Manchmal hat man ja schon lange so ein Gefühl „im Bauch“. Man will ja eigentlich ökologisch korrekt einkaufen, nachhaltig und auch im Sinne einer artgerechten Tierhaltung. Also versucht man im Supermarkt möglichst Bio-Produkte einzukaufen. Man will der Werbung glauben und zahlt ja auch ein bisschen mehr für Bio. Aber wie gesagt, es gibt da so ein ungutes Gefühl im Bauch. Vielleicht ist das ja doch nur Geschäftemacherei? Dann vergisst man diese Gedanken schnell wieder und versucht weiter korrekt einzukaufen. Bio-Eier mit der berühmten Null vorne dran oder biologische Erdäpfel.

Und dann sieht man eher zufällig eine Dokumentation in der ARD und das Gefühl im Bauch ist wieder da. Aber dieses Mal eher als Schock! Man sieht Hühnerhöfe, die biologisch zertifiziert sind, aber man versteht nicht warum. Geschundene Kreaturen, verdreckte Ställe, tote Tiere. Alles biologisch?

Erdäpfel, die aus Ägypten kommen, auch biologisch zertifiziert. Ein Experte erklärt, dass für die Herstellung der Erdäpfel in Ägypten 300 Liter Trinkwasser gebraucht werden, für die gleiche Menge in Deutschland produzierter Erdäpfel 10 Liter Regenwasser. Alles biologisch und nachhaltig?

Man bleibt nach dieser Doku etwas ratlos zurück. Eigentlich möchte man ja wirklich alles richtig machen, aber wie? 

Die Doku ist unter diesem Link zu finden:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/exclusiv-im-ersten-wie-billig-kann-bio-sein?documentId=11623914

1 Antwort
  1. Georg Haigermoser sagte:

    „Bio“ heißt „bio“, d.h. es erfüllt gewisse Kriterien, die bei der EU und bei den verschiedenen Verbänden (wie Bio Austria oder Demeter) festgelegt sind. Es heißt aber nicht „fehlerfrei“, oder dass KonsumentIn unter „Bio“ das Denken ausschalten kann.
    Ich habe die Doku auch gesehen (hast du, liebe Anja, vielleicht auch vorher Tatort geschaut?), und ich denke, wir sollten das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Die Bio-Kriterien berücksichtigen gewisse Dinge wie den Einsatz von Herbiziden, Pestiziden und Antibiotika, nicht aber Regionalität oder Saisonalität. Aber es ist dem mündigen Konsumenten und der Konsumentin wohl zuzumuten, bei Bio-Erdbeeren im Jänner einen Schritt mitzudenken. Oder bei Kartoffeln zu überlegen, ob es im März-April-Mai unbedingt die Heurigen aus Ägypten sein müssen, oder ob es die verschrumpelten Heimischen auch tun.
    Da und dort müssten die Bio-Kriterien sicher nachgeschärft werden. So gehört zu Bio per definitionem das Streben nach artgerechter Tierhaltung. Das geht aber nur bis zu einer gewissen Größe. Bei der Geflügelhaltung ist man da hoffnungslos drüber: eine Hühnerschar von mehreren Hundert ist eine Unmöglichkeit, geschweige denn Zehntausende.
    Der Preisdruck durch die großen Handelsketten wäre ein Thema für sich, und der Biohandel unter dem Dach des Supermarktes ist sicher eine Gratwanderung.
    Wobei mein Eindruck von der Doku ist: der Schweinezüchter aus Meck-Pomm wie auch der Geflügelhalter hätten sich auch nach derzeitigen Kriterien das Bio-Label nicht verdient. Da muss in der Kontrolle etwas schief gelaufen sein.
    Und das ist mein Vorbehalt gegenüber der Redaktion: es ist schon in Ordnung, Missstände aufzuzeigen. Aber ich finde es ungerecht gegenüber allen ernsthaft bemühten Biobauern und –bäuerinnen, solche Zustände wie die gezeigten zu verallgemeinern (die ständig wiederholte Floskel „Das ist Bio.“). Vor ein paar Jahren hatten wir einen Fall aus der gleichen Redaktion, wo mit ein paar Einzelfällen die ganze Fair-Trade-Bewegung madig gemacht wurde.
    Ich finde, Bio ist generell besser als das Äquivalent aus der konventionellen Agroindustrie – aber nicht perfekt. Ethischer Konsum bleibt anstrengend.

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