Diese kleine sukzessiv veröffentlichte Trilogie beschäftigt sich mit  Sprichwörtern bzw. Stehsätzen, die sowohl das Denken, das gesellschaftliche (Zusammen)-Leben als auch die Wirtschaft der heutigen Zeit beeinflussen.

Das Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ stammt von dem römischen Konsul Appius Claudius Caecus (397.296 v. Chr) und hieß original „fabrum esse suae quemque fortunae“ – jeder sei der Schmied seines Glücks. Wie er das dazumals gemeint hat, kann heute nur mehr schwer gedeutet werden. Was wir jedoch wissen ist, dass wir heute unter diesem Spruch landläufig folgendes verstehen:  Jeder selbst ist dafür verantwortlich, dass er im Leben glücklich und erfolgreich wird.

Es stellen sich drei kritische Fragen:

  1. Ist Glück nur durch bzw. nur mit Erfolg erreichbar?
  2. Wie denkt die Gesellschaft über simples „zugeflogenes“ Glück oder Pech, welches zu Erfolg oder Misserfolg führt?
  3. Meint dieser Satz bzw. verstehen wir ihn in der Form, dass jeder grundsätzlich das gleiche Potential hat glücklich zu werden oder vielmehr, dass jeder die gleichen Chancen hat?

Zum Punkt 1: Was ist Glück?
Vom Urheber und Latein ausgehend findet man im doch schon etwas verstaubten Stowasser unter  „fortnuae“: zufälliges Schicksal, Zufall, Glücksfall, (günstiges/ungünstiges) Los, Geschick, äußere Lage, Stand, Stellung, Zustand, Umstände, Verhältnisse. Fortunae wurde also schon im römischen Reich zumindest im Zusammenhang mit „Stand, Umstände und Verhältnisse“  indirekt mit Erfolg in Verbindung gebracht. Aber hängt, wie in der heutigen Zeit  landläufig angenommen wird, Glück unmittelbar von Erfolg ab? Diese Frage kann und soll sich jeder Leser selbst beantworten!

Zum Punkt 2: Glück & Pech
Hier entstehen die ersten Problematiken: Viele vergessen bei Bewunderung erfolgreicher Menschen, dass zugeflogenes Glück im Spiel war. Selbst Frank Stronach gibt zu, in seinem Leben viel eines solchen Glücks gehabt zu haben. Bei Pech sieht die Sache anders aus. Da wird zwar auch vergessen, dass für Misserfolg Pech im Spiel war, aber der- oder diejenige ist langfristig „selbst schuld“. Dazu weiter unten mehr.

Zum Punkt 2 & 3: Jeder hat die gleiche Chance?
Es ist ein Unterschied ob man davon ausgeht, dass jeder das gleiche Potential hat oder dass jeder die gleiche Chance hat. Trotzdem kann beides grundsätzlich  falsifiziert werden.
In den kapitalistischen Staaten dieser Erde, und hierbei allen voran in den USA, wird immer wieder propagiert, dass jeder die gleiche Chance hat erfolgreich und somit glücklich zu sein. Der vielfach zitierte „American Dream“, dessen dahinterstehende Denkweise immer mehr auf das von Sozialstaaten geprägte Europa übergreift, ist hierfür das beste Beispiel. In diesem Zusammenhang kann man sich immer wieder folgende Frage stellen: „Hat ein Kind aus Compton L.A. tatsächlich das selbe Potential / die selben Chancen in der Gesellschaft und das selbe Potential / die selben Chancen öknomisch aufzusteigen wie ein Kind aus Beverly Hills L.A.?“
Spricht man von Potential so kann man die Frage mit Ja beantworten. Spricht man von Chancen lautet die Antwort eher nein. Und hier liegt der kleine jedoch bedeutende Unterschied.
Was die Chancen betrifft  zielt diese Frage vor allem auf die bereits mehrfach nachgewiesene Vererbung von Bildung ab. Nach kurzem Überlegen kann dies niemand abstreiten und viele finden heraus, dass sie selbst einem nicht ganz richtigen Ideal nachlaufen, oder wie es jüngst Roland Düringer formulierte: „In ihrem Hamsterrad dem Herzinfarkt entgegenhurteln.“

In dem Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn“ wird eindrucksvoll dargelegt, wie es – vor allem konservativen Denkern – immer wieder gelingt nur durch oftmalige Wiederholung von bestimmten Metaphern und Sätzen genau diese in den Gehirnen der Menschen zu verankern. In letzter Instanz führt es dazu, dass Menschen nach diesen Grundsätzen Leben bzw. diese Sätze glauben, auch wenn sie gar nicht dieser Meinung sind bzw. wären. Man könnte unterstellen, dass der hier diskutierte Satz insofern bewusst zweckentfremdet wurde, als dass das dadurch verursachte Denken und Handeln bzw. Nichthandeln eines Großteils der Gesellschaft lediglich einer dünnen Oberschicht ermöglicht, alle anderen Bürger sehr lange „still zu halten“! Dies während man ungeniert den eigenen meist geld- und machtvermehrenden Interessen nachgeht.

Auch gesellschaftspolitisch scheint ein zu starker Fokus auf die Eigenverantwortung gefährlich zu sein bzw. irgendwann in jedem Fall gefährlich zu werden! Dieser Fokus führt nämlich zwangsläufig zu einer Entsolidarisierung und dazu, dass in der öffentlichen Meinung diejeinigen die eben nicht erfolgreich und oder glücklich sind, an diesem Umstand selbst – oft unterstellt im Zusammenhang mit Faulheit, Unfähigkeit oder fehlendem Willen – schuld sind.

Jeder, der in diesem Sinne jemand anderes vorschnell verurteilt, sollte sich immer die Frage stellen ob er / sie die genauen Umstände kennt.
Denn: Das Leben ist nicht für alle gleich. Es beginnt mit der Geburt in einem gewissen Umfeld, das Thema Gesundheit bzw. Krankheit hat weitreichende Auswirkungen im Verlauf, Schickschalsschläge und auch oft simples Glück oder Pech wirken sich sehr starkt auf das Lebens jedes Einzelnen aus.
Es ist wichtig zu verstehen:
Diese Determinanten und noch einige mehr können vom Einzelnen generell nur schwer bzw. nicht – und vor allem nicht – durch den oft genannten Fleiß beeinflusst werden.

Fazit:
Man kann Begebenheiten nicht beliebig beeinflussen und banal formuliert spielt simples Glück und Pech im Sinne von Zufall eine nicht beachtete aber eben eine nicht zu unterschätzende Rolle im Verlauf des Lebens eines jeden einzelnen Menschen. Dies sollte man immer im Kopf behalten, denn niemand ist davor gefeit auch mal Pech zu haben.

1 Antwort
  1. Janina sagte:

    Die letzte Konsequenz unserer „Geiz ist geil“ – Mentalität ist: Keiner für keinen. Wollen wir das? Der Mensch war von Beginn seiner Existenz an ein Rudeltier und ohne Solidarität und Zusammenarbeit ist der Mensch nicht denkbar.

    Antworten

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