Ein Beitrag von unserem Gastautor Lukas Uitz
Ein gewohntes Bild. Auf der Salzburger Staatsbrücke tummeln sich hunderte Menschen, unterwegs in die Altstadt oder von dort kommend. An den Übergängen am Anfang und Ende der Brücke haben Ampeln das Sagen, anders wären die Massen an FußgängerInnen hier nicht zu bändigen. Oder vielleicht doch? Muss man sie überhaupt bändigen? Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich gefühlte 90% der BrückennutzerInnen auf gefühlten 20% der Fläche bewegen. Da und dort drängeln sich ungestüm RadfahrerInnen dazwischen, was so manchen Fußläufigen zum Gebrauch anstößigen Vokabulars animiert. Die Radwegbenutzungspflicht leistet wieder mal ganze Arbeit und forciert den ständig schwelenden Konflikt zwischen gehender und radelnder Bevölkerung.
Ungeachtet dessen genießen direkt daneben gleichwertige Individuen auf ungleich größerer Verkehrsfläche ein Privileg, das einer mündigen und solidarischen Gesellschaft eigentlich die Nackenhaare aufstellen müsste, würde es von ihr hinterfragt werden. Dass es in dieser Stadt en vouge zu sein scheint, dem motorisierten Verkehr den Löwenanteil des öffentlichen Raums inmitten der Stadt zu überlassen, wird bei gleichbleibendem Bewusstseinsstand noch für längere Zeit Bestand haben. Anderes zu behaupten wäre realitätsfremd. Allzu einfach und teilnahmslos lässt man sich die Gehbereiche auf ein Minimum reduzieren, um gleichzeitig umso mehr Platz für PS-Betriebenen einzufordern. Was verwundert, ist das mangelnde Bewusstsein über diese grobe Unverhältnismäßigkeit aufseiten der flanierenden Bevölkerung, die doch eigentlich für mehr Platz in einer Stadt für Menschen eintreten müsste. Doch wer von uns sieht sich eigentlich noch als FußgängerIn?
Dass der Fußverkehr in zahlreichen Planungsabläufen und Verkehrsbetrachtungen, insbesondere aber in den Köpfen der meisten VerkehrsteilnehmerInnen viel zu wenig Berücksichtigung findet, ist häufig traurige Realität und liegt womöglich daran, dass er mangels eigener Lobby kaum über eine eigene Identität verfügt. NutzerInnen von PKW-, Rad- oder Öffentlichem Verkehr definieren sich in der Regel auch als solche, während die Wahrnehmung der eigenen Beine als Verkehrsmittel eine Seltenheit darstellt. Und das, wo doch der Mensch – funktionierende Beine vorausgesetzt – die meiste Zeit seines Lebens zu Fuß unterwegs ist, ob beim Spazieren, zu Hause, beim Einkaufen, Städtebummeln oder am Weg zu einem anderen Verkehrsmittel.
Überall hin gehen wir zu Fuß. Aber nur ein Bruchteil der Menschen versteht sich selbst als FußgängerIn. Viele erkennen in diesem/dieser offenbar keineN gleichwertigeN VerkehrsteilnehmerIn, sondern vielmehr eine Randerscheinung im Verkehrsgeschehen, welche sich diesem unterzuordnen hat. Entsprechend häufig fühlt sich der/die bewusste FußgängerIn im Alltag benachteiligt bzw. nicht verstanden. JedeR von uns kennt das Gefühl, bei geringer Verkehrsdichte eine gefühlte Ewigkeit vor einer roten Ampel zu stehen, wo doch die eigenen Sinne einem signalisieren, dass eine Überquerung vollkommen gefahrlos möglich wäre.
Für andere VerkehrsteilnehmerInnen stellen FußgängerInnen dagegen häufig einen unkalkulierbaren und deshalb unangenehmen Faktor dar. Vielleicht weil man sich nicht mit ihnen identifizieren kann oder möchte. In der Regel hat man sich zu Fuß mit den anderen zu identifizieren. Natürlich achtet jemand beim Queren der Straße erst genau, ob ein Auto kommt und nicht umgekehrt der/die AutofahrerIn, ob jemand die Fahrbahn queren möchte. Aber ist hier nicht etwas verdreht?
Was wir brauchen sind gar nicht so sehr breitere Gehwege oder längere Grünphasen sondern vor allem eine Identitätspolitur und Bewusstseinskampagne für das Zu Fuß Gehen. Maßnahmen, die den Menschen ihren Status als FußgängerInnen bewusster machen und das in allen Lebenslagen. Rollen wir den Menschen doch jedes Mal den roten Teppich aus, sobald die Ampel für sie auf Grün schaltet. Denn egal ob beim Einkaufen, als StädtetouristIn oder in den eigenen vier Wänden. Zu Fuß gehen wir alle!
Das Nutzen der eigenen Beine stellt die ursprünglichste und für Körper und Geist gesündeste Form der Fortbewegung dar. Außerdem ist sie die Form der Bewegung, die uns gesellschaftlich zusammenhält und sozialen Austausch fördert. Wir sollten uns also überlegen, ob wir dem Gehen nicht alle ein bisschen mehr Platz einberaumen sollten – auf der Straße, aber vielmehr noch in unseren Köpfen.
1984
Augenblicke, Entertainment, Gesellschaft, KulturNein, das ist jetzt kein Beitrag über das berühmte Buch „1984“ von George Orwell. Das ist millionenfach besprochen worden. Da geht es um ein anderes 1984. Aber der Reihe nach.
Morgen muss ich meiner Lieblingsgärtnerin auf der Schranne danken für diese schöne Reise in die Vergangenheit.
Krieger des Lichts
Europa, Gesellschaft, Leben, Spirituell, Welt, WirtschaftEin Bischof trägt die Hoffnung Amazoniens
Bildnachweis: Count Down am Xingu, Martin Keßler
Indigene aus Amazonien errichten eine Straßensperre an der Zufahrt zur Riesenbaustelle am Fluss Xingu. In den rötlich-schwarz bemalten Gesichtern spiegelt sich die Wut über nicht eingehaltene Versprechungen. Mitten unter ihnen der Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler. Denn am drittgrößten Staudamm der Erde – Belo Monte – wird unaufhörlich weitergebaut.
Ich erinnere mich noch gut, als dieser Mann in den 80iger Jahren unsere Jugendgruppe besuchte. Schon damals sprach er klare Worte, die uns bewegten. Noch heute steht er auf und spricht wiederholt die Menschenrechtsverletzungen an. Er kämpft um seine Mitwelt und meint damit die Menschen und die Umwelt. Reichtum bedeutet für ihn Artenvielfalt, nicht Gewinnmaximierung für wenige brasilianische und europäische Großkonzerne.
Der „Krieger des Lichts“ denkt bei seinen Entscheidungen an die fünfte Generation nach ihm und handelt danach, schreibt der brasilianische Bestsellerautor Coelho. Bischof Erwin kämpft mit den gewaltfreien Waffen der klaren Worte, der Wahrheit und der Hoffnung. – Und ich? Wofür und für wen kämpfe ich?
Weitere Infos:
Vierteilige Doku über den Baufortschritt Belo Montes von Martin Keßler: www.neuewut.de/index.php
Und Aktuelles zu Bischof Erwin Kräutler auf http://www.seisofrei.at/kraeutler
Termine in Salzburg: http://www.seisofrei.at/content/site/home/termine/calendar/44.html
Unter der Lupe: Unser Siegerlied – „Rise like a Phoenix“ von Conchita Wurst
Entertainment, Europa, Kultur, WeltEin Beitrag von Elisabeth Kaplan
Ein Song, wie gedacht für eine Diva des Größengrades von Shirley Bassey. Oder den man sich auch sehr gut am Anfang von „Bridget Jones“ vorstellen könnte, wenn Bridget im Pyjama zu „All By Myself“ von Celine Dion grölt. Oder, man könnte Vergleiche zu „Skyfall“ von Adele ziehen. Schon der Orchesterakkord, mit dem der Song beginnt, erinnert an den James Bond-Titelsong aus 2012, wobei „Rise Like a Phoenix“ im Gegensatz zu „Skyfall“ die Bezeichnung „Diva Ballad“ wahrlich verdient.
Was mir an „Rise Like a Phoenix“ gefällt ist erst mal das fette orchestrale Playback, vor allem ab der zweiten Wiederholung des Refrains, wenn die tiefen Blechbläser dazukommen. Und der letzte Refrain bietet da sowieso Gänsehautfeeling, wenn der Tonumfang noch einmal durch die hohen Trompeten erweitert wird. Dem Arrangement ist es zu verdanken, dass der Song nicht in die billige Ralph Siegel-Schiene abgerutscht ist (siehe den Beitrag von San Marino), sondern wirklich Klasse hat. Kein anderes Land hat ein dermaßen hochwertiges Playback geboten.
Was mir an dem Song am meisten gefällt, ist ein kleines Detail. Die Versuchung, beim letzten Refrain eine Halbtonrückung nach oben zu machen war sicher groß, nicht nur weil das ein stilistisches Mittel ist, das für das Genre angemessen wäre, sondern auch weil es sich durchaus durch den Text rechtfertigen ließe („I’m gonna fly / And rise like a phoenix“). Und obwohl man sich denkt „so, jetzt kommts“ und die Gesangsmelodie sogar tatsächlich auf dem Wort „rise“ einen Halbton höher ist als in den Refrains zuvor, bleibt die Tonart gleich. Das finde ich sehr elegant gelöst. Classy – wie unsere Conchita selbst.
Von der fehlenden Identität des Zu Fuß Gehens
Leben, MobilitätEin gewohntes Bild. Auf der Salzburger Staatsbrücke tummeln sich hunderte Menschen, unterwegs in die Altstadt oder von dort kommend. An den Übergängen am Anfang und Ende der Brücke haben Ampeln das Sagen, anders wären die Massen an FußgängerInnen hier nicht zu bändigen. Oder vielleicht doch? Muss man sie überhaupt bändigen? Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich gefühlte 90% der BrückennutzerInnen auf gefühlten 20% der Fläche bewegen. Da und dort drängeln sich ungestüm RadfahrerInnen dazwischen, was so manchen Fußläufigen zum Gebrauch anstößigen Vokabulars animiert. Die Radwegbenutzungspflicht leistet wieder mal ganze Arbeit und forciert den ständig schwelenden Konflikt zwischen gehender und radelnder Bevölkerung.
Ungeachtet dessen genießen direkt daneben gleichwertige Individuen auf ungleich größerer Verkehrsfläche ein Privileg, das einer mündigen und solidarischen Gesellschaft eigentlich die Nackenhaare aufstellen müsste, würde es von ihr hinterfragt werden. Dass es in dieser Stadt en vouge zu sein scheint, dem motorisierten Verkehr den Löwenanteil des öffentlichen Raums inmitten der Stadt zu überlassen, wird bei gleichbleibendem Bewusstseinsstand noch für längere Zeit Bestand haben. Anderes zu behaupten wäre realitätsfremd. Allzu einfach und teilnahmslos lässt man sich die Gehbereiche auf ein Minimum reduzieren, um gleichzeitig umso mehr Platz für PS-Betriebenen einzufordern. Was verwundert, ist das mangelnde Bewusstsein über diese grobe Unverhältnismäßigkeit aufseiten der flanierenden Bevölkerung, die doch eigentlich für mehr Platz in einer Stadt für Menschen eintreten müsste. Doch wer von uns sieht sich eigentlich noch als FußgängerIn?
Überall hin gehen wir zu Fuß. Aber nur ein Bruchteil der Menschen versteht sich selbst als FußgängerIn. Viele erkennen in diesem/dieser offenbar keineN gleichwertigeN VerkehrsteilnehmerIn, sondern vielmehr eine Randerscheinung im Verkehrsgeschehen, welche sich diesem unterzuordnen hat. Entsprechend häufig fühlt sich der/die bewusste FußgängerIn im Alltag benachteiligt bzw. nicht verstanden. JedeR von uns kennt das Gefühl, bei geringer Verkehrsdichte eine gefühlte Ewigkeit vor einer roten Ampel zu stehen, wo doch die eigenen Sinne einem signalisieren, dass eine Überquerung vollkommen gefahrlos möglich wäre.
Was wir brauchen sind gar nicht so sehr breitere Gehwege oder längere Grünphasen sondern vor allem eine Identitätspolitur und Bewusstseinskampagne für das Zu Fuß Gehen. Maßnahmen, die den Menschen ihren Status als FußgängerInnen bewusster machen und das in allen Lebenslagen. Rollen wir den Menschen doch jedes Mal den roten Teppich aus, sobald die Ampel für sie auf Grün schaltet. Denn egal ob beim Einkaufen, als StädtetouristIn oder in den eigenen vier Wänden. Zu Fuß gehen wir alle!
Das Nutzen der eigenen Beine stellt die ursprünglichste und für Körper und Geist gesündeste Form der Fortbewegung dar. Außerdem ist sie die Form der Bewegung, die uns gesellschaftlich zusammenhält und sozialen Austausch fördert. Wir sollten uns also überlegen, ob wir dem Gehen nicht alle ein bisschen mehr Platz einberaumen sollten – auf der Straße, aber vielmehr noch in unseren Köpfen.
Hundiversum: Im Auge des Betrachters
Hundiversum, LebenEin Beitrag unserer Gastautorin Martina Zidek
Es ist was es ist
Objektiv betrachtet ist Franzi eine etwas pummelige Promenadenmischung, ein ehemaliger Straßenhund mit zahlreichen Narben an Leib und Seele. Seine Vorfahren waren hauptsächlich Podencos, eine Hunderasse, die es nie zum Modehund geschafft hat, weil ihre Optik keinem gängigen Ideal entspricht und von der er zwar nicht den zarten Körperbau, wohl aber die Sturheit geerbt hat. Seine Ohren sind halb stehend und halb geknickt, sein Nackenfell ist borstig wie das eines Ebers und sogar unsere wohlmeinende Nachbarin vergleicht ihn immer wieder mit einem Frischling, einer Knackwurst oder einem Kartoffelkäfer.
Your true Colours
Ich sehe einen Hund, der noch nie in seinem Leben böse geworden ist. Selbst wenn andere Hunde ihn anknurren oder gar verletzen wollen setzt er sich nicht zur Wehr sondern versucht sie zu beschwichtigen. Wenn er allerdings glaubt, sein Frauli sei in Gefahr nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und stellt sich todesmutig dem vermeintlichen Angreifer entgegen. Trotzdem er in seinem ersten Lebensjahr viel Gewalt erleiden musste, liebt er die Menschen und ist dankbar für jede Streicheleinheit und jedes gute Wort, und wenn ich traurig oder krank bin, kommt er um mich zu trösten.
Wie könnte ich ihn nicht wunderschön finden, wenn ich alle diese Erinnerungen und Gefühle in ihm sehe? In meinen Augen ist er ein Meisterwerk und wenn Sie sein Foto auf Facebook entdecken, dann bitte liken sie es. Aber Sie kennen das ja, falls sie Halter eines Haustieres sind – denn so wie Franzi ist natürlich auch Ihr Haustier das schönste Wesen der Welt.
PS. Falls Sie das paradox finden, adoptieren Sie bitte schnellstmöglich ein Tier – dann wissen Sie, wovon ich spreche.
Bilder: Tanja Hofer Photographie
Unendlich groß – unendlich klein
Augenblicke, Gesellschaft, WissenschaftUnd heute hatte ich das große Vergnügen mit einem Astronomen zu sprechen und siehe da auch er meinte: Es gibt bei ihm die Grenze, wo er nicht weiterdenken kann, aber er ist fasziniert von Astronomie. Es war so schön mit ihm darüber zu sprechen und ich erzählte ihm von meinem Einstiegsbuch und darüber, was mich darin besonders bewegt hat. Da gibt es die Passage, wo Greenstein erklärt, welche Kraft ein Schwarzes Loch besitzt. Man stelle sich vor, ein solches im Ausmaß von einem Meter mal einem Meter schwebt im Wohnzimmer. Innerhalb von zwei Stunden ist unsere ganze Erde darin verschwunden und das Schwarze Loch ist ein bisschen größer geworden. Unvorstellbar, oder? Der Astronom meinte, dieses Beispiel sei einerseits physikalisch völlig korrekt und er wird es bei seinen nächsten Vorträgen gleich verwenden. Da habe ich mich zugegebenermaßen schon ein bisschen gefreut. Und ich freue mich auch schon auf den nächsten astronomischen Artikel, der mir in die Finger kommt.
Infos zur Jahrhundertentdeckung: http://de.wikipedia.org/wiki/Inflation_(Kosmologie)