Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

szVielleicht geh ich ja schon einigen auf die Nerven, aber ich kann nicht anders. Diesen Sonntag sind im Bundesland Salzburg die Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen und eines ist klar: Es wird keine 100% Wahlbeteiligung geben. Das hat viele Gründe. Manche Menschen interessieren sich nicht für Politik, andere vergessen einfach drauf und wieder andere sagen, das bringt ja eh nichts das Wählengehen. Ich war in den letzten Wochen viel unterwegs und wenn mir Menschen erklärt haben, warum sie nicht wählen gehen, habe ich versucht sie vom Gegenteil zu überzeugen. Ich hoffe das ist mir in einigen Fällen gelungen:

  • Weil eine nicht abgegebene Stimme stumm ist
  • Weil man sein Wahlrecht nutzen soll
  • Weil Demokratie ohne Wählerinnen und Wähler nicht funktioniert
  • Weil man damit aktiv die Politik beeinflusst
  • Weil man damit Verantwortung übernimmt
  • Weil man die Zukunft mitbestimmt
  • Weil JEDE Stimme zählt
  • :)

 

Es ist wieder so weit. Die Fastenzeit ist da. Letztes Jahr habe ich in der Fastenzeit das Schimpfwörterfasten praktiziert. Es war eine sehr aufschlussreiche Zeit und ich habe durch Verzicht viel dazu gewonnen.

sb1Heuer möchte ich es ein bisschen anders machen. Ich möchte nicht auf irgendetwas verzichten, sondern etwas tun. Der Wunsch ist in den letzten Wochen in mir gewachsen. Im Wahlkampf war ich jetzt sehr viel unterwegs, habe mit vielen Menschen gesprochen und dabei einige wieder gesehen von denen ich jahrelang nichts gehört habe. Oder umgekehrt, die jahrelang auch nichts von mir gehört haben. Was eigentlich sehr schade ist. StudienkollegInnen, ArbetskollegInnen, SchülerInnen. Jedes Mal war es sehr schön zu hören, was die „alten“ Bekannten denn so machen, wie es ihnen geht.

Darum nehme ich mir vor in der Fastenzeit aktiv wieder auf Menschen zuzugehen, die man aus den Augen verloren hat. Der erste Schritt ist schon getan. Ich habe meine Handykontakte durchforstet und gemerkt, dass es da einige Nummern gibt, die ich schon jahrelang nicht mehr angerufen habe. Und eigentlich bin ich neugierig, was die Menschen so machen und wie es ihnen geht.

Ich weiß, dass das nichts mit dem Fasten an sich zu tun hat. Aber diese Zeit ist dafür da sich wieder bewusster zu werden, auch auf seine innere Stimme zu hören. Und die sagt mir, dass es schön ist, von Menschen zu hören, die Teil des eigenen Lebens waren und jetzt eine Zeit nicht auf dem Radar waren. Ich weiß schon, wen ich als erstes anrufen werde :)

Und wie es 2013 war hier zum Nachlesen:

http://zartbitter.co.at/augenblicke/schimpfworter-fasten/

http://zartbitter.co.at/allgemein/schimpfworterfasten-das-ergebnis/


Anfangs war es mir unangenehm. Die bittende Haltung, die Unterwürfigkeit, das zur Schau Stellen einer massiven körperlichen Beeinträchtigung. Wie sollte ich damit umgehen? Wenn ich etwas gebe, so hilft es ihnen auch nicht weiter. Will ich sie hier haben in meiner Stadt? Kommen da nicht noch mehr, wenn ich etwas gebe? Ich wandte mein Gesicht ab.

Dann schaue ich aber hin und mein Blick wandelt sich: Menschen, die im Grunde die gleichen Bedürfnisse haben wie du und ich. Menschen, die ein Geschichte haben und vom Schicksal geschlagen werden. Sie zeigen mir, dass Armut bitter schmeckt und auch in einer der reichsten Städte der Welt Realität ist. Der Großteil des Elends spielt sich im Verborgenen hinter den Kulissen ab. Meine (Groß-) Elterngeneration hat diese grausame Armut noch selbst am eigenen Leib gespürt.

Wenn ich heute morgens durch die Innenstadt zur Arbeit gehe, treffe ich bekannte und unbekannte Gesichter. Ich werde freundlich gegrüßt. Ich nicke und lächle respektvoll zurück. Manchmal gebe ich etwas, manchmal nicht. Mein Leistungsdenken macht mich nicht zu einem besseren Menschen. Ich bin der Meinung, dass die Bettelmigranten Salzburg vielfältiger und solidarischer machen. Das zeigen auch die unterschiedlichen Beiträge hier auf Zartbitter u.a. von Alexandra Schmid und Astrid Steindl. Mich bereichern sie auf jeden Fall.

Deshalb unterstütze ich die Kampagne www.hinschauen-statt-verurteilen.at.

Wichtige Basisinfos finde ich bei Josef P. Mautner und natürlich in der Studie über Bettelmigration von Heinz Schoibl. Sie liefern Grundlagen für eine menschenwürdige Diskussion, den Abbau von Ängsten und die Basis für politisches Handeln, das nicht auf dem Rücken der Schwächeren ausgetragen wird.

 

Ein jährlicher Höhepunkt meines Arbeitsjahres ist der Männertag in St. Virgil. Am 14. und 15. März ist es unter dem Titel „frei und geborgen“ wieder soweit. Ich freue mich darauf, da hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Es ist eine seltene Gelegenheit, wo sich Männer mit Spiritualität und Glaubensthemen bewusst auseinandersetzen. Hier kann Mann sich von seiner persönlichen Seite zeigen. Endlich mal keine berufliche oder familiäre Rolle spielen müssen. Durchatmen, inspirierende Impulse bekommen und bei gutem Essen wertvolle Gespräche führen.

Hier kann ich so sein, wie ich bin. Nicht dem entsprechen, was andere oder Institutionen von mir erwarten. Nicht das Funktionieren steht im Vordergrund, sondern das Sein. Was mich an diesem Männerkreis begeistert? Da ist wertschätzende männliche Kraft spürbar. Da treffe ich Männer, die mehr wollen als es das tägliche Hamsterrad vorgibt. Ich gönne mir diesen Tag, weil ich hier Kraft tanke. Weil ich Gleichgesinnte treffe und ich motiviert werde, meinen spirituellen Weg in aller Freiheit weiterzugehen. Ich denke, den Kirchen tun diese freien Männer sehr, sehr gut. Sie sind stark und mutig, weil sie geborgen sind. Ich freue mich, Euch kennenzulernen.

www.kirchen.net/kmb

 

 

hbWahlkampf heißt zu den Menschen zu gehen und mit den Menschen zu sprechen. Seit einiger Zeit mache ich Hausbesuche. Auch heute war ich wieder mit Kolleginnen unterwegs. Man, wer auch  immer das ist, sagt ja den Salzburgerinnen und Salzburgern nach, dass sie eher verschlossen seien. Also ich kann jetzt nach vielen Wochen Hausbesuchen voller Überzeugung sagen: Das stimmt nicht!

Bei einem Hausbesuch lädt man sich ja quasi selbst ein, also man kündigt sich nicht an. Aber egal bei wem man anklopft oder läutet, die Türen öffnen sich und man wird freundlich begrüßt. Egal ob Alt oder Jung, zugewandert oder seit Generationen in Salzburg ansässig. Manchmal ist es ein kurzes Gespräch, oft aber erzählen die Menschen über sich. Über ihre Freuden, über ihre Sorgen. Manchmal wird man zum Kaffee eingeladen oder zum Essen. Denn oft riecht es so richtig gut und ich schaue dann wahrscheinlich recht hungrig drein. Von einer Jause über Guglhupf bis zu einem chinesischen Essen wurde uns schon angeboten. Da fällt es dann schwer nein zu sagen ;)

Und hier will ich DANKE sagen. Dass sich die Türen öffnen und oft auch die Herzen.

Ein Beitrag von Ubbo Goudschaal

Schon wieder melden Medien, die Lage von Arbeitssuchenden in Europa sei prekärer geworden. Österreich kann sich aus dieser Misere nicht herausnehmen, obwohl die landeseigenen Medien immer wieder behaupten, Österreich stehe, was die Arbeitslosenzahlen betrifft sehr gut da. Ich finde diese Behauptung nicht tröstlich, wenn von 8.500.000 ÖsterreicherInnen rund 370.000 ohne Erwerbsarbeit sind. Hinzu kommt, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. PensionsvorschussbezieherInnen, Arbeitslose im Krankenstand oder mit Bezugssperre, Lehrstellensuchende und ÜbergangsgeldbezieherInnen sowie SchulungsteilnehmerInnen, um nur einige zu nennen, werden beim AMS in der Statistik der vorgemerkten Arbeitslosen nicht berücksichtig. – Müsste mir nicht auch schon langsam dämmern, dass auch ich selbst in meiner Existenzgrundlage gefährdet bin?

Arbeitslosigkeit Kommen wir doch zu den Arbeitslosen selbst. Die meisten von ihnen können bereits über längere Zeiträume keine gesicherte Anstellung in einem Unternehmen vorweisen. Vielfach sind es Menschen, die nur die Pflichtschule absolviert bzw. die Schule abgebrochen haben. Immer wieder höre ich, dass Bildung vor Arbeitslosigkeit schützt bzw. die Gefahr dazu mindert. Im übertragenden Sinne heißt das: „Bemüht euch, dann werdet ihr auch was finden!“ Soweit, so gut! Was unerwähnt bleibt, ist, dass auch AkademikerInnen mit guten Abschlüssen auf der Straße sitzen. Gründe gibt es dafür viele: Übersättigung der Berufssparte, Überqualifizierung, keine Berufserfahrung, um nur drei zu nennen. Bildung ist demnach also doch nicht das Allheilmittel, um die Arbeitslosigkeit in unserem Land zu beseitigen. Bildung befähigt den Arbeitssuchenden zwar, konkurrenzfähig zu bleiben und sich irgendwann gegenüber anderen durchzusetzen, hilft aber nicht, einen gesicherten Arbeitsplatz zu finden bzw. die Arbeitslosigkeit im allgemeinen zu lösen. Die Parole liberaler Wirtschaftsexperten „Bemüht euch“ geht nicht auf.

Wenn also das Problem der Arbeitslosigkeit nicht durch bessere Qualifikation der ArbeitnehmerInnen gelöst werden kann, wie dann? Laut Clemens Sedmak gibt es in unserer Gesellschaft genug Arbeit. Gemeint ist damit Familienarbeit oder ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, in Kirchen, in politischen Parteien und anderes mehr. Aus meiner Erfahrung hat sich aus Mangel an Arbeit noch niemand beschwert. Das Problem liegt somit nicht im Vorhandensein von Arbeit, sondern an adäquaten Zugängen zur Erwerbsarbeit. Aber wie sieht es denn mit den Zugängen weitestgehend aus? Eine Marktwirtschaft besteht aus einer Vielzahl von Märkten, die von Angebot und Nachfrage bestimmt sind. Der Staat setzt Rahmenbedingungen für diese Märkte fest, greift selbst aber nicht in das Marktgeschehen ein. Das Unternehmen besitzt autonome Entscheidungsgewalt über die Produktion von Güter und Leistungen sowie über Rationalisierungsprozesse. Somit kontrolliert es auch die Zugangsmöglichkeiten zur Erwerbsarbeit. Das Hauptproblem der Arbeitslosigkeit ist also ein Mangel an Arbeitsplätzen innerhalb der Marktwirtschaft.

Warum lese ich also so oft, dass Arbeitslosigkeit ein individuelles Problem jedes einzelnen Erwerbslosen sei? Genaue Antworten lassen sich hier nicht finden! So wird vielfach vom eigentlichen Problem abgelenkt und die wahren Verursacher werden nicht zu Verantwortung gezogen. Stattdessen trifft jene das Unglück extremer Existenzangst und prekärer Lebenssituationen, die am wenigsten Schuld an ihrer Miserere haben – die Arbeitslosen selbst. Verurteilen wir also nicht die Menschen, die in unserer Gesellschaft ohne Erwerbsarbeit dastehen, empören wir uns vielmehr darüber, dass für diese Menschen von Seiten der Politik und des Staates nicht mehr getan wird.