Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

In Lehen leben einige meiner Freunde, unzählige Bekannte, ehemalige Schülerinnen, Kollegen. Lehen hat ganz viele Gesichter. Grüne Ecken, die Salzach, urbanes Wohnen, eine vielbefahrene Straße, Kultureinrichtungen, tolle Gastronomie und Geheimtipps!

Als ich heute in einem Österreich-Medium  eine Geschichte über Lehen las mit dem Titel „Die Salzburger Schmuddelecke“ war meine erste Reaktion: I mog Lehen und Lehen und seine Menschen haben es nicht verdient als Schmuddelecke bezeichnet zu werden. Natürlich ist Lehen nicht die fürsterzbischöfliche Altstadt mit ihren überwältigenden Sakralbauten und den riesigen Plätzen, die vom Reichtum der Kirche zeugen. Es ist auch nicht die Bürgerstadt mit ihren engen Gassen und vielen Geschäften, die früher Handwerksbetriebe waren und heute oft internationalen Ketten gehören. Durch Lehen schieben sich auch nicht abertausende Touristen mit den gezückten Smartphones und von sich gestreckten Selfiestangen.


In Lehen leben Menschen, die die Stadt am Laufen halten, Arbeiterinnen, Angestellte. Es gibt viele Kinder aber auch alte Leute. Immer schon Einheimische und viele Zugezogene. Natürlich gibt es Ecken, die nicht schön sind. Die Wettbüros nerven ziemlich und gehören endlich auf ein Minimalmaß reduziert. Im Lehener Park verbringen viele Menschen ihre Freizeit, leider sind hier auch immer wieder Drogendealer unterwegs. Mit der neu eingerichteten Schutzzone gibt es eine weitere Maßnahme, um diese Form der Kriminalität zu bekämpfen. Und die Ignaz Harrer Straße ist keine klassische Flaniermeile ob des Durchzugsverkehrs, aber auch keine Ignaz Horror -Straße. Hier gibt es Salzburgs erste grüne Fassade und viele Geschäfte sind kleine Betriebe, die gut Kundschaft haben. Zum Beispiel meine Nachbarin Ayse mit ihrer Boutique und eines meiner Lieblingslokale mit hervorragendem japanischen Essen. Rund um die Stadtbibliothek hat sich ein neues Zentrum entwickelt. Und im viel kritisierten Stadtwerk arbeiten etliche Menschen, es gibt Bildungseinrichtungen und Kultur. Auch eines meiner Lieblingsprojekte, das Repair Cafe, hat hier seine Basis. Der erste Stadtteilgarten Lehens ist jetzt an der Salzach entstanden. Die Parkanlage beim Kraftwerk sucht ihresgleichen. Und wer rumänische, türkische, arabische oder bosnische Spezialitäten sucht ist in Lehen richtig. Oder eine richtig kreative Torte? Manche sagen es ist eine Kebapmeile. Ja, es gibt viele Kebapgeschäfte, halt für jeden Kebap-Geschmack etwas. Lehen ist ein dicht besiedelter Stadtteil, der ganz viel Vielfalt bietet. Lehen ist einer der Motoren der Stadt Salzburg und nicht die Schmuddelecke.


Am späten Nachmittag habe ich mir heute ein Stündchen Zeit genommen und bin durch Lehen spaziert, einfach um mich zu vergewissern, dass mein Lehen das reale Lehen ist, das vielfältige Lehen mit seinen schönen und hässlichen Ecken, wie das halt so ist, wenn Menschen zusammenleben. Schmuddelig war es nicht sondern menschelnd, weil ich ständig Menschen getroffen habe, die ich kenne. Und ganz viel getratscht habe.

I mog Lehen und seine Menschen!

von Gabriele Rothuber

KINDERANTWORT:
Wenn Buben in die Pubertät kommen, verändert sich vieles im und am Körper: sie kommen in den Stimmbruch, der Bart beginnt zu wachsen… und: sie haben den ersten Samenerguss.
Das nennt man auch „feuchten Traum“, weil das oft mal in der Nacht passiert: wenn der Körper bereit ist, fangen die Hoden an, Samenzellen zu produzieren. Die werden dann in den
Nebenhoden gelagert. Und wenn die Lagerhallen voll sind, müssen sie raus. Es kann in der Nacht passieren, dass die Samenzellen aus dem Penis rauskommen – und in der Früh
fühlt / sieht man dann einen feuchten Fleck. Das ist ein tolles Zeichen, dass der Bub zum Mann wird.

ELTERNINFO:

Die allermeisten Mädchen werden auf die Menarche, die erste Regel vorbereitet (wobei manche Mädchen bereits mit 9 die erste Regel bekommen und die schulische Aufklärung meist erst in der 4. Klasse Volksschule geschieht!) Die wenigsten Burschen werden aber auf den ersten Samenerguss vorbereitet – und den meisten ist es peinlich, weil sie
glauben, wieder ins Bett gemacht zu haben. Diese Peinlichkeit kann man ihnen ersparen, indem man frühzeitig mit ihnen darüber spricht. Es sollte für sie – wie auch für Mädchen – ein positives Zeichen sein: nämlich dass sie nun in der Pubertät sind / erwachsen werden.

Bei manchen Buben entwickelt sich der Körper nicht so, wie sie / die Eltern / Umwelt / Schulbücher es erwarten: Stimmbruch, Penislängenwachstum, Bartwuchs, Samenerguss…bleiben aus. Auch endet nicht bei allen Buben die Harnröhre an der Penisspitze sondern irgendwo am Schaft. Geschlechtsorgane, Hormone, Chromosomen stimmen weit häufiger nicht mit den enggesetzten medizinischen Normen zusammen, als allgemein angenommen. Der Regenschirmbegriff für geschlechtliche Vielfalt lautet Intersex oder Intergeschlecht.

Aufklärung macht www.selbstbewusst.at
Beratung gibt es bei www.hosi.or.at oder www.courage-beratung.at
Selbsthilfe für Intersex bietet www.vimoe.at

b7

Lidija Ratkovic Suceska vor „ihrer Tafel“

Nach jahrelangen Verhandlungen trat 1966 das Anwerbeabkommen zwischen Jugoslawien und Österreich in Kraft. Schon zu Beginn der 1960er Jahre gab es viele jugoslawische Gastarbeiter, nach der Unterzeichnung des Abkommens kamen noch mehr nach Österreich, um hier Arbeit zu finden. Auch nach Salzburg. Universität und Stadt Salzburg würdigen diesen Teil der Salzburger Geschichte mit der Wissensbrücke. Noch bis Ende August sind auf dem Makartsteg Tafeln, die von der Geschichte der jugoslawischen Zuwanderung erzählen. Welche Menschen sind gekommen? Wie hat sich ihr Leben entwickelt, was machen die Enkeln der ersten „Gastarbeitergeneration“? Heute gibt es Jugoslawien nicht mehr, die Menschen von damals sind jetzt Kroaten, Serbinnen, Kosovaren oder Bosnier, viele auch Österreicher mit Migrationshintergrund. Sie haben wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg Salzburg beigetragen, im Bau, Gewerbebetrieben und im Tourismus. Ihre Kinder und Enkelkinder sind jetzt oft schon selbstständige Unternehmer, Ärztinnen oder Beamte. Sie haben in Österreich eine Heimat gefunden, aber sie lassen auch die Verbindung auf den Balkan nicht abreißen. Sie leben oft in zwei Welten, was manche als Manko andere als Bereicherung sehen. Für Österreich und für Salzburg sind sie die größte Einwanderergruppe der letzten Generationen. Sie sind ein Teil Österreichs und Salzburgs und auch ein Teil unserer Geschichte. Zu sehen am Makartsteg in Salzburg.


Eine persönliche Anmerkung sei mir erlaubt: Nachdem ich 20 Jahre Deutschkurse für Migrantinnen machen durfte und viele meiner Schülerinnen aus „Jugoslawien“ kamen, geht mir einfach das Herz auf, wenn ich über den Makartsteg gehe und die historische Ausstellung sehe. Wie oft habe ich erlebt, dass die Frauen es schwer hatten in Österreich Fuß zu fassen, aufgenommen und angenommen zu werden. Aber: Wer in den Geschichtsbüchern eines Landes steht ist Teil des Landes- angekommen, aufgenommen und angenommen!

Wissensbrücke 2014

Das Salzburger BühnenErlebnis sucht für sein neuestes Projekt „Spielend Einander Verstehen“ Mitwirkende auf und hinter der Bühne. Egal ob Laie oder Profi. Am 3. Juni gibt es das erste Treffen. 

Schon einige Jahre bevor der Flüchtlingsstrom Österreich erreicht hat, befasste sich Peter Christian Ebner mit diesem Thema. „Ich habe damals einen Film gesehen, in dem beiden Hauptakteure in unterschiedlichen Sprachen miteinander kommuniziert und dennoch verstanden haben.“

Die Idee, daraus ein Theaterstück für Salzburg zu machen, ließ ihn nicht los. Nun ist es so weit: Das Theaterensemble Brettspiel sucht gemeinsam mit dem Salzburger BühnenErlebnis für das mehrsprachige Theaterprojekt „Spielend Einander Verstehen“ Mitwirkende auf und hinter der Bühne. „Das kann ein Laie oder auch jemand mit viel Erfahrung sein. Wir wollen eine bunt gemischte Truppe auf die Bühne schicken“, sagt Projektleiter Peter Christian Ebner. Das von Salzburg 20.16 ausgezeichnete Zukunftsprojekt wird von seiner Ehefrau Angelika Bamer-Ebner künstlerisch geleitet.

Im Theaterstück wird es vor allem um Konflikte, Flucht und Verbannung gehen. „Diese Themen sind durch den Flüchtlingsstrom aktueller denn je“, sagt Peter Christian Ebner.  Der Hauptstrang der Geschichte wird in deutscher und zum Teil englischer Sprache gespielt. Einzelne Darsteller werden je nach Szene in ihrer Muttersprache kommunizieren. Basierend auf der Vorlage von William Shakespeares „Wie es euch gefällt“ wird das inklusiv  angelegte Theaterprojekt in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt.

Am Freitag, dem 3. Juni, gibt es im Markussaal in der Gstättengasse das ersten Treffen mit den Teilnehmern. Geprobt wird ab September. Die erste Vorstellungsreihe in Land und Stadt Salzburg ist für das  Frühjahr 2017 geplant. Wer nun Interesse hat, an dem Projekt teilzunehmen, kann sich unter der Mail-Adresse info@theater-brettspiel.at anmelden!

 

Das war jetzt ein Hinbibbern auf das Ergebnis. Und ich freue mich, dass Alexander van der Bellen unser nächster Bundespräsident sein wird. Als Österreicherin, Wählerin und Politikerin habe ich die letzten 24 Stunden ganz viele Kommentare und Analysen gelesen, vor und nach Bekanntwerden des Ergebnisses. Und dabei sind in mir drei Wünsche immer deutlicher geworden. Die zu erfüllen, braucht es viele von uns im Land. Natürlich werden mir nicht alle Menschen zustimmen, aber ich glaube, dass viele Ähnliches denken und wünschen:

  1. Lasst uns damit aufhören uns gegenseitig zu misstrauen, uns schief anzuschauen, uns verbal anzugreifen und verzichten wir auf die wahlweise Nazi- und Kommunistengutmensch –Keule. Seien wir wieder respektvoller in der politischen Auseinandersetzung und hören wir einfach dem zu, der nicht die gleiche Meinung hat. Vielleicht hat der oder die auch mal recht, auch wenn es nicht ins eigene Weltbild passt.
  2. Wenn wir eine gute Zukunft für unser Land haben wollen, dann geht das nur im Miteinander und nicht im Gegeneinander. Wenn jetzt viel von einer Spaltung des Landes sprechen, dann sind wir aufgerufen in all unserer Vielfalt zu einem guten, zukunftsträchtigen Miteinander zu kommen. Jeder einzelne von uns ist aufgerufen echte und vermeintliche Gräben zu überwinden.
  3. All die Energie, die Kraft, die Zeit und das Geld, das wir investieren, um unsere Gegensätze zu stärken, sollten wir in konstruktive und  erfolgversprechende Ideen, Projekte und Maßnahmen stecken. Für Österreich, für Europa, für uns alle.

Für die Erfüllung dieser 3 Wünsche sind nicht irgendwelche Menschen zuständig, sondern eigentlich wir alle, oder? Packen wir es an!

Als ich heute mit dem Bus zum Schloss Mirabell gefahren bin, habe ich mal ganz bewusst die anderen Fahrgäste angesehen. Und wisst ihr was? Es hat mir gefallen, was ich gesehen habe. Eine bunte Mischung an Menschen, so wie unsere Gesellschaft halt ist. Da waren zwei ältere Damen, ganz ins Gespräch vertieft. Ein älterer Herr hat sich mit dem Rollator im Bus ein günstiges Plätzchen gesucht, damit er auch bequem wieder aussteigen kann. Ein asiatisches Touristenpärchen hat immer zwischen Stadtplan und Fahrstrecke hin und hergeschaut. Mich hat ein bisschen gewundert, dass die beiden noch einen „analogen“ Plan aus Papier hatten. Eine Mutter mit zwei Kids im Kindergartenalter war bemüht, dass die beiden nicht zu laut plappern. Zwei Mädchen, eine mit Kopftuch, waren in ein Handy vertieft und kicherten immer wieder, sah ganz nach ersten Liebesdingen aus. Und dann war da noch meine alte Kollegin, die mit ihren Deutschkurs-Frauen in den Bus eingestiegen ist, auf dem Weg zum Chiemseehof den Landtag zu besichtigen. Und viele andere Fahrgäste, die alle unterschiedlich waren im Alter, im Aussehen, im Verhalten. Und das war ein buntes Bild, so wie Salzburg ist. Es erinnerte mich auch an den Besuch in einer Volksschule vor einigen Wochen. Dort hingen in der Halle die selbstgemalten Porträts aller Schülerinnen und Schüler. Auch der Nachwuchs in Salzburg ist vielfältig und jeder und jede für sich ganz einmalig. Und das finde ich schön, denn die Vielfalt ist auch unsere Zukunft.