Es ist ein Klischee, aber eine klassische Situation ist doch die: Ein junges Pärchen will ins Kino gehen. Sie will was Romantisches sehen, er will Action. Stolz und Vorurteil und Zombies (Pride and Prejudice and Zombies) ist auf jeden Fall ein interessanter Versuch, beiden etwas zu bieten. Hört sich nach Kompromiss an. Wer sich drauf einlässt, kann den Kinosaal trotzdem ganz zufrieden verlassen.

Der Inhalt
Ein reicher Junggeselle ist gerade in die Nachbarschaft gezogen und es wird ein Ball veranstaltet. Mrs Bennet weiß: Dieser vermögende Junggeselle ist ganz sicher auf der Suche nach einer Frau. Sie rechnet sich natürlich beste Chancen für eine ihrer fünf Töchter aus. Aufgeregt und kichernd laufen die Mädchen auf ihr Zimmer und legen ihre hübschesten pastellfarbenen Seidenkleider an. Darunter blitzen lange Messer mit scharfen Klingen. Die Zeiten verlangen das, denn in Großbritannien tobt eine Zombieplage. Der Landadel versucht sich so gut wie möglich zu schützen. Und so gehört zur Erziehung zur perfekten jungen Lady auch das Erlernen fernöstlicher Kampfkünste.
Die berühmte und oft verfilmte Liebesgeschichte zwischen Elisabeth Bennet (Lily James) und Fitzwilliam Darcy (Sam Riley) steht gleichberechtigt neben der Geschichte einer Zombie-Apokalypse. Durch ihren Hickhack sind die beiden entzweit, im blutigen Kampf gegen die Zombies jedoch stets geeint. Ob es auch hier zum Happy Ending kommt, das Jane Austen sich ersann?

Ein gelungenes Mash-up?
In englischen Gothic Horror-Romanen kommen alle möglichen Wesen vor. Warum also nicht Zombies? Doch ohne Abstriche geht es nicht. Es verblassen die Nebenfiguren, Elisabeths Eltern, ihre Schwestern ebenso wie Mr Bingley. Nur eine Figur sticht hervor: Matt „Doctor Who“ Smith ist Pater Collins und sorgt mit seiner unbeholfenen Art für erfrischend komische Momente. Sein Beitrag ist etwas, das dem Film ansonsten völlig fehlt: feiner Humor. Jane Austens Roman ist voll davon. Es hätte verständigere Autoren gebraucht, um etwas geschliffenen Wortwitz ins Drehbuch zu übertragen. Statt in Wortgefechten mit feiner Klinge werden Meinungsverschiedenheiten auch in der feinen Gesellschaft sehr körperlich ausgetragen, ob unter Schwestern oder den zwei stolzen, vorurteilbehafteten Liebenden.

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Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Menschen in einer Zeit, in der sie stets bereit sein müssen, ihren eigenen Untoten Verwandten und Freunden eiskalt den Kopf abzuschlagen und zu Brei zu zertreten, wenig Platz für die feine englische Art ist. Doch gerade ein noch schärferer Kontrast zwischen sehr diplomatischen Umgangsformen und unterdrückter Leidenschaft einerseits und brutaler Zombie-Action andererseits hätte den Film noch unterhaltsamer gemacht. So wie das Drehbuch mehr von Geist Jane Austens gut getan hätte, anstatt nur die Handlung im Groben mit dem Zombie-Genre zu verschmelzen, so hätten auch die Zombie-Szenen noch etwas mehr Blut und Eingeweide vertragen.

Trotzdem ist Stolz und Vorurteil und Zombies eine erfrischende Fusion zweier recht gegensätzlicher Genres, basierend auf dem Roman von Seth Grahame-Smit (2009).

Meine Bewertung auf IMDB: 6 Punkte
Es fehlt der feine Humor Jane Austens, aber der Film erspart einem auch markige One Liner als Comic Relief sowie unnötige Jump Scares. Insgesamt könnten Elemente aus beiden Genres noch besser umgesetzt sein, aber an sich ist dieser Versuch unterhaltsam. Nebencharaktere werden nachlässig behandelt – das müsste nicht sein, denn Jane Austen hätte sehr gute Vorlagen dafür geliefert.

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