von Ayad Salim

für die englische und die arabische Version bitte hinunterscrollen!

Etwas vom Wichtigsten für Regierung, viele Organisationen und interessierte Vereine ist die Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft.

In Österreich- in meinem Fall spreche ich von Salzburg- gibt es viele Menschen, die darauf achten, dass diese Integration gut funktioniert.

Was ist der Schlüssel zur Integration?

Der allererste Schritt- für mich ist das der Grundstein in diesem humanitären Projekt- ist das Lernen der deutschen Sprache. Das ist der einzige Schlüssel für  volle Integration. Alle die schon eingangs erwähnten Organisationen nehmen nicht nur viele Mühen auf sich, sondern geben für dieses Vorhaben auch große Summen von Geld aus. Sie wenden ihre gesamte Kraft auf, um den Menschen aus den verschiedenen Ländern, mit unterschiedlicher Kultur und Religion, die voll mit Ängsten und unbeschreiblichem Leid sindzu helfen, dieses große Ziel zu erreichen. Sie bereiten Plätze, viel Material und Lehrer vor, um den Flüchtlingen den Weg zu ebnen.

Der Lehrer bzw. die Person, die die deutsche Sprache lehrt, ist der Schlüssel zum Erfolg, das ist eine unglaubliche pädagogische und menschliche Verantwortung und Herausforderung.

Ich bin ein Arabisch-, Englisch- Lehrer, Journalist und TV- Reporter aus dem Irak. Ich kenne all die Schwierigkeiten und sensiblen Aufgaben des Unterrichtens nur zu gut. Vor eineinhalb Jahren kam ich nach Salzburg, in dieser Zeitspanne lernte ich viele Menschen und Lehrer im Camp und auch in Schulen kennen. Sie alle waren und sind großartig- sie machten und machen ihren Job sehr menschlich und mit großer Professionalität.

Was mir im Deutschkurs passiert ist

Derzeit absolviere ich meinen Kurs A2 in der Sprachschule, in der ich auch schon meinen ersten „Level“ mit der Höchstpunktezahl beendete. Ich verdanke dieser Schule, deren Lehrern und Lehrerinnen viel und ich schätze diese auch sehr.

Einer dieser Lehrer- normalerweise bemüht er sich nach bestem Wissen und Gewissen, uns den Stoff so zu vermitteln, sodass ihn jeder von uns verstehen kann- hat manchmal Schwierigkeiten, uns bestimmte Themen in einer einfachen Sprache zu erklären. Für einige Kollegen ist das sehr schwer, weil ja alle einen unterschiedlichen Level an Bildung haben. So erklärte ich diesen Studenten oftmals Themen in arabischer Sprache, sie waren dankbar und froh, weil sie verstehen konnten…

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Auch am letzten Freitag war dies der Fall. An jenem Tag hatte der Lehrer aber etwas dagegen- ich weiß nicht warum… Er zeigte auf mich und untersagte mir das Sprechen. Offensichtlich fühlte er sich gestört, es war auch sein Recht, mich zu stoppen… aber: „Der Ton macht die Musik!“

Als ich mich rechtfertigen wollte, dass ich ja nur der Bitte eines Kollegen nachgekommen wäre und ihm einen Satz erklärt hätte, unterbrach er mich und äffte mich nach, was dazu führte, dass einige Kollegen in schallendes Gelächter ausbrachen. Ich schämte mich und war völlig verwirrt.

Eine Weile später las ein anderer Student einen Text, der schwer für ihn war. Da wurde der Lehrer sehr ärgerlich und rügte ihn vor uns allen. Mein Kollege wusste gar nicht, wie ihm geschah…

Als ihn ein weiterer Kollege nach dem Grund für sein befremdendes Verhalten fragte, begann er zu toben und schmetterte sein Buch auf den Schreibtisch… In der Klasse herrschte Totenstille, und wir fühlten uns zurückversetzt in eine Klasse, wie es sie vor vielen, vielen Jahren gab…

Warum der Lehrer so wichtig für die Integration ist

Ich verstehe vollkommen, dass es unmöglich ist, immer bestens gelaunt zu sein, aber wir sind Menschen, die fähig sein sollten, sich unter Kontrolle zu haben. Auch uns „Refugees“ geht es manchmal schlecht. Wir sind oft traurig, zornig, fühlen uns missverstanden, allein gelassen… Wir mussten schreckliche Situationen bewältigen, viel erdulden, mussten unsere Familien und unser Heimatland verlassen, weil wir sonst umgebracht oder im Bombenhagel getötet worden wären. Wir sind dankbar, sicher zu sein, so viel Hilfe von der Regierung und vielen guten Menschen zu bekommen, aber wir wollen auch menschlich, respektvoll und gerecht behandelt werden, wie auch wir die Menschen rund um uns behandeln.

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Wäre so ein Vorfall zum ersten Mal passiert, hätten wir kein Wort darüber verloren… Doch auch in den vergangenen Stunden war es passiert, dass der Lehrer seine Beherrschung verloren hatte. Wie schon vorher erwähnt, ist es nicht leicht, mit unterschiedlichsten Menschen umzugehen, aber die wichtigsten Umgangsformen im Lehren und Lernen sind Respekt und das Wahren der Würde von Schülern und Studenten- ungeachtet des Alters (vom Kind bis zum Erwachsenen). Und ein Lehrer sollte seine Nerven behalten…

Manchen Menschen kann es passieren, dass ein solches Verhalten zu einer „psychologischen Schranke“ führt, die das Lernen verhindert…

Wenn du im Kopf nicht klar bist, kannst du dem Unterricht nicht folgen…

Wenn du dich nicht wohlfühlst, kannst du nicht lernen.

Wenn deine Angst größer ist als der Wunsch zu lernen, kannst du dir nichts merken und nichts behalten.

Ein Lehrer kann seine Schüler mit Liebe und Respekt zum Lernen motivieren, er kann seine Stunden aber auch zu einem Alptraum werden lassen-durch Herabsetzung und Demütigung …Respekt ist in der „Pole Position“!

In meinem Heimatland war ich in einer sehr guten finanziellen und sozialen Lage- ich verließ mein Land aus zwei äußerst wichtigen Gründen: Ich will als respektierter Mensch sicher und in Frieden leben.

Mir war es ein Bedürfnis, diesen Artikel zu schreiben, denn meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass  Lehrer gut ausgewählt werden müssen, sie sollten pädagogisch, psychologisch und menschlich hervorragend ausgebildet sein, um den Flüchtlingen WIRKLICH helfen zu können, ihr wichtigstes Ziel zu erreichen-  die Integration in die österreichische Gesellschaft.

Viele Lehrer machen ihre Arbeit ausgezeichnet, sie nehmen große Mühen auf sich, um den unterschiedlichen Menschen zu helfen, ihr Ziel zu schaffen. Das KANN doch nicht von einigen wenigen Menschen zerstört werden, die den Wert und die Wichtigkeit dieses Projekts nicht oder zu wenig zu schätzen wissen- wegen unüberlegter bzw. unverantwortlicher Handlungen… Die Arbeit des Lehrers ist mehr als ein „Job“- ein Lehrer arbeitet mit Menschen, nicht mit Dingen! Und das bedeutet eine riesige Verantwortung!

Viele Flüchtlinge- ich bin nicht der erste, der diesen Wunsch hat- möchten gute Jobs, damit wir produktive Menschen und keine Last für die Regierung sind.Wir wollen unser Fachwissen anbieten und das Beste für dieses menschlichesLand geben, das die Türen für uns geöffnet hat und uns inmitten seinerBewohner leben lässt.

Der wichtigste Schritt für uns ist, die deutsche Sprache zu erlernen. Wir wünschen unsvon motivierten Lehrern, die ihre Arbeit mit Liebe und Verständnis für ihr Gegenüber machen, unterrichtet zu werden und als Menschen geachtet und respektiert zu werden.

Ein Aufbau ist schwierig und dauert lange, Zerstörung kann innerhalb einer Sekunde passieren.

Der Artikel erschien zuerst bei Fisch und Fleisch

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What can happen to a refugee

One of the most important things for the government, many organisations and interested associations is the integration of refugees in the society.

In Austria- in my case I speak for Salzburg- there are many peoplelook to it that this integration works well.

The first basic step- for me itis the foundation stone in this humanitarian project- is the learningof the German language. It is the only key forfullintegration. All the above mentionedorganisations don`t only make big efforts,but also spend a big amount of money for this plan. They giveall their power helping these people coming from different countries, different cultures and religions, full of fears and big sufferings to achieve this great goal. They provide places, materials and teachers to teach German to refugees. The teacher or the person doing the education is theimportant link for the success of these efforts, and this is a very great professional and humanitarianresponsibility for him or her.

I am an Arabic and English teacher as well as I am a journalist and TV reporter from Iraq. I know the difficultiesand sensitive tasks to teachvery well. I came to Salzburgone and a halfyearago,during this time I met many people and teachers in the camp or in schools. All of them were and are excellent- they did and do their job very humanely and professionally. I am currently studying the A2 level of German language in the “Language School”, after I had finished the first level withfull degrees, and I`mowing this school and its teachers a lot.

One of these teachers- he normally tries hard to give us the best explanation to make us understand all the topics we have to learn- sometimes does his explaining in a different way, so  it`s very difficult for some colleagues to understand him, because they have different levels of education. I often explained topics to my colleagues in Arabic language and they were happy and thankful, because they could understand…

On Friday, the 8th of July, such an explanation happened again. On that day the teacher couldn`t accept this- I don`t know why. He suddenly pointed at me and stopped my speechangrily. It was his right to do this- but… It`s not what you say, but how to say it.

When I justified myself, that I only responded to my colleagues` request to explain sentence to them, he interrupted and ironically imitated my voice… That led some colleagues to break out laughing, and I felt embarrassed and ashamed.

After a short while one of the students read a text that was difficult for him. Sothe teacherspoke very madlywith him and reprehended him in front of us. This colleague didn`t know what to do…

Then one of the students in the class asked him about the reason for his behaviour… He began to riot and battered his book on the desk… There wasn`t any word to hear and we felt to be back in classrooms many, many years ago…

I can understand that it´s impossible ALWAYS to be in a very good mood-but we are humans and should be able to control ourselves. We refugees often feel sad, angry, misunderstood, alone… We had to pass very bad situations, suffer much, leave our families and home countries; because it had been very dangerous (some would be murdered or would have died in the hail of bombs). We are thankful to be safe, we are thankful to get so much help from the government and many good people, but we also want to be treated in a human, respectful and correct way, as we do it to all the people round us.

If it were for the first time, we wouldn`t say anything about… But it happened in the past, too, that our teacher lost his temper. As I mentioned before, it`s not easy to deal with very different people, but the most important behaviours in teaching are respect and saving the dignity of the students/ pupils- regardless of the age. And a teacher should keep his nerves…

For many people such behaviour could lead to a psychological barrier that prevents learning…If your mind is not “clear”, you can`t follow the lessons… If you don`t feel comfort, you can`t learn anything… If the fear is bigger than the desire to learn, you can`t save…

A teacher can make the students like the subjects by love and respect or turn the lessons into a nightmare by degradation and humiliation. Respect is in the “POLE POSITION”!

In my home country I was in a very good financial and social status- I left it because of two crucial reasons: I want to live as a respected human and I want to live safely and in peace.

I felt responsible to write this article, because in my opinion teachers should be chosen very well, they should have a good pedagogic, psychological and human education to help refugees reaching their final goal- the integration into the Austrian society.

Many teachers do their jobs very, very well, they take all their efforts to people from different countries to help them reaching the full integration. This CAN`T be destroyed by a few people they don`t realize the value and importance of this project because of non- conscious or irresponsible actions. The teacher`s job is more than a JOB- a teacher works with HUMANS, he doesn`t work with THINGS.  And this is a very big responsibility!

Many refugees- and I am the first with this wish- want to get jobs in which we becomeproductive people. It´s not good to be a burden for the government, we want to offer our expertise and do the best for this humanitarian country, which opened its doors for us and let us live among its people.

The most important stepfor us is to learn the language, taught by motivated teachers loving their job, doing it very well with much respect, love, understanding and joy.

Construction is difficult and takes time, but the demolition can happen in a second.

 

كي لايضيع الجهد والمال

من اهم الامور التي تسعى الحكومة والمنظمات والجهات المهتمة هنا في سالزبورك هو اندماج اللاجئين بالمجتمع والاستفادة منهم وتقديم كل مايمكن من مساعدة لتحقيق هذا الهدف الكبير. واول الخطوات الاساسية بل هي الحجر الاساس في هذا المشروع الانساني هو تعلم اللغة الالمانية. فهي المفتاح الوحيد للاندماج بالمجتمع. كل الجهات المذكورة انفا تبذل كل الجهود والاموال الممكنة بهذا الصدد. فهي توفر الاماكن والمواد والمدرسين لتعليم اللاجئين اللغة الالمانية. المدرس او الشخص الذي يقوم بالتعليم هو حلقة الوصل المهمة في انجاح هذه الجهود. وتقع عليه مسؤولية مهنية وانسانية كبيرة جدا.

انا مدرس بالاضافة الى انني صحفي ومراسل تلفزيون من العراق. اعلم جيدا المهمة الصعبة والحساسة للتدريس. ومنذ دخولي الى سالزبورك قبل سنة ونصف التقيت بالعديد من الاشخاص والمدرسين في المخيم الذي كنت فيه او في المدارس، جميعهم كانوا ممتازين انسانيا ومهنيا. حاليا اقوم بدراسة المستوى الثاني من اللغة في مدرسة الفولكس شوله بعد ان انهيت المستوى الاول وحصلت على الدرجة الكاملة، وانا ادين لهذه المدرسة ومدرسيها بالكثير.

لكن الشيء الذي دفعني الى كتابة هذه السطور هو تصرف احد المدرسين الخاطئ والذي قد يؤدي الى هدم هذه الجهود الرامية الى الاندماج من خلال تعلم اللغة. المدرس هو هانز شنيفايس، وهو الذي يقوم بتدريسنا المستوى الثاني من اللغة. هو يقدم الدرس بكل مايمكنه من وسائل وشرح لكي نفهم المواضيع التي ندرسها ويبذل جهدا كبيرا في ايصال الموضوع. لكنه ارتكب خطأ قد يقوض كل ما يقدمه لنا، الا وهو عدم الاحترام حيث انه اكثر من مرة يفقد اعصابه عندما يحدث شيء لايناسبه من تصرف بعض الطلاب وقد يكون بغير قصد. وحدث هذا معي عندما كنت اشرح لزملائي باللغة العربية ما كان المدرس يقوله . فجأة اشار الي بعدم الكلام لان صوتي مرتفع ، وهذا من حقه، لكنه فعل ذلك بصوت مرتفع وعندما بررت له اني اشرح لزملائي كما افعل دائما قام بتقليد صوتي بشكل ساخر ما ادى الى ضحك بعض الزملاء وهذا اصابني باحراج وخجل شديدين. ثم قام بالتكلم بحدة بالغة مع احد الزملاء لانه لم يعرف القراءة ووبخه بشده. وعندما ناقشه زميل اخر عن سبب هذا التصرف هاج واصبح يضرب بالكتاب على المنضدة مما جعلنا نشعر باننا في استجواب او في صف دراسي يعود للقرون الوسطى.

كان من الواضح انه ليس بمزاج جيد لكن ذلك لايبرر ما فعله. لانه مدرس يجب ان يكون على قدر كاف من التحكم باعصابه، اضافة الى اننا لسنا طلابا صغار السن. فمعضمنا اكبر منه سنا. كما علمت بان كانت له مشاكل سابقا ايضا في مدرسة اخرى.

هنا فكرت في ان مثل هذه التصرفات قد تؤدي الى الفشل في التعلم بسبب الحاجز النفسي الذي قد يخلقه هذا النوع من المدرسين فلم اعد استطيع ان اتفاعل مع الدرس لاني اشعر بالاهانة من تصرفه. وهناك العديد من الطلاب لايمتلكون تحصيلا دراسيا عاليا ما يعني قد لايدركون السبب وراء هكذا تصرفات وقد يؤثر عليهم وعلى رغبتهم في التعلم. وكلنا يعلم ان بامكان المدرس جعل الطالب يحب المادة الدراسية او ان يحولها الى كابوس.فالاحترام قبل التعليم.

انني هربت من بلدي، وكنت بحالة مادية واجتماعية جيدة فيه، من اجل امرين حاسمين هما الامن وان اعيش كانسان محترم، وقد شعرت بالمسؤولية لكتابة هذا المقال الذي اود من خلال هذه الحالة بيان اهمية الانتباه الى ان كل الجهود المبذولة من اجل الاندماج في المجتمع قد تذهب ادراج الرياح بسبب تصرفات غير مسؤولة او غير واعية الى حجم واهمية هذا المشروع. فهؤلاء بالنسبة لهم مجرد فرصة عمل. لذا لابد من اختيار المدرسين بشكل دقيق مهنيا ونفسيا وانسانيامن اجل الهدف الاسمى وهو الاندماج الصحيح.

الكثير من اللاجئين وانا اولهم نريد ان نحصل على فرص عمل نكون من خلالها اناسا منتجين وليس عبئا على الحكومة ونقدم خبراتنا وجهدنا لهذا المجتمع الانساني الذي فتح لنا ابوابه واسكننا بين ناسه. واول الخطوات التي تسرع باتجاه هذا الهدف هو تعلم اللغة لكن بهذه الحالة لن يكون التعلم سهلا بعد الحاجز النفسي من تصرفات مثل هكذا مدرسين الذين لايعون حجم الاموال التي تصرف من اجل هذا المشروع. وبهذا سيتاخر تعلم اللغة ويتاخر الاندماج وبالتالي يتاخر تحول الكثير من اللاجئين الى منتجين. فالبناء صعب وياخذ وقتا لكن الهدم يمكن ان يحدث بثانية.

3 Kommentare
  1. Nina Grabmaier sagte:

    Da ich selbst viele Jahre lang als DaF-Trainerin in Salzburg tätig war, muss ich hier meinen Senf dazu geben. Kann es sein, dass der Autor des Artikels etwas überempfindlich reagiert und möglicherweise ein bisschen zu ichbezogen ist? Wenn man sich vorstellt, dass in einem Kurs oft 20 Teilnehmerinnen sitzen, die allesamt gerne eine Einzelbetreuung hätten bzw. bräuchten, verschiedenste Muttersprachen sprechen, unterschiedlichst traumatisiert sind und mitunter grobe psychologische Auffälligkeiten aufweisen, teilweise nur fragmentarisch alphabetisiert sind, und möglicherweise obendrein ein Problem mit dem Geschlecht der Lehrperson haben, dann kann sich vielleicht sogar der Laie vorstellen, welche Herausforderungen ein/e DaF-TrainerIn zu meistern hat. Es ist schon nachvollziehbar, dass dem/r DaF-TrainerIn zumindest eine ruhige Arbeitsatmosphäre wichtig ist. Wenn jede/r KursteilnehmerIn seinem/r SitznachbarIn was erklärt, dreht der Vollzeit-DaF-Trainer, der in den meisten Fällen nicht einmal im Genuss eines normalen Angestelltenverhältnisses ist, und der täglich viele Kurse abhält – gegen schlechte Bezahlung dafür aber mit viel Engagement, nach einer Woche durch. Abgesehen davon beherrscht der DaF- Trainer meist auch nicht sämtliche Sprachen, in denen die Teilnehmerinnen des Kurses miteinander konversieren und woher soll der/die Trainerin auch wissen, was die beiden in der letzten Reihe schon wieder plappern? Ehrlich gesagt ist unterrichten, wenn man seine Sache nur halbwegs ernst nimmt, ein extrem anstrengender und fordernder Job – noch dazu wenn man ihn unter schlechten Arbeitsbedingungen ausführen muss, wie die meisten DaF-Trainerinnen. Ich persönlich finde diesen Artikel extrem überzogen und habe stark den Eindruck, dass der Autor in seiner Eitelkeit gekränkt wurde. Ich würde mir bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für DaF-TrainerInnen, kleinere Gruppen und mehr Verständnis für die sehr komplexe und anstrengende Tätigkeit des DaF-Unterrichtens wünschen.

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  2. Hans sagte:

    Wer allen Ernstes behauptet, ich würde im Unterricht meine Schüler nachäffen oder gar respektlos sein, der kennt mich entweder nicht oder hat etwas anderes im Sinn.

    Ich habe nun schon viele Geflüchtete unterrichtet, und das mit Liebe und Herz und Herzblut. Alle, die mich kennen, wissen das. Mir wird auch stets und ständig mitgeteilt und versichert und ausgerichtet, wie geschätzt ich sei. Ich will das gar nicht sagen müssen, aber so etwas wie der Beitrag von Hrn. Salim ist mir bisher im Traum nicht untergekommen. Er scheint mir persönlich und auch redaktionell gefärbt (darauf wird im Artikel auch verwiesen) und darum muss ich einige Stellungnahmen dazu beziehen.

    1. Sprechen mit dem Nachbarn im Unterricht
    Ich erwähnte es und erwähne es wiederholt in jedem Kurs: Es IST okay, wenn die Kursteilnehmer sich gegenseitig etwas erklären – das gehört quasi zu meinen Methoden (und ist bei so vielen Teilnehmern auch hilfreich). Bei Hrn. Salim ist es so, dass er eine imposante Sprechstimme hat – ein Timbre, das alles überschallt. Wenn er spricht, übertönt das alles und niemand im Kurs versteht mehr ein Wort.

    Diesen Streitpunkt hatte ich mit Hrn. Salim zwei Mal.

    Einmal, wie eben auch er schreibt, vor einiger Zeit, da ich ihn während des Unterrichts schlicht bat, bitte leise zu sprechen. Dass man auch sprechen und erklären darf, das darf ich für durchkommuniziert halten. Hr. Salim schien das nicht verstanden zu haben – er antwortete, dass er doch nur den Nachbarn die Aufgabe erkläre. Ich entgegnete wiederum – ist okay, aber bitte leiser, niemand im Raum würde noch etwas verstehen. Hr. Salim hat meine Bitte bis zum Schluss nicht verstanden und sprach dann auch bis zum Ende des Tages (und 2, 3 Folgetage) kein Wort mehr mit mir, wandte sich stets demonstrativ von mir ab. (Worauf ich übrigens nicht im Geringsten reagierte, sondern weiter freundlich und normal blieb, worauf sich die Situation nach einigen Tagen endlich entspannte.)

    Ich habe in der weiteren Folgezeit auch vermieden, Hrn. Salim zu bitten, leiser zu sein, wenn er seinen Nachbarn etwas erklärte, da ich für mich ahnte, er würde es mir sehr übel nehmen. Mir blieb aber letztlich nichts anderes übrig. Prompt war es, wie ich es befürchtet hatte. Hr. Salim verstand aber nicht, was ich eigentlich wollte – leise zu sprechen. Ich gestikulierte „leise“. Daraufhin habe ich eben gestikuliert, was Lautstärke ist.

    2. Körpersprache
    Ich habe Hrn. Salim mitnichten nachgeäfft. Im Kurs rede ich mit Händen und Füßen, das können alle bestätigen, ich rudere mit den Armen, schnappe nach Luft, steige auf Stühle und spiele quasi die Wörter mit meinem ganzen Körper, bis alle verstanden haben. Ich habe auch hier nur „Lautstärke“ gestikuliert – nicht nachgeäfft. Man kann mir das einfach nicht zum Vorwurf machen. Wenn Hr. Salim das von mir denkt, dann missversteht er mich.

    3. Meldungen von anderen Kursteilnehmern
    Explizit weiß ich von anderen Teilnehmern, dass es stimmt, was ich sage. Einer ist auf mich zugekommen und hat mich gebeten, ich solle Hrn. Salim bitten, leiser zu sprechen, wenn er etwas erklärt, sie verstünden nichts. Sie selber dürften aus Respektgründen ihm gegenüber nichts sagen. (Aber ich als Lehrer eben schon.)

    4. Schallendes Gelächter?
    In „schallendes Gelächter“ seien die anderen KT ausgebrochen, wird geschrieben. Erstens würde ich gerne wissen, woher Hr. Salim den Ausdruck kennt. Offensichtlich ist der Artikel auf Deutsch nicht von ihm alleine. Dann würde ich aber gern wissen, wonach die Person, die übersetzt und/oder mitgeholfen hat, beurteilt, wie „schallend“ das Gelächter wirklich war. Erstens war die Situation gerade ernst genug und zweitens habe ich mich schlicht nicht lustig gemacht, weshalb es auch keinen Grund gab, zu lachen.
    Mag sein, dass einige gelacht haben, ich habe nicht darauf geachtet. Wenn aber, dann vielleicht nicht ohne Grund, hatten sie mich doch selbst schon gebeten, Hrn. Salim irgendwie zu sagen, er möge doch leiser sprechen.

    5. Gespräch mit Hrn. Salim
    Wir hatten nach dem Kurs ein Gespräch, das jedoch er initiierte, indem er mich um meinen vollständigen Namen bat, ich gab ihn an und fragte danach, warum. Er würde über mich einen Artikel schreiben. Ich war sehr erstaunt, bin aber extra ruhig geblieben, wollte jedoch natürlich mit ihm darüber sprechen. Das war aber angesichts seines Zornes schwer. Er warf mir sogar vor, ich würde Geflüchtete behandeln wie Menschen zweiter Klasse. (Hier fehlen mir wirklich die Worte.)

    (Ironische Anmerkung: Dafür ist man ein Van-der-Bellen-Verfechter und türkisch- arabisch- und darilernender Ausländerlieber (weil das Gegenteil von „-hasser“) – aber vielleicht, nach moderner NLP-Psychologie oder irgendsoetwas, entpuppt sich ja doch jeder Gutmensch am Ende als Schuft – so oder irgendwie kafkaesk kommt es mir jedenfalls grad vor.)

    Jedenfalls blieb mir da die Spucke weg… ich meinte nur, „Ok, then, write your article“.

    Wir leben schließlich in einer Demokratie mit Meinungs- und Pressefreiheit.

    6. Der „andere Student“
    Zum „anderen Studenten“ würde ich mich hier natürlich nicht äußern, jedoch muss ich zu der Situation, in der ich das Buch auf den Tisch schnalzte, Stellung beziehen. Jedenfalls war es nicht gerade so, dass dieser andere Student „nicht, wusste wie ihm geschah“, eher im Gegenteil: Dieser Kursteilnehmer ist temperamentvoll genug. Er hat die Angewohnheit, in nicht mehr endenden Tiraden, die man auch nur ansatzweise versteht, loszuschimpfen, mit seltsamen Vorwürfen… Natürlilch kann da kein Unterricht stattfinden.
    Bei ihm hatte ich in 8 Wochen keinen einzigen Lernerfolg festgestellt, auch kein einziges Mal, wo er die Hausaufgabe gemacht hat. Darum mahnte ich in dieser Situation mit Nachdruck, er müsse endlich Deutsch lernen, er würde sonst auch die Prüfung A2 nicht bestehen. Das ist mein Job. Ich bin dafür – auch vorm Auftraggeber AMS – mitverantwortlich, dass die KT in diesen Kursen erfolgreich sind und weiterkommen. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich meinen Job sehr, sehr ernst nehme und aber auch mit Herzblut erfülle.
    Und ja, es sind öffentliche Gelder, darum müssen die Kursteilnehmer ihre Aufgaben erledigen. Dies sind auch die Anforderungen der Auftraggeber AMS und Stadt Salzburg.

    Ich wollte mit dem Unterricht fortfahren. Der KT hat das einfach nicht zur Kenntnis genommen und weiter geschimpft, was das Zeug hält. Er hat dies schon öfter gemacht. Einmal sogar auf Türkisch, als ein Kollege zu Besuch war und kurz vorne bei mir stand. Als er aber diesmal wieder nicht aufhörte, platzte mir quasi der Kragen und ich schnalzte halt mein Buch auf den Tisch.

    Ich unterrichte täglich 7 Stunden plus Vor- und Nachbereitungszeit zu Hause. Klassen mit 20 und 30 ImmigrantInnen. Wochenende zuvor hatte ich schlicht keins – im Gegenteil, SA und SO habe ich 12 Stunden ohne Pause in einem Flüchtlingshaus durchgearbeitet, geprüft – unter hohem Druck. Ich bin keine Maschine, es tut mir leid. Wenn man zu einem schlechten Lehrer degradiert wird, weil man einmal ein Buch auf den Tisch schnalzt, dann soll bitte der Verurteilende mal diesen Job machen und sehen, wie das ist.
    Mir bleibt genug zu reflektieren übrig. Dieser Job ist eben hart, auch, wenn man sonst ein dickes Fell hat. (Meine Freunde sagen, ich sei eine „Rossnatur“.) Ein Buch auf den Tisch zu schnalzen jedenfalls kommt auch nicht mehr vor bei mir.

    7. Anforderungen des Unterrichtens
    Hr. Salim schreibt, er wüsste von den Anforderungen des Unterrichtens als Lehrer gut Bescheid. Ich möchte darauf hinweisen, dass es einen Unterschied darstellt, Schüler in einem Land, in dem die Scharia Gesetzgebung ist, eine Klasse, die gedrillt und gehorsam ist, zu unterrichten – Frontalunterricht, wo der Lehrer unterrichten kann, wie er will – oder heute und hier in Österreich/Europa völlig heterogene Flüchtlings-Klassen mit den unterschiedlichsten Levels, wie Hr. Salim richtig bemerkt, darüberhinaus unterschiedlicher Altersstufen oder Bildungsgrade – und ja, es ist mir bewusst – unterschiedlicher Traumatisierungsgrade. Ich muss aber einfach auch auf die Bedürfnisse der anderen Leute im Kurs achten. Dass Hr. Salim das überhaupt nicht im Blickfeld zu haben scheint, zeigt mir eher, dass er vielleicht Erfahrung hat mit „Klassen, wie es sie vor vielen, vielen Jahren gab“, aber weniger versteht von den Anforderungen eines Fremdsprachenlehrers hier und heute.

    8. Zur Sprache des Artikels.
    Ich darf mich noch bedanken für Ausdrücke wie „Totenstille“ oder „schallendes Gelächter“ u.a.m.
    Sprache wird hier automatisiert, idiomatisch, unreflektiert verwendet, ohne weitergehende tiefgreifende Reflexion auf Bedacht, was sie auslösen kann. Ich werde dargestellt wie ein menschenverachtender Oberstduweißtschonwo.
    In einer Sprache, die mich an andere, hochfrequentierte Printmedien im Land erinnern.
    Ich persönlich bevorzuge Journalismussprache höheren Niveaus.

    Der Lehrer.

    Antworten
  3. M. J. Gschwandtner sagte:

    Der Lehrer ist mir persönlich bekannt und ich kenne ihn als einen liebenswürdigen, toleranten Menschen. Auch hat er bei der Flüchtlingswelle ehrenamtlich mitgeholfen und ist absolut kein Rassist.
    Als junges Mädchen war ich selbst im Ausland und habe einige solcher Fremdsprachenkurse besucht (allerdings selbst bezahlt).
    Ich kann mich erinnern dass an diesen Schulen Kursteilnehmer von arabischen und afrikanischen Staaten waren. Und dass es immer diese jungen Männer waren welche den Unterricht störten. Auch damals ging ein Lehrer auf die Barrikaden und hat ein Buch an die Tafel geknallt.
    Langsam fängt tatsächlich ein Umdenken in der Bevölkerung an, man kann es verstehen wenn man wegen solcher Lappalien – wie das im Blog geschildert wurde – gegenüber Immigranten feindselig wird.
    Wir würden eher Dankbarkeit erwarten dass diese Leute bei uns Aufnahme finden und vom Volk dies alles finanziert wird. Armes Österreich………

    Antworten

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