball-Erklärvideo versprach, dass ich mich in 8 Minuten auskenne. Das klappt vielleicht bei anderen. Bei mir scheiterte es wohl an meiner Aufmerksamkeitsspanne, wenn es um Sport geht. Ich hab nichts verstanden. Also sehe ich mir noch ein anderes Video an: Es erklärt mir das Spiel in nur 5 Minuten. Nach zwei Minuten war ich mit meinen Gedanken schon ganz wo anders. Es geht irgendwie so: Wenn der Batter getroffen hat, dann beginnt er zu laufen und muss alle vier Pölsterchen (Bases) am Spielfeld abrennen – das nennt man dann Home Run. Es gibt 9 Innings – also 18 Spiele, bei denen sich die Teams abwechseln. Mehr ist von den Videos nicht hängengeblieben.

Andere Länder, andere Sportsitten

Derart „vorbereitet“ gehts zum Spiel. In dem modernen Stadiongelände flanierten Leute, manche saßen auf der Familienwiese, andere waren schon auf ihren Tribünenplätzen und ziemlich viele standen an den Imbiss- und Getränke-Ständen an. Das machen wir auch.

Wir wollen gerade in unsere Tri Tip Sandwiches beißen, da johlt plötzlich das ganze Stadtion auf. Ein Homerun. Was?!? Die spielen schon? Ja – es sind sogar schon drei Innings gespielt! Unsere liebe Gastgeberin Barbara ist da ganz entspannt. Die anderen Flanierenden und Essenden offenbar auch.

Robert und ich drängen natürlich darauf, jetzt unsere Plätze aufzusuchen. Wir wollen ja das Spiel richtig miterleben. Wir setzen uns und beobachten mal unser Umfeld. Leute sitzen da und plaudern. Draußen auf dem Spielfeld ist auch was los.
„Welcher Teil des Spiels ist das jetzt?“
„Gar keiner. Jetzt wird nur der Platz hergerichtet.“
„Ach so.“
Um nicht weiter auf meine peinliche Frage einzugehen, konzentriere ich mich jetzt lieber auf den hausgroßen Bildschirm. Ein psychedelisches Erlebnis: blinkende Ankündigungen und Bilder von Spielern, dazu alle möglichen Fanfaren und Sound-Effekte.

Ein Heiratsantrag auf der Picknickwiese des Stadions – während nebenan auf dem Spielfeld das Spiel schon längst im Gange ist

Ein Heiratsantrag auf der Picknickwiese des Stadions – während nebenan auf dem Spielfeld das Spiel schon längst im Gange ist

Schließlich wird wieder gespielt. Alles geht so schnell: Der Batter trifft, läuft los. Warum läuft er nach der ersten Base nicht weiter? Warum bekommen die jetzt keinen Punkt? Wir haben den Eindruck, dass im direkten Umfeld wir als einzige das Spiel richtig verfolgen. Um uns herum wird noch immer geplaudert, gelacht und die Jugendlichen vor uns befinden sich im Wettstreit mit dem mexikanischen Snackverkäufer. Wer kann das „r“ in Churros länger rollen? Churrrrrrrros! Churrrrrrrrrrrrrrrros! So geht es eine Weile dahin. Der Mexikaner gewinnt offenbar. Oder die jungen Leute haben einfach inzwischen keinen Spaß mehr daran. Sie probieren jetzt ihre T-Shirts vom Padres Devotionalien-Stand. Ansonsten ist das Publikum sehr mobil. Niemand bleibt auf seinem Platz. Die Leute kommen, gehen und kommen wieder. Wenig später gehen sie wieder.

Plötzlich: ein Homerun – für die Gegner aus Colorado. Leider. Der Riesenbildschirm flimmert wie ein Glücksspielautomat in Las Vegas beim Jackpot. Gleich darauf ist die Aufregung schon vorbei, das nächste Inning ist fertig. Platzwarte präparieren wieder das Feld. Die Menge wird inzwischen unterhalten, damit sie dranbleibt. Die Kamera schwenkt immer wieder auf abwesend vor sich hinstarrende Menschen, die binnen Sekunden ihr breitestes Grinsen aufsetzen, begeistert Winken oder sogar aufspringen und wilde Verrenkungen vorführen. Das ganze Stadion ist bestens amüsiert – für Sekunden. Gleich danach kehren alle zu ihren Gesprächen zurück, holen Bier oder starren wieder apathisch vor sich hin.

Aufhören, wenns am schönsten ist?

Nach dem siebten Inning, die San Diego Padres liegen leider 3 Punkte hinten, kommt der echte Stimmungshöhepunkt: das ganze Stadion singt inbrünstig die Baseball-Hymne „Take Me Out To The Ballgame“. Es folgt frenetischer Jubel, Fanartikel werden ins Publikum geworfen. Barbara, unsere liebe Gastgeberin, fängt tatsächlich einen Ball. Jetzt springen auch Robert und ich begeistert von unseren Sitzen hoch. Besser kanns nicht mehr werden.
„Gehen wir nach Hause?“, fragt Barbara.
„Ja“, antworten wir ohne zu überlegen.

Diesmal verstand ich, warum es ok ist, mitten unter dem Spiel das Stadion zu verlassen. Fußball ist im Vergleich vielleicht simpel und die Regeln relativ einfach (einschließlich Abseitsregel), aber das Schöne daran ist: Es hat einen Fluss und fesselt seine Fans durchgehend. Nie wieder werde ich mich abfällig über Fußball äußern.

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