monikaJede und jeder von uns ist von irgendwas abhängig. Davon, dass der Zug pünktlich kommt, damit der Anschlussbus erwischt wird. Dass das Gehalt pünktlich am Konto einlangt, damit die Miete bezahlt werden kann oder dass die Sonne scheint, damit der Urlaubstag genutzt werden kann. Meine Abhängigkeit ist anderer Natur. Ich bin von meinem elektrischen Rollstuhl abhängig. Vielmehr davon, dass er funktioniert. Er macht möglich, dass ich selbstständig essen, Dinge vom Boden aufheben, von A nach B kommen, kopiere, Geld abheben, Toilette benutzen und mich selbstbestimmt im Alltag bewegen kann.

Nun haben aber Rollstühle auch ein Eigenleben und dramatisch wird’s, wenn sich die Elektronik verabschiedet oder ein Teil bricht. Dann heißt es ab in die Werkstatt. Grundsätzlich kein Problem, aaaaber was ist mit mir? Soll ich mich nun bis zur Rückkehr meines Hilfsmittels tiefkühlen lassen? Manche werden nun denken, na dann halt einen Ersatzrolli nehmen. Wenn das so einfach wäre. Mein Rolli ist auf mich persönlich zugeschnitten und da gibt es leider keinen Ersatz. Wenn dann gäbe es nur die Möglichkeit eines zweiten Rollstuhles, doch das verwehrt mir der Sozialversicherungsträger – seit eineinhalb Jahren.

Und so fühlte ich mich ohne meinen E-Rolli die letzten zehn Tage wie amputiert und „ans Bett gefesselt“. Wobei fesseln müsste mich da niemand, wenn mensch mich ins Bett reinlegt, kann ich sowieso nichts selbständig ausführen – nicht mal Nasenbohren. Wie sehen nun die Tage ohne meinen E-Rolli aus? Morgens in einen Schieberolli setzen und wissen, dass ich spätestens nach drei Stunden Verspannungen am ganzen Rücken habe. Nichts trinken. Wenig essen. Mittags warten, dass mein Mann oder mein Sohn schnell von der Arbeit nach Hause kommt und mir hilft die Toilette zu benutzen. Danach wieder warten, bis mein Mann von der Arbeit nach Hause kommt. Diese Stunden dazwischen ziehen sich wie bester Kaugummi. Jetzt habe ich meinen E-Rolli wieder zurück und fühle mich wie neugeboren.

Schnell verschiebe ich die Gedanken, dass er bald wieder defekt ist, doch sie sind da …

3 Kommentare
  1. Anna Gsenger sagte:

    Gott sei dank benötige ich keinen Rollstuhl für meine Fortbewegung, aber ich kenne viele, die sich nur mit dem Rolli, der für sie angepasst ist fortbewegen können.
    Leider wird vom Sozialversicherungsträger ein Zweitrolli der gleichen Ausführung verwehrt. Es ist menschenunwürdig diesen Personen ihr Recht zu nehmen, sich tage ja oft sogar wochenlang die Freiheit zu nehmen. Sie können die Tage nur im Bett verbringen nur mit Hilfe Anderer die täglichen Bedürfnisse erledigen.
    Eigentlich müßten diese Personen Schmerzensgeld vom Staat erhalten.
    Für alles wird Geld in die Hand genommen, für jede noch so blöde Kunst, für jeden Sport, für…
    Es wird Zeit, dass die Sozialversicherungsträger einen Zweitersatz, ohne lange zu zögern, genehmigt.

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  2. Peter Rubin sagte:

    ICH KANN DEM NUR ZUSTIMMEN. Uneingeschränkt.

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  3. Peter Rubin sagte:

    … NUR EINE EINSCHRÄNKUNG MÖCHTE ICH DOCH MACHEN…die Aussage mit der „blöden Kunst“ kann nicht so stehen gelassen werden. Lieber das Geld für „blöde KUNST“ als für noch blödere Waffen und diese sinnlose Kriegsmaschinerie. Blöde Kunst hat noch keinen Menschen verletzt oder getötet..

    Alle MaCHT der POESIE. Gedichte können glücklich machen.
    PETER RUBIN, Dichter dran

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