Das Don’t Smoke Volksbegehren ist ein Erfolg: 100.000 Unterschriften in drei Tagen. Sensationell. Da kann man sich doch in Ruhe zurücklehnen und sich denken: „Ist ja alles schon gelaufen. Auf meine Unterschrift kommt es jetzt nicht mehr an.“ Wer heute das Morgenjournal auf Ö1 gehört hat, wird seinen Ohren dafür kaum getraut haben.

FPÖ windet sich mit Scheinargumenten

Die FPÖ Gesundheitssprecherin, Dr. Belakowitsch-Jenewein, sagte im Interview das Volksbegehren sei unseriös und warf mit allerlei Scheinargumenten um sich. Immerhin sei der Text des neuen Gesetzes noch nicht bekannt. Freilich geht das ins Leere. Es ist bekannt, was das neue Gesetz bewirken möchte: Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie soll nun doch nicht kommen. Müssen wir mehr wissen? Nein: Die neue Regierung will eine geplante Regelung, deren Inhalt bereits bekannt war, nicht umsetzen.

Sie meinte, im neuen Gesetz soll der Jugendschutz ja ausgebaut werden. Das ist schön. Danke. Aber wenn man alle Altersgruppen schützen kann, dann ist das doch umso besser. Oder?

Ärztekammer ohne Konzept?

Ein bisschen SPÖ-Bashing gabs noch dazu. Ist ja alles politisch motiviert von der SPÖ. Die Ärztekammer sei ja von SPÖ geführt. Sie vermisse das Gesamtkonzept bei der ganzen Sache.

Belakowitsch-Jenewein sagt unter anderem im Interview: Es gibt ja auch Studien, die beweisen, dass Rauchen im Auto Gesunheitsrisiken birgt. Von der Ärztekammer habe sie aber noch nie etwas gegen Rauchen im Auto gehört. Also, dass Rauchen im Auto schädlich ist, da wird wohl niemand widersprechen. Auch die Ärztekammer nicht. Hat sie noch nie was dazu gesagt? Ich google nach: Es hat gerade mal 3 Sekunden gedauert, um eine APA-Pressemeldung zu finden, wo die Ärtzekammer auf die vielen Risiken des Rauchens im Auto hinweist. Von der doppelt so hohen Unfallgefahr durch die Ablenkung bis hin zu Asthma- und Lungenkrebs-Risiko für alle Passagiere im Auto – insbesondere Kinder. Das Rauchen im Auto gehöre verboten, so wird die Ärztekammer in der Pressemeldung zitiert.

Falsches Thema?

In Wahrheit ist es so: Das Volksbegehren ist für die FPÖ das falsche Thema. Es geht nicht um Ausländer, Sozialmissbrauch (durch Ausländer), mehr Überwachung (zum Schutz vor Ausländern). Aber ist das Don’t Smoke Volksbegehren nicht auch ein Volksbegehren, das sich gegen eine Minderheit richtet? Haben sich die Raucher nicht auch etwas Schutz verdient? Nein. Privat soll ohnehin jeder und jede für sich rauchen dürfen. Wenns sein muss auch im Auto. Allerdings kenne ich kaum noch jemanden, der ohne Rücksicht auf Mitfahrende den Fahrgastraum einnebelt – vor allem, wenn Kinder im Auto sitzen.

Gewisse Themen sind der FPÖ einfach nicht recht. Für eine Partei die jahrelang von der Oppositionsbank aus danach ruft, dass die Meinung des Volkes mehr Gewicht in der Politik haben soll, ist das ein Armutszeugnis und entlarvend.

Unterschreiben, unterschreiben, unterschreiben

Ich finde, jetzt sollte das Zeichen an die Regierung besonders kräftig sein. Jetzt erst recht, sagt doch die FPÖ gern.

Hier findet ihr alle Informationen zum Volksbegehren – und die Schritte, wie ihr selbst auch unterschreiben könnt:

https://www.dontsmoke.at

 

von Gabriele Rothuber

„Eigentlich sind wir nicht besonders innovativ …“ – so steht es in der Presseaussendung der HOSI Salzburg: es geht um die Vorstellung der Broschüre „Frau. Mann. Und noch viel mehr“. Es ist die erste deutschsprachige Broschüre in Leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten, die sich mit den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt befasst. Und die wunderschön illustriert ist. Und die weibliche Körperteile als Scheidenlippen und Venushügel mit positiven Worten beschreibt – fernab jeder Scham.

„Wir haben zwar die erste Broschüre im deutschsprachigen Raum, aber eigentlich sind wir nicht besonders innovativ“ sagt Anton Wittmann, Transgender Referent der HOSI Salzburg und – gemeinsam mit Paul Haller, Geschäftsführung HOSI und mir – verantwortlich für den Inhalt in Standardsprache. „Seit 2008 ist in Österreich die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Darin ist auch das Recht auf Information festgelegt. Das bedeutet notwendigerweise auch Informationen in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen, damit alle Menschen an der Gesellschaft teilnehmen können. Gerade für lesbisch, schwule, bisexuelle, asexuelle, transidente oder intergeschlechtliche Menschen mit Lernschwierigkeiten ist es wichtig adäquate Informationen zu erhalten. Aus diesem Grund bieten wir seit letztem Jahr in der HOSI Salzburg ein Austausch-Treffen für selbstbestimmtes Lieben an.“ Hier kommt auch Eva Moser, Behindertenpädagogin und Sexualpädagogin bei Selbstbewusst, ins (ehrenamtliche) Spiel: einmal im Monat einen Raum für Menschen mit Lernschwierigkeiten schaffen – um „über Liebe, Sex und Vielfalt zu reden“.

Sexualität ist ein Menschen-Recht.
Ich kann meine Rechte nur leben, 
wenn ich sie verstehe.

Menschen mit Beeinträchtigung(en) haben ein Recht auf Sexualität, auf Selbstbestimmung und auf Information. Die Broschüre ist in ihrer ersten Auflage leider schon vergriffen, eine zweite Auflage wird in den kommenden Monaten erwartet.

Leicht Lesen – das ist große Schrift, übersichtliche Gestaltung, dickes Papier und Spiralbindung. Und natürlich die Leichte Sprache – etwa viele Zeilenumbrüche, maximal 2 Infos pro Satz, englische Ausdrücke in Lautsprache und erklärt.

Wir haben die Texte zuerst in Standardsprache verfasst – und es war auch für uns mal ganz gut, sich damit auseinander zu setzen, was beim Zielpublikum eigentlich so ankommt, von dem, was wir sagen. Der Verein Leicht Lesen hat das dann in Leichte Sprache übersetzt. Eine „Kontrollgruppe“ – das waren Menschen mit Lernschwierigkeiten wie Iris Grasel – hat diesen Text dann auf Verständlichkeit gelesen – und wir haben dann nochmals drüber geschaut, ob das, was wir ausdrücken wollten, auch in Leicht Lesen so rüberkommt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Eine „Fokusgruppe“, die „Erfahrungen“ mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt hat, hat dann den Text nochmals auf inhaltliche Richtigkeit geprüft.

Wunderschön abgerundet wird die Broschüre durch Texte von Menschen mit Lernschwierigkeiten zum Thema Bi- und Homosexualität.

Und dann geht es auch noch ums Coming Out (vom inneren Bewusstwerden bis zum äußeren Coming Out, dem Erzählen), es geht um Regenbogenfamilien (in denen Kinder mit 2 Mamas, 2 Papas oder mit Trans* oder Inter*Personen leben), es geht um Asexualität, um Cis*, um pan, demi, um Trans* und Inter* und noch viel mehr. Es geht um Selbstbestimmung und Grenzen beim Sex. Um vielfältige Begrifflichkeiten rund um ein immens vielfältiges Thema: ums Menschsein in all seinen bunten Facetten. Und es geht darum, wie man eine Person unterstützen kann oder wo man sich selbst Unterstützung holen kann (auf der homepage findet man Institutionen für alle Bundesländer).

Bei der Vorstellung der Broschüre im Pegasus-Zimmer kam die Frage eines Teilnehmers auf, ob die Broschüre in andere Sprachen übersetzt werde. Was für eine gute Idee! Sie ist sicherlich nicht nur im deutschsprachigen Raum ein Novum!

Der Verein Leicht Lesen, das sind Elisabeth Laister und Maria Seisenbacher: www.leichtlesen.at
Die schönen Illustrationen kommen von Barbara Hoffmann.

Viel mehr Infos zu dieser Broschüre gibt es auf www.undnochvielmehr.at

Die nächsten Termine für das Austausch-Treffen für selbstbestimmtes Lieben:
HOSI Salzburg
Gabelsbergerstraße 26

Immer Donnerstag ab 19 Uhr:
15.3., 19.4., 17.5., 21.6.
[email protected]
www.hosi.or.at

Tagelang im Büro eingesperrt – ohne Frischluft. Da musste ich heut den sonnigen Wintertag für eine kurze Runde durch unsere schöne Salzburger Altstadt und über den Kapuzinerberg nutzen. 45 Minuten wollte ich mir Zeit nehmen. Muße geht auch irgendwie anders. Aber es ist besser als nix.

Auf dem Weg vom Dom zur Festspieltreppe komm ich zur Franziskanerkirche. Dort sind ja unlängst einige Brocken vom Gebäude gefallen, so ist das Ganze mit einem überdachten Gerüst gesichert, damit zu Fuß Gehende gefahrfrei passieren können. Schön ist die Lösung nicht. Aber besser als „a Stoa am Schedl“ – und zwar im wörtlichen Sinn.

Der Durchgang war heut aber hübsch mit herzförmigen Luftballons verziert, die wiederum als herzförmige Girlande angeordnet waren. Eigentlich eine nette Idee zum Valentinstag und irgendwie ungewohnt für Salzburg. „Wenn grad nix verkauft wird, sieht man so was ja selten“, denk ich bei mir. Und wie ich das grade so denk, fällt mir gleich neben dem verzierten Herzerltor der Laden auf, der zu St. Peter gehört. Aha! Also doch kein Tor aus Herzerlballons ohne Kommerz. Ich hätts wissen müssen.

Was man dort bekommt, war dann allerdings etwas überraschend. „Aschenkreuz To Go“ stand mit bunter Kreide handgeschrieben auf dem Schild. In einer Schrift, mit der sonst im Hipster-Restaurant der fair gehandelte laktosefreie Bio-Caffè Latte angeboten wird. Irgendwie fällt mir erst jetzt ein, dass heute nicht nur Valentinstag ist, sondern gleichzeitig auch Aschermittwoch. Der Beginn der Buß- und Fastenzeit.

Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst

Ich habe den Eindruck, hier sollen mit dem hippen Auftreten auch die eiligen jungen Leute angelockt werden. Es gibt dafür ein bisschen Bußgedanken und flüchtige Einkehr auf dem Weg vom Büro nach Hause. Und ich frage mich: Ist Fast Faith die Zukunft der Kirche?

Ein Herzerl-Tor aus Luftballonen führt heut am Valtentinstag sicher an der Franziskanerkirche vorbei

plastikfasten macht spaß und spart geld.

im vorjahr zur fastenzeit hab‘ ich hier beschrieben, wie ich plastikfaste. und hier bilanz gezogen. heuer starte ich neu durch – vieles in meinem alltag ist inzwischen komplett plastikfrei.

so geht’s weiter: möglichst wenig plastik kaufen. möglichst wenig plastik wegschmeißen – das ist das ärgste: wie viel plastik-leichen in meinem haushalt schlummern und bitte nie in irgendeinen kreislauf zurückkehren dürfen. schaut mal eure kunststoff-schüsselndurch. habt ihr auch ein paar mit kratzern vom salatbesteck? aua. das abgekratzte hat irgendwer gegessen.

wascht ihr die im geschirrspüler? und dann sind sie nicht mehr so bunt? oje. wisst ihr, was da im kanal gelandet ist? ich auch nicht, aber gut ist es sicher nicht. aber einfach alles in den müll und aus den augen, aus dem sinn, das gilt nicht. verflixt.

einkaufen – aber nicht im supermarkt

meine wichtigste regel: nix im supermarkt kaufen. erst gar nicht reingehen.  ich lebe in salzburg und habe das vitalkisterl mit gemüse der saison vom fahrradboten alle zwei wochen vor der  tür und den wochenmarkt „schranne“ auf meinem arbeitsweg. mein immenser joghurt-verbrauch passt perfekt zu den 750g-pfand-gläsern vom sams-bauer dort.

keine plastikflaschen mehr?

keine plastik-flaschen mehr. ähm, fast keine. am lustigsten bin ich wohl in den hotels dieser welt anzusehen, in denen ich abends den wasserkocher einschalte und morgens kalten tee  in meine edelstahl-trinkflasche fülle. so habe ich kroatien, das halbe rhone-tal und amsterdam plastikfalschenfrei bereist. in rom kommt gutes wasser aus der leitung, in frankfurt und  im nördlichen rhonetal auch. in marokko musste ich passen.

meine rettich-suppe mit kokosmilch, der erdäpfel-vogerlsalat, das lauch-kürbis-gemüse mit berber-gewürz und der salat aus gebratenem fenchel und orangenfilets kommen einmal auf den tisch und dann in gläsern mit in die arbeit oder in den zug. im ganzen jahr ist mir nur eins runtergefallen. ausgerechnet das mit der besten tomatensuppe ever. shit happens auch plastikfrei.

daheim nur mehr stoffservietten.  es dauert eh, bis eine 60-grad-wäsche beinander ist. meine eigene stoffserviette verwende ich bis – nun, bis sie ausgewechselt werden muss.

einweg-glas und so

glas braucht bei der herstellung viel energie – ist aber ungiftig. gläser nicht wegwerfen, sondern für proviant verwenden oder lieben menschen geben, die sie voll mit feiner marmelade und würzigem pesto wieder zurückgeben. (daaanke monika, sandra, marina und all die anderen). in meinem fall geb‘ ich zu: das einweg-glas von den vielen flaschen wein – so viel fällt nicht so bald wo an. ins altglas damit, nicht in den restmüll. mehr zum wein hier, bei mir als weinfreundin.

weinflaschen (c) mira turba

ja gläser mitschleppen wiegt schwerer. na, wozu ist das ganze fitness-training gut, wenn nicht zum leichter schwerer tragen? eben.

und die kosmetik?

kosmetik hab‘ ich weitestgehend umgestellt. da hilft der eine oder andere gute artikel in „der spiegel“ oder der blick in den echten. die wissenschaft weiß: teure cremes wirken nicht besser als billige. eigentlich reicht zum eincremen das kokos-öl im glasl. seit der marokko-reise schmiere ich arganöl, der reinste luxus. aus dem libanon hab ich so viel aleppo-seife mitgebracht, ich brauch‘  in diesem leben kein duschgel mehr kaufen. tu ich aber manchmal, weil’s so gut riecht, arghhh. dann wenigstens eine bio-marke.

bio-kosmetik (c) alexandra schmidt

ich reise viel und fliege oft. ein flugzeug ist zwar nicht aus plastik, aber dieses jahr will ich zumindest bei den langen strecken emissions-ausgleich zahlen.

luft nach oben habe ich bei putzmitteln. das wurmt mich, weil eine ecke weiter hat die frau von grün reinigungs- und waschmittel zum selber abfüllen. tu ich aber nicht immer – die logistik. von der küchenrolle kann ich mich auch nicht trennen – immerhin kaufe ich nur die aus recycling-papier.

und ja: mein leben  kommt billiger. echt jetzt. sobald man gute quellen hat und einfach grundsätzlich nicht in supermärkte geht, kauft man weniger und nichts, was  werbewirksam vor der nase hängt.

nachhaltig ist oft eine grüne lüge

vieles dort hat jetzt den zusatz „nachhaltig“. das weckt falsche eindrücke – meist ist nicht viel dahinter. der neue werner boote film „the green lie – die grüne lüge“ zeigt das greenwashing vieler konzerne und wie der nachhaltigkeits-begriff vor allem werbewirksam aber ohne inhalt ist.

demnächst preisverdächtig auf der berlinale und ab 9.märz in den österreichischen kinos. mit ein paar guten argumenten mehr. für’s plastik fasten, für’s regional einkaufen und für’s selber denken. hier geht’s zum trailer,  hier zur facebook-seite.

 

von Gabriele Rothuber

Check your privileges.

Ich bin eine heterosexuelle Cis-Frau. Das bedeutet, meine sexuelle Orientierung ist auf das Gegengeschlecht – in meinem Fall das männliche – gerichtet. Cis bedeutet – im Gegensatz zu Trans – dass meine Geschlechtsidentität mit dem mir bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Ich empfinde mich als Frau. Und ich werde auch von meiner Umgebung, meinem Gegenüber als Frau „gelesen“, das nennt man den Geschlechtsausdruck.

Eine einfache Sache ganz schön kompliziert erklärt?

Die wenigsten Menschen müssen sich Gedanken darüber machen, was sie von sich erzählen, wie sie sich kleiden, wie andere sie wahrnehmen, ob sie den Menschen, den sie lieben oder begehren auch ganz offiziell küssen können etc. Sie machen sich meist auch überhaupt keine Gedanken darüber, dass sie sich wahrscheinlich unzählige Male pro Tag als heterosexuell outen: etwa, indem sie von ihrer Familie erzählen.

Das sind Privilegien, derer sich die wenigsten bewusst sind.

Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, subsummiert man unter dem Begriff Trans*. Sie kämpfen oft jahrelang FÜR die selbstbestimmte, aufgeklärte hormonelle und/oder chirurgische Veränderung ihrer Körper.

Menschen, die mit Anteilen beider Normgeschlechter ausgestattet sind, nennt man intergeschlechtliche Menschen. Sie kämpfen ihren Kampf GEGEN die zwangsweisen geschlechtsverändernden Maßnahmen, die Babys auch heute noch erfahren.

Sie alle sind „Minderheiten“, Minoritäten. Es sind jedoch gar nicht so wenige! Man geht davon aus, dass rund 10% aller Menschen ausschließlich homosexuell orientiert sind, dass bis zu 1 % der Bevölkerung eine Trans-Thematik aufweisen und dass ca 1,7 % der Menschen Geschlechtsmerkmale (äußere/innere, Keimdrüsen, Hormone, Chromosomen) beider Normgeschlechter aufweisen. Sie kennen bestimmt einen Menschen, der ins LGBTI*-„Spektrum“ fällt, vielleicht ohne es zu wissen.

Es geht schlicht und einfach um Menschenrechte. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, auf körperliche Unversehrtheit. Es geht um Antidiskriminierungsschutz. Es geht um Menschen, die eine besonders vulnerable Gruppe darstellen. Die Selbstmordversuchsraten unter homosexuellen Jugendlichen sind noch immer um 5- bis 7fach erhöht gegenüber ihren heterosexuellen Freund*innen. Das muss sich ändern!

Deshalb bin ich – als Angehörige einer Mehrheit – ehrenamtlich tätig. In der HOSI Salzburg (www.hosi.or.at) und in der Plattform Intersex Österreich (www.plattform-intersex.at). Weil ich – gemeinsam mit denen, die es betrifft – etwas dazu beitragen möchte, dass Menschenrechte endlich für alle Menschen in Österreich gleichermaßen gelten.

Und deshalb freue ich mich riesig mit meinen Freunden und Freundinnen, dass der Verfassungsgerichtshof ab 2019 die Ehe für alle Menschen, die einander lieben und füreinander sorgen möchten, öffnen wird!

https://www.vfgh.gv.at/medien/Ehe_fuer_gleichgeschlechtliche_Paare.de.php#

von Leonie Reschreiter

Seit beinahe 9 Jahren ist die Halleinerin Margarethe Wagner halbseitig gelähmt. Ihr Tagesablauf ist davon geprägt, sich in einem Rollstuhl fortzubewegen. Einen Tag lang habe ich sie und ihren treuen Gefährten, den Partnerhund Balu, begleitet.

Balu ist nicht nur Margarethes Freund und Helfer, er gibt ihrem Tag einen Rhythmus. Früh morgens steht sie auf und fährt mit ihm eine große Runde durch die Halleiner Altstadt spazieren. Heute hat sie sich außerdem mit ihrer „Seelenverwandten“ Gabi Weickl verabredet.

Für RollstuhlfahrerInnen reicht eine zu hoher Gehsteig oder ein Graben in der Straße, um nicht mehr weiter zu kommen. Auch wenn Margarethe einen elektrischen Rollstuhl hat, stellt bereits eine zehn Zentimeter hohe Kante ein unüberwindbares Hindernis dar. „Im Winter ist es noch viel schlimmer, dann muss ich mir eine Schneeschaufel mitnehmen. Wenn ich feststecke, frage ich Leute, die mir dann den Weg freischippen. Anders geht es nicht“, erzählt sie mir. Auch wenn sie die Wege kennt, die sie problemlos befahren kann, stört es sie dennoch, dass von den Geschäftsleuten und PolitikerInnen der Stadt Hallein so wenig Rücksicht genommen wird.

 

Einkaufen mit Rollstuhl – oft gar nicht so einfach. Und nicht alle Begegnungen sind freundlich

Nach dem Hundespaziergang wird für das Frühstück eingekauft. Während Balu am Eingang wartet, gehen Margarethe und Gabi Brot, Käse und Aufstriche holen. Auch das ist eine Herausforderung, denn die wichtigsten Produkte befinden sich in der Augenhöhe von stehenden Menschen und sind so zu hoch für Margarethe. Die Frau zuckt mit den Schultern, „Entweder ich bin mit Gabi unterwegs oder ich hole mir eine Bedienung, die mir heruntergeben muss, was ich brauche.“

Als ich gemeinsam mit der Rollstuhlfahrerin durch das Geschäft gehe, bemerke ich die verächtlichen Blicke einer Frau. Eine andere, der wir helfen wollen ein Produkt zu finden, beschimpft Margarethe. Diese seufzt: „Entweder ich schlucke oder ich rege mich über alles auf. Auch wenn es mir schwer fällt, will ich mir meinen Tag nicht versauen lassen.“ Beim Hinein- und Hinausfahren aus dem Geschäft piepst der Alarm. „Das passiert immer, weil ich meinen Rollstuhl klauen will“, lacht sie. Trotz aller Schwierigkeiten hat sie sich ihren Humor bewahrt.

Ihre Wohnung befindet sich etwas außerhalb der Halleiner Altstadt im sechsten Stock eines Wohnblocks. Es gibt einen Lift, aber wie sie erzählt, funktioniert dieser öfter nicht. Manchmal stecke sie bis zu einer Stunde fest und komme gar nicht außer Haus. „Ich bin praktisch eingesperrt. Wobei man sagen muss, dass ich generell eine Stunde früher aufbreche und mit Verzögerungen rechne. Oft ist die die Bus-Rampe kaputt oder Busfahrer fahren ohne mich los“, beschreibt sie mir die Situation.

Nach der Tour durch die Stadt macht Balu gern ein Schläfchen

In der kleinen Wohnung werden Margarethe, Gabi und ich von einer Katze, einer Hündin und einem Hasen begrüßt. Die Tiere sind ihre Freunde und immer für sie da. Vom Stadtspaziergang ist Balu müde und legt sich schlafen. Er achtet im Freien auf jede Bewegung seines Frauchens und ist sofort parat, sollte sie ihn brauchen. Abends wird Margarethe noch einmal eine Spazierrunde mit ihm gehen. Ihr Tagesablauf verläuft meistens gleich. Mit ihrer körperlichen Situation hat sie sich abgefunden. Womit sie sich nicht abgefunden hat, ist die gesellschaftliche Situation, in der sich Menschen mit Behinderung befinden.