Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

von Sonja Schiff

a1Vor Jahrzehnten hat Hans für sich, seine Frau und seine Kinder ein Traumhaus gebaut.  Nein, es ist keine Villa geworden. Es wurde ein kleines Häuschen mit Küche, Wohnzimmer, Bad mit Toilette, einem Schlafzimmer und zwei Kinderzimmer. Außerdem hat das Häuschen eine kleine Terrasse und einen Garten, den seine Frau Anna bewirtschaftete als sie noch lebte.

Fast fünf Jahre hat der Hausbau gedauert, Tag für Tag nach der Arbeit schuftete Hans am Bau, Wochenende für Wochenende halfen auch Anna und die beiden Kinder. Freizeit gab es keine. Dafür feierten sie ein kleines Fest, als sie die winzige Wohnung endlich verlassen konnten und in ihr Haus einziehen. Wie sich die Kinder darüber freuten ein eigenes Zimmer zu haben! Und Anna strahlte wegen der neuen Küche und des kleinen Gartens.

60 Jahre sind seitdem vergangen. Die Kinder leben mittlerweile in Berlin und London, sie haben es zu etwas gebracht und auch eigene Familien gegründet. Er ist stolz auf sie. Vor einem halben Jahr ist Anna gestorben. Plötzlich. Hirnblutung. Es war als würde die Welt untergehen. Anna, seine Anna, plötzlich aus seinem Leben gerissen. Von einem Tag auf den anderen alleine.

Und die Kinder?

Die Kinder wollten ihn zu sich holen. Aber gang ehrlich, was soll er in Berlin oder London? Nein, er ist hier zu Hause, hier wo man seine Sprache versteht. Hier wo Anna mit ihm lebte.

Vor ein paar Wochen hat Hans entschieden ins Seniorenheim zu ziehen. Die Einsamkeit der letzten Monate hat Spuren hinterlassen. Morgens fällt es ihm immer schwerer aufzustehen. Kürzlich hatte er außerdem einen kleinen Schlaganfall und nun fallen einige Dinge des täglichen Lebens schwer. Er will auf Nummer sicher gehen, dass da Hilfe ist, wenn er sie braucht.

Aber wie verlässt man den Mittelpunkt seines Lebens? Wie verabschiedet man sich von den vielen Erinnerungen? Wie sortiert man sein Hab und Gut in wichtig und unwichtig? Wie reduziert man sich von 120 Quadratmeter auf 25 Quadratmeter?

Der neue Laubsauger? Nein, der muss nicht mit. Den bekommt der junge Nachbar. Der alte Biedermeierschrank von Oma Rosi? Hmmmm, der ist wohl zu groß für das kleine Zimmer im Heim. Ob den jemand in Ehren halten wird? Die alten Eislaufschuhe? Meine Güte was war er doch für ein leidenschaftlicher Eiskäufer! Am Eislaufplatz in Salzburg, da hat er dann auch seine Anna kennengelernt. Das hübscheste Mädchen weit und breit!

Was ist das? Das alte Spielzeug der Kinder. Die Lieblingspuppe des Mädchens, das Holzpuzzle des Jungen. Anna hat es aus Sentimentalitätsgründen in einem Koffer aufbewahrt. Auf den Müll werfen? Mitnehmen?

Und hier, das vergilbte Hochzeitsalbum?

Ach, Anna……

 

Sonja Schiff, MA ist Gerontologin und Altenpflegeexpertin. Im Oktober 2015 erschien ihr erstes Buch „Was ich von alten Menschen über das Leben lernte“.

Mehr Infos zu Sonja Schiff finden Sie unter hier: Careconsulting und Vielfalten

Bevor jetzt ein Aufschrei kommt, was dieser Titel soll, bitte ich einfach weiter zu lesen und sich selbst ein Urteil zu bilden.

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v.l.n.r.: Gabriele Rothuber, Teresa Holzmüller, Almut Schnerring und Sascha Verlan

Heute gab es eine ganz spannende Diskussion im Rahmen des Monats der Vielfalt.  unter anderem mit den Autorinnen der Rosa Hellblau Falle.

Folgende Feststellungen nehme ich mit:

  • Puppen haben keinen Papi.
  • Mädchenkram und du bist ein Mädchen ist nicht nett gemeint – man nennt das Sexismus
  • Heidi Klum bewirbt Stöckelschuhe für 4- 6 jährige Mädchen, nicht für Jungs.
  • Bei Legofriends kümmern sich die Mädchen um die wirklich wichtigen Dinge: Ponys, Familie, Showbühnen
  • Bei Legocity meistern die Jungs die echten Herausforderungen: Gipfel, Tiefsee, Weltall
  • Mädchen essen Prinzessinnensuppe, Jungs schlürfen Feuerwehrmannsuppe.
  • Kleber gibt es für Jungs und für Mädchen extra.

und Chips, Zahnbürsten, Tees, Hühnchenfilets und und und….

Und Mädchen bekommen im Schnitt 35,5 € im Monat Taschengeld. Jungs knapp 50 €.

Seit den 2000er Jahren gibt es Gendermarketing auch in Europa. Es geht darum mehr Produkte zu verkaufen.

Wer immer noch Zweifel hat dem empfehlen die Expertinnen folgendes Video:

Was die Mutter (!) ab dem ersten Tag des Babys weiß und welches Baby in Zukunft was macht :)

DAS VIDEO

 

In den letzten Monaten sind die Medien voll von ganz tollen Vorschlägen, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen sollen. Jeder Mensch hat dazu Meinungen. Da findet sich die ganze Bandbreite. Aber vom Erschießen von Kindern war bis dato noch nicht die Rede. Das ist seit heute anders. Eine skurrile blaublütige Politikerin hat auf die Frage, ob an der Grenze auch auf Kinder geschossen werden sollte, wenn es notwendig ist, mit einem JA geantwortet. Mit JA! Geht’s noch?

Himmelherrschaftszeiten!

Können wir uns bitte wieder auf ein Niveau begeben, das der viel zitierten und beschworenen europäischen „Leitkultur“, ob christlich oder humanistisch, entspricht. Ich will dieses Niveau nicht! Ich will nicht, dass irgendein Polizist in Europa einen Schießbefehl auf Kinder bekommt! Ich will das nicht und ich bin überzeugt Millionen anderer Menschen  auch!

Vernünftige Politik!

Aber was ich will ist, dass die Polizei jede Unterstützung bekommt, die Flüchtlingskinder zu finden, die in Europa verlorengegangen sind. Viele von ihnen vermutet man in den Händen ekelhafter Krimineller, die sie sexuell ausbeuten. Wahrscheinlich für den europäischen Pornomarkt!

Und ich will, dass endlich mehr getan wird, um einen ernsthaften Friedensprozess im Nahen Osten in Gang zu bringen und die Milliarden Euro nicht Waffen und korrupte Staaten gesteckt werden, damit wenige profitieren. Das Geld gehört in die Flüchtlingslager und in den Aufbau der Regionen, die stabiler sind.

Ich will vernünftige Politik, ernsthafte Vorschläge, um die Situation für alle zu verbessern. Die Hoffnung habe ich immer noch.

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Kurrentschrift ist für die Jungen fast nicht zu lesen!

Wenn ein Mensch über 80 Jahre alt ist, wird er nicht gerade als aktiv wahrgenommen. Bei diesem Alter denken Jüngere unweigerlich an Rollatoren, Windeln, Kamillentee und Pflegebett. Und daran, dass die Menschen selber nicht mehr viel tun müssen, gerade, wenn sie in einem Seniorenwohnhaus leben. Und Ahnung haben die doch auch nicht mehr von der modernen Welt voller Computer, Smartphones und Tablets.

Das ist aber nicht so. Vor einigen Monaten habe ich erfahren, dass es in Hamburg Senioren gibt, die ein spezielles Angebot haben. Sie lesen und „übersetzen“ alte Schriftstücke, die in Kurrent verfasst sind in unsere lateinische Schrift. Viele junge Menschen wenden sich an sie, damit sie endlich wissen, was die Uroma dem Uropa am Beginn ihrer Liebe so geschrieben hat. Oder welche schönen Sprüche im Poesiealbum von 1920 stehen, das man gerade auf dem Dachboden gefunden hat.

Was die Hamburger SeniorInnen können, das können wir schon lange habe ich mir gedacht und eine Umfrage in unseren Seniorenwohnhäusern in der Stadt Salzburg gestartet. Und siehe da, über 50 Menschen haben sich gemeldet. Jetzt haben wir in unseren 5 Häusern je eine Kurrentgruppe. Damit auch viele Menschen darüber Bescheid wissen, gab es ein Pressegespräch.

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Wer kann das lesen?

Herr Huber, Frau Buchner und Herr Bräuer standen Rede und Antwort. Alle haben sie Kurrent in der Schule gelernt, das war damals die normale Schreibschrift. Die lateinischen Buchstaben waren die Schönschrift! Und da musste man aufpassen. Die Auf- und Abstriche, die Haar- und Schattenstriche. Alles nicht so einfach. Da hat der Herr Lehrer ganz genau geschaut, ob es auch akkurat geschrieben ist. War aber nicht immer so. Und manchmal setzte es deshalb in der Schule eine Watsche, erzählte  Herr Huber: „Da hat man sich zu Hause aber nicht darüber beschweren dürfen, sonst hätte man gleich noch eine kassiert.“

Frau Buchner hat ihren Kalender als junges Mädchen in lateinischer Schrift geführt, ihre Mutter konnte nur Kurrent. Die sollte nämlich nicht wissen mit welchen jungen Herren sie sich trifft!

Und alle drei freuen sich darauf heute jungen Menschen dabei zu helfen, die alte Korrespondenz aus der Familie zu verstehen, denn so meinen sie: „Endlich dürfen wir mal wieder die Gescheiten sein!“

Hier die drei Kurrent-ExpertInnen im Interview:

 

 

Und wer etwas übersetzen lassen will, melde sich hier:

Seniorenbetreuung der Stadt Salzburg: 0662 8072-3240, -3242, -3243
E-Mail: seniorenbetreuung@stadt-salzburg.at

 

a2Wenn Dr. Bekas Darwesch zu reden beginnt kann man nur gebannt zuhören. In seinem Brotberuf ist er Kardiologe und ehrenamtlich engagiert er sich seit 2010 für die Flüchtlinge im Nordirak und in Syrien. Man spürt sofort, dass er die Menschen liebt. Seine Berufung ist es, jenen zu helfen, denen es nicht so gut geht.

Im Frühjahr fährt er wieder in den Nordirak und nach Syrien. Er will Medikamente hinunterbringen und vor Ort medizinisch helfen. Syrien ist sein Herkunftsland, schon lange ist er in Österreich beheimatet. Aber in Krisenzeiten will er natürlich unterstützen. Wenn er von den Flüchtlingslagern, a1die er dort besucht hat, erzählt, wird klar, warum die Menschen nach Europa kommen. Die internationale Hilfe wird vor Ort weniger, sagt er. Und es gibt drei Faktoren, die die Menschen aus den Lagern aufbrechen lassen: „Für die Kinder gibt es keine Bildung, die medizinische Versorgung ist nicht gegeben und jahrelang in einem Zelt zu leben, macht jeden Menschen hoffnungslos.“, erzählt er von seinen Eindrücken. Er hat die Menschen dort gefragt, warum sie mit der ganzen Familie die gefährliche Reise übers Meer wagen. Die Antwort eines Flüchtlings hat ihn besonders erschüttert: Wenn wir es nach Europa schaffen ist es gut. Wenn wir alle im Meer sterben, muss niemand um uns trauern.

Wie helfen ist die Frage?

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Dr. Bekas Darwesch will helfen

Aber was ist sein Lösungsvorschlag, damit nicht Millionen Flüchtlinge nach Europa kommen müssen? Die Europäische Union macht derzeit Milliarden locker, um die Flüchtlinge im Nahen Osten und in der Levante zu halten. Das Geld bekommen die Staaten. Er plädiert dafür, einen großen Teil der Gelder  internationalen Hilfsorganisationen zu geben, die vor Ort mit Institutionen zusammenarbeiten können. Dann gäbe es Hoffnung, dass die Hilfe bei den Menschen ankommt. Bildung für die Kinder, medizinische Versorgung und raus aus den Zelten und Container zum Wohnen. Und er hält nichts von noch mehr militärischen Eingriffen, denn jede Rakete schafft mehr Probleme als sie beseitigt. „Eine Rakete kostet hundertausende Dollar. Dafür kann man fünf Schulen bauen. Das ist wohl der bessere Weg in den Frieden.“ , ist Dr. Darwesch überzeugt.

Das war jetzt richtig schön wieder mal in einer Vorlesung zu sitzen. Andrea Ender hat ihre Antrittsvorlesung an der Universität Salzburg gehalten. Ihr Thema: Von der Welt in den Kopf und zurück-Zweitsprachen lernen und gebrauchen.

Meine Erkenntnisse aus der Vorlesung: Die wissenschaftliche Sicht des Spracherwerbs sollte auch in der politischen Diskussion viel mehr Platz haben. Die Forderung an die MigrantInnen und Flüchtlinge Deutsch zu lernen, ist schnell gesagt. Wie es Menschen geht, die eine Zweitsprache lernen, steht politisch nie zur Diskussion. Besonders wenn es Erwachsene sind.

Drei wesentliche sprachwissenschaftliche Feststellungen will ich in den zukünftigen politischen Diskussionen und Forderungen zum Thema „Die sollen Deutsch lernen“ immer parat haben:

  1. Deutsch lernt man am besten, wenn neben der Theorie im Kurs ganz viel Praxis möglich ist
  2. Für die Menschen, die Deutsch in Österreich lernen, ist es eine große Herausforderung im Alltag zwischen Hochdeutsch und Dialekt zu unterscheiden
  3. Wie schnell jemand eine Sprache lernt hängt von vielen Faktoren ab: Lerntyp, welcher Unterricht in welcher Umgebung, soziale Interaktionen, …

Und als vierten Punkt füge ich aus meiner langjährigen Praxis als Deutschlehrerin dazu: Lob und Unterstützung führen schneller zum Erfolg als Druck und Kritik!

Und PolitikerInnen sollten öfters mal in Vorlesungen gehen ;)

Hier gibt es 13 Tipps für einen freudvollen Deutschkurs!