Two and a Half Moms – oder: Meine Coole Oma Bonny

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Ich habe eine neue Serie für mich entdeckt. Nach ein paar Folgen zum dran Gewöhnen war ich schließlich vollends überzeugt und schaue mit Begeisterung. Darf ich vorstellen? Passend zum nahenden Muttertag: „Mom“.

In den ersten Minuten der ersten Folge erleben wir wie Christy, eine Kellnerin, mitten im Restaurant vor allen Gästen einen Nervenzusammenbruch erleidet. Nach und nach erfahren wir mehr über sie: als Teenager bereits Mutter, die Schule abgebrochen, drogen- und alkoholsüchtig – aber seit 138 Tagen nüchtern. Regelmäßig geht sie zu den Treffen der anonymen Alkoholiker. Um in Frustsituationen herunterzukommen, zieht sie sich heute statt Alkohol eine CD mit affirmativen Mantras rein. Alles ist gut, redet ihr die Stimme ein. Christy gibt ihrer Mutter, Bonnie, die Schuld an ihrem verpfuschten Leben. Bonnie selbst war ebenso drogensüchtig, hat gedealt, hat Christy abwechselnd vernachlässigt oder – auf der Flucht vor dem Gesetz – nach Mexico, Argentinien und Kanada mitgeschleppt. Bonny, auch derzeit trocken nimmt das Leben leichter und sieht das alles nicht so eng. Christy sollte lieber nach vorne blicken.

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Bald im Pro7 Comedy Montag?

Nüchtern fühlt sich Christy von ihrem Leben erdrückt und oft wäre es am einfachsten, allem zu entfliehen, indem sie sich einfach wieder vollaufen lässt. Aber sie will es unbedingt besser machen. Sie will ihren beiden Kindern, Violet (17) und Roscoe (10?), eine gute, fürsorgliche Mutter sein – bevor es zu spät ist. Doch die Geschichte scheint sich bereits zu wiederholen: Violet kann Christy die schwere Kindheit nicht verzeihen. Und: die 17-Jährige wird schwanger …

Die Geschichte von Christy auf ihrem Weg von Rauschmitteln loszukommen und Verantwortung zu übernehmen ist ein guter Stoff für ein Sozialdrama. Doch Chuck Lorre hatte ganz andere Pläne. Schon mit „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“ hat er bewiesen, dass er das Gespür für wirklich gute Comedy hat. Er hat damit weltweit hohe Zuschauerquoten quasi gepachtet. Aber eignet sich die Geschichte der Serie „Mom“ dafür?

Erstaunlicherweise: Ja. Aber es ist heikel, denn die Gefahr ist groß, die Sache völlig zu verkasperln – oder dass das Ganze einfach unlustig wird. Natürlich lebt „Mom“ von typischen Elementen der klassischen Sitcom. Chuck Lorre hat ja schon Erfahrung mit Comedys über Alkoholiker. In „Two and a Half Men“ soll man jedoch lustig finden, was Charly im dauerhaft halb-besoffenen Zustand so alles von sich gibt – und zugegeben ist es das auch. Zumindest bis zur fünften oder vielleicht sechsten Staffel (sieben und acht fand ich mühsam und seit Charly Sheen raus ist, habe ich nicht weitergeschaut). Der verantwortungs- und respektlose Charly war – obwohl immer cool drauf – in Wahrheit ein problembehafteter Mensch. Alkoholismus war nur eines dieser Probleme. Aber geredet wird darüber nicht – zumindest nicht ernsthaft. „Men“ wollte einfach nur eine Gaudi sein. Das war auch völlig OK so.

mom„Mom“ hingegen beweist, dass Komödie und Tragödie sehr eng miteinander verbandelt sind. Aberwitzige Begebenheiten und viel Wortwitz lassen einen herzhaft auflachen. Gleichzeitig gibt es sehr ehrliche, berührende Momente. Chuck Lorres Schreiberteam hat diese Qualität in den letzten beiden Jahren auch in „The Big Bang Theory“ öfter eingebracht. Es scheint, das Team hat ein wirklich gutes Gespür dafür entwickelt.

Viele Kritiken, die ich gelesen habe, behaupten, das Material der Serie „Mom“ sei bestenfalls Durchschnitt. Diese Meinung teile ich nicht. Wo ich aber voll zustimme: Die beiden Hauptdarstellerinnen Anna Faris als Christy und Allison Janney (bekannt als CJ aus „The West Wing“) spielen einfach großartig und sind umwerfend komisch. Da stimmt das Timing genauso wie die glaubwürdige Mutter-Tochter-Beziehung.

Es gibt noch keinen festgelegten Start der Serie auf Deutsch, aber ich hoffe, der wird nicht allzu lange auf sich warten lassen. Alle, die Serien gerne auf Englisch schauen, haben früher was zu lachen, denn die Folgen sind offiziell als Stream oder Download erhältlich.

Meine Bewertung auf IMDB: 8 Punkte

Köstlich: Eine wirklich witzige Comedy, bei der die behutsam eingefügten leisen Töne nicht aufgesetzt oder kitschig wirken. Wenn sie sich gut weiterentwickelt, gibt’s 9 Punkte. Die „2 Broke Girls“ können sich davon echt was abschauen.

1 Kommentar
  1. Uta Gruenberger sagte:

    Mein G´scheidhasen-Kommentar dazu, ist ein Zitat von Sir Peter Ustinov, das mir spontan zu Deiner schön beidseitigen Beschreibung einfällt: „Wenn Du die Leute zum Nachdenken bringen willst – muss Du sie zum Lachen bringen.“ In diesem Sinne – merci Uta

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