von Sabine Walch

kek3Es ist Zeit an die Weihnachtskekse zu denken und ich freue mich schon riesig darauf. Allein die Kochbücher zu durchstöbern, alte Rezepte auszugraben, dabei erinnert mich das ein oder andere an besondere Menschen. Ich mag vielleicht sentimental sein, aber ich finde, dass meine Keksbücher nach Vanillezucker, Rum, Schokolade – einfach nach Keksen riechen und am liebsten würde ich sofort anfangen. Ich weiß jedoch, dass Disziplin angesagt ist, das heißt genau auswählen, welche ich machen möchte, wer vielleicht heuer eine besondere Überraschung bekommen soll und wie viel Abnehmer ich haben werde.

Meist entscheide ich mich für ein paar traditionelle und welche, von denen ich weiß, dass sie „Lieblingskekse“ sind und ich somit besondere Freude bereiten kann. Ich bin aber immer wieder auf der Suche nach neuen Rezepten und probiere das ein oder andere auch aus, manchmal werden diese nur einmal gemacht und manchmal entwickeln sie sich zu Lieblingskeksen. Ich kaufe mir auch jedes Jahr ein Keksbuch, weil ich hoffe etwas Neues zu finden.

Meine Lieblingskekse sind Vanillekipferl und/oder Vanilletaler, die hat meine Oma immer gemacht und meine schmecken einfach nicht so wie ihre, obwohl ich das Rezept habe, wahrscheinlich liegt es an den Händen, die den Teig kneten :)

kek2Ich habe nicht immer so viele gebacken, früher habe ich oft von einem Teig die doppelte Masse gemacht und relativ große Kekse, aber das habe ich geändert, als ich die Möglichkeit hatte, bei einer Köchin einen Tag lang Kekse zu backen. Diese Frau hat in mir die Neugierde geweckt, Neues auszuprobieren, hat mir aber auch vermittelt, dass „kleine“ Kekse schöner aussehen und die Keksesser dadurch mehr kosten können. Genau zu arbeiten, bedeutet auch manchmal geduldig zu sein und mehr Zeit einzuplanen, dafür wird man mit einem schönen Teig belohnt oder mit einer besonders guten Glasur, hochwertige Zutaten sind ebenso eine Voraussetzung für gelungene Kekse.

Ich werde nicht alle Kekse machen, die ihr auf den Foto sehen könnt, aber das ein oder andere und ich stelle diese hier vor. Es wird etwas schwierig sein, weil ich normal vorerst alle Kekse backe und dann wenn alle fertig sind, verziere, aber ich will euch dazu motivieren diese Kekse nach zu backen.

Gleichzeitig würde ich mich freuen, wenn ihr eure Lieblingskekse postet oder mir eine Nachricht sendet– ob mit Rezeptangabe oder ohne (ich finde es vielleicht in einem meiner Bücher).

So nun die Kochbücher her und „rein riechen“ und sich beflügeln lassen. Bis bald.

Und noch ein Keksbeitrag mit einem einfachen Rezept für köstliche Kokosbusserl: http://zartbitter.co.at/gesellschaftspolitik/kekse-kekse-kekse/

von Elisabeth Kaplan

Vor einigen Wochen haben wir den Siegersong des Zartbitter-Aufrufs präsentiert: „Schon Sehen“ von Kathi Kallauch. Heute stellen wir zwei weitere Songs vor, die wir im Zuge des Aufrufs entdeckt haben.

Die Band SOULDJ (Foto: Barbara Aichinger)

Die Band SOULDJA
(Foto: Barbara Aichinger)

SOULDJA – Waun I Ma

Reggae ist wohl eine der wenigen musikalischen Stilrichtungen, in denen Gesellschaftskritik vorausgesetzt wird – er ist sozusagen das Gewissen der Musik. Fans von Popmusik wollen nicht so gern von SängerInnen belehrt werden. Deswegen müssen sozialkritische Themen in Popsongs subtil verpackt sein (wie etwa in „Dear Mr. President“ von P!nk, „Another Day in Paradise“ von Phil Collins, oder „You’re The Voice“ von John Farnham). Im Reggae hingegen darf – und soll – alles sehr direkt ausgesprochen werden.

SOULDJA, eine 2008 gegründete Reggae-Band aus Oberösterreich, die im Februar 2014 mit dem „Austrian Newcomer Award“ ausgezeichnet wurde, nimmt sich gerne gesellschaftsrelevanter Themen an – so auch im anti-kapitalistischen „Waun I Ma“: „Und I frag mi wie geht des weita, denn es scheint ma / D’Leit wern leida imma bleda und net gscheida / Es gibt zvü Neida vü zvü Halsabschneida / Und so bleibts leida imma de söbe Leia“.

Meine persönliche Lieblingsstelle in dem Song ist die Zeile „Es geht nur nu um Ruhm und Konsum um Gier und uman Geiz“ – die gefällt mir so gut, dass ich sie mir immer wieder anhören könnte. Das Reimschema bedient sich in dieser Strophe vorwiegend Wörtern, die sich mit „weita“ reimen. Doch mittendrin lenken diese plötzlichen Assonanzen mit dem u-Vokal die Aufmerksamkeit auf diese Zeile. Das trifft sich gut, denn sie beinhaltet schließlich die Kernaussage des Songs.

In „Waun I Ma“ wird weniger gesungen als „getoastet“ („Toasting“ ist der für den Reggae typische Sprechgesang). Daniel „Dazo“ Zorn darf hier sein solides Gefühl für Rhythmus und Flow gut einbringen – ganz zu schweigen von seinen zungenbrecherischen Fähigkeiten, die er im Refrain an den Tag legt. Und der österreichische Dialekt passt bei SOULDJA überraschend gut. Er bringt sicher nicht nur mich zum Schmunzeln. Zudem lässt das die sieben-köpfige Truppe (Markus Trappmair, Daniel „Dazo“ Zorn, Lukas Bräuer, Lukas Brandl, Florian Tavernier, Jakob Baumgartner und Georg Hinterberger) authentisch und sympathisch rüberkommen.

Übrigens, SOULDJA tun mehr als soziale Missstände kritisieren. Sie setzen sich auch aktiv ein, etwa durch ihre Zusammenarbeit mit der Organisation Childrenplanet. Ich finde es großartig, dass es eine Band gibt, die Österreichs Gewissen repräsentiert. Wir von Zartbitter wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg!

Das Album „Grown“ gibt’s auf iTunes
Oder bestellt euch die CD auf Amazon

Wenn ihr SOULDJA live erleben wollt, habt ihr in nächster Zeit hier die Gelegenheit …
• am 15. November am Kein Bock Auf Nazis Fest in Wien
• am 11. Dezember im Weekender Club in Innsbruck

Die junge Salzburger Band Manchester Snow

Die junge Salzburger Band
Manchester Snow

MANCHESTER SNOW – Pulse

Die Salzburger Band Manchester Snow, bestehend aus Rupert Karl, Marvin Sillner und Niklas Mayr, verdienen meiner Meinung nach schon alleine wegen ihrer Jugend eine besondere Erwähnung. 2013 erhielt die junge Indie-Band bereits den „Austrian Newcomer Award“ und Anfang September veröffentlichten sie ihre zweite Single „Pulse“ auf dem Salzburger Label Latehour. Derzeit wird fleißig am Debütalbum gearbeitet.

Ich hab immer höchste Achtung vor jungen Bands, die sich ihren Weg selbst erkämpfen und nicht von irgendeinem Casting-Format gepusht werden. Und in diesem Alter überhaupt bereits eigene Songs zu veröffentlichen ist schon eine Leistung.

In der Phase, in der die Band gerade steckt, ist es besonders wichtig, dass sie auf ihre Stärken setzen und an eventuellen Schwächen gezielt feilen. Mit „Pulse“ haben Manchester Snow einen eingängigen Indie-Song geschaffen – mit einer mitreißenden Hookline („Get up, get up“). Und was die Harmonien betrifft, bin ich immer froh, wenn sich eine Rockband traut, aus der altbewährten Drei-Akkorde-Zone zu bewegen. Produktionstechnisch haben sich Manchester Snow ebenfalls etwas überlegt und auf Abwechslung geachtet, z.B. durch einen Teil, in dem der Gesang nur von Bass und Handclaps begleitet wird, oder etwa den veränderten Schlagzeugrhythmus in den Takten direkt vor der letzten Refrainwiederholung.

Zartbitter wünscht Manchester Snow viel Glück bei ihrer Weiterentwicklung und wir sind gespannt auf ihr Debütalbum!

Unterstützt diese jungen österreichischen Musiker und kauft die Single „Pulse“, z.B. auf iTunes

Das Video zu „Pulse“ gibt’s auf YouTube zu sehen

Jeder hat seine Eigenheiten. Ich auch. Und so führe ich bei meinen Hühnern über jedes Detail Buch.

Ich schreibe auf, wann die Küken von welcher Rasse schlüpfen, und ich schreibe seit 1. Jänner 2014 jeden Tag auf, welche Rasse wie viele Eier legt. Ich habe dazu eine Excel-Tabelle, in die alles akribisch genau eingetragen wird. Selbst über Dropbox habe ich jederzeit Zugriff auf diese Tabelle. Nur für den Fall, dass ich mal nicht zu Hause bin, aber trotzdem den Stand an einem gewissen Tag wissen will. Moderne Technik in der Hühnerhaltung.

Am 31. Juli war es dann so weit: Das 2000ste Ei wurde gelegt! Eine Zahl die erstmal nicht so hoch scheint, aber wenn man bedenkt, dass meine Hühner kein Hochleistungsfutter bekommen und auch mal Pause machen oder brüten und Küken führen, dann ist das doch eine tolle Leistung.Eier:Weieregg

Meine Rassehühner glucken sehr oft, zumindest die Wyandotten. Das bedeutet, dass sie auf den Eiern sitzen bleiben möchten, um zu brüten, was wiederum bedeutet, dass sie selbst keine Eier legen. Wir hätten das halbe Jahr lang wohl nur brütende Hühner und kaum Eier. Daher werden sie entgluckt. Dazu kommen sie in einen kleinen Einzelstall – ohne Nest. Nur Futter, Wasser und eine Stange zum Sitzen.
Erst nach einer Woche stellten sich die Hormone wieder um und das Huhn fängt wieder langsam an, Eier zu legen.

Meine Hühner sind jetzt durchschnittlich 1 Jahr alt, das würde bei den großen Geflügelhöfen bedeuten, dass die „Alten“ gegen junge Hühner ausgetauscht werden, weil bei den „Alten“ die Legeleistung im Verhältnis zum Futter nicht mehr rentabel ist. Sie werden dann in großen Schlachtereien als Suppenhühner verarbeitet. Oder sie landen in Tierfutter. Ein weiterer Grund ist, dass die Eier für den Markt – also für uns als Kunden – zu groß werden.

Es gibt aber die Aktion „Rettet das Huhn“. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diesen älteren Hühnern ein „zweites Leben“ zu ermöglichen – sie sollen nach der Tortur in der Hochleistungsindustrie ein schönes, artgerechtes Hühnerleben führen.

(Bild: Rettet das Huhn)

(Bild: Rettet das Huhn)

Im September war die letzte Vermittlungsaktion. Circa 800 Hühner fanden ein neues Zuhause.
Infos dazu findet Ihr unter www.rettetdashuhn.de. Ich finde diese Aktion sehr gut und Ihr solltet mal einen Blick auf die Webseite werfen. Ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass es auch Kritik an dieser Aktion gibt. Zweifler behaupten, dass bisher unerfahrene Hühnerhalter mit diesen Hühnern überfordert sind. Immerhin ist die Futterumstellung von Hochleistungsfutter auf normales Hühnerfutter nicht so einfach. Mich konnte bis jetzt die Kritik nicht überzeugen. Ganz im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass diese Aktion und die Menschen, die dahinter stehen, bereits viele Hühnerleben gerettet haben. Sie leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz. Außerdem unterstützt Rettet-das-Huhn die neuen Hühnerhalter bei Fragen zu Haltung, Fütterung und auch Krankheiten.

Wer jetzt Lust bekommen hat, auch selbst Hühner zu halten oder vielleicht sogar eines der Aktion „Rettet das Huhn“ zu übernehmen, findet im Internet sehr viele Tipps. Übrigens: im Jänner und März 2015 sind wieder zwei große Aktionen geplant!

Es gibt viele Foren, die sich mit Hühnern und deren Haltung beschäftigen. Ich habe bereits Tage auf www.huehner-info.de verbracht und bin begeistert, wie schnell und einfach man hier von Hobby-Hühnerhaltern und privaten Züchtern Rat bekommt. Einige davon sind schon echte Experten.

Ich halte inzwischen seit zwei Jahren Hühner. Ich bin sicher noch kein Experte, aber habe mir im Laufe der Zeit bereits ein großes Wissen angeeignet. Wenn Ihr Fragen habt, dann könnt Ihr Euch auch gerne bei mir melden.

Ich bin so stolz auf meine Damen und ihr 2000stes Ei, ich freu mich bereits auf die nächsten 2000, aber das wird sich dieses Jahr nicht mehr ausgehen. Jetzt im Herbst sind sie in der Mauser – da ist Legepause. Mal sehen, ich werde euch auf dem Laufenden halten!

von Andreas Praher

Bettler in Salzburg Polizei Zartbitter PraherWenn Medien von der „Bettler-Problematik“ schreiben, suggeriert das einen Notstand. Ob dieser real ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber da der Ist-Zustand nicht dem Soll entspricht, ist das subjektive Empfinden von so manch sensiblen Mitmenschen gestört. Zumindest, so scheint es und so wird es kolportiert, hat die „Mehrheitsgesellschaft“ in unseren Breiten ein Problem mit Menschen, die offen auf der Straße um Almosen bitten.

Oder sind gar die Menschen, die bettelnd auf der Straße sitzen, ein Problem? Wahrscheinlich auch. Und warum? Weil ihr Verhalten nicht den gewohnten Umgangsformen entspricht? Sie die Hand aufhalten, dabei vielleicht noch lächeln und die Lippen zu einer Begrüßung formen, während sie im Gegenzug nichts, außer ihren verlorenen Stolz anzubieten haben. Dieses Verhalten macht sie in den Augen anderer verdächtig und folglich zu einem Problem.

Deshalb hat die Stadt beschlossen, den so genannten „Notreisenden“ 17 Verhaltensregeln mit auf den Weg zu geben und ihnen einen „Travel-Guide für Arme“ geschenkt. In fünf Sprachen und in Bildern illustriert, wird ihnen in einem Aufklärungsheft zu verstehen gegeben, was sie in der Fremde dürfen und was nicht. Was erwünscht ist und was nicht. Schön, dass diese Missverständnisse aus dem Weg geräumt zu sein scheinen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Verständigung auf diesen Kodex zu keinen Problemen führt.

Wie schön hatten es da noch die Boten des Bürgerspitals im Salzburg des 17. Jahrhunderts. Sie durften frei in der Stadt um Almosen und Lebensmittel für die Fürsorge der Armen bitten. Das war ihr Kodex, gegeben von der erzbischöflichen Autorität.

babyHeute war ich tief beeindruckt. Ich habe viele Termine, bin bei vielen Veranstaltungen. Oft ist nicht die Zeit, sich intensiv mit jemandem zu unterhalten, sich auszutauschen. Heute hatte ich die Möglichkeit drei Stunden mit Pflegeeltern zu sprechen. Und ich muss sagen, die Zeit war fast zu kurz. Ich durfte Menschen kennenlernen, die etwas sehr Wertvolles machen. Sie geben Kindern einen Platz. Manchmal viele viele Jahre, manchmal nur einige Wochen. Und sie machen das mit einer Selbstverständlichkeit. Denn oft sind die Kinder geprägt von schwierigen Erfahrungen. Es braucht viel Zeit Vertrauen aufzubauen. Und in vielen Fällen ist natürlich noch der Kontakt zu den leiblichen Eltern da. Manchmal ein Drahtseilakt, aber immer mit der Gewissheit einem Kind zur Seite zu stehen, das es ganz nötig hat.

Ein Gespräch wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben. Diese Pflegeeltern nehmen Babys in Kurzzeitpflege. Das heißt, sie sind maximal drei Monate für das Kind da. Heute waren sie mit einem kleinen Mädchen da. 10 Tage alt, ein Frühchen, das in der 35. Schwangerschaftswoche geboren wurde. Ein Würmchen, klein, zart und unbeschreiblich liebenswert. Ein Mädchen, das schon mit großen Augen seine Umgebung neugierig betrachtet. Ich habe die Pflegeeltern gefragt, wie sie damit umgehen, das Mädchen dann wieder weggeben zu müssen. Und die Antwort hat mich ergriffen.

„Es ist ein Geschenk. Wir dürfen jedem unserer Pflegekinder die ersten drei Monate einen schönen Start ins Leben ermöglichen. Wir dürfen sie das erste Stück des Weges begleiten und wir wissen, dass sie dann in sehr gute Hände kommen. Das ist doch wunderbar.“

Ja das ist wunderbar und bewundernswert, was Pflegeeltern leisten!

von Alexandra Schmidt

a1Quoten gibt es. Die „Staatsquote“ ist der staatliche Anteil an der wirtschaftlichen Gesamtleistung. Die „Behinderteneinstellungsquote“ ist jene Zahl an Menschen mit Behinderung, die Unternehmen beschäftigen müssen – sonst zahlen sie (wenig, aber das ist eine andere Geschichte). Die „Fangquote“ begrenzt nach oben: mehr als soundsoviel Tonnen Thunfisch dürfen nicht rausgeholt werden. In Österreich dürfen Bauern nicht mehr als soundsoviel Kilo Milch liefern. (Und die restliche? Strafzahlung natürlich.) Die „Arbeitslosenquote“ ist in Salzburg 5,1 Prozent – die niedrigste in Österreich. Die „Asylquote“ ist eine traurige Quote – na ja, Salzburg erfüllt ihre jetzt immerhin.

a2Manche Quoten wären gut: Beispiel Führungskräfte. Weil Männer als Väter benachteiligt sind: obwohl sie mächtig sind und super Kinder zeugen, sehen sie die Kinder nie. Sie können zwar 150 Leute auf einmal feuern, trauen sich aber ihr Recht auf Karenz nicht einzufordern. Im Gegenteil – kaum Vater, arbeiten sie mehr. Hier wäre eine Jahres-Stunden-Quote mit einer Obergrenze gut.

Oder Quoten in Aufsichtsräten (das sind Führungs- und Kontrollgremien in bestimmten Unternehmen – begehrte Ehrenämter mit einem Mordsnutzen: Insiderwissen, Netzwerke, alles).  Dort gibt´s ein Elitenproblem: Bereits mächtige Leute holen Ihresgleichen nach. Hand aufs Herz, wer von uns sucht sich nicht wen Ähnlichen? Sprache, Bildung, Interessen – oder Humor:  Was wäre eine Sitzung ohne ***feindliche Witze? Eben. (Kennen Sie den: „Treffen sich zwei  Personalchefs…“ egal.) ABER gleichförmige Teams sind langsamer, ihre Lösungen sind wenig innovativ. Quoten fördern hier Erfolg und helfen Fehler vermeiden. Welche Quoten? Na jung/alt/mit Behinderung/Migrationshintergrund/ anderer Muttersprache/ aus der Wirtschaft/Wissenschaft/Praxis/Kundschaft/Mann/Frau/Transident/Intersex….. so viel Mischung wie möglich und gut für das Ziel.

a3ABER die Qualifikation – ich hör schon alle Unken rufen: „Wir finden keine guten Leute, die auch noch x/y/z sind!“. Ein Beispiel: viele Männer können das 10-Finger-System auf der Tastatur nicht und taugen nicht als Assistent der Geschäftsleitung – sie können bei Verhandlungen nicht gut mitschreiben oder schnell ein Protokoll liefern. Eine Professorin auf der Uni hat mal zu so einem langsamen Kollegen gesagt: „Wenn Sie nicht schnell tippen können, brauchen Sie auch keinen schnellen PC.“ Hat was Wahres. Dass nämlich Qualifikation Voraussetzung ist – egal für welche Quote. Ein Thunfisch muss auch ein Thunfisch sein, damit er in die Fangquote fällt. (Gut, über die Delfine muss man reden, aber das ist auch eine andere Geschichte.) Menschen können dazulernen.

a5Quoten haben die Nebenwirkung, dass jemand ohne die gewünschte leer ausgeht. Ein Fischer kann nicht rausfahren. Man bekommt einen politischen Posten nicht, weil der Wirtschaftsbund/ein anderes Bundesland/eine Frau dran ist. In Konzernen geht’s bei Besetzungen oft um Interessen, die man selber – trotz aller blendenden Eigenschaften – gerade  nicht erfüllt. Dann ist die Quote lehrreich: man muss auch verlieren können.

Quoten sorgen für Vielfalt und Gerechtigkeit, für optimale Ressourcennutzung, oder -schonung. Sie verhindern Einseitigkeit, Eintönigkeit und dass wir betriebsblind werden. Sie zeigen uns, wo wir stehen, sie fördern die Konkurrenz. Und Konkurrenz belebt die Sinne.
Also falls mal wer eine „Quotenfrau“ braucht,  hier bin ich.

Eure Xela