In den städtischen Seniorenwohnhäusern ändert sich vieles. Immer wieder fragen mich Menschen etwa, was das sein soll, so eine Hausgemeinschaft für alte Leute im „Altersheim“? Jedes Mal denke ich dann an meine Uroma, die leider nicht das Glück hatte damals in den 1970er Jahren in einer Hausgemeinschaft zu leben. Sie war in einem Altersheim am Land untergebracht. Ich habe mich als Kind eigentlich immer geängstigt, wenn wir zur Uroma gingen. Mehr als 5 Jahre am Ende ihres Lebens lag sie in einem Bett in einem Zimmer, wo auch eine andere alte Frau untergebracht war. Einmal am Tag wurde sie für mehrere Stunden auf einen Leibstuhl gesetzt. Ein Stuhl mit Loch im Sitz und einer Schüssel darunter. Zum Mittagessen kam sie dann wieder ins Bett. Ein paar Bissen musste sie rasch runterschlucken. Ein wenig Tee. Damit war der Tag gelaufen. Gruselig aber damals normal. Viel hat sich seither geändert!

In den Seniorenwohnhäusern zog in den 1980er und 1990er Jahren ein frischer Geist ein. Mehr Selbstbestimmung, viele therapeutische Angebote, Abwechslung und Individualität. Anfang der 2000er Jahre kam dann auch in Salzburg die Idee der Hausgemeinschaften an, unter anderem von Sonja Schiff, damals Gemeinderätin, gefordert. Und jetzt werden Schritt für Schritt in mehreren Seniorenwohnhäusern in Salzburg die Hausgemeinschaften verwirklicht. Die meiste Erfahrung mit diesem Konzept gibt es in Hellbrunn.


Das Wichtigste dabei ist, dass der Alltag für alle so normal wie möglich ist. Jede/r Bewohner/in hat ein Zimmer für sich, zum Teil mit eigenen Lieblingsstücken möbliert. Im Zentrum steht der gemeinsame Wohnbereich mit Küche. Wer mag und kann, darf mitkochen beim Mittagessen. Wer sein Frühstück erst um 10 Uhr haben will, kein Problem. Wieder wer anderer faltet gerne alle Hand, Dusch- und Geschirrtücher der Hausgemeinschaft. Es gibt keine Bereiche extra für die „schweren“ Pflegefälle, wie man früher sagte. Auch Menschen, die Demenz haben, sind mittendrin im Leben und nicht gesondert untergebracht. Es gibt keine langen Korridore mehr, unpersönliche Einrichtung oder unüberschaubare Räumlichkeiten. Das direkte Lebensumfeld ist kompakt und individuell gestaltet für eine bessere Übersichtlichkeit und das Wohlfühlen. Terrassen, Balkone und ein Garten gehören dazu. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen sich täglich keine „Krankenhausatmosphäre“ entstehen zu lassen, sondern ein normales Alltagsleben zu ermöglichen.

Und der Erfolg zeigt, dass das Modell funktioniert, dank der engagierten MitarbeiterInnen und der alten Menschen, die so aufgeschlossen sind im hohen Alter noch etwas ganz Neues zu wagen. Und jedes Mal, wenn ich dort zu Besuch bin, wünschte ich meine Uroma hätte das Glück gehabt ihre letzten Jahre so erleben zu dürfen. Unterstützt aber selbstbestimmt, gut aufgehoben, aber frei in der Entscheidung. Aber ich bin glücklich als verantwortliche Politikerin ein Stück der Entwicklung in den Seniorenwohnhäusern mittragen zu dürfen.

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