Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

Fasten, Teilen und helfen. Bouchra erzählt.

Bouchra Ikherrazene studiert Französisch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Salzburg und ist Mitglied der Muslimischen Jugend Österreich in Salzburg.

Der Ramadan hat begonnen! Was heißt das für dich?

Ich freue mich auf eine spirituelle Zeit, die ganz im Zeichen des Miteinanders steht. Auf das gemeinsame Fastenbrechen mit Familie und Freunden, auf die Moscheebesuche und österreichweit werden Iftare (Anm.: Fastenbrechen-Feste) von der MJÖ veranstaltet wie zum Beispiel der Salzburger Iftar in der Tribühne Lehen am 3.6. Am meisten freue ich mich aber auf unser Projekt „Fasten-Teilen-Helfen“!

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

„Fasten-Teilen-Helfen“ geht mit diesem Jahr in die siebte Runde. „FTH“ ist ein karitatives Projekt, stärkt das soziale Bewusstsein und die Solidarität in unserer Gesellschaft. Jedes Jahr zu Ramadan kooperieren wir mit verschiedenen sozialen Einrichtungen wie Caritas und Lebenshilfe. Wir helfen Bedürftigen, unterstützen Obdachlose, besuchen Flüchtlingsquartiere und genießen gemeinsam schöne Momente und Eindrücke. Der Monat Ramadan besteht aus viel mehr als nur dem Fasten. Gerade zu Ramadan werden Musliminnen und Muslime aufgefordert Gutes zu tun und sich aktiv in unsere Gesellschaft einzubringen. Außerdem wollen wir mit diesem Projekt ehrenamtliche Tätigkeiten und soziales Engagement für Jugendliche attraktiver machen. In der Vergangenheit ist das Projekt sehr gut bei den Jugendlichen angekommen!

Wer kann sich am Projekt beteiligen?

Unsere Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsenen. Wir freuen uns über jedes Interesse und laden alle Interessentinnen und Interessenten dazu herzlich ein mitzumachen. Anmelden kann man sich auf unserer Homepage www.ramadan-helfen.at

Wie verläuft das Fasten? Ist das nicht anstrengend?

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten Fastende auf Essen und Trinken. Am Abend gibt es dann zusammen einen Iftar.

Am Anfang ist es etwas ungewöhnlich nichts zu essen, da man es ja sonst untertags gewohnt ist. Es braucht ein paar Tage bis man in die Fastenstimmung reinkommt aber danach funktioniert es ganz gut bei mir. Man empfindet zwar Hunger jedoch ist es meines Erachtens trotzdem möglich und keineswegs ungesund oder gefährlich für den Körper. Außerdem öffnet es ganz neue Perspektiven: Wie geht es Menschen die wirklich hungern müssen? Das gibt mir zumindest, viel zum Nachdenken.

Was ist das Besondere am Fasten?

Fasten ist nicht nur ein physischer Zustand sondern man fastet auch mit dem Geist. Man achtet viel mehr auf seine Aussagen und ist sich seines Handelns im generellen mehr bewusst. Oft geblendet von Kleinigkeiten oder unseren „first-world-problems“ vergessen wir von welchen Reichtum und Wohlstand wir überhaupt profitieren dürfen. Das ist genau dieser Gedanke, der mir an unserem „FTH“ Projekt so gefällt. Nicht nur an sich selbst zu denken, sondern Menschen in Not beizustehen.

Was ist dein Wunsch an die Zukunft, wenn du an den Ramadan denkst?

Das Projekt „Fasten-Teilen-Helfen“ soll fortgesetzt werden um mehr Jugendliche für ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen. Ich wünsche mir mehr Solidarität in unserer Gesellschaft und allen Menschen, ob sie fasten oder nicht, muslimisch sind oder nicht – eine bereichernde, segensreiche und friedvolle Zeit! Ich bin überzeugt, dass wir in der heutigen Zeit nur durch Zusammenhalt – unabhängig von Religion, Weltanschauung, sexueller Orientierung und ethnischer Herkunft – alle Herausforderungen bestehen können.

Wer Interesse hat, hier findet ihr alle Infos: Fasten Teilen Helfen

Das Interview führte Adis Serifovic 

Eine Mauer für 1000 Frauen – bitte helft mit!

Als Alexandra vom Frauenbüro der Stadt Salzburg und ich im Oktober in Rayfoun das Frauenhaus besuchten, war gleich einmal klar: Da müssen wir was tun.

Rayfoun  liegt im libanesischen Gebirge, hoch über Beirut. Seit einigen Jahren gibt es dort ein Frauenhaus, das auch von der Salzburger Caritas unterstützt wird. Ein Frauenhaus im Libanon hat noch viel schwierigere Rahmenbedingungen als ein Frauenhaus bei uns. Natürlich weiß dort jeder und jede, wo das Frauenhaus ist. Was für die Bewohnerinnen und ihre Kinder nicht ganz ungefährlich ist. Umso wichtiger ist der Schutz des Hauses. In Rayfoun leben durchschnittlich 100 Frauen und Kinder, das Jahr über sind es um die 1000 Menschen. Besonders Arbeitsmigrantinnen finden hier Zuflucht, sie haben oft Jahre der Sklaverei hinter sich, waren Zwangsprostituierte, aber auch zunehmend Frauen aus dem Irak und Syrien suchen Zuflucht vor Gewalt.

Das Team des Frauenhauses in Rayfoun

Immer wieder bedrohen Männer und Anrainer die Frauen und die Mitarbeiterinnen. Darum ist es wichtig die Einrichtung gut zu schützen. Jetzt ist eine Mauer total brüchig und droht einzustürzen. Um die Mauer neu zu errichten und andere dringend notwendige Schutzarbeiten zu machen, braucht das Frauenhaus etwa 25.000 Euro.

Warum für ein Projekt im Ausland spenden?

Alexandra und ich haben uns vorgenommen diese 25.000 Euro hier in Salzburg zu sammeln. Es soll ein kleiner Beitrag dazu sein die Lage für die Frauen zu verbessern, ihnen im Frauenhaus ein sicheres Gefühl zu geben, einfach schlafen zu können ohne dauernd Angst zu haben.

Mit vielen verschiedenen Aktionen wollen wir es schaffen. Wir haben schon beim Frauentag gesammelt und bei diversen Veranstaltungen eine Spendenbox aufgestellt. Bis jetzt haben wir knapp über 3000 Euro.

Manche fragen sich, warum man unbedingt Spenden für das Ausland sammeln soll, es gibt ja bei uns auch sehr viel Armut. Das stimmt. Aber ich glaube, dass es beides braucht. Besonders Länder, wie der Libanon, die so viele Flüchtlinge aufgenommen haben und darum um Stabilität kämpfen, müssen wir unterstützen. Leider ist unsere Regierung bei der internationalen Hilfe nicht besonders ruhmreich. Darum müssen wir den NGOs vor Ort helfen, damit es in diesen Ländern nicht zu größeren Krisen kommt und die Menschen dort eine Chance bekommen.

Bitte helft mit diese Mauer zu bauen. Damit die Frauen und Kinder wirklich einen sicheren Zufluchtsort haben.

Danke!

Hier könnt ihr spenden: Frauenhaus Rayfoun im Libanon

Wenn man Matthias Horx auf der Straße trifft

Zukunft interessiert uns alle. Manche gehen zur Wahrsagerin, andere lesen Horoskope und viele Menschen interessieren sich dafür, was Zukunftsforscher zu erzählen.

Der im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste Zukunfts- und Trendforscher ist Matthias Horx. Und er ist mir heute über den Weg gelaufen, als ich gerade ins Büro zurückging. Also habe ich ihn einfach angesprochen und um ein Selfie gebeten, das dann ein ganz normales Foto wurde. Aber cooler als das Foto fand ich unser langes Gespräch auf der Straße. Er war in Salzburg, um über die Zukunftstrends im Verkehr zu sprechen, ein Thema das uns alle bewegt. Horx meint, dass E-Mobilität und das Fahrrad die Zukunft der Fortbewegung im städtischen Raum bestimmen werden. Und die Autos werden nicht mehr so aussehen wie jetzt. Sie werden oft kleiner, vielleicht auch nur für eine oder zwei Personen sein, natürlich  mit Strom und autonom fahren. Bei der Digitalisierung sagte er mir, man solle nicht jedem Trend nachrennen. Was ihn noch sehr beschäftigt ist die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern bei großen Projekten. Und da hat er mir einen Rat mitgegeben. Wenn man einen solchen Beteiligungsprozess macht, dann sollte man für die längerfristige Zusammenarbeit nicht die lautesten Menschen wählen. Denn dann verabschieden sich die wirklich interessierten relativ rasch.

Also wenn euch ein Zukunftsforscher  über den Weg laufen sollte, sprecht ihn einfach an. Ich fand das cool von Matthias Horx mir einfach so viel Zeit für einen Gedankenaustausch zu schenken. So was motiviert!

Weil Liebe normal ist

Seit einigen Tagen gibt es Horrornachrichten aus Tschetschenien. Eigentlich nichts Neues würde man meinen. Ein Diktator von Gnaden Russlands regiert seit Jahren mit eiserner Hand. Die Unterdrückung der Menschen ist Alltag. Und jetzt geht das Regime massiv gegen Homosexuelle und Transgender vor.

Dass in vielen Ländern der Erde nicht-heterosexuelle Menschen kein leichtes Leben haben ist uns allen bekannt. Aber Folter und Mord gehörte in Tschetschenien noch nicht zum Alltag. Man könnte nun meinen: „Was geht uns die LBGTIQ-Community in Tschetschenien an? Die haben dort so schon genug Menschenrechtsverletzungen, Probleme und Unterdrückung.“ Genau deswegen, meine ich, muss es uns ein besonderes Anliegen sein, dieses Unrecht, die Folter und die Tötungen aufzuzeigen.

Liebe ist normal

Weil eine Minderheit es immer noch schwerer hat und man ihre Rechte oft zu Gunsten der Bedürfnisse und Anliegen  der Mehrheit bei Seite schiebt. Denn erst wenn Menschen, die nicht der vermeintlichen Norm entsprechen, volle Rechte und Akzeptanz genießen, gibt es auch volle Rechte für alle. Diese Rechte, diesen Respekt und diese Akzeptanz müssen wir einfordern. In Tschetschenien, in Europa. Von staatlichen und religiösen Institutionen. Weil uns allen klar sein muss, dass Liebe normal ist und jeder Mensch sich entscheiden darf, wen er liebt und mit wem er oder sie oder es leben will.

Demo in Wien am 21.4. 2017

Fotos: Hosi, Soho

Der Verpackungsschmäh, ganz natürlich!

von Gudrun Kavalir

Es gibt viele Arten, Müll zu vermeiden und damit Ressourcen zu schonen. Wenn man nur ein wenig darauf schaut, was man einkauft und wie das Produkt verpackt ist oder eingepackt wird, leistet man schon einen wichtigen Beitrag. Mehrweg-Pfandflaschen statt Tetrapackungen oder Dosen, Brot und Gebäck im Papiersackerl statt in Plastik eingeschweißt, lose Produkte statt Mehrfachverpackungen, und so weiter. Verpackungen bedeuten nicht nur ein hohes Müll-Volumen. Oft sind sie sinnlos vergeudete Rohstoffe. Selten aber doch hin und wieder brauche ich auf die Schnelle eine Gemüse-Bouillon. Meist stelle ich sie selbst ganz frisch her, aber das geht halt nicht immer. Dann nehme ich nicht die fertig portionierten Würfel, die in Alu-beschichtetem Papier einzeln abgepackt und dann in einer Kartonschachtel verkauft werden. Sondern die Pulver-Variante, die von verschiedenen Marken in Dosen angeboten wird. Diesmal sollte es aber mal das teurere Bio-Produkt im Glas mit Schraubdeckel sein. Das lässt sich gut dosieren und Schraubgläser finden bei mir im Haushalt immer vielerlei Wiederverwendung.

Nicht nur BIO auch ÖKO ist gefragt

Erst zu Hause stellte ich fest, dass das Glas nur zu knapp Zwei-Drittel gefüllt ist. Welche Verschwendung! Und was für ein Verpackungsbluff! Hier werden nicht nur Rohstoffe verschwendet. Das viel zu große Glas hat dadurch ein größeres Gewicht als eigentlich notwendig. Beim Transport, der ja meist mit LKWs durchgeführt wird, wird völlig unnötig mehr Kraftstoff verbraucht, um das Zuviel an Verpackungsgewicht durch die Gegend zu fahren. Es benötigt auch mehr Lagerkapazitäten. Also muss für die gleiche Menge an Gemüsebouillon nicht nur ein Lastwagen fahren, sondern vielleicht noch ein zweiter. Eigentlich hätte ich mir von einem bio-zertifizierten Unternehmen erwartet, dass die Verpackung dem Inhalt entsprechend bemessen ist. Es geht eben nicht nur um BIO im Produkt, sondern auch um ÖKO in der Unternehmensstrategie. Das würde auch einen nachhaltigen Ressourcenverbrauch umfassen, der für ein Produkt insgesamt erforderlich ist. In diesem Fall ist alle nur ein Verpackungsschmäh, ganz natürlich.

plastikfasten: keine erfolgsgeschichte

„wenn jeder chinese nur einmal in seinem leben ein kondom verwendet, ergäbe das einen durchgehenden eisenbahnzug von peking bis moskau, voll mit gebrauchten kondomen“, so wird ein zitat von prof.in fischer-kowalsky aus den 1990er jahren überliefert. uff. wenn die alle latex-frei sind, was dann?

leute, wir können nicht alles plastik vermeiden. aber so viel wie möglich. und wenn wir plastik weggeben, dann müssen wir sicherstellen, dass es in eine ordentliche verbrennungs- oder rezyklier-anlage kommt.

denn das größte plastik-problem ist der unkontrollierte müll davon, der in der natur landet. und: so wenig kaufen, wie möglich. und gar kein weiches, mit weichmachern drinnen. und verbote müssen her. wenn etwas so nachweislich giftig ist, wie weichmacher, dann müssen sie bitte verboten werden. weltweit. gestern.

plastik beim mittagessen

mein alltag beim plastikfasten: das mittagessen in der arbeit ist oft take away und bedeutet massenhaft plastikdosen und –folien, die gleich wieder weggeschmissen werden: sehr unbefriedigend.

ich arbeite im schloss mirabell in salzburg – da gibt’s rundherum viele gute mittags-möglichkeiten. und die meisten sind beim umstellen auf nachhaltigere verpackungen:

die pommes-boutique ist der nächstgelegene burgerladen. dort kommen die burger und pommes in einen karton, nur die verpackung für den salat enthält kunststoff. bravo!

beim bistro leichtsinn sind die einwegverpackungen aus maisstärke, aber es gibt jetzt auch für einige euro einsatz glasverpackungen – das mittel meiner wahl. ich verwende es nämlich auch für andere Futterstellen:

der gute waldorfsalat vom fleischhauer käme in dünne plastikdosen und wenn man nicht aufpasst, kommt noch folie drumherum, damit nichts ausrinnt. ich reiche elegant das glasgebinde über den tresen zum befüllen mit den guten sachen.

die bäckerei-filiale verlangt ein paar cent für ihre sackerl, auch für die aus papier. man soll ja im kleinen sparen, also habe nicht nur ich immer meine eigenen taschen mit. obwohl: deren papiersackerl geht daheim tadellos für den biomüll durch.

 

 

mehrweggläser

und plastik muss doch sein

soweit die guten nachrichten. aber oft hab‘ ich plastik doch gewählt. im gesundheitswesen? brauch‘ ma gar net reden. einweghandschuhe beim zahnarzt – wie viele (latexfreie) einweghandschuhe fallen wohl täglich an? im wiener AKH, in österreich, in europa, weltweit?

ein becher wasser bei der vorsorgeuntersuchung, plastik-zahnbürsten für die handtasche (ich hab‘eine zahnspange, ich will kein risiko, echt jetzt.). hygiene? kosmetik? schaut in eure badezimmer.

beim einkaufen: den markttag versäumt? also die creme fraiche aus dem becher, den topfen auch. dann beim nächsten mal ein leeres glas zu wenig mitgehabt – und den frischkäse doch in die dünnwandige einweg-plastikdose abfüllen lassen.

kennt ihr die himbeeren in der kühltheke im supermarkt? einzeln gelegt, urweit hergeflogen und im robusten plastikdoserl? die sind so gut. ich hab‘ sie zurückgelegt.

und: ich liebe schwedenbomben. die 20er karton-packung gibt’s aber nicht bei meinem kleinen supermarkt. einmal hab‘ ich dann einfach die sechser-packung in plastik genommen. darauf bin ich nicht stolz, vor allem, weil ich nur die dunklen esse.

aber ich mache weiter nach der fastenzeit. jetzt erst recht. macht mit! es macht spaß.
das hatte ich vor: plastik-fasten. ich probier’s