Ein Beitrag von Martina Zidek

Hugo1„In einem herrlichen Schloss in Spanien lebte ein kleiner Hundeprinz mit seiner Mutter, der schönen Königin. Sie liebte ihn über alles und jeder Tag war erfüllt von Lachen, Freude und Sonnenschein. So viel Glück rief die Geister der Missgunst auf den Plan. Sie schickten den Nachtwind um den Hundeprinzen zu rauben……“ So beginnt Franzis Märchen, nimmt jedes Mal einen anderen Verlauf und endet stets damit, dass er seinem Frauli in die Arme springt und die beiden glücklich bis ans Ende ihrer Tage zusammen leben.

Diese Geschichte hat Franzis erste Autofahrten und Brückenüberquerung möglich gemacht, ihn an lärmenden Jugendlichen und ratternden Baumaschinen vorbei begleitet und ihn nach einer Operation aus der Narkose geführt. Wann immer Franzi sich fürchtet, erzähle ich und er lauscht konzentriert meiner Stimme und lässt sich von ihr beruhigen. Franzi ist heute in so hohem Grad gefestigt, dass er den nervösen Neulingen in der Hundeschule als Ruhepol zur Seite gestellt wird und macht mich täglich stolz mit der Unerschrockenheit, mit der er unbekannten Dingen begegnet. So ist es ist kaum noch notwendig, ihn von Ängsten abzulenken und ich hatte die Geschichte schon fast vergessen, bis ich gestern im Wartezimmer des Tierarztes einen angstschlotternden Franzi zu meinen Füssen hatte.

Angst essen Seele auf

Martina&Franzi_[11.1.2014]-28Angst ist eine gute Verbündete im Überlebenskampf eines Straßenhundes, im Leben eines Haushundes gibt es nur noch wenige reelle Anlässe dafür, was sie aber nicht weniger drängend macht – und das nicht nur für Hunde. In meinem Kopf ist mir zum Beispiel absolut klar, dass die Gruppe von Menschen, vor denen ich sprechen soll, mich nicht Stöcke schwingend davon jagen wird und doch werden meine Hände feucht und einzig die Vernunft hält mich davon ab, mich unter einem Tisch zu verkriechen. Unsere Hunde denken in anderen Bahnen, und so gehorchen sie diesem kategorischen Imperativ der Natur, der seit Anbeginn das Überleben sichert, auf unterschiedliche Weise: manche ziehen sich zitternd zurück, andere wiederum gehen in die Offensive und versuchen die vermeintliche Bedrohung zu verjagen. Beide Varianten mit all den Abstufungen dazwischen, sind dringende Appelle an die Empathie von Frauli oder Herrli: es ist eine unserer nobelsten Pflichten, unseren Hunden beizustehen, wenn sie in Bedrängnis sind – egal wie nichtig uns der Anlass erscheint.

Wann immer ich den Expertenrat lese, Hundeängste zu ignorieren drängt sich mir die Frage auf, ob irgendjemand ein Kind in der Arztpraxis links liegen lassen würde, um es davon zu überzeugen, dass keine Gefahr droht und bis mir jemand eine einleuchtende Erklärung für diese Theorie bieten kann, werde ich tun, was uns bisher viel Erfolg gebracht hat: ich werde Geschichten erzählen, Kekse verfüttern und ihm zeigen, dass ich ihn in schweren Zeiten niemals allein lassen werde.

Mitgefühl ist die Antwort des Herzens auf den Schmerz. Wir haben Anteil an der Schönheit des Lebens und am Ozean der Tränen. Das Leiden am Leben ist Teil unseres Herzens sowie Teil dessen, was uns miteinander verbindet. Es trägt eine Zärtlichkeit in sich, ein Mitgefühl und ein Wohlwollen, das alle Dinge umfängt und jedes Wesen berühren kann. (Jack Kornfield * 1945)

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