Anfangs war es mir unangenehm. Die bittende Haltung, die Unterwürfigkeit, das zur Schau Stellen einer massiven körperlichen Beeinträchtigung. Wie sollte ich damit umgehen? Wenn ich etwas gebe, so hilft es ihnen auch nicht weiter. Will ich sie hier haben in meiner Stadt? Kommen da nicht noch mehr, wenn ich etwas gebe? Ich wandte mein Gesicht ab.

Dann schaue ich aber hin und mein Blick wandelt sich: Menschen, die im Grunde die gleichen Bedürfnisse haben wie du und ich. Menschen, die ein Geschichte haben und vom Schicksal geschlagen werden. Sie zeigen mir, dass Armut bitter schmeckt und auch in einer der reichsten Städte der Welt Realität ist. Der Großteil des Elends spielt sich im Verborgenen hinter den Kulissen ab. Meine (Groß-) Elterngeneration hat diese grausame Armut noch selbst am eigenen Leib gespürt.

Wenn ich heute morgens durch die Innenstadt zur Arbeit gehe, treffe ich bekannte und unbekannte Gesichter. Ich werde freundlich gegrüßt. Ich nicke und lächle respektvoll zurück. Manchmal gebe ich etwas, manchmal nicht. Mein Leistungsdenken macht mich nicht zu einem besseren Menschen. Ich bin der Meinung, dass die Bettelmigranten Salzburg vielfältiger und solidarischer machen. Das zeigen auch die unterschiedlichen Beiträge hier auf Zartbitter u.a. von Alexandra Schmid und Astrid Steindl. Mich bereichern sie auf jeden Fall.

Deshalb unterstütze ich die Kampagne www.hinschauen-statt-verurteilen.at.

Wichtige Basisinfos finde ich bei Josef P. Mautner und natürlich in der Studie über Bettelmigration von Heinz Schoibl. Sie liefern Grundlagen für eine menschenwürdige Diskussion, den Abbau von Ängsten und die Basis für politisches Handeln, das nicht auf dem Rücken der Schwächeren ausgetragen wird.

 

Ein jährlicher Höhepunkt meines Arbeitsjahres ist der Männertag in St. Virgil. Am 14. und 15. März ist es unter dem Titel „frei und geborgen“ wieder soweit. Ich freue mich darauf, da hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Es ist eine seltene Gelegenheit, wo sich Männer mit Spiritualität und Glaubensthemen bewusst auseinandersetzen. Hier kann Mann sich von seiner persönlichen Seite zeigen. Endlich mal keine berufliche oder familiäre Rolle spielen müssen. Durchatmen, inspirierende Impulse bekommen und bei gutem Essen wertvolle Gespräche führen.

Hier kann ich so sein, wie ich bin. Nicht dem entsprechen, was andere oder Institutionen von mir erwarten. Nicht das Funktionieren steht im Vordergrund, sondern das Sein. Was mich an diesem Männerkreis begeistert? Da ist wertschätzende männliche Kraft spürbar. Da treffe ich Männer, die mehr wollen als es das tägliche Hamsterrad vorgibt. Ich gönne mir diesen Tag, weil ich hier Kraft tanke. Weil ich Gleichgesinnte treffe und ich motiviert werde, meinen spirituellen Weg in aller Freiheit weiterzugehen. Ich denke, den Kirchen tun diese freien Männer sehr, sehr gut. Sie sind stark und mutig, weil sie geborgen sind. Ich freue mich, Euch kennenzulernen.

www.kirchen.net/kmb

 

 

hbWahlkampf heißt zu den Menschen zu gehen und mit den Menschen zu sprechen. Seit einiger Zeit mache ich Hausbesuche. Auch heute war ich wieder mit Kolleginnen unterwegs. Man, wer auch  immer das ist, sagt ja den Salzburgerinnen und Salzburgern nach, dass sie eher verschlossen seien. Also ich kann jetzt nach vielen Wochen Hausbesuchen voller Überzeugung sagen: Das stimmt nicht!

Bei einem Hausbesuch lädt man sich ja quasi selbst ein, also man kündigt sich nicht an. Aber egal bei wem man anklopft oder läutet, die Türen öffnen sich und man wird freundlich begrüßt. Egal ob Alt oder Jung, zugewandert oder seit Generationen in Salzburg ansässig. Manchmal ist es ein kurzes Gespräch, oft aber erzählen die Menschen über sich. Über ihre Freuden, über ihre Sorgen. Manchmal wird man zum Kaffee eingeladen oder zum Essen. Denn oft riecht es so richtig gut und ich schaue dann wahrscheinlich recht hungrig drein. Von einer Jause über Guglhupf bis zu einem chinesischen Essen wurde uns schon angeboten. Da fällt es dann schwer nein zu sagen ;)

Und hier will ich DANKE sagen. Dass sich die Türen öffnen und oft auch die Herzen.

In den letzten Wochen fragen mich immer wieder Freunde und Bekannte, warum ich Politik mag und warum ich mir das „antun“ will, Politikerin zu sein. Politik, das wissen wir aus diversen Umfragen, hat ja nicht gerade ein hohes Ansehen. Meist liegen Politiker hinter Managern, Priestern und Journalisten. Trotzdem mag ich Politik, obwohl ich wirklich nicht mit allem einverstanden bin, was Politiker machen oder auch nicht machen. Aber warum will ich dann Politikerin sein?

politikWeil nur schimpfen zu wenig ist. Und weil ich Menschen mag. Aber ich mag es gar nicht, wenn es Menschen nicht so gut geht. Das kann sein, dass jemand seinen Job verloren hat, eine Beziehung ist zerbrochen, ein alter Mensch ist einsam oder ein Kind hat Probleme in der Schule. Mir ist schon klar, dass ich als Politikerin nicht für jeden einzelnen etwas machen kann. Aber ich bin überzeugt davon, dass Politik die Rahmenbedingungen verbessern kann, um Menschen ein zufriedenes Leben zu ermöglichen.

Was mich immer häufiger nervt ist, dass Menschen, die Ideen haben, die etwas verwirklichen wollen, oft auf großen Widerstand stoßen. Wenn sie eine Firma gründen wollen, wenn sie ein soziales Projekt angehen oder etwas Bestehendes verbessern wollen. Noch immer können wir bei einem neuen Vorschlag hören, warum etwas nicht geht. Da finden sich zig Argumente dagegen. Ich glaube daran, dass Politik die Aufgabe hat, Möglichkeiten und Chancen zu schaffen, damit Menschen ihre Vorstellungen realisieren können.

Immer wieder begegnen mir Menschen, die Ängste haben und die andere dafür verantwortlich machen. Meist geht es dann gegen sogenannte Randgruppen. (http://zartbitter.co.at/gesellschaftspolitik/gestrichen-aus-meinem-wortschatz-randgruppe/ ) Was mich aber stört ist, dass oft mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger die Ängste dieser Menschen  vom Tisch gewischt werden, auch von der Politik. Oder Politik nutzt und schürt sogar diese Ängste. Ich bin überzeugt davon, dass es Aufgabe von Politik ist die Ängste ernst zu nehmen. Politik hat die Aufgabe für ein respektvolles Miteinander einzustehen ohne jemanden auszuschließen.

Und warum Kommunalpolitik? Ganz einfach, weil man hier die Menschen tagtäglich treffen kann, für die und mit denen man Politik macht. Ich freue mich darauf :)

Ein Gastbeitrag von Alexandra Schmidt

Bettelmigrant in Salzburg…hat´s immer gegeben. Im Mittelalter und zur Zeit von Jesus Christus. (War da nicht so eine Geschichte mit….na,egal.) Und nach dem 2. Weltkrieg hat sogar meine Omi öfters die Bauern um Milch und Eier anbetteln müssen für ihre fünf Kinder. Ich schau mir die Bettlerinnen und Bettler von heute deswegen immer genau an. Sie interessieren mich. Ich finde nämlich, Betteln ist kein leichter Job. Kniet euch mal hin und haltet die Hand auf. Und bleibt in dieser Stellung, sagen wir……20 Minuten. Ich kenne einen Haufen Leute – mich eingeschlossen – die zahlen ihrer Yoga-Lehrerin einen Haufen Geld, damit sie zehn Minuten im Schneidersitz nur auf ihren Atem horchen. Das schafft fast keine/r. Bettlerinnen und Bettler bleiben oft Stunden fast unbeweglich – in der Kälte. Und dann: Wem von ihnen gibt man Geld? Den lachenden? Den „Biette, Biette“ wimmernden? Denen mit den Kinderfotos? Denen mit den Zeitungen? Den Jungen/Alten? Denen mit Behinderung? Ich hab eine Bettlerin ausgesucht, die ich so fünf Mal in der Woche mit ein, zwei Euro unterstütze. Sie ist mir sympathisch.  Sie schaut freundlich aus und ist auf ihrem Platz akzeptiert. Wir können uns nicht unterhalten aber wir kommunizieren – mit Händen und Füßen. Gegenüber, im Flagship-Store darf sie die Toilette benutzen und bekommt – wie alle anderen auch – gratis ein Glas Wasser. Über Weihnachten und Neujahr war sie daheim in Rumänien. Ich hoffe, sie hat mit meinen Euros ein paar Menschen dort eine Freude gemacht. Hand aufs Herz: Wer träumt zu Weihnachten nicht  von einem Kinderlachen, das man selber gezaubert hat?

XelaUnd außerdem bringe ich jede Woche Frühstück in die Notschlafstelle in der Linzer Gasse 72 – ich geh sowieso Semmerl holen, da geht’s in einem. Und soll ich was verraten? Es fühlt sich richtig gut an:  Samstag, 7:20 Uhr und schon „Gutes tun“. Kann jede/r mal ausprobieren, tut nicht weh und kost nicht viel. Weil nämlich: vor Weihnachten sammeln und spenden alle alles Mögliche. Aber jetzt wird’s erst richtig kalt bei uns, da brauchen diese Menschen unsere Hilfe besonders.

Ist verständlich, was ich meine?

Das fragt sich, ehrlich wahr, eure Xela

Ein Gastbeitrag von Alexandra Schmidt

fbticketRed Bull Salzburg hat in einem Testspiel den FC Bayern München 3:0 geschlagen. Respekt – nach ihrem Triple 2013 gilt Bayern München immerhin als das beste Team der Welt. Ein roter Bulle ist mir besonders aufgefallen:  Kevin Kampl.  Er hat einen Elfer verschossen und eine lustige Frisur. Und im Interview nach dem Spiel hat ihn der Moderator nach seiner Familie gefragt, die offenbar fast 20köpfig beim Spiel zugeschaut hat. Kevin Kampl hat betont, wie wichtig ihm das sei und dass ihm die Familie alles bedeute. Dass er ein totaler „Familienmensch“ sei. Interessant. Darf ich jetzt annehmen, dass er in Elternkarenz geht, wenn er mal Vater wird? In der Nacht Fläschchen wärmt, Windeln wechselt und Einschlaflieder summt, das Baby am Arm, stundenlang? Und wenn er eine Tochter hätte: dass er sie  zum Fußballplatz bringt  wenn sie in seine Fußstapfen tritt? Drei Mal pro Woche Training und am Samstag zum Spiel? Das nämlich wär ein Familienmensch nach meiner Definition…

XelaAber noch was anderes: Bayern-Trainer Pep Guardiola kommt aus Spanien und ist ein guter Verlierer. Er hat den Bullen gratuliert und keine Ausreden gehabt – sie waren einfach das bessere Team hat er gesagt. Wenn ich ihn richtig verstanden habe. Er ist seit einem guten Jahr Trainer in München. Sein Deutsch ist so schlecht, dass ich zwei Drittel von dem was er im Interview sagt, nicht verstehen oder nur erahnen kann. Ok, find ich jetzt nicht so schlimm. Aber viele verlangen von MigrantInnen, dass sie gefälligst „gscheit deitsch“ lernen sollen. Wohlgemerkt: auch von denen, die 60, 80 oder mehr Stunden die Woche eine Drecksarbeit machen für die sich sonst niemand findet. Die vielleicht nicht neun Jahre in die Schule gegangen sind und keine Ahnung haben, was ein Adverb ist.   (Wissen Sie´s? ;-) Die keine Zeit und keine Energie haben, auswendig zu lernen, dass es „die Uhr“ und „der Wochentag“ heißt und es in Deutsch nicht nur diese zwei Geschlechter gibt sondern ein sächliches auch noch. Dass es „das Fußballspiel“, „das Tor“ und „das Team“ heißt, aber „die Mannschaft“. Ja, „die“ sollen das lernen, aber bei Fußballtrainern und Menschen aus Spitzensport und Kultur darf man nicht so streng sein. Echt nicht?

Das fragt sich, ehrlich wahr, eure Xela