Stellt euch ein Land vor, das groß ist wie Tirol. In diesem Land leben 4,5 Millionen Staatsbürger. Dazu kommen etwa 400.000 palästinensische Flüchtlinge, die schon in der zweiten und dritten Generation dort wohnen. Und noch einmal 400.000 GastarbeiterInnen aus Asien und Afrika. Und etwa 1,5 – 2 Millionen syrische und irakische Flüchtlinge. Das Land hat einen langen Bürgerkrieg hinter sich. Es lag im Krieg mit Syrien und Israel. Dieses kleine Land mit den vielen Menschen ist der Libanon. 18 anerkannte Religionsgemeinschaften sind Teil der politischen und  gesellschaftlichen Identität. Der Durchschnittslohn sind etwa 500 Dollar im Monat. Viele Libanesen haben in den letzten Jahren ihre Arbeit verloren. Syrische Flüchtlinge, die alten Feinde, arbeiten wesentlich billiger.

Kinder, die es nicht gibt

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Auf der Flucht geboren: Die kleine Ayla* ist nicht registriert und damit nicht existent für die Behörden.

Der Staat lässt die Flüchtlinge zu, kümmert sich aber nicht um sie. Gibt ihnen keinen rechtlichen Status. Das heißt besonders für die im Libanon geborenen syrischen Kinder, dass sie nicht existieren. NGOs gehen von 300.000 bis 400.000 Kindern aus, die im Libanon leben, die aber nicht registriert sind. Die auch keine Schule besuchen, später nie heiraten werden können. Die aber auch jederzeit benutzt werden können für Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Missbrauch. Wer soll für ein Kind, das nicht existiert, Rechte einfordern können?

Alle Gesprächspartner auf meiner Libanonreise haben eines gesagt:“Wir Libanesen sind kurz vor der Zerreißprobe. Wir haben selbst unsere ehemaligen Feinde, die Syrer, in unser Land gelassen. Das Ausland sieht nur die Syrer, hilft ihnen. Aber auch unzählige libanesische Familien leben unter der Armutsgrenze. Sie verlieren ihre Jobs an die Flüchtlinge. Auch sie brauchen Hilfe.“

Welche Hilfe braucht es?

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Mit ihrer Mutter, einem ehemaligen Hausmädchen, hat die kleine Vinita* Zuflucht im Frauenhaus gefunden.

Noch hält der Libanon, es ist eine ganz zerbrechliche Stabilität. Es braucht nur einen Funken und das Land schlittert in eine Krise. Millionen Menschen, die sich auf den Weg machen. Nach Europa? Was dann? Oberste Priorität der europäischen Flüchtlingspolitik muss die Stabilisierung der Lage im Libanon und in den anderen Nachbarstaaten Syriens sein. Jeder von uns kann dazu einen kitzekleinen Beitrag leisten, damit die Organisationen vor Ort den Menschen helfen, medizinisch, sozial und mit Bildung. Ich mache das gerne, weil ich vor Ort gesehen habe, dass die Hilfe auch ankommt:

Beth Aleph hilft Kindern von Migrantinnen und Flüchtlingen

Broumanna versucht die Integration von Flüchtlingskindern in die Schule

Rayfon ist ein Frauenhaus für Hausmädchen, Ehefrauen in Gewaltbeziehungen und Zwangsprostituierte  

*Namen geändert

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