Es geht schon sehr hektisch zu in unserer Welt. Auf Schritt und Tritt begegnen wir Werbebotschaften. Sie schreien uns an ein fulminantes Produkt zu kaufen, das uns sicher glücklich macht. Das Handy garantiert dauernde Erreichbarkeit. In Facebook und Twitter erreichen uns im Sekundentakt Botschaften. Fernsehen und Zeitungen künden von Sensationen, die eigentlich keine sind, nur um nicht unterzugehen im Strom der Nachrichten.

Aber es gibt Orte, die uns einladen inne zu halten. Orte, die eigentlich nichts Neues und Sensationelles verkünden. Orte, an denen der Konsum noch keinen Eintritt bekommt, Nachrichten draußen bleiben.

Meine stillen Orte sind Kirchen.kerze

Ich öffne die schwere Kirchentür und sofort breitet sich Ruhe aus. Mein bevorzugter Platz ist bei den Kerzen. Ich zünde eine Kerze an, stelle sie zu den anderen, setze mich und halte Andacht. Andacht kommt von „denken“. Das Schöne an der Andacht vor den brennenden Kerzen ist das Denken an NICHTS. Manchmal dauert das Innehalten nur wenige Minuten, oft bleibe ich länger sitzen.

Weil es einfach schön ist, nichts zu tun und nichts zu denken.

2 Kommentare
  1. Gudrun sagte:

    Der Dia(B)log:

    Liebe Anja!

    Ich erinnere mich an einige Situationen in meinem Leben, in denen die Zeit still stand. Weil in dem Augenblick sich alles in mir auf einen Punkt fokussierte, in diesem und auf eben diesen einen Moment: den einen Zeit-Punkt.

    War ich da andächtig? Hatte ich diesen Zustand herbeigeführt, so wie du, als du den Entschluss fasstest, die Türe in die Kirche zu öffnen und einzutreten, als du dich ganz bewusst dafür entschieden hast? Sagte mein Kopf zu mir: nimm dich raus aus dem, was gerade passiert, und geh hinein in den anderen Zustand?

    Nein! Mich hat es immer erwischt. Völlig unvorbereitet und unerwartet. Und erst nach einiger Zeit schaffte dieses Gefühl, das ich dabei hatte, den Weg hinauf in meinen Kopf und ich bemerkte, dass da jetzt, in diesem Augenblick, etwas anders ist und auch etwas anderes da ist, als noch kurz zuvor. Etwa im Tai-Chi-Kurs, als ich plötzlich merkte, dass ich mit beiden Beinen auf der Erde stehe. Und auf dem Gipfel des Snowy Mountain im Bundesstaat New York, als drei Menschen einfach nur überwältigt waren und gemeinsam schwiegen. Oder Sekunden nach dem letzten Akkord der Oper „Frau ohne Schatten“, als Christian Thielemann den Dirigentenstab noch immer hoch und den Augenblick damit festhielt.

    Schön für dich, wenn du dich ganz bewusst herausnehmen kannst. Wenn du weißt, wo diese Momente auf dich warten und wie du sie für dich holen kannst. Mir passiert das immer nur… irgendwann, irgendwo, irgendwie. Hoffentlich bald wieder…

    Deine Gudrun

    Antworten
  2. Peter sagte:

    Liebe Gudrun,

    das ist sehr interessant, was du beschreibst. Ich kenne solche außergewöhnlichen Momente ebenfalls. Die können nicht geplant werden, da wird man einfach erwischt. Ich erinnere mich an ein Erlebnis bei Sonnenaufgang beim Segeln an der Adriatischen Küste an so einen Moment: Starke Bora, volle segel und ich am Steuer ;-). Aber ich kenne Sie auch beim ökumenischen Taizé Gebet in Maxglan. Diese einfachen, aber sinnreichen Lieder bringen mich in einen gelassenen Zustand der Freude, da wird alles leicht, raum- und zeitlos.

    Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow bezeichnet solche Momente „peak-experiences“ übersetzt „Gipfelerlebnisse“, die man in verschiedenen Augenblicken erleben kann. Diese sind im Grunde nicht-sprachlich ausdrückbar, hoch individuell, grenzüberschreitend in Raum und Zeit, weder negativ noch positiv und man kann sie letzlich in jeder Situation erleben. Also nicht nur auf dem Gipfel eines Berges. Diese Ekstaseerfahrungen vergleicht er mit Beschreibungen, die auch MystikerInnen in den verschiedenen Religionen gemacht haben. Zum Beispiel: Buddha, Rumi, Theresa von Avila, Meister Eckhart, Juliane v. Norwich, Hildegard von Bingen und Thomas Merton, um auch einen aktuelleren zu nennen.

    Interessant ist, dass diese Gipfelerlebnisse nicht nur einigen Auserwählten bestimmt ist, sondern jeder Mensch sie erleben kann. Nur kann es nicht erzwungen werden. Es ist Geschenk und erlebt es, wenn sie / er bereit ist. Du scheinst es zu sein. :-)

    liebe Grüße
    Peter

    Antworten

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