Kein zweiter Kalter Krieg bitte

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Als Kind der 1970er und 80er Jahre ist mir der Kalte Krieg eigentlich noch sehr nahe. Ich bin damit aufgewachsen, dass es eine Mauer gibt. Eine Welt da drüben und eine freie Welt. Und ja es gab noch die Dritte Welt, aber die wurde nie als bedrohlich wahrgenommen. Bedrohlich am Kalten Krieg waren die ganzen Atomwaffen, die jederzeit losgehen konnten. Ich erinnere mich noch gut, als unsere Nachbarn ein Haus bauten und im Keller einen atomsicheren Bunker einrichteten. Das war einerseits sehr spannend für uns Kinder, andererseits lag immer eine unbestimmte Gefahr in der Luft. Ich erinnere mich auch noch gut, als wir in der Schule gar nicht mehr nachkamen die ganzen Sowjetchefs zu lernen, weil sie ständig im Amt verstarben: Breschnew, Andropow, Tschernenko, Gromyko. Und dann endlich Gorbatschow, alle atmeten 1989 erleichtert auf, als die Mauer fiel.

Die Atomwaffen gibt es übrigens immer noch. Und seit Monaten baut sich eine düstere Stimmung auf. Seit einigen Wochen wird wieder über einen Kalten Krieg gesprochen. Und langsam kommt auch dieses Gefühl aus der Kindheit und Jugend wieder hoch. Da werden Gebiete besetzt und Sanktionen verhängt. Es gibt ständig politische Gipfeltreffen, die zu keinem Ergebnis führen.

Und jetzt als Politikerin und Historikerin frage ich mich: Lernen wir nicht aus der Geschichte, muss sich immer etwas wiederholen? Können wir nicht vernünftig und respektvoll miteinander umgehen? Wollen wir wirklich den Frieden aufs Spiel setzen? Wollen wir wirklich wieder einen Kalten Krieg?

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