Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

Unzählige Tote. Viele Plätze des Terrors. Unsägliches Leid der verletzten Opfer, der Augenzeugen, der Angehörigen und Freunde der Toten. Die Nachrichten aus Paris sind furchtbar. Mittendrin ins Leben der Stadt, an einem Freitag Abend, kommen die Mörder unter die Menschen. Es sind nicht die symbolträchtigen Plätze, sondern die Orte, wo jedermann und jedefrau einen gemütlichen, entspannten, spannenden oder ausgelassenen Abend verbringen. Im Restaurant, beim Fußball oder im Rockkonzert. Alle Menschen sollen von Angst und Panik ergriffen werden, nicht nur in Paris, überall in Europa. Das wollen die Mörder, das ist ihre hinterhältige Rechnung. Wollen wir das? Wollen wir uns von denen vorschreiben lassen, wie wir reagieren sollen? Mehr Misstrauen, mehr Angst, mehr Abstand zum Nächsten?

Ich will das nicht, da täuscht ihr Mörder euch! Ich will, dass wir näher zusammenrücken. Wir Menschen in Europa, in unserem Land, unserer Stadt. Ich will, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Dass wir uns zuhören und nicht streiten. Dass wir gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern. Dass wir eine menschenfreundliche Gesellschaft bleiben, die herzlich und offen ist. Und die einen jeden, nach seiner Facon glücklich werden lässt, egal sind Sprache, Kultur, Religion, Geschlecht und das Geschlecht unserer Liebsten. Der Respekt vor dem anderen ist wichtig. Das will ich und das wollen unzählige andere auch. Ihr Mörder täuscht euch, wenn ihr meint unser Europa und unsere Lebensweise und unsere Lebenshaltung zerstören zu können. Ihr Mörder wollt das Böse in unseren Alltag bringen, Zwietracht zwischen den Menschen säen, die Herzen hart machen. Dem Misstrauen mehr Platz schießen und bomben. Ihr täuscht euch und ihr werdet dafür auf dieser Welt und in der anderen Welt bezahlen. Denn immer noch hat in der Geschichte das Gute gesiegt, das Vertrauen und die Zusammenarbeit der Menschen, die guten Willens sind!

Das ist Europa! Das sind wir!

Heute war die große Feier zu 25 Jahre Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg. Mit einem tollen Theater über drei Frauen aus einer anderen Zeit, deren Tätigkeiten aber auch heute noch ein großes Ohhhhh und Ahhhhh hervorrufen würde: Marie Curie, Lise Meitner und Hedi Lamarr. Große Entdeckerinnen, Forscherinnen, Erfinderinnen in den Naturwissenschaften. Mit Ansprachen von Politikerinnen und Interviews mit den Leiterinnen der Frauenbüros. Und ganz viel Publikum, wo das Geschlechterverhältnis in etwa dem eines österreichischen Aufsichtsrates oder eines Physikkongresses entspricht, natürlich umgekehrt. Also es waren wesentlich mehr Frauen dabei beim Feiern als Männer. Obwohl Männer ja nicht so ungern feiern, was ich so weiß. Und es gab auch was zu essen und zu trinken. Und die Ansprachen, die Interviews und das Theaterstück hätte ich jetzt auch nicht als hardcorefeministisch bezeichnet, also Alice Schwarzer hätte da einiges zu bemängeln gehabt. Normalerweise störe ich mich ja nicht daran, wenn jetzt bei einem Fest kein ausgewogenes Geschlechterverhältnis gegeben ist. Aber heute schon ein bisschen.

af2

Und zwar darum:

Seit Monaten höre ich in der ganzen Flüchtlingsdebatte auch immer ganz viele Aussagen zu Frauenrechten. Ständig wird in der Politik, in den Medien und am Stammtisch darüber gesprochen, wie gleichgestellt wir hier in Österreich sind. Ich höre das von Menschen, Frauen und Männern, aber insbesondere Männern, die sich in dieser Debatte zu Kämpfern für die Frauenrechte aufschwingen. Von denen man aber Jahr und Tag nichts, aber rein gar nichts, zur Frauengleichstellung gehört hat. Im Gegenteil, das sind dann oft diejenigen, die tausend Argumente finden, warum eine Quote völlig verfehlt ist.

Ganz vieles, was in unserer Gesellschaft an Gleichstellung erreicht wurde, verdanken wir Frauenvereinen, Fraueninstitutionen, Frauenbüros und vielen einzelnen Frauen. Die über die Jahre belächelt, oft als lästig empfunden wurden und erst in den letzten Jahren auf Augenhöhe zu Geschlechterthemen wahrgenommen werden. Die Ergebnisse jahrzehntelanger Frauenarbeit sind herzeigbar, gegen viele Widerstände durchgesetzt, aber noch lange nicht befriedigend.

Und jetzt wäre es ganz schön, wenn alle Frauen und Männer, die bei der Flüchtlings- und Integrationsdebatte die Fahne der Gleichstellung so hochhalten, ganz einfach alle jene unterstützen, die sich weiter darum bemühen, dass wir in Österreich wirklich zu einer echten Gleichstellung kommen. Darum brauchen wir auch weiterhin die Frauenbüros. Auch wenn ein ganz tougher kanadischer Premierminister  2015 das Zeitalter der echten Gleichstellung eingeläutet hat, zumindest in der kanadischen Regierung ;)

von Gabriele Rothuber

aa2

Gabriele Rothuber ist Intersex-Expertin

Familiengeheimnisse, Tabus, über die innerhalb und/oder außerhalb der Familie nicht gesprochen werden, haben eine große Wirkmacht auf das Familiengefüge und deren einzelnen Mitglieder.Als „Tabuthema“ wird ein Thema bezeichnet, das nicht oder nur eingeschränkt öffentlich thematisiert wird. Oft handelt es sich dabei um Gebiete, die wunde Punkte einer Gesellschaft berühren. Auch wenn heute in westlichen Ländern vielfach von einer „Gesellschaft ohne Tabus“ gesprochen wird, gibt es auch hier, wie in jeder Gesellschaft Tabuthemen, die insbesondere bestimmte Zustände der Körperlichkeit ansprechen (Wikipedia)

Intersex berührt wunde Punkte der Gesellschaft, die davon ausgeht, dass es nur Frauen und Männer gibt / geben darf! Intersex fordert dazu auf, die Realität anzuerkennen, dass es Geschlechtsidentitäten jenseits von weiblich und männlich gibt.

Es kann unterschiedliche Beweggründe geben, weshalb über eine gewisse, die Familie oder einzelne Mitglieder betreffende, Thematik nicht gesprochen wird,: so dienen sie etwa bei häuslicher körperlicher / sexueller Gewalt der Macht, Verschleierung und Aufrechterhaltung der “Normalität” nach außen. Eltern können ihre Kinder jedoch auch vor vermeintlicher Abwertung oder Bloßstellung beschützen wollen. Schweigen kann auch einfach dem Warten “auf den richtigen Zeitpunkt” dienen, in dem über das Geheimnis gesprochen werden soll.

Sprachlosigkeit in der Familie

Viele intersexuell Geborene berichten von ebendieser Sprachlosigkeit innerhalb der Familie: so wurde vielen jahrelang nichts über ihre “Besonderheit” erzählt – nicht einmal dann, wenn an den inneren und/oder äußeren Sexualorganen operative Veränderungen vorgenommen wurden!  Dies wird oftmals als Verrat, als ein Ausgeliefertsein, das Fehlen des elterlichen Schutzes und Erschütterung des Urvertrauens empfunden und trägt kaum zu einer gelingenden Eltern-Kind-Beziehung bei.

Die starke Tabuisierung – ein “Familiengeheimnis”, das auf allen Beteiligten, am meisten jedoch sicher auf den Betroffenen lastet – zieht sich meist weiter in die Pubertät und das Erwachsenenalter. Zu groß erscheint die Angst vor Diffamierung, Ausgrenzung und Sensationsgier anderer. Zu groß ist noch immer die gesellschaftliche Tabuisierung von Intersex!

Der Machbarkeitswahn von Dr. Money’s “Optimal Gender Policy” der 50er Jahre ging davon aus, sexuelle Identität unabhängig vom Körper, mit dem man geboren wird, könne anerzogen werden. Inter*Kinder sollten dementsprechend früh einem Normgeschlecht “angepasst” werden – hierüber sollte eine strenge Geheimhaltung herrschen: die Kinder / Jugendlichen sollten niemals erfahren, wie sie geboren wurden.

2005 wurde in der Chicago Consensus Conference u.a. die offene Kommunikation mit Inter* und Eltern als neue Richtlinie festgelegt.

Und doch wirken Money’s Richtlinien in der Medizin bis heute nach!

Familiengeheimnis?

aaa1

Einer von 1000 Menschen ist intersexuell – also in Salzburg mehr als 500!

“Von belastender, lähmender, unterdrückender oder dysfunktionaler Wirkung scheinen Familiengeheimnisse vor allem dort zu sein, wo einem oder mehreren Familienmitgliedern sie zutiefst betreffende Fakten vorenthalten werden. Das sind vor allem Fakten um Leben geben und Leben bekommen, Fakten um Tod, schwere Krankheit und schwere Schuld in der Familie. Es sind Informationen, die die Basis, die Wurzel unseres Selbstbildes, unserer Identität, unseres Platzes im Leben betreffen (…)” (Guni-Leila Baxa)

Auch in ihrer Kindheit nicht operierte Inter*Personen[1] beklagen, in der Kindheit nicht über ihre “Besonderheit” aufgeklärt worden zu sein: darüber wurde nicht gesprochen; wohl aber ahnen Inter*Kinder, dass sie “anders” sind als die anderen. Sie werden versteckt, “behütet”, dürfen sich nicht mit anderen Kindern umziehen, sich nackt zeigen oder ihre Körper durch “Doktorspiele” erfahren, dürfen nicht von anderen gewickelt werden etc.: eine natürliche Herangehensweise an kindliche Sexualität mit all ihrem sinnlichen Forscherdrang, wie sie eine psychosexuelle Entwicklung fördert, bleibt vielen Inter*Kindern verschlossen – zu groß scheint die Gefahr, “entdeckt” zu werden.

Belastende Geheimnisse formen die Beziehungen innerhalb der Familie:

die einzelnen Mitglieder wissen, mit wem wie gesprochen werden darf, welche Grenzen nicht überschritten werden dürfen, wo Obacht angebracht ist etc. “Immer ist da die Sorge, an etwas zu rühren, ist da eine Vorsicht und ständige innere Kontrolle worüber gesprochen werden darf und worüber nicht.” (Baxa)

Zur Erklärung:

aaaaa4

Das Open Mind Festival – Foto (c) Hannah Gottschalk

Im medizinischen Ideal-Fall hat ein “Mann” XY-Chromosomen, Testosteron und Spermien produzierende Hoden in einem Hodensack unterhalb seines Penis, der bei der Geburt größer als 2,5 Zentimeter ist und in dessen Eichel die Harnröhre mündet. Sein Körper reagiert auf das Testosteron in der Pubertät mit Haarwuchs, Stimmbruch und Muskelwachstum.

Eine “Frau” hat XX-Chromosomen, weibliche Hormone und Eizellen produzierende Eierstöcke, eine in eine Gebärmutter mündende Scheide unter ihrer bei der Geburt weniger als 0,7 cm großen Klitoris und der darunterliegenden Harnröhre. Ihr Körper reagiert auf die weiblichen Hormone mit der Produktion von Eizellen und Brustwachstum. (Siehe www.vimoe.at)

Rund einer von 1000 Menschen wird allerdings mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren oder entspricht in irgendeiner Weise nicht den klassischen Idealen eines rein männlichen oder weiblichen Körpers – das ist Intersex.

Die ISNA – Intersex Society North America – geht gar davon aus, dass eines von 100 (!) Kindern mit Genitalien auf die Welt kommen, die in irgendeiner Weise nicht „der Norm“ entsprechen! Geschlecht und Normierung geht uns alle an!

Die allermeisten intersexuellen Menschen (ca 85 %) werden aber erst im Laufe ihres Lebens „entdeckt“, etwa in der Pubertät: wenn Hormone den Körper in eine unerwartete Richtung verändern (etwa Ausbleiben der Regel, Stimmbruch, Bartwachstum oder Klitoriswachstum bei „Mädchen“ oder Brustwachstum, Ausbleiben von Bart, Stimmbruch und Peniswachstum bei „Burschen“)
[1] Auch heute noch werden über 85 % der Inter*Neugeborenen chirurgisch/hormonell einem Normgeschlecht angepasst! Dies bedeutet für viele die Wegnahme gesunder Keimdrüsen („Kastration“), die lebenslange Substitution künstlicher Hormone, den Verlust der Zeugungs- oder Gebärfähigkeit, den Verlust sexueller Empfindsamkeit etc.

aaaaa

Gin Müller & Gorji Marzban „Trans Gender Moves“ Foto (c) Lisbeth Kovacic

In Salzburg veranstaltet die HOSI Salzburg in Kooperation mit der ARGEkultur im Rahmen des Open Mind Festivals „Ich ist eine andere“ am 21.11. einen Trans*Inter*Thementag mit kostenlosen Workshops:

Hier geht es zum Open Mind Festival in Salzburg!

mehr Infos unter:

www.vimoe.at

www.hosi.or.at

www.courage-beratung.at

www.plattform-intersex.at

Social Dining, Miteinander Essen oder Invitationsdepartement. Es geht immer um das Gleiche. Menschen, die sich nicht so gut oder gar nicht kennen, treffen sich zum Essen. Denn das Essen bringt die Leut zusammen.

a7

So geschehen auch Montag Abend im Bewohnerservice Gnigl/Schallmoos in Salzburg. Es treffen sich ÖsterreicherInnen und AsylwerberInnen.

a2

Um 12hr mittags beginnen die Köche mit den Vorbereitungsarbeiten. Es gibt orientalische Spezialitäten und Pizza. Das dauert. Um 19 Uhr warten dann über 30 Menschen auf das gemeinsame Essen. Und ein Gesprächsthema gibt es, um die ersten Hürden zu überwinden: das Essen.

a7

Und dann wird es schon persönlicher. Ich werde auch ausgefragt über Familie und Beruf. Und ich frage natürlich interessiert zurück. Und es dauert nicht lange, bis das Handy gezückt wird und die Familienfotos die Runde machen. Ein Flüchtling aus dem Irak erzählt mit sehnsüchtigem Blick von Frau, Töchtern und Sohn. Die Iranerin neben mir hat schon Asyl und ihre Tochter erklärt mir welche Buchstaben sie schon in der  ersten Klasse Volksschule gelernt hat.

a1

„Der Chefkoch“ des Abends kann mit mir auf Türkisch plaudern, das er von einem Freund gelernt hat. Es gibt viele Augenblicke mit fröhlichen Gesichtern und Gelächter. Und dann immer wieder sehr sentimentale Momente, die jeder für sich alleine erlebt, aber kurz später wird er schon wieder von der Gemeinschaft getragen. Das hilft. Und darum mag ich das und kann es nur jedem raten, es auch zu versuchen. Nach den ersten Minuten der Unsicherheit, ist das Eis gleich gebrochen, denn das Essen bringt die Leut zusammen.

von Ayad Salim
[scroll down for the English and Arabic versions]

Ich traf die Schlepper in Istanbul, von denen einer aus dem Irak stammte. Er arbeitete für den größten iranischen Schlepper in Europa. Wir besprachen die Route aus der Türkei hinaus und er versicherte mir, dass die Route nicht schwierig ist und nach Europa führt. Nach drei Tagen stiegen wir in einen Bus raus aufs Land. Dort blieben wir bis zum Abend. Es war Ende November 2014. Zum Tagesanbruch stiegen wir in ein Landfahrzeug und die Schlepper sagten, dass wir uns ducken sollten. Wir fuhren fast eine halbe Stunde mit dem Traktor. Dann stiegen wir aus und begannen zu marschieren. Der Boden war matschig. Wir wanderten fast eine Stunde. Dann hieß es, der Weg sei nicht mehr sicher und wir gingen wieder ins Dorf zurück. Ich wusste nicht, wo genau ich war. Wir stapften fast zwei Stunden zurück durch den Matsch. Ich schwitzte sehr und spürte erste Anzeichen von Grippe. Im Dorf angekommen, führten uns die Schlepper in einen Kuhstall. Samt Schleppern waren wir zu zehnt. Wir machten Feuer, um uns warm zu halten, denn es war bewölkt und kühl.

Meine Grippe wurde immer schlimmer. Draußen begann es heftig zu regnen. Meine Temperatur stieg über Nacht so sehr an, dass ich zu halluzinieren begann – und wegen des Rauchs und des Feuers konnte ich kaum atmen. Es gab nur Stroh, um sich darauf hinzulegen. Der Geruch von Kuhmist mischte sich mit dem Rauch. Ein unerträglicher Ort.
Ich beschloss, am Morgen nach Istanbul zurückzukehren, weil ich einfach zu krank war. Bei Tagesanbruch begannen meine Freunde ihre paar Habseligkeiten zu packen. Zu viel mitzunehmen wäre eine Belastung auf der Reise. Ich sagte einem der Schlepper, dass ich umkehren möchte, weil ich zu müde und zu krank bin. Doch er und meine Mitreisenden, Syrer und Iraker, versuchten mich wieder umzustimmen. Der Schlepper versicherte mir, dass wir nach Istanbul zurückkehren, falls dieser Versuch scheitert. Ich beschloss noch einen Versuch zu machen. Nur diesmal war ich von der Grippe und dem Fieber erschöpft. Wir verließen den Kuhstall auf dieselbe Weise, wie wir reinkamen – mit dem Traktor. Wir fuhren an den Ort, von dem aus wir unseren Weg zu Fuß starten sollten. Es hatte noch immer nicht aufgehört zu regnen und wir begannen in dem kalten Regenwetter zu marschieren. Wir kamen an einen Ort, den die Schlepper „den Punkt“ nannten. Hier hieß es warten. Es war Mittag und wir mussten bis zum Sonnenuntergang dort bleiben. Die Schlepper sagten uns, dass wir jetzt weitergehen. Wir kamen in sehr matschiges Gelände. Mein Rucksack wurde mir zu schwer und ich konnte kaum atmen. Das Gehen wurde immer beschwerlicher. Wir waren knietief im Matsch und mussten das Gebiet schnell verlassen. Ich konnte nicht mehr weiter – wegen der Grippe, des Regens und der Erschöpfung. Die Frauen fielen im Matsch hin. Wir halfen ihnen auf, damit sie weitergehen konnten. Ich bleib stehen und fiel beinahe um, aber einer der Schlepper half mir weiter. Es wurde Nacht.

Wir setzten unseren Weg fort und erreichten den nächsten Ort. Die Schlepper sagten uns, dass wir durch den Stacheldrahtzaun durch müssen. Wenn wir auf der anderen Seite sind kommen dann Autos. Ich glaube, es war eine Staatsgrenze. Die Schlepper prüften, ob die Straße sicher ist. Nach ungefähr einer Stunde kamen sie zurück und sagten, dass die Straße wegen Polizeikontrollen nicht sicher ist. Wir mussten einen anderen Weg nehmen.

Wir wanderten ca. drei Stunden durch matschiges Land und durchquerten einen ca. drei Meter breiten Bach. Für mich war das auch schon egal. Ich war ohnehin vom Regen durch und durch nass. Als wäre der Regen nicht genug, nahm auch noch der Wind zu und es wurde sehr kalt. Wir kamen in ein sehr weites, offenes Gebiet, durch das eine Straße führte. Ich dachte, dass unser Weg jetzt vorbei sei und Autos kommen würden. Die beiden Schlepper kontaktierten die Fahrer; sie werden in 15 Minuten da sein, hieß es. Eine Stunde später waren sie noch immer nicht da. Ich dachte, mein Blut würde aufhören zu fließen wegen der Kälte. Ein paar andere begannen zu schreien und die Frauen zu weinen. Wir wollten einfach nur, dass irgendjemand uns mitnimmt – und wenn es die Polizei ist. Wir wollten einfach nur raus aus dem Regen. Es war unerträglich. Ich sagte mir: „Werde ich hier sterben? Ist das mein Ende?“ Ich betete, dass ich nicht hier in diesem fremden Land sterbe. Ich fürchtete mich nicht vor dem Tod, aber ich wollte nur nicht an einem Ort sterben, an dem mich niemand kennt. Wie würden meine Familie und meine Kinder davon erfahren, für die ich mein Land verlassen hatte?

Die Sekunden kamen mir wie Jahre vor, während ich im Geiste auf mein Leben zurückblickte. Ich akzeptierte die Vorstellung, dass ich sterbe. Ich spürte meine Arme und Beine schon nicht mehr. Endlich riefen die Schlepper: „Autos! Kommt, macht euch bereit!“ Ich konnte die Autos sehen und plötzlich wurde mir wärmer. Ihre Lichter waren wie ein Hoffnungsschimmer. Doch sie fuhren an uns vorbei, ohne anzuhalten. Aber sie kamen zurück.

Es war warm in den Autos. Beide Fahrer sprachen eine Sprache, die wie Russisch klang. Ich schloss meine Augen und spürte aus Erschöpfung und wegen der Wärme gar nichts mehr.

Fortsetzung folgt …

Why Austria … episode 5
I met the smugglers in Istanbul one of whom was from Iraq. He worked for the top Iranian smuggler in Europe. We agreed on a way out by land and he assured me that the route is not difficult and will lead to good European countries. After three days we boarded a bus to a rural area where we stayed until evening. That was in late November 2014. At dawn we boarded a farmer’s trailer and the smugglers asked us to duck down. After almost half an hour we got off and continued on foot. The ground was muddy. We walked for about an hour and then they told us it was not safe, so we would have to return to the village. I did not know where I was. We walked back through the mud for more than two hours. I was sweating a lot and starting to show symptoms of flu. We reached the village and the smugglers put us in animal corrals for cows. We were ten people including two of the smugglers. We made a fire inside to keep warm because the weather was cloudy and cool. They did not allow us to open the net, fearing that people might notice us.

Outside it started raining heavily and my flu got worse and worse. My temperature rose so high during the night that I began to hallucinate, and I couldn’t breathe because of the smoke from the heating fire. There was nothing to lie back on but the straw. The smell of cow dung mixed with smoke, and the place became unbearable.

I decided to go back to Istanbul in the morning because I was very ill. The next day at dawn, my friends began to pack their few possessions, as we could not take a lot of stuff so as not to be a burden on the trip. I told the smuggler that I wanted to return because I was tired and ill. He tried to persuade me to stay, and my companions, the Syrians and the Iraqis, also tried to convince me to change my mind again. The smuggler assured me that if the attempt failed that day we would return to Istanbul. I decided to continue on the journey just once more. Only this one time. I was just fatigued from the flu and the fever.

We came out of the byre in the same way, by tractor, to the designated location to start our hike. The rain had not stopped since the night before. We started walking in this cold, rainy weather. We walked for several hours in forests and between the trees and the muddy ground. We got to a place the smugglers called “the point”, and they asked us to wait. It was noon. We waited for sunset. The smugglers asked us to walk again. We entered very muddy places. My backpack became too heavy because of the rain and I could hardly breathe. Walking became too difficult; we were knee-deep in mud and had to leave the area quickly. I couldn’t carry on walking because of the flu, the rain and the fatigue. The women fell in the mud. We helped them up so they could go on. I stopped and was about to fall down but a smuggler helped me to carry on. Night came.

We continued on our trek and reached another point. The smugglers told us to wait for the cars that would pick us up after we crossed the barbed wire. I think it was a border. The smugglers went to check the road. Rain fell constantly and I could barely breathe. After about an hour they came back and said that the road was not safe because of a police control. We had to take a different way. We walked for about three hours through muddy land and crossed a river that was about three metres wide. This made no difference to me. All my clothes, even down to my underwear, were wet anyway because of the rain. On top of the constant rain, the wind became stronger and very cold. We arrived at an open space and a road. I thought that our trip was over and the cars would now come. The two smugglers contacted the drivers; they would come within 15 minutes. An hour later they had still not arrived. I felt like my blood would stop because of the cold. Some of the others started shouting and the women screaming and crying. We just wanted anyone to take us – even if they were the police. We just wanted to get out of the rain. It was unbearable. At that time I felt I was going to die and I said to myself, “Will I die here? Is this my end?” I prayed that I wouldn’t die in this foreign place. I didn’t fear death, but I didn’t want to die in a place where no one knew me. How would they tell my family and my children, for whom I had left my country?

The seconds felt like years as I thought back on my life. Actually I succumbed to the idea of death; because I no longer had any feeling in my arms and legs. Finally the smugglers shouted, “Cars! Come, get ready.” Suddenly I felt warm as I saw the cars coming toward us, their lights like a glimmer of hope. At first, the cars passed without stopping and I felt my hope go away, but they returned.

It was very warm in the cars. Both drivers spoke a language that sounded like Russian. I closed my eyes and couldn’t feel anything anymore because of exhaustion and the warmth.

To be continued …

لماذا النمسا .. الحلقة 5 

في اسطنبول التقيت باحد المهربين وكان من العراق وهو يعمل لصالح مهرب كبير في اوربا ايراني الجنسية. اتفقنا على طريقة الخروج عبر البر واكد لي بان الطريق ليس بالصعب على ان يتم ايصالي الى احد الدول الاوربية الجيدة. بعد ثلاثة ايام ركبنا في باص الى منطقة ريفية وبقينا حتى المساء فيها. كان هذا في نهاية شهر نوفمبر 2014. وعند الفجر ركبنا جرار زراعيا وطلبوا منا خفض رؤوسنا. تحرك بنا الجرارنصف ساعة تقريبا ثم نزلنا وبدأنا المسير. وكانت الارض طينية. مشينا حوالي ساعة ثم قال لنا المهرب بانه علينا العودة الى القرية لان الطريق غير آمن. لم اعرف اين انا. عدنا مشيا واستغرقنا اكثر من ساعتين في ارض تلك الارض الطينية. تعرقت كثيرا وبدأت علي اعراض الانفلونزا. وصلنا الى القرية ووضعونا في زريبة لجمع القش والآلات الزراعية وفيها بقر ايضا. كنا عشرة اشخاص مع اثنين من المهربين. اشعلنا نارا داخل الزريبة للتدفئة لان الجو كان غائما وباردا. لم يسمحوا لنا بفتح الشباك خشية ملاحظة الناس لوجودنا.

بدأت الانفلونزا تزداد حدتها معي وبدأت الامطار تهطل بغزارة في الخارج. ارتفعت حرارتي كثيرا في الليل وبدأت اهذي ولا استطيع التنفس من الدخان بسبب اشعال النيران للتدفئة. لم يكن هناك اي شيء نستلقي عليه سوا القش. رائحة روث البقر اختلطت مع الدخان فاصبح المكان لايطاق.

قررت ان اعود الى اسطنبول عندما ياتي الصباح لاني كنت مريضا جدا. في اليوم التالي عند الفجر بدأ رفاقي يحزمون امتعتهم القليلة لانه لم يكن بمقدورنا ان ناخذ الكثير من الاغراض كي لا تكون عبئا علينا في الرحلة. قلت للمهرب اني اريد العودة فحاول اقناعي بالبقاء. وتدخل من كان معي في الرحلة من السوريين والعراقيين لاقناعي بالعدول عن قراري. المهرب اكد لي انه اذا فشلت المحاولة لهذا اليوم سنعود الى اسطنبول. عندها قررت الاستمرار في الرحلة لهذه المرة فقط وكنت مرهق من الانفلونزا والحمى.

خرجنا من الزريبة وبنفس الطريقة بواسطة الجرار الى المكان المحدد للنزول لبدء المسير. الامطار لم تتوقف منذ الليلة الماضية. بدأنا المسير في هذا الجو الممطر والبارد. مشينا لعدة ساعات وسط غابات وبين الاشجار والارض الموحلة والامطار من فوقنا تهطل باستمرار والتي كانت تخف احيانا لكنها لم تتوقف ابدا. وصلنا الى مكان يقال له (النقطة) وطلب منا المهربان ان ننتظر هنا وكان الوقت ظهرا. انتظرنا لحين الغروب ثم طلبوا منا المسير ايضا. دخلنا في اماكن موحلة جدا واصبحت حقيبة الظر ثقيلة جدا علي بسبب الامطار وبالكاد استطيع التنفس. اصبح السير صعبا جدا بحيث ان ارجلنا تغوص فيها الى حد الركبة تقريبا ولابد من تجاوز تلك المنطقة بسرعة. هنا لم اعد اقدر المشي بسبب الارهاق من المرض والامطار والتعب. كان معنا نساء سقطوا في الطين وساعدناهن في المسير. ;kj كنت على وشك السقوط لكن احد المهربين ساعدني في الاستمرار واصبح الوقت ليلا.

استمرينا بالمسير ووصلنا الى نقطة اخرى وقال لنا المهربان هنا سننتظر السيارات التي ستحملنا بعد ان عبرنا اسلاكا شائكة واعتقد انها كان حدودا فاصلة. ذهب المهربان لتفقد الطريق والامطار مستمرة بالهطول وبالكاد كنت استطيع التنفس. بعد ساعة تقريبا جاؤوا الينا ليقولا بان الطريق غير آمن ويوجد شرطة على الطريق ولابد من تغيير المسار. سرنا مرة خرى لمدة ثلاث ساعات تقريبا في اراض موحلة جدا وعبرنا نهرا صغيرا. لم يعد هذا مهما فكل ملابسي حتى الداخلية منها كانت مبللة بسبب المطر. بدات الرياح تشتد وتزداد برودة بشكل قارس. وصلنا الى مكان مفتوح ويوجد فيه شارع للسيارات. ظننا بان الرحلة انتهت وان السيارات قادمة. بدأ المهربان بالاتصال لكي تاتي السيارات الينا وقالوا انها ستاتي خلال 15 دقيقة. مضت ساعة ولم تظهر السيارات وبدأت اشعر بان دمي بدأ يتوقف عن الجريان بسبب المرض والبرد والمطر المستمر والرياح. وبدأ بعض الرفاق بالصراخ والنساء تبكي وتصرخ ايضا. كنا نريد اي شخص ياخذنا حتى لوكانت الشرطة لكي نتخلص من المطر لان البرد لم يعد يحتمل. هنا احسست باني سأموت وقلت في نفسي هل سأموت هنا؟ اهذه نهايتي؟ وصليت بان لا اموت في هذا المكان الغريب. لم اكن اخشى الموت لكني لم اكن اريد ان اموت في مكان لايعرفني فيه احد وكيف سيصل الخبر الى اهلي واولادي الذين خرجت ايضا من اجلهم.

ثواني مرت علي كانها سنين بين اليأس والامل وانا استرجع ذكريات حياتي. ثم حاولت جمع شتات نفسي واقوم بتهدئة الرفاق لكن لم اكن استطيع التحرك من البرد. استسلمت فعلا لفكرة الموت لاني لم اعد اشعر باعضائي من البرد. هنا صرخ احد المهربين قائلا „جاءت السيارات استعدوا“. كان الوقت عندها منتصف الليل. شعرت بدفئ مفاجئ وانا ارى انارة السيارات قادمة نحونا وكانها بصيص الامل في الحياة الذي اختفى. وكان لابد من الاختفاء قليلا لاحتمال ان تكون تابعة للشرطة. مرت السيارات دون توقف واحسست بان الامل انتهى، لكنها عادت مرة اخرى لانهم كانوا يستكشفون الطريق. ركبنا السيارتين بسرعة عجيبة وكانت السيارات دافئة جدا. السائقان كانا يتحدثان لغة غريبة قريبة الى الروسية. اغمضت عيني ولم اعد اشعر بشيء لاني كنت مبلل تماما..

الى اللقاء في الحلقة القادمة لتكملة الحلقة

„Weil es 2015 ist.“ Das sagt der frisch gewählte kanadische Premierminister Justin Trudeau auf die Frage, warum in seinem Kabinett tatsächlich halbe halbe Männer und Frauen mitregieren.
Wenn es doch so einfach wäre! Ja es ist 2015, aber in unsren Systemen und Köpfen sind wir noch tief im 20. Jahrhundert. Noch immer herrscht fast Panik vor der Quote zum Beispiel in Aufsichtsräten. In der Politik sind wir weit weg von halbe halbe. Und im alltäglichen Leben ist die Rollenteilung noch in vielen Fällen so wie zu Zeiten meiner Mutter. Wenn ich an Freundinnen von mir denke, die trotz Kinder bald mal wieder arbeiten gegangen sind, dann fallen mir folgende Sätze ein, die sie gehört haben und noch hören: „Du musst wohl arbeiten gehen!“, „Also meine Frau ist gerne bei den Kindern zu Hause!“, Also ich könnte mein Kind ja nicht in die Krabbelstube geben.“

Eh, muss ja niemand sein Kind zwangsweise in die Krabbelstube geben, aber Rabenmutter ist man deswegen auch nicht.

verf_mitgliederLReg2015_XXVIII

„Weil es 2015 ist.“ Nicht in Österreich. In der Bundesregierung und im Parlament ein Drittel Frauen. Wir sehen mal großzügig über die 100% Krawattenregierung in meinem Geburtsbundesland hinweg, echt altmodisch, wenn man sich das Bild anschaut, naja zumindest die Krawatten sind ein bisserl bunt.

Und in den Aufsichtsräten der 200 wichtigsten österreichischen Unternehmen schaut es auch sehr düster aus. Nicht ganz 15% Frauenanteil. Und immer noch das große Sträuben gegen die Quote. Weil so eine Quotenfrau ist ja niemals qualifiziert, nie niemals, die ist immer nur Quote. Genau, weil alle Männer immer völlig qualifiziert sind und nie eine Gruppe vertreten (Bauern, Ärzte, Banker, Arbeitnehmer, usw.), sondern wirklich nur wegen der persönlichen Eignung und Fachkenntnisse in einem Gremium sitzen. Immer.

Und eigentlich langweilt mich diese Diskussion schon sehr, die ganze Energie, die immer aufgebracht wird Argumente zu finden, warum das alles nicht geht.

Da ist es doch herzerfrischend und ganz 21. Jahrhundert, wenn ein selbstbewusster Premierminister nicht mehr Worte braucht als: „Weil es 2015 ist.“

 

Und eine ganz andere Geschichte ist die selbstverständliche Vielfalt in der kanadischen Regierung abgesehen von der Geschlechtlichkeit – auch völlig cool und ganz 2015!

Bildnachweis Trudeau: „Justin Trudeau 2014-1“ by Alex Guibord – Flickr. Licensed under CC BY 2.0 via Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Justin_Trudeau_2014-1.jpg#/media/File:Justin_Trudeau_2014-1.jpg

Bildnachweis Regierung OÖ: Denise Stinglmayr, Land OÖ, https://www.land-oberoesterreich.gv.at/12160.htm