Sie ist wohl Salzburgs älteste freie Trainingsgruppe: Der Senioren-Trainingskreis der Volkshilfe–Salzburg. Turnlehrerin Renate Huthmann (77) bewegt die muntere Seniorenrunde.

Die jüngste Teilnehmerin an diesem Training ist 83, die älteste, Burgi Krainer ist 90. Sie kommt etwas zu spät, da sie gerne noch persönlich im Stau steht und selbst fährt.

Die freundliche Einladung zum Mittrainieren ignoriere ich diesmal und beschränke mich aufs Fotografieren. Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer hat mich auf die Idee gebracht, doch einmal etwas über die älteren Sportler zu schreiben und lerne jetzt Sesselgymnastik kennen. Das Übungsgerät ist ein Theraball, den jede zuerst einmal selbst aufblasen muss. Koordinationsübungen, Kräftigungsübungen und Beweglichkeitstraining stehen am Plan. Die Seniorinnen haben bequeme Freizeitkleidung an. Keine Sportkleidung. Statt Sportschuhen haben sie Wollsocken an.

Renate Huthmann beginnt mit dem Training und wie auf Kommando stellen die Seniorinnen den Smalltalk ein und konzentrieren sich auf die Übung: Ball zwischen die Oberschenkel und zusammenpressen. Das kräftigt. Wer gerade erst an der Hüfte operiert ist, darf bei dieser Übung nicht mitmachen.

Theraball Übungen stehen beim Seniorentraining am Plan

Kniekreisen, Ball hochwerfen, Fangen, Ball zuwerfen – alles Übungen, die ich erwartet hatte. Ins Staunen gerade ich bei der nächsten Übung: Ball mit geschlossenen Augen hochwerfen und fangen. Die können das wirklich. Dann kommen Reaktionsübungen. Eine prellt den Ball unten, die andere wirft ihn oben. Mit zwei Bällen gleichzeitig. Oder gleichzeitig die Bälle zuwerfen. Ein Ball wird am Boden zugerollt, während der andere Ball oben gespielt wird. Die Seniorinnen sind super drauf. „Wir üben das auch jede Stunde“, erzählt mir Frau Huthmann und sieht das als Beweis, dass die Übungen wirklich was bringen.

Ihr Ziel ist das Lernen, nicht das Perfektionieren. Im Alter ginge es darum, das Gedächtnis zu stützen. Nur neue Impulse könnten das. Sobald eine Bewegung automatisiert ist, bringt das nicht mehr den gewünschten Trainingseffekt. Frau Huthmann ist Profi in ihrem Bereich. Sie hat mit 62 die Aufnahmeprüfung zum Sportlehrwart gemacht und mit 65 abgeschlossen. Privat trainiert sie mit viel jüngeren und kümmert sich begeistert um ihre Enkelkinder.

Die Teilnehmerinnen ihres Kurses wohnen alle noch selbstständig in ihren Wohnungen und betreiben regelmäßig Sport. Manche auch mehr als die Mittwochsstunde in den Räumen der Volkshilfe in der Ignaz Harrerstraße. Mathilde Lackner (89) geht zum Radeln in den Vitaclub Nord. Maria Fenk (85) besucht auch noch Rhythmische Sportgymnastik für Senioren und Käthe Lackner geht zum Turnen beim Roten Kreuz.

Ihr seid’s net zur Gaudi da

Die Seniorinnen bleiben nicht nur am Sessel für ihre Gymnastik. Sie stellen sich Rücken an Rücken und dann wird der Ball übergeben. Über den Kopf, zwischen den Beinen. Und dann Richtungswechsel. Unglaublich, wie beweglich man im hohen Alter noch sein kann, wenn man sich ständig bewegt. Endgültig fasziniert bin ich dann bei den Dehnungsübungen. Die 85jährige Maria Fenk kommt problemlos mit ihren Händen bei gestreckten Beinen zum Boden. „Bis 73 hab ich den Spagat können. Dann hab ich mir bei einer Showeinlage in Tunesien einen Muskelfaserriss zugezogen, seither hab ich das nicht mehr probiert.“

Für Stabilitätsübungen setzen sich die Seniorinnen auf die Bälle (auf den Sesseln) und heben die Beine. „Diese Übung wäre mir auf Pezzibällen zu riskant“, so die Turnlehrerin. Man muss immer auch darauf achten, dass manche auch Kreislaufprobleme haben können.

Wenn man in die Gesichter sieht, weiß man, dass alle Spaß haben. Auch wenn dazwischen schon mal kurz gestöhnt wird. „Ihr seid´s net zur Gaudi da“, erinnert Frau Huthmann und startet die letzte Runde mit Akkupressurpunkt drücken und über Meridiane streichen.

Die wirklich bewegliche und fitte 90jährige Burgi verrät mir zum Schluss ihr Altersgeheimnis: Nie mit dem Sport aufhören und viel Gemüse essen. Nur Zilli, die „Chefin“ im Volkshilfe Raum, macht nur bei ausgesuchten Übungen mit und murrt vor sich hin: „Und morgen jammern wieder alle, dass ihnen alles weh tut.“ Bis zur nächsten Turnstunde ist das allerdings wieder vergessen.

Doris Wild

Dieser Artikel erschien zuerst bei PROBETRAINING SALZBURG

alle Bilder: Doris Wild

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