Leicht ist es nicht mit dem Dialekt, besonders für jene, die Deutsch erst im Erwachsenenalter lernen. Aber auch viele Deutsche tun sich schwer in manchen Alltagssituationen. Was mich besonders freut ist, wenn sich Deutschlernende darauf einlassen auch so manches Dialektwort zu benutzen. nix oder net

Ein Klassiker, der aber leider oft falsch gebraucht wird, ist das Wörtchen „nix“. Klar ist, dass es eine Verneinung ist. Leider wird es oft mit dem Wörtchen „net“ verwechselt. Dann kommt es zu Sätzen wie: „Ich kann nix kommen.“ Darum ist es mir wichtig in meinen Deutschkursen immer wieder Dialektwörter und deren richtigen Gebrauch zu erklären.

Eine besondere Herausforderung sind die Richtungsadverbien: hinauf, hinunter, hinüber, herüber, herauf, herunter… Diese hochsprachlichen Wörter im Dialekt zu erkennen, erfordert viel Phantasie. Denn „aufi, owi, ummi, umma, aufa, owa“ oder noch schwieriger „zuawi, doni“ stehen in keinem Lehrbuch. Eine Schülerin meinte nach der Präsentation der Richtungsadverbien im Dialekt einmal: „Jetzt kann ich endlich meine Chefin verstehen.“

Aber auch der Konjunktiv hat so seine Tücken. Einfach ist es mit „hätte, wäre und würde“, aber „fände, ginge, käme“ haben schon so manchen verzweifeln lassen. Im Dialekt den Konjunktiv zu erkennen ist dann schon für Fortgeschrittene. Denn wer vermutet schon hinter der Endung „-at“ den Konjunktiv? Im Dialekt sagen wir: „gangat, tatat, kunntat, mechat“, das zu verstehen, geht nicht ohne eine kleine Extrastunde im Deutschkurs, die ich immer wieder gerne mache. Und wir haben viel Spaß dabei!

 

 

2 Kommentare
  1. Patrick sagte:

    TOP Artikel! Deutsche Sprache – schwere Sprache. Ich liebe unseren Dialekt aber ich kann mir auch lebhaft vorstellen, zu welchen Missverständnissen bzw. Verständnisproblemen unsere Asdrucksweise oftmals bei den „Hochdeutschsprechenden“ führen kann. Da müht man sich redlich ab um unsere Sprache pefekt zu lernen nur um zu erfahren, dass es eine weitere Fremdsprache in der Sprache selber gibt. Kumm, auf den Schock trink ma a Schnapsal, oba pass auf, dass di nit doni draht…

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  2. Hans Dylan Schneeweiß sagte:

    Super, liebe Anja,
    das sind schon mal ein paar der vielen kleinen Schlüssel zum Dialektverstehen.
    Und es stimmt, grad auch Fortgeschrittene (B2 und so), beklagen sich immer noch darüber, dass sie den Dialekt nicht verstehen können. Und es ist aber wichtig, dass sie ihn verstehen, denn sie leben nun mal in einem Land, in dem sie nicht sehr weit kommen werden im Alltag, wenn sie dessen Sprachvarietät nicht verstehen können.

    Man muss aber auch sagen, die Bereitschaft vieler Österreicherinnen und Österreicher, mit Fremdsprachigen Standarddeutsch zu sprechen, ist ziemlich gering. Es kommt einem mitunter sogar so vor, als ob dazu viele gar nicht mal fähig wären. (Und erst auf der Uni…!) Und das ist schlimm, denn das sind Sprach-Barrieren. Aber das ist die Kehrseite des Kapitels und soll ein andermal beklagt werden.

    Ich möchte lieber hier ein paar Dinge ergänzen, auch Dauerrenner :)

    1. „Vokalwechsel“
    Woher soll ein Fremdsprachiger wissen, dass ein Ei „Oa“ heißt.
    Und es darum „oans“, „zwoa“ heißt und zum berühmt-berüchtigten Oachkatzlschwoaf kommt.
    Dafür wird aus einem „eu“ wiederum ein „ei“, und erst wenn das Ei nicht „Ei“, sondern „Eu“ hieße, dann würden wir im Dialekt „Ei“ dazu sagen.
    Dafür sagen wir nicht „Leute von heute“ sondern „Leit vo‘ heit“ und außerdem geht das im Dialekt nicht ohne Artikel und darum sagen wir „D’Leit“.

    2. Das mit den Artikeln ist so eine Sache. Grad bei Eigennamen. Da ist es genau umgekehrt:
    Im Standard und schriftlich sagt man „Anja“, und „die Anja“ mag schon etwas seltsam klingen. Im Dialekt ist es genau umgekehrt. „I ge zu Anna“ – „I bi(n) bei Håns“ – das geht nicht, da fehlt was, unverrückbar, unumgänglich. Im Dialekt heißt es „d’Anja“ und „da Håns“ und drum bin i „bei DA Anja“ oder „beiM Håns“ und fertig.

    3. Sehr aufschlussreich die kleinen Wörter:
    auch = a
    ein/eine = a
    „auch ein A“ heißt demnach „a a A“
    und „a-e-a?“ heißt „ah, eh auch?“,
    und „a-e-a-a-oa?“ ist dann „Ah, eh auch ein Ei?“
    (Meine Uroma hätte vor das Nomen noch ein Binde-n eingefügt)

    4. Ein ganz interessantes Ding hab ich vermisst in deinem Blogbeitrag:
    das obligatorische, in Dialekthirnen unverrück- und unabwendbare 2.P.Pl.-„-s“.
    (Dass dabei aus „ihr“ oft ein „ees“ wird, ist wieder eine andere Sache);
    „ees habtS“
    „ees sadS“
    „ess kemmtS“
    (Jeder redet so, jeder. Ich habe das lange beobachtet.)

    Sogar im Imperativ:
    „SadS ned so laut!“
    „KemmtS zuawa do!“

    5. Und, abschließend, ganz wichtig, DER Knüller, bei allen Leuten, egal woher von diesem Globus:
    „Gemma!“

    Und, sich fortsetzend:
    „Samma!“
    „Homma!“
    „Woimma!“
    „Måchma!“

    „Gemma!“ ist internationalisch.
    Ob das jetzt „Vamos!“ oder „Jalla!“ oder „Hadi gidelim!“ heißt – jeder muss da grinsen oder sogar lachen. 

    Manchmal ist Österreichisch wirklich wie eine eigene Sprache. Viele andere Unterschiede zum Deutschland-Deutsch, vor allem bei den Bezeichnungen für Essen, hab ich ja gar nicht angefangen zu erwähnen.
    Auch i n n e r h a l b von Österreich, diesem kleinen Minifuziland, gibt es Verständnisschwierigkeiten. Im Westen Alemanisch mit einem „xi“ und im Osten ein postimperiales und international gefärbtes Österreich-Standarddeutsch mit einem „ur“. (Ach, die Adverben der Steigerung, die verdienten ein Sechtens. „Voll“, „ziemlich“, „total“, „echt“ – Wer sagt schon: „Hey, der Film war sehr super“. Nur Nerds reden so. „Echt“ und „ziemlich“ sind hingegen ganz normal hier. Aber im Schlussteil darf man nichts Neues bringen, darum bleibt Sechtens in Klammer.)

    Um zurückzukehren zum „nix“ – es ist als D-Lehrer extrem wichtig, dieses, falls es vorkommt, sofort zu unterbinden. In den Köpfen der Einheimischen ist dies unweigerlich mit Pejorativem (also Abwertendem) verbunden. „Ich nix sprechen Deutsch“ ist schlimmer als „Ich nicht sprechen Deutsch“.

    Jetzt ist ja Weihnachten (und in der nächsten – und vor Weihnachten der letzen – Stunde besuchst du uns sogar, juhu!), aber nach Weihnachten werde ich eine Extra-Einlage über „ned“ und „nix“ machen.

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