von Christian Namberger, Oberinspektor i.R.

Nun bin ich auch hier auf zartbitter und versuche, einen Teil meiner Geschichte und die Erfahrungen hier mitzuteilen.  Heute möchte ich über die eingeschränkte Mobilität mit einem Rollstuhl erzählen. Vorab jedoch noch kurz wie es dazu kam, dass ich in nem Rollwagerl sitz. Es gibt ja sicher Leserinnen und Leser, die mich nicht kennen.

nam1Mich erwischte im Frühjahr 2010 ein Krebsleiden. Genauer gesagt ein sehr weit fortgeschrittener Lymphknotenkrebs. Dieser wurde mit Chemotherapie in 8 Zyklen a 96 Stunden restlos besiegt. Diese hatte allerdings eine Nebenwirkung, sie löste eine Polyneuropathie aus, das ist ein Nervenleiden, das mich speziell vom Becken abwärts beeinträchtigt. Hierzu werde ich aber ein andermal berichten.

Wenn man in nem Rollwagerl unterwegs ist, dann kann man viel erzählen.  Der Großteil der Gehsteige ist schief, als aufrecht gehendem Menschen fällt einem das nicht auf. Aber wehe, man ist in einem Standardrollstuhl unterwegs. Man ist nur am einseitig schieben, was natürlich für einseitigen Muskelaufbau und Verspannungen sorgt. Viele Übergänge haben eine zu hohe Trottoirkante, so dass man davor stehen bleiben und das Gerät ein bisserl “lupfen“ muss. Mit Schwung geht da gar nichts.  Was auch nicht geht, ist einfach in die Stadt zu rollen und je nach Lust und Laune ein Kaffeehaus zu besuchen. Ich liebe das seit vielen Jahren. In meinem bisherigen Beruf,  ich war im Versicherungsaußendienst tätig, hatte ich freie Zeiteinteilung und gönnte mir schon mal ein Frühstück im Straßencafe.

Wie wunderbar ist es, lässig und entspannt die Leckereien zu genießen und andere Leute zur Arbeit hetzen zu sehen.  Jetzt muss ich im Vorfeld recherchieren, welches Kaffeehaus nicht nur barrierefrei zu erreichen ist, wichtig ist auch eine Zurollbarkeit zur Keramik. Ich kann zwar mittlerweile schon gut zusammenzwicken, aber halt auch nicht immer und dann sollte man auch austreten können. Das verleidet einem schon, aus dem Haus zu rollen. Aber nicht nur hier hapert es…selbst Ärzte sind meist nicht barrierefrei zu erreichen. Somit kann ich da nicht alleine hin und muss mich da dann mit´m Roten Kreuz chauffieren lassen. Das hat allerdings auch wieder Vorteile…da ich sehr groß bin, pass ich nur in nen Mercedes (Transporter allerdings) und die Zivis sind großteils  auch ganz entzückend und nett…:-). Der Zeitaufwand kann allerdings enorm sein, die warten ja nicht darauf, dass sie mich kutschieren können. Da lernt man warten.

nam2Gerne bin ich auch mit Freunden unterwegs, wenn wir wissen, wo ich einrollen kann. Ich gehöre zu den Rollstuhlfahrern, die sehr gerne Hilfe annehmen. Nicht nur wegen den schiefen Trottoirs, auch werden meine gepflegten Handerl trotz Radlhandschuhe immer schmutzig. Gerne setze ich da eine Mitleidsmine auf und ab und an zieht die Masche und ich werde geschoben. Leider ist das dann auch nicht immer sonderlich entspannend….der eine ist mehr wie ein zerstreuter Professor und schiebt während dem Palaver in der Runde unkontrolliert  vor sich hin und ich muss bei einem Straßenüberqueren vorm Erklimmen des Gehsteigs laut aufschreien, weil er schon das eine oder andere mal einfach ohne zu lupfen zur Kante fuhr. Natürlich katapultiert es mich da aus dem Wagerl.  Wenn ich von einer Freundin aus der Runde geschoben werde, passiert das nicht, allerdings kippt mich die Gute so stark nach hinten, dass mein zartes Kopferl zwischen ihrer Oberweite zu liegen kommt. Ist dann wie in einem Ohrensessel…:-)

Mit diesen Erfahrungen schließe ich für heute und halte es wie Paulchen Panther…

“heute ist nicht aller Tage Abend, ich komme wieder, keine Frage“…

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