Liebe Sonja,

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Absolut lesenswert!

du hast mir vor einigen Tagen dein frisch gedrucktes Buch „10 Dinge, die ich von alten Menschen über das Leben lernte“ vorbeigebracht. Mit der Bitte ich möge eine Buchkritik dazu schreiben. Heute habe ich, dank des Wetters, den Nachmittag am Sofa verbracht. Zuerst dachte ich, ich werde da mal kurz reinschnuppern und am Abend weiterlesen. Es war nichts mit reinschnuppern, ich habe es in einem durchgelesen.  Und weißt du warum? Weil es ein Buch ist, so ganz ohne Angst! Mit jeder Zeile machst du Mut, du forderst auf hinzuschauen, nachzufragen und keine Scheu zu haben. Das ist außergewöhnlich, gerade beim Thema Alter, Altern und die Alten. Was tun wir nicht seit Menschengedenken, um das Altern hinauszuschieben, die alten Menschen unsichtbarer zu machen, obwohl sie, wir, immer mehr werden. Hysterisch rennen viele der Jugend nach, mit 60 Jahren soll man noch so eine tolle Figur wie eine Zwanzigjährige haben. Wenn Sport und Ernährung nicht mehr helfen, dann müssen die Pillen das Wunder bewirken.

Die 10 Dinge, die du in deinem Buch als deine Einsichten, die du dank der Alten gewonnen hast, präsentierst, sind allesamt NICHT perfekt. Das ist wohltuend. Denn wer sonst, als Menschen, die dem Tode schon sehr nahe sind, können erkennen, was im langen Leben der eigentliche Sinn ist. Du verschweigst auch nicht, dass Alter alleine einen nicht weise und gütig machst, es gibt auch ganz böse Menschen. Und ich bin überzeugt, dass dein Buch vielen jungen Menschen Mut macht, sich für einen Beruf in der Altenpflege zu entscheiden.

ap1Ich habe auch deinen Brief an die Politik ganz aufmerksam gelesen. Ich bin in der Stadt Salzburg verantwortlich für die städtischen Seniorenwohnhäuser. Ich erlebe, wie sehr sich alle bemühen, den Bewohnerinnen und Bewohnern ein schönes Leben zu ermöglichen. Von den äußeren Rahmenbedingungen bis zu einem respektvollen Miteinander. Was ich auch sehe ist der Katalog, anhand dessen Seniorenwohnhäuser auf ihre Qualität hin geprüft werden. In den Berichten gibt es ganz ganz viele Punkte, die den Körper der Alten im Blick haben, waschen, kämmen, richtige Lagerung, Wundpflege, Tablettengabe. Nur wenige Kriterien in diesem Prüfkatalog haben den Menschen an sich im Blick. Seine seelischen Bedürfnisse, seine Ängste, seine Freuden, sein Rede- oder Schweigebedürfnis. Das ist gesetzlich nicht so richtig festgelegt, weil es auch nicht prüf- und messbar ist. Weil wir in der Politik auch von Angst geleitet sind. Denn, wenn etwas passiert, dann muss es prüfbar sein, um Verantwortung benennen zu können. Ein zufriedenes Lächeln, eine Kaffeeplauderei zählt da nicht. Kürzlich war ich in einem unserer Häuser und habe mehr als eine Stunde mit einer Bewohnerin verbracht, alleine. Sie hat mir Erschütterndes erzählt, ich musste weinen und dann hatten wir einen wunderbaren Moment. Sie erzählte von ihrem Geburtsort weit im Osten, den sie mit 15 Jahren zwangsweise 1942 verlassen musste und nie wieder gesehen hat. Ich habe mein IPad rausgeholt, die kleine Stadt gegoogelt und ihr die unzähligen Bilder gezeigt. Sie hat sie intensiv und lange angesehen und dann gesagt: „Viel hat sich dort verändert, aber doch auch wieder nichts, ich erkenne viele Plätze wieder.“

ap2Das sind, glaube ich die Momente, die du meinst, die du hundertfach erleben durftest und die dich zu deinen Erkenntnissen gebracht haben. Und wie du so schön am Anfang des Buches meinst: „Ich finde, Altenpflege ist der coolste Job der Welt. Auch wenn andere meinen, wir wären nur Arschputzer.“

Danke Sonja für das Buch. Du machst Menschen Mut, du nimmst Angst und du sprichst die Dinge direkt an. Das macht dein Buch so wertvoll, nicht nur für Menschen, die in der Altenpflege arbeiten. Sondern für alle, die offene Ohren, Augen und Herzen haben, um sich auf andere einzulassen. Für alle, die den Menschen an sich lieben und sich für ihn interessieren. Für alle, die Selbstzweifel haben, ob sie wohl gut und schön und gescheit genug sind. JA, sagst du und dir darf man glauben, weil du in deinem Buch auch dich selbst nicht versteckst, sondern uns teilhaben lässt daran, wie du Stärke und Ruhe gewonnen hast.

Danke Sonja!

Deine Anja

PS: Hier gibt es das Buch!

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Unbeschreiblich schönes Mohnrot!

Viel hab ich gelesen diesen Sommer. Donna Leon entspannt ungemein, Schwarzeneggers Biografie ist gut zum Einschlafen, ich war immer ganz verwirrt ob der vielen Bodybuilder Posen und hab dann zum Vorstellen die Augen geschlossen und weg war ich! Black out bleibt mir in Erinnerung, ein europaweiter Stromausfall kann uns jederzeit treffen, dann gute Nacht Zivilisation! Wir erschossen auch Hunde ist ein Buch über den Irakkrieg. Amerikanische Soldaten erinnern sich: Krieg ist nur hässlich, gewalttätig und menschenverachtend. Die Folgen erleben wir jetzt. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht, verständlicherweise nicht aus wirtschaftlichen Gründen!
Nicht böse sein jetzt, aber ich möchte euch zwei Bücher ans Herz legen, die etwas ganz anderes zum Thema haben: Pflanzen.
Barbara Frischmuths „Der unwiderstehliche Garten“ und „Die Intelligenz der Pflanzen“ von Mancuso und Viola.
Wie langweilig denkt ihr vielleicht, unkritisch, unpolitisch?

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Wer nutzt wem? Der Schmetterling dem Schmetterlingsflieder?

Mir haben die beiden Bücher Kraft gegeben, weil sie mich sensibler gemacht haben. Nicht immer nur das Große zu sehen, das sofort ins Auge fällt. Vieles geschieht im Verborgenen, Schönes wie Hässliches. Manches, was uns missfällt, ist beim zweiten Hinsehen wunderbar. Und manch Schönes entpuppt sich als grausam. Pflanzen lehren einen, den Blick zu schärfen.

Barbara Frischmuth lässt uns teilhaben an ihrer Beziehungsgeschichte zu ihrem Garten. Sie ist keine Romantikerin, sie reißt aus, pflanzt um, gestaltet aus egoistischen Gründen Beete neu. Dabei bleibt sie aufmerksam, wird überrascht, wenn nach langer Zeit eine Pflanze auftaucht, die schon längst vergessen war. Eine große Liebe begleitet sie über all die Jahre, sie opfert sich für die Iris in all ihren Arten auf. Mir unverständlich, ich finde die Iris eher langweilig. Ich glaub ich habe nicht mal eine im Garten.

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Die „hilfsbereite“ Lupine

Aber ich kenne die Kraft des Umgestaltens. Meist schlummert ein Bild in einem drinnen, oft im Winter, wahrscheinlich ist das schon die Vorfreude auf die kommende Gartensaison. Ein neues Beet muss her, man pflanzt im Kopf schon alles voll. Man lässt das Fleckchen in den schönsten Farben erblühen. Und wenn man dann im April zur Tat schreitet, geht es einem leicht von der Hand. Die Überraschung kommt dann im Juni, plötzlich sieht man, dass alles ganz anders geworden ist. Weil zwei Pflanzen partout nicht kommen wollten, dafür steht plötzlich eine Akelei mittendrin und da kommt noch etwas. Was, das wird erst der Juli weisen. Also Geduld!
Pflanzen sind eigenwillige Geschöpfe denkt man und schreckt im nächsten Augenblick zurück. Pflanzen eigenwillig? Pflanzen sollen einen eigenen Willen haben?

Und da kommt mein zweiter Buchtipp ins Spiel: Die Intelligenz der Pflanzen ist spannender als ein Thriller. Pflanzen sind soziale Wesen, sie kommunizieren nicht nur miteinander sondern auch mit anderen Lebewesen. Das behaupten jedenfalls die beiden Autoren. Und wenn man dann liest, wie eine Lupine die fleißigen Bienen bei der Arbeit unterstützt, gesteht man ihr fast menschliche Eigenschaften zu. Eine Lupine hat unzählige Blüten. Damit sich die Biene Majas dieser Welt nicht umsonst abrackern, verfärbt die Lupine ihre Blüte zu Blau, sobald sie keine Pollen und keinen Nektar mehr zu bieten hat. Somit erspart sie den Insekten leere Meter. Ich muss nächstes Jahr die hilfsbereite Lupine besser beobachten!

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Inkagurke und Wein schließen sich zusammen, um sich zu stützen!

Die Orchidee ist das genaue Gegenteil, sie täuscht und trickst und geht sogar so weit, ihre Blüten als Solitärbienen, in Form, Gewebebeschaffenheit und Lockduft, zu präsentieren. Und die tierische Drohne kann nicht anders, als sich mit der Blüte zu paaren und dabei die ganzen Pollen aufzunehmen und sie zur nächsten Täuschungsblüte zu tragen. Die vielgerühmte Orchidee eine schnöde Betrügerin?
Mancuso und Viola entführen in die Welt der Pflanzen von der Wurzel bis zur höchsten Baumkrone. Mit vielen Geschichten und viel Wissenschaft.
Der Herbst nähert sich mit großen Schritten. Die Veränderungen an den Pflanzen im Garten werde ich jetzt genauer beobachten und mich daran erfreuen, denn es wartet sicher wieder die eine oder andere Überraschung. Und dieser Satz wird mich begleiten:

Pflanzen sind nicht nur Grundbestandteil des Lebens, sondern auch ein Geschenk an die Menschheit und ihre Intelligenz – das sie oft achtlos wegwirft

Ich will achtsam sein.

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Harald Martenstein liest in Salzburg

Ihr kennt das sicher auch. Da hat man ein Ritual. Es begleitet einen schon ganz lange Zeit. Und ohne das Ritual fehlt an einem bestimmten Tag einfach etwas. Bei mir ist der Sonntag so ein Ritualtag. Nicht was ihr jetzt glaubt. Nein, es geht diesmal nicht um die Lindenstraße, wo sonntags zwischen 18.50 und 19.20 für mich nichts anderes existiert. Ich gestehe jetzt, ich habe da noch ein Ritual. Es dauert 2 Stunden. Das liegt an der Größe und Fülle des Objekts, das da im Mittelpunkt steht. Ich lese die ZEIT jeden Sonntag. Ich beginne immer mit den Österreichseiten und arbeite mich dann erst Mal vor bis zu den Titelkommentaren. Das ist meist schon harte Kost. Dann nehme ich mir den Reiseteil vor, alles immer ganz spannende Reiseziele, wo ich niemals hinkomme. Dann wird es wieder ernst. Das Feuilleton beginne ich auch hinten mit „Glauben und Zweifel“ und lese mich nach vorn. Wirtschaft und Wissen haben oft spannende Artikel. Und von der großen Zeit genieße ich dann zum Schluss das Dossier und die Artikel zur Geschichte. Nach dieser Lektüre weiß ich wahrscheinlich mehr als der durchschnittliche Mensch im Jahre 1635, schätz ich mal. Da ist man dann schon satt. Aber es geht weiter mit dem Zeitmagazin. Und spätestens da brauche ich die dritte Tasse Kaffee. Nein, nicht weil es fad wird im Magazin. Das Gegenteil ist der Fall. Den Kaffee brauche ich für den Genuss. Den Genuss die Kolumne von Harald Martenstein zu lesen. Ganz selten nervt er mich. Meist spricht er Sachen aus, die man schon mal irgendwie so im Hinterkopf hatte oder fühlte, aber sie niemals in Worte fassen könnte. Er behandelt viele ernste Themen, aber sie liegen einem nicht schwer im Magen, weil er sie mit so einer Nonchalance aufs Papier wirft. Dafür bewundere ich ihn.

Ihr kennt das sicher auch. Ein Mensch begleitet einem in einem Ritual über lange Zeit. Eine Sängerin, die man nur beim Keksebacken hört. Ein Film, den man in einer bestimmten Stimmung immer wieder gerne sieht. Eine Schriftstellerin, die man nur im Urlaub lesen kann, weil da die Zeit endlos scheint und das Buch gewürdigt werden muss. Oder die Kolumne von Harald Martenstein, die mit einer dritten Tasse Kaffee genossen wird. Und man denkt sich: Das wär doch mal schön diesen Menschen zu treffen. Und dann hat man die einmalige Chance!

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Mein Martenstein Selfie :)

Heute begann das Literaturfest in Salzburg. Ich musste für die Stadt Salzburg die Begrüßung machen. Ich habe normal kein großes Lampenfieber, wenn ich vor großem Publikum sprechen muss. Liegt wahrscheinlich an zwanzig Jahren Unterricht, da stand ich auch immer vorn. Aber diesmal war es anders. Harald Martenstein war da, um zur Eröffnung zu lesen. Das machte mich zugegebenermaßen doch ein kleines bisserl nervös. Der Mensch, dessen Kolumne zu meinem Sonntag gehört,  saß neben mir. Man denkt sich dann, ja kann ich jetzt wie ein 14 Jähriges Groupie um ein Selfie bitten? Was denkt sich der? Er ist doch ein seriöser Mensch, ein Autor, kein Volksmusiksänger oder Hip Hopper.  Egal, dachte ich mir, fragen kostet nichts. Und was soll ich sagen, natürlich haben wir ein Selfie gemacht, wir haben geplaudert, ich durfte ihm ein bisschen von Salzburg erzählen und toll gelesen hat er obendrein!

Martenstein zum Nachlesen

Literaturfest 2015

 

von Josef P. Mautner

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Josef P. Mautner

Es ist Ende Mai. Das Wetter ist durchwachsen, könnte besser sein. Vor allem scheint es uns zu kalt für diese Jahreszeit. Ein nicht vorhandener Mai. Wir sind auf dem Weg nach Graz, aber 20 km vorher, in Deutschfeistritz, fahren wir von der Autobahn ab und suchen in der Wegbeschreibung aus dem Internet nach dem Ortsteil Prenning. Dort steht irgendwo ein Landhaus mit einer „Kulturpension“, in dem Leopoldine und ich die kommende Nacht verbringen werden. Ein Geschenkgutschein unserer Tochter hat uns hierhergebracht. Nach einigem Suchen und einmal Nachfragen – wir sind schon dran vorbeigefahren – landen wir in der „Kulturpension“. Es ist spät. Das nächste Wirtshaus in Deutschfeistritz weit – also bietet der Pensionswirt uns selbstgemachte Würste an, die er für uns heiß macht. Wir nehmen das Angebot dankbar an und setzen uns auf die Holzbank vor dem Hauseingang. Hier ist es windstill, und die Bank ist mit Schaffellen belegt. Da lässt sich’s aushalten im Freien, obwohl es nicht besonders warm ist. Wäre nicht die Autobahn, wäre man am Ende der Welt hier. Nimmt der Autolärm am Abend ab, dann kommt die Stille. In der Umgebung des Landhauses ist nichts als unsre Pension und ein verfallenes Nebengebäude. Ja, und Bäume, ein Teich und Schafe, die auf der Wiese gegenüber weiden. Zackelschafe sind es, erfahren wir vom Wirt. Eine alte ungarische Schafrasse, deren Fell als besonders wertvoll und wärmespeichernd gilt.

Familie Feuerlöscher

Im Internet las ich von einer Bibliothek, die von der Unternehmerfamilie Feuerlöscher im Landhaus angelegt wurde und die eine vollständige Sammlung der „Manuskripte“ beherbergen soll, jener legendären Grazer Literaturzeitschrift, die von Kolleritsch und Waldorf seit den sechziger Jahren herausgegeben wird und ein Sammelpunkt der österreichischen Avantgarde war und ist. Ich spreche unseren Gastwirt darauf an, und er sagt: Ja, darauf sei er besonders stolz. Die „Manuskripte“ seien tatsächlich vollzählig vorhanden; keine Nummer fehle. Aber darüber hinaus gebe es im Landhaus noch vieles Andere, das interessant sei – vor allem aus der Geschichte. Wenn wir wollten, könne er uns morgen das Haus zeigen. Heute sei es wohl schon ein wenig zu spät … Weiterlesen

von Adis Šerifović

Ein kleiner Junge sitzt daheim und kritzelt etwas in sein Heft. Er schreibt wie wild und lässt sich von seiner großen Schwester, dem laufenden Fernseher oder seinem besten Freund, der ihn wieder nach draußen locken will, nicht ablenken. Natürlich spielt der kleine Junge gerne draußen, immerhin ist das Land mit seinen Hügeln und düsteren Wäldern ein perfekter großer Spielplatz. Doch heute gilt sein einziges Interesse seinem neuen Buch. Die bunten Herbstblätter rascheln im kühlen Wind und ihm scheint es, als ob sie ihn in dieser aufregenden Natur in Krispl zum Spielen rufen …

Dieser kleine Junge war ich, im Alter von ungefähr acht Jahren. Wie immer schrieb ich an einer Geschichte, an die ich gerade dachte. Wie jedes Mal beendete ich diese Geschichten nie – zu viele Ideen, zu wenig Zeit. Oder vielleicht war es doch immer eine Frage der Disziplin? Ich weiß es nicht.

Mit 15 Jahren schrieb ich dann das erste Mal einen Fantasyroman fertig und im Alter von 17 Jahren die erste Novelle. Beides ist noch irgendwo abgespeichert und ist nicht zur Veröffentlichung gedacht. Vielmehr waren meine ersten literarischen Werke für mich eher eine Art Training und Hobby. Später erkannte ich, dass mein Schreiben durchaus selbsttherapeutische Gründe hatte.

Mit 22 Jahren schrieb ich mein erstes Kinderbuch fertig, welches auch den Weg in die Öffentlichkeit fand: Eine Geschichte über zwei beste Freundinnen, die sich zwar von ihrer Herkunft und Religion unterscheiden, dies aber kein Hindernis für sie darstellt.

Am ersten Schultag weiß Clara nicht, wo sie sich hinsetzen kann und findet einen freien Platz neben Elif:

„Doch plötzlich sah sie etwas, was ihr gefiel! Ein Mädchen saß beim Fenster und rechts neben ihr war ein Platz frei. Sie war ihr auf Anhieb sympathisch, da sie einen Schal um den Kopf trug, auf dem ganz viele Kätzchen oben waren. Und Clara liebte Katzen! Sie stürmte auf diesen freien Platz wie ein wildes Pferd, um ihn ja für sich zu haben.“
(Auszug aus „Elif und Clara. Der geheime Schlüssel; erschienen beim Alhamra Verlag)

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„Elif und Clara – Der geheime Schlüssel“ Was dieser Schlüssel wohl ist? Wo und wie werden die beiden besten Freundinnen ihn finden?

Elif trägt Kopftuch, ist Muslimin und ihre Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei. Elifs Eltern sehen sich selbstverständlich als Österreicherinnen und Österreicher, was jedoch manche in ihrer Umgebung weniger bestätigen können. Eines Tages nehmen die Mädchen ihre Haustiere, den dicken Kater Theo und das kleine Küken in die Schule mit, welche sie jedoch in ihren Schulta-schen verstecken. Plötzlich gehen die beiden Haustiere im Unterricht aufeinander los, weshalb die Lehrerin die beiden Freundinnen zur Direktorin schickt. Haustiere in die Schule mitzunehmen, ist nämlich nicht erlaubt. Und aus diesem gegebenen Anlass sitzen bald darauf auch Elifs und Claras Eltern bei der Direktorin, wo die Situation schließlich eskaliert:

„Ich meine Euch Ausländer! Wer macht denn täglich Ärger bei uns in der Stadt? Wenn ich die Zeitung aufschlage, sehe ich Hunderte Berichte, wo ihr wieder etwas angestellt habt! Ich halte es mit euch wirklich nicht mehr aus! Integriert euch endlich!“, kreischte Claras Mama.
„Wir sind keine Ausländer! Mein Mann und ich sind hier geboren und haben einen österreichischen Pass. Wir sind Österreicher!“, sagte Elifs Mama zornig.
„Ach ja?! Und Ihre Kleidung? Die sieht ja nicht sehr österreichisch aus…“, erwiderte Claras Mama. „Ach, hören Sie doch auf! So etwas lass ich mir nicht bieten, Ihrer Tochter sind Sie aber kein Vorbild! Sie sollten sich schämen“, rief Elifs Mama und wandte sich zum Gehen.
„Jaja! Den Schlüssel zur Integration haben Sie bestimmt nicht gefunden!“, rief Claras Mutter ihr nach.
(Auszug aus „Elif und Clara. Der geheime Schlüssel; erschienen beim Alhamra Verlag)

Elif, Clara und ihr Klassenkamerad Jan machen sich auf, um diesen Schlüssel zur Integration zu finden. Ist es vielleicht der gestohlene Stadtschlüssel, der seit einiger Zeit verschollen ist? Die drei geraten in ein großes Abenteuer und bringen sich selbst in große Gefahr …

1911588_489436547832070_498861338_oFür mich ist Schreiben vielmehr als nur ein Beruf oder ein Hobby. Es ist eine Aufgabe, eine Berufung und auch eine Art Therapie. Vor allem bei Kinderbüchern kann ich meinen Geist richtig gehen lassen und mich in diese wunderbaren kleinen Geschöpfe versetzen, die die Welt so anders sehen als viele Erwachsene. Alles scheint machbar, unkomplizierter und jede Hürde wird als ein Abenteuer gesehen – und nicht als neue Belastung betrachtet. Für Kinder ist die Welt ein großer Spielplatz, und wenn ich schreibe, werde ich selber zum Kind und betrachte im Nachhinein so viele Dinge anders. Durch meine Arbeit in verschiedenen Schulen, konnte ich sehen, dass Kinder große Vorbilder im Umgang miteinander sein können. Es wird gespielt, man hat Spaß und es wird getobt – egal woher jemand kommt und wie diese Person aussieht oder heißt. Auch wenn es zu Streit kommt, wird dieser anhand der aktuellen Situation diskutiert („Du hast mir mein Spielzeug weggenommen, Armin!“) und man urteilt nicht aufgrund des Migrationshintergrundes („Du diebischer Bosnier!“). Ist das nicht ein gutes Beispiel für unsere Politik und unseren Umgang miteinander?
So werden die „Ausländer, die unsere Arbeitsplätze wegnehmen“ für „die Arbeitslosigkeit“ und „die störenden Bettler auf der Straße“ für „die steigende Armut in Österreich“ zur Verantwortung gezogen.

Schreiben öffnet mir für vieles die Augen, weil man Themen für Kinderaugen einfach gestalten muss. Und bei dieser „einfachen Gestaltung“, werden bestimmte Probleme an ihrer Wurzel ge-packt, anstatt sich in leere Theorien bei den vielen Blättern zu verstricken. Und viele aktuelle Geschehnisse könnten tolle Kinderbücher füllen. Warum auch nicht versuchen? In meiner Kindheit inspirierten mich „Frodo“ aus „Herr der Ringe“ oder Harry Potters große Abenteuer für die Gerechtigkeit… Vielleicht inspirieren Sie mit Ihrem Schreiben die eine oder den anderen auch?


Adis Serifovic, geboren in Bosnien und Herzegowina, 1992 mit seiner Familie als zweijähriger nach Salzburg wegen des Genozids in Bosnien geflüchtet, ist Autor und Illustrator. Er lebt und studiert in Salzburg und engagiert sich in der Muslimischen Jugend Österreich und in der Plattform für Menschenrechte in Salzburg.

Hier Kontaktlinks: www.facebook.com/adis.serif

http://www.amazon.de/Abenteuer-Elif-Clara-Adis-erifovi/dp/3950351000/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1418589307&sr=8-1&keywords=elif+clara

2017 erscheint ein Buch, das sich mit dem Sport in der NS-Zeit in Salzburg befasst. Dafür werden noch Zeitzeugen und Dokumente gesucht.

Ein Meistersprung zartbitterIn den 1930er-Jahren gab es zwei einschneidende Ereignisse für das lokale Sportgeschehen. Mit Beginn des Ständestaates unter den Diktaturregierungen von Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg brachen ab 1934 sämtliche sozialdemokratischen Vereine weg. Nach der Übernahme Österreichs durch das Hitler-Regime im März 1938 wurden alle nicht NS-konformen Vereine verboten – es wurden auch sämtliche katholischen Vereine gelöscht, einige der Mitglieder sind obendrein in ein Konzentrationslager gekommen.

Ein ausführliches Buchprojekt, das 2017 präsentiert wird, wird sich mit den damaligen Geschehnissen auseinandersetzen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landessportorganisation, des Salzburger Landesarchivs sowie des Interfakultären Fachbereichs für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg. Die Idee kommt von Joachim Glaser, langjähriger Sportredakteur des ORF und nunmehriger Buchautor.

Das Ziel des Buches ist es, eine fundierte wissenschaftliche Darstellung des Sports zu liefern, fernab von Mythen und Legenden. „Bis jetzt hat sich die Aufarbeitung des Sports während der NS-Zeit auf Wien konzentriert. Vor allem im Bereich des Fußballs hat sich diesbezüglich viel getan. Im Westen Österreichs existiert bis dato wenig“, sagt Historiker Andreas Praher, der gerade seine Doktorarbeit zum Thema Skisport in der NS-Zeit verfasst. Das Buch werde sowohl den gesamten Breitensport als auch den Schul- und Wehrsport unter die Lupe nehmen. „Es gab einige Konflikte zwischen der Deutschen Arbeiterfront, den Reichs- und den Gauführungen sowie der Hitlerjugend“, erklärt Landesarchiv-Direktor Oskar Dohle. Wichtig sei, dass man niemanden an den Pranger stellen wolle. „Einige Funktionäre wurden nach Kriegsende kurz gesperrt, waren aber ein paar Jahre später wieder aktiv. Wir wollen ihre Biografien aufarbeiten, wissen derzeit aber noch nicht, wie viele Menschen damals wirklich dabei waren“, sagt Dohle.

Für das Buchprojekt werden noch Zeitzeugen, aktive Sportler von damals, aber auch Mitarbeiter, die Beiträge verfassen, im gesamten Bundesland gesucht. „Wir müssen unzählige Kartons voller Archivmaterialien im In- und Ausland sichten. Dazu kommen noch sehr viele Mikrofilme“, sagt Dohle. Es sollen Interviews mit damals aktiven Funktionären, Sportlerinnen und Sportlern und ihren Nachfahren geführt werden.

Wer historische Dokumente wie Fotos, Briefe oder Schriftstücke zu Hause hat, kann sich direkt an den Direktor der LSO, Walter Pfaller, unter Tel.-Nr. 0662/8042-2578 oder E-Mail: [email protected] wenden.

Fotos (c) Landesarchiv Salzburg