Seda Röder, geboren in Istanbul, ist eine Pianistin, die sich auf Gesprächskonzerte und zeitgenössische Musik konzentriert. Sie komponiert und begeistert mit Musikmeditationen. Sie ist Gründerin von Sonophilia.
zartbitter: Warum ist dir die Kombination von Meditation und Musik so ein großes Anliegen?
Seda: Weil sie zusammen unglaublich stark und effizient sind, wenn wir uns konzentrieren wollen. Beim Meditieren macht man meistens die Augen zu, sobald die Augen zu sind, gehen die Ohren auf. Und die Musik wirkt sehr schnell um in eine neue Stimmung zu kommen oder die Stimmung in der wir uns befinden zu unterstützen
zartbitter: Du hast in einem Seniorenwohnhaus deine Meditationen gemacht? Was ist anders als mit Führungskräften? Was hat dich besonders berührt?
Seda: Das Alter hat eine ganz berührende Fragilität. Da haben die älteren Menschen auch mit viel Stress zu kämpfen – was ich vorher so nicht wahrgenommen hatte. Wenn man etwa den ganzen Tag mit Schmerzen und Mobilitätsverlust zu kämpfen hat, das nimmt viel Kraft in Anspruch. Aber die Lebensfreude trotz allem und die Dankbarkeit der alten Menschen für jeden neuen Tag, da kann man sich viel von abgucken.
zartbitter: Du bist die Gründerin von Sonophilia, du willst Kreativität durch Hören fördern. Was erwartest du dir davon? Kann das helfen Probleme, kleine und große Weltprobleme, zu lösen?
Seda: Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass nur die Kreativität die großen Probleme der Welt lösen kann. Wir leben in einem Zeitalter der exponentiellen Technologien. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, vor allem die, die noch jung sind. Wir brauchen nicht noch mehr reproduzierbare Skills zu puschen, sondern müssen das, was uns Menschen auszeichnet, fördern. Ich heiße die neuen Technologien dafür sehr willkommen, weil ein Roboter für die langweilige Arbeit viel besser geeignet ist als ein Mensch. Ich bin da auch eine absolute Verfechterin der Idee, dass jeder Mensch in seiner Art und Weise zu kreativer Leistung fähig ist. Durch unsere kreative Kraft, können wir uns die Zukunft, die wir haben wollen, vorstellen und auch bauen. Die menschliche Kreativität ist eine einzigartige und unendliche Quelle. Je mehr wir daraus machen, desto mehr kommt auch nach. Da hilft natürlich das Zuhören – statt immer nur zu Senden – ungemein, weil das Zuhören Ordnung in den Chaos bringt. Und wie ich immer betone; man kann nicht nur nach außen sondern auch nach innen zuhören. Die Antworten auf unsere Probleme tragen wir oft mit uns mit.
Alle die im und um das Andräviertel wohnen und arbeiten, wissen eines schon lange: Es braucht ein Radgeschäft und eine Radwerkstätte hier. Seit März gibt es das Stadtrad und es ist nicht mehr wegzudenken.
Vor zwei Jahren haben Gabi Endl und Ronny Hörmann einen Spaziergang gemacht. Durchs Andräviertel. Eines ist ihnen dabei gleich aufgefallen. Es fehlt ein Radgeschäft mit Werkstatt. Jetzt stehen die beiden gemeinsam mit Anne Rettenbacher in ihrem eigenen Radgeschäft in der Franz Josef Straße 19. Und sie fühlen sich hier gleich zu Hause. Die anderen Geschäftsleute im Viertel haben sie gleich willkommen geheißen, neugierige Passanten schauen rein und die Kinder von der Andräschule kommen herein und wollen alles über E-Bikes wissen. Und von diesen gibt es wirklich sehr viele Modelle, von relativ günstig bis luxuriös.
Gabi Endl und ihre Hollandräder
Am liebsten hat Gabi Endl aber ihre Hollandräder in den wunderbaren Farben.
Ronny Hörmann oder wie die Szene ihn nennt: der Kultschrauber
Und wer einen Radcheck oder eine Reparatur für seinen Drahtesel braucht ist in der Werkstatt bei Ronny in besten Händen. Aber warum eigentlich Radfahren? Da kann Gabi Endl nur lachen und fragt, wie lange denn die letzte Parkplatzsuche in der Stadt gedauert hätte? Das Rad ist das Verkehrsmittel ihrer Wahl. Damit ist man in Salzburg am schnellsten unterwegs. Und wenn es mal regnet, braucht man nur eine gute Bekleidung und für den Großeinkauf die richtigen Taschen und Körbe.
Das und viele andere Accessoires findet man im Stadtrad. Also einfach mal vorbeischauen, bei Gabi, Anne und Ronny.
Wenn Andrea Sigl, Chefin vom Seniorenwohnhaus Hellbrunn, aus dem Nähkästchen plaudert, bringt sie einem zum Nachdenken.
Sie ist seit ihrem 18. Lebensjahr im Bereich der Pflege und Betreuung von Menschen tätig, davon lange Zeit in diversen Seniorenwohnhäusern. Ihr ist nichts Menschliches fremd und ihr täglich Brot ist die Zusammenarbeit mit Menschen. Natürlich mit alten Menschen und mit deren Angehörigen. Viele Bewohnerinnen in ihrem Haus sind dement. Demenz heißt in vielen Fällen, dass Menschen sich nicht mehr so benehmen, wie es „die Gesellschaft“ eigentlich erwartet. Gerade diese Woche hat die Polizei eine Bewohnerin ins Seniorenwohnhaus zurückgebracht, weil sie sie in der Stadt aufgegriffen haben. Mit zwei verschiedenen Schuhen an den Füßen. Ja, geht denn das? Ja, das geht, meint Andrea Sigl. Und wenn Menschen mit Demenz einfach nicht mehr mit dem Besteck essen wollen oder können, dann ist das auch gut, ergänzt Peter Speringer von der Küche, dann machen wir halt Fingerfood.
Warm, satt, sauber. ist das genug?
Die größten Sorgen der Angehörigen, aber auch mancher Mitarbeiter kann man mit „Sind die Senioren satt, sauber und haben sie es warm?“ zusammenfassen. Andrea Sigl erzählt, dass die Fragen der Angehörigen sich immer um das Körperliche drehen: Hat meine Mutter ihre Tabletten bekommen? Wann wird meinem Vater wieder der Bart gestutzt? Warum hat er schon wieder das gleiche Hemd an? Hat meine Mama zu Mittag alles aufgegessen?
Was sie in ihren langen Berufslaufbahn noch nie gehört hat: „Hat meine Mutter heute schon gelacht?“ Und genau so führt sie ihr Haus, der Mensch im Mittelpunkt, das Wohlfühlen die Basis, die Entscheidungsfreiheit der Bewohnerin Normalität und das Lachen eine Selbstverständlichkeit.
https://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2017/04/FullSizeRender.jpg480640zartbitterhttps://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/05/logo-n.pngzartbitter2017-04-05 19:18:282017-04-06 05:18:10Warm, satt, sauber oder hat meine Mutter heute schon gelacht?
Es ist eine Erfolgsgeschichte. Die Bewohnerservicestellen der Stadt Salzburg sind aus den Stadtteilen nicht mehr wegzudenken. Was vor 30 Jahren als Siedlungstreffpunkt begann, ist jetzt ein Ort der Begegnung, der Hilfe, der Ideen, des Feierns und des Miteinanders.
Jetzt gibt es in Salzburg sechs Bewohnerservicestellen und zwei Filialen. Jede Bewohnerservicestelle mit ihren professionellen Mitarbeiterinnen hat besondere Schwerpunkte. Kümmern sich die einen ganz besonders um die älteren Menschen, oft alleine wohnen, versuchen andere Flüchtlinge so schnell wie möglich zu integrieren. Da gibt es die Profis für Nachbarschaftskonflikte und jene Mitarbeiterinnen mit einem grünen Daumen, die Stadtteilgärten initiieren.
Und jetzt gab es Grund zu feiern: In der Josefiau/Alpenstraße gibt es ein neues Bewohnerservice Süd, das sich um die Belange der Menschen dort kümmert. Und im neu eröffneten Haus für Lehen, ein umgebauter alter Kindergarten, finden viele ehrenamtliche Gruppen ihren Platz, vom Repaircafe bis zur Selbsthilfegruppe.
Und bei den Feiern war eines besonders zu spüren: Die Menschen lieben Orte, wo sie zusammenkommen, Hilfe erhalten, andere kennenlernen oder selbst ehrenamtlich für andere tätig sein können.
https://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2017/03/bw1.jpg533800Anjahttps://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/05/logo-n.pngAnja2017-03-31 19:02:052017-03-31 19:02:0530 Jahre Bewohnerservice: Da wo die Leute zusammenkommen
Mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen sind weltweit von FGM (Female Genital Mutilation), auf Deutsch Genitalverstümmelung, betroffen. Auch bei uns in Europa, in Österreich, in Salzburg. Bei der Internationalen Konferenz in der UNO-City in Wien war wieder klar: Den Kampf gegen FGM gewinnen wir nur gemeinsam.
Valentine Nkoyo, die sich selbst als FGM-Überlebende bezeichnet, hat mich in einem sehr freundschaftlichen Gespräch bestärkt: „Don’t give up. We have to stand together against FGM and we have to speak about it.“ Genau das wollen auch viele Menschen in Salzburg. Und manchmal braucht es ein bisschen „internationale Luft schnuppern“, damit man in der Arbeit noch klarer wird.
Aufklärung, Information und Gespräche mit Betroffenen, ihren Familien und Communites
Bei Verdacht auf FGM müssen sofort handeln und alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, in der Prävention und in der Strafverfolgung
Mit dieser Motivation bin ich zurück in Salzburg und bitte euch alle uns weiter darin zu unterstützen auch bei uns NULL Toleranz für FGM durchzusetzen.
https://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2017/03/IMG_7324.jpg7681024Anjahttps://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/05/logo-n.pngAnja2017-03-27 17:52:352017-03-27 17:52:35Den Kampf gegen FGM gewinnen wir nur gemeinsam
Noch immer ist Demenz ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. Am Anfang scheint es nur eine leichte Vergesslichkeit zu sein. Aber das ist nicht zu stoppen, kein Medikament kann Demenz heilen. Menschen mit Demenz machen viele merkwürdige Sachen und oft schämen wir „Gesunden“ uns dafür. Und wir glauben das Beste ist es einen Menschen mit Demenz nicht mehr zu oft hinaus zu lassen. In die Öffentlichkeit, ins Geschäft, in den Bus oder ins Museum. Aber das kann nicht der richtige Weg sein. Wir müssen gemeinsam Strategien entwickeln, um Menschen mit Demenz einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Dazu gehört es aufzuklären und zu informieren. Seit 2015 ist die Salzburg auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Stadt – das Projekt heißt Konfetti im Kopf. Und seither sind auch die Apotheken an Bord.
Warum sind die Apotheken so wichtig?
Eine Apotheke ist eine besonders wichtige Gesundheitseinrichtung. Man braucht keinen Termin, man geht einfach hin. Meist geht man immer in die gleiche Apotheke, man kennt sich also. Und der Apothekerin fällt oft als Erster auf, dass ein Mensch sich ändert. Da ist die alte Frau, die jeden Tag kommt und das gleiche Medikament kauft. Da ist der Mann, der verschämt nach einem Hausmittel gegen Gedächtnisschwäche fragt. Und immer ist da ein Apotheker, der hinschaut, sich die Zeit nimmt, versucht ins Gespräch zu kommen. Das ist nicht so einfach. Die Apotheken in der Stadt Salzburg haben sich „Demenzfreundlichkeit“ verschrieben. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich fortgebildet, in der Apotheke gibt es Informationen zur Demenz. Und eine Woche lang, von 27. -31. März, gibt es in 20 Apotheken der Stadt Salzburg Angebote für Interessierte, Betroffene und Angehörige. Das geht vom Demenzcafe, über Ernährungsberatung bis zu Gedächtnistraining.
https://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2017/03/Bild-3_Demenzfreundliche-Apotheke_230317.jpg428640Anjahttps://zartbitter.co.at/wp-content/uploads/2014/05/logo-n.pngAnja2017-03-23 20:14:232017-03-24 09:49:29Demenz: Schau in die Apotheke!
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Seda Röder im Gespräch: Zuhören bringt Ordnung ins Chaos
VorgestelltSeda Röder, geboren in Istanbul, ist eine Pianistin, die sich auf Gesprächskonzerte und zeitgenössische Musik konzentriert. Sie komponiert und begeistert mit Musikmeditationen. Sie ist Gründerin von Sonophilia.
zartbitter: Warum ist dir die Kombination von Meditation und Musik so ein großes Anliegen?
Seda: Weil sie zusammen unglaublich stark und effizient sind, wenn wir uns konzentrieren wollen. Beim Meditieren macht man meistens die Augen zu, sobald die Augen zu sind, gehen die Ohren auf. Und die Musik wirkt sehr schnell um in eine neue Stimmung zu kommen oder die Stimmung in der wir uns befinden zu unterstützen
zartbitter: Du hast in einem Seniorenwohnhaus deine Meditationen gemacht? Was ist anders als mit Führungskräften? Was hat dich besonders berührt?
Seda: Das Alter hat eine ganz berührende Fragilität. Da haben die älteren Menschen auch mit viel Stress zu kämpfen – was ich vorher so nicht wahrgenommen hatte. Wenn man etwa den ganzen Tag mit Schmerzen und Mobilitätsverlust zu kämpfen hat, das nimmt viel Kraft in Anspruch. Aber die Lebensfreude trotz allem und die Dankbarkeit der alten Menschen für jeden neuen Tag, da kann man sich viel von abgucken.
zartbitter: Du bist die Gründerin von Sonophilia, du willst Kreativität durch Hören fördern. Was erwartest du dir davon? Kann das helfen Probleme, kleine und große Weltprobleme, zu lösen?
Seda: Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass nur die Kreativität die großen Probleme der Welt lösen kann. Wir leben in einem Zeitalter der exponentiellen Technologien. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, vor allem die, die noch jung sind. Wir brauchen nicht noch mehr reproduzierbare Skills zu puschen, sondern müssen das, was uns Menschen auszeichnet, fördern. Ich heiße die neuen Technologien dafür sehr willkommen, weil ein Roboter für die langweilige Arbeit viel besser geeignet ist als ein Mensch. Ich bin da auch eine absolute Verfechterin der Idee, dass jeder Mensch in seiner Art und Weise zu kreativer Leistung fähig ist. Durch unsere kreative Kraft, können wir uns die Zukunft, die wir haben wollen, vorstellen und auch bauen. Die menschliche Kreativität ist eine einzigartige und unendliche Quelle. Je mehr wir daraus machen, desto mehr kommt auch nach. Da hilft natürlich das Zuhören – statt immer nur zu Senden – ungemein, weil das Zuhören Ordnung in den Chaos bringt. Und wie ich immer betone; man kann nicht nur nach außen sondern auch nach innen zuhören. Die Antworten auf unsere Probleme tragen wir oft mit uns mit.
Vorgestellt: Stadtrad im Andräviertel
Salzburg, VorgestelltAlle die im und um das Andräviertel wohnen und arbeiten, wissen eines schon lange: Es braucht ein Radgeschäft und eine Radwerkstätte hier. Seit März gibt es das Stadtrad und es ist nicht mehr wegzudenken.
Vor zwei Jahren haben Gabi Endl und Ronny Hörmann einen Spaziergang gemacht. Durchs Andräviertel. Eines ist ihnen dabei gleich aufgefallen. Es fehlt ein Radgeschäft mit Werkstatt. Jetzt stehen die beiden gemeinsam mit Anne Rettenbacher in ihrem eigenen Radgeschäft in der Franz Josef Straße 19. Und sie fühlen sich hier gleich zu Hause. Die anderen Geschäftsleute im Viertel haben sie gleich willkommen geheißen, neugierige Passanten schauen rein und die Kinder von der Andräschule kommen herein und wollen alles über E-Bikes wissen. Und von diesen gibt es wirklich sehr viele Modelle, von relativ günstig bis luxuriös.
Gabi Endl und ihre Hollandräder
Am liebsten hat Gabi Endl aber ihre Hollandräder in den wunderbaren Farben.
Ronny Hörmann oder wie die Szene ihn nennt: der Kultschrauber
Und wer einen Radcheck oder eine Reparatur für seinen Drahtesel braucht ist in der Werkstatt bei Ronny in besten Händen. Aber warum eigentlich Radfahren? Da kann Gabi Endl nur lachen und fragt, wie lange denn die letzte Parkplatzsuche in der Stadt gedauert hätte? Das Rad ist das Verkehrsmittel ihrer Wahl. Damit ist man in Salzburg am schnellsten unterwegs. Und wenn es mal regnet, braucht man nur eine gute Bekleidung und für den Großeinkauf die richtigen Taschen und Körbe.
Das und viele andere Accessoires findet man im Stadtrad. Also einfach mal vorbeischauen, bei Gabi, Anne und Ronny.
Warm, satt, sauber oder hat meine Mutter heute schon gelacht?
Altern- Lust und Frust!Wenn Andrea Sigl, Chefin vom Seniorenwohnhaus Hellbrunn, aus dem Nähkästchen plaudert, bringt sie einem zum Nachdenken.
Sie ist seit ihrem 18. Lebensjahr im Bereich der Pflege und Betreuung von Menschen tätig, davon lange Zeit in diversen Seniorenwohnhäusern. Ihr ist nichts Menschliches fremd und ihr täglich Brot ist die Zusammenarbeit mit Menschen. Natürlich mit alten Menschen und mit deren Angehörigen. Viele Bewohnerinnen in ihrem Haus sind dement. Demenz heißt in vielen Fällen, dass Menschen sich nicht mehr so benehmen, wie es „die Gesellschaft“ eigentlich erwartet. Gerade diese Woche hat die Polizei eine Bewohnerin ins Seniorenwohnhaus zurückgebracht, weil sie sie in der Stadt aufgegriffen haben. Mit zwei verschiedenen Schuhen an den Füßen. Ja, geht denn das? Ja, das geht, meint Andrea Sigl. Und wenn Menschen mit Demenz einfach nicht mehr mit dem Besteck essen wollen oder können, dann ist das auch gut, ergänzt Peter Speringer von der Küche, dann machen wir halt Fingerfood.
Warm, satt, sauber. ist das genug?
Die größten Sorgen der Angehörigen, aber auch mancher Mitarbeiter kann man mit „Sind die Senioren satt, sauber und haben sie es warm?“ zusammenfassen. Andrea Sigl erzählt, dass die Fragen der Angehörigen sich immer um das Körperliche drehen: Hat meine Mutter ihre Tabletten bekommen? Wann wird meinem Vater wieder der Bart gestutzt? Warum hat er schon wieder das gleiche Hemd an? Hat meine Mama zu Mittag alles aufgegessen?
Was sie in ihren langen Berufslaufbahn noch nie gehört hat: „Hat meine Mutter heute schon gelacht?“ Und genau so führt sie ihr Haus, der Mensch im Mittelpunkt, das Wohlfühlen die Basis, die Entscheidungsfreiheit der Bewohnerin Normalität und das Lachen eine Selbstverständlichkeit.
Mehr dazu bei Konfetti im Kopf
30 Jahre Bewohnerservice: Da wo die Leute zusammenkommen
SalzburgEs ist eine Erfolgsgeschichte. Die Bewohnerservicestellen der Stadt Salzburg sind aus den Stadtteilen nicht mehr wegzudenken. Was vor 30 Jahren als Siedlungstreffpunkt begann, ist jetzt ein Ort der Begegnung, der Hilfe, der Ideen, des Feierns und des Miteinanders.
Jetzt gibt es in Salzburg sechs Bewohnerservicestellen und zwei Filialen. Jede Bewohnerservicestelle mit ihren professionellen Mitarbeiterinnen hat besondere Schwerpunkte. Kümmern sich die einen ganz besonders um die älteren Menschen, oft alleine wohnen, versuchen andere Flüchtlinge so schnell wie möglich zu integrieren. Da gibt es die Profis für Nachbarschaftskonflikte und jene Mitarbeiterinnen mit einem grünen Daumen, die Stadtteilgärten initiieren.
Und jetzt gab es Grund zu feiern: In der Josefiau/Alpenstraße gibt es ein neues Bewohnerservice Süd, das sich um die Belange der Menschen dort kümmert. Und im neu eröffneten Haus für Lehen, ein umgebauter alter Kindergarten, finden viele ehrenamtliche Gruppen ihren Platz, vom Repaircafe bis zur Selbsthilfegruppe.
Und bei den Feiern war eines besonders zu spüren: Die Menschen lieben Orte, wo sie zusammenkommen, Hilfe erhalten, andere kennenlernen oder selbst ehrenamtlich für andere tätig sein können.
Und so schaut es aus im Bewohnerservice Süd:
Ein kurzer Rundgang durch das Haus für Lehen:
Fotos: Stadt Salzburg
Den Kampf gegen FGM gewinnen wir nur gemeinsam
Gesellschaft, MenschenrechteMehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen sind weltweit von FGM (Female Genital Mutilation), auf Deutsch Genitalverstümmelung, betroffen. Auch bei uns in Europa, in Österreich, in Salzburg. Bei der Internationalen Konferenz in der UNO-City in Wien war wieder klar: Den Kampf gegen FGM gewinnen wir nur gemeinsam.
Valentine Nkoyo, die sich selbst als FGM-Überlebende bezeichnet, hat mich in einem sehr freundschaftlichen Gespräch bestärkt: „Don’t give up. We have to stand together against FGM and we have to speak about it.“ Genau das wollen auch viele Menschen in Salzburg. Und manchmal braucht es ein bisschen „internationale Luft schnuppern“, damit man in der Arbeit noch klarer wird.
Valentine Nkoyo und Anja Hagenauer
Valentine Nkoyo ist mit ihrer Mojatu Foundation in Nottingham tätig. Diese englische Stadt hat sich zum Ziel gesetzt bis 2030 FGM aus der Stadt verbannt zu haben. Kein leichtes, aber ein machbares Ziel, das wir auch in Salzburg verfolgen müssen. Zwei wesentliche Faktoren haben sich bei der Konferenz herauskristallisiert:
Mit dieser Motivation bin ich zurück in Salzburg und bitte euch alle uns weiter darin zu unterstützen auch bei uns NULL Toleranz für FGM durchzusetzen.
Demenz: Schau in die Apotheke!
Leben, SalzburgVon 27. Bis 31. März setzen 20 Salzburger Apotheken einen wichtigen Schwerpunkt: Information über Demenz.
Noch immer ist Demenz ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. Am Anfang scheint es nur eine leichte Vergesslichkeit zu sein. Aber das ist nicht zu stoppen, kein Medikament kann Demenz heilen. Menschen mit Demenz machen viele merkwürdige Sachen und oft schämen wir „Gesunden“ uns dafür. Und wir glauben das Beste ist es einen Menschen mit Demenz nicht mehr zu oft hinaus zu lassen. In die Öffentlichkeit, ins Geschäft, in den Bus oder ins Museum. Aber das kann nicht der richtige Weg sein. Wir müssen gemeinsam Strategien entwickeln, um Menschen mit Demenz einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Dazu gehört es aufzuklären und zu informieren. Seit 2015 ist die Salzburg auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Stadt – das Projekt heißt Konfetti im Kopf. Und seither sind auch die Apotheken an Bord.
Warum sind die Apotheken so wichtig?
Eine Apotheke ist eine besonders wichtige Gesundheitseinrichtung. Man braucht keinen Termin, man geht einfach hin. Meist geht man immer in die gleiche Apotheke, man kennt sich also. Und der Apothekerin fällt oft als Erster auf, dass ein Mensch sich ändert. Da ist die alte Frau, die jeden Tag kommt und das gleiche Medikament kauft. Da ist der Mann, der verschämt nach einem Hausmittel gegen Gedächtnisschwäche fragt. Und immer ist da ein Apotheker, der hinschaut, sich die Zeit nimmt, versucht ins Gespräch zu kommen. Das ist nicht so einfach. Die Apotheken in der Stadt Salzburg haben sich „Demenzfreundlichkeit“ verschrieben. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich fortgebildet, in der Apotheke gibt es Informationen zur Demenz. Und eine Woche lang, von 27. -31. März, gibt es in 20 Apotheken der Stadt Salzburg Angebote für Interessierte, Betroffene und Angehörige. Das geht vom Demenzcafe, über Ernährungsberatung bis zu Gedächtnistraining.
Bildnachweis: Neumayr/Leo