Phantastische Tierwesen – und wie ich sie finde

Newt Scamander. So heißt der neue Held in Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind von J.K. Rowling. Die Geschichte spielt in der Welt der Magie, die uns bereits aus den Harry Potter-Büchern und Filmen bestens bekannt ist. Fünf Filme sollen es werden und Harry Potter wird darin nie auftauchen, denn: die Handlung ist 60–70 Jahre vor Harrys Geburt angelegt.

Die magische Geschichte

Newt – was für ein ungewöhnlicher Name. Er bedeutet: Wassermolch. Und wenn man so einen Namen trägt, dann scheint es nur logisch, dass man sich für ungewöhnliche Tiere interessiert. Das tut Newt [Eddie Redmayne]. Magische Tierwesen zu studieren und zu retten ist seine Mission – und diese führt ihn nach New York. Seine Tiere bringt er alle in einem kleinen magischen Koffer mit. Bald schon entkommt ihm ein „Niffler“ – ein possierliches Tierchen, das wie eine Kreuzung aus Schnabeltier und Maulwurf aussieht und auch einen Beutel wie ein Känguru besitzt. Diesen Beutel füllt es mit allem, was glitzert und glänzt. Und im New York der 20er Jahre glitzert und glänzt vieles. Beim Versuch, den Niffler einzufangen, zieht Newt den angehenden Bäcker Jacob Kowalski [Dan Fogler] in ziemlich gefährliche und komische Situationen rein. Dabei ist Jacob ein ganz normaler Mensch ohne magische Fähigkeiten. Er dürfte all das nie sehen und erleben. Newt macht sich gleich verdächtig und wird von der Agentin Tina Goldstein [Katherine Waterston] zum Amerikanischen Kongress für das Magische Volk, MACUSA, gebracht, doch er kommt bald wieder frei. Von da an beginnt die Geschichte erst richtig. Mehr Tiere entkommen und schon wenige Stunden später sollen Newt und Tina hingerichtet werden. Angeblich hat eines seiner Tierwesen einen Menschen getötet – noch dazu vor den Augen eines großen Publikums.

Endlich perfekt?

Colin Farrell als Percival Graves (Courtesy of Warner Bros. Pictures; © 2016 WARNER BROS ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED)

Colin Farrell als Percival Graves
(Courtesy of Warner Bros. Pictures; © 2016 WARNER BROS ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED)

Ich bin ein Fan der Harry Potter-Bücher. Und auch die Filme finde ich gut, obwohl sie wirklich nicht alle perfekt sind. Trotzdem habe ich mich schon seit einem Jahr auf Fantastische Tierwesen gefreut und nichts anderes als den perfekten Film erwartet, den ich in der Harry Potter-Serie nie zu sehen bekam – auch wenn Der Gefangene von Azkaban als einziger nah an Perfektion grenzte. Ich habe das Kino gestern mit gespaltenen Gefühlen verlassen.

Auf jeden Fall habe ich einen einen gut gemachten, sehr unterhaltsamen Film gesehen – aber eben keinen perfekten. Gespalten war nämlich auch der Film selbst: einerseits die Geschichte von Newt Scamander, seinen Tieren und allen Leuten, die er in seine Geschichte mit reinzieht. Diese Geschichte bietet einige schöne und sehr viele komische Momente, zielt aber stark auf die Jüngsten im Publikum ab.

Es wäre aber nicht J.K. Rowling, wenn da nicht noch sehr viel mehr daherkäme. Eine düstere Seite gibt es nämlich auch in Fantastische Tierwesen. Und diese hat Protagonisten, die Newt Scamander in den Schatten stellen. Wer sich den Film ansieht, darf sich auf Colin Farrell als Percival Graves, den Auror für magische Sicherheit freuen. Was genau hat er mit dem Credence Barebone [Ezra Miller] zu tun? Credence ist ein introvertierter Junge, der von seiner Adoptivmutter tyrannisiert und geschlagen wird.

Wer verzaubert unsere Herzen?

Zauberhaft: ALISON SUDOL as Queenie und DAN FOGLER as Jacob (Courtesy of Warner Bros. Pictures; © 2016 WARNER BROS ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED)

Zauberhaft: ALISON SUDOL as Queenie und DAN FOGLER as Jacob
(Courtesy of Warner Bros. Pictures; © 2016 WARNER BROS ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED)

Gewinnt Newt unsere Herzen? Vielleicht gemeinsam mit Tina Goldstein? Also, meines nicht. Das Herz des Films liegt nämlich anderswo: Bei Jacob Kowalski, dessen Traum es ist, eine Konditorei zu eröffnen, und bei Queenie, Tina Goldsteins Schwester. Die beiden sind sozusagen das Buffo-Paar. Beide sind für sich auf ihre Weise liebenswerte Charaktere und wenn sie zusammenkommen, dann stimmt auf der Leinwand die Chemie. Der Funke sprang direkt auf mich über.

Leider sprang bei Eddie Redmayne nichts auf mich über. Seine Darstellung des schüchternen Newt konnte mich einfach nicht überzeugen oder gewinnen. Dafür war Redmayne zu farblos und sein Spiel zu manieriert. Fand ich jedenfalls.

Die Spannung nach dem Finale

Auch wenn dieser Film geteilt wirkte, als wären hier zwei völlig verschiedene Geschichten nur zufällig zu einem Film verbunden worden, so kann man sich darauf verlassen, dass J.K. Rowling bereits das große Ganze im Auge hat und genau weiß, was sie tut. Dass sie das kann, hat sie bereits in ihren Harry Potter-Büchern bewiesen. Und so warte ich schon mit großer Spannung auf den nächsten Teil der Serie. Von einem dürfen wir ausgehen: Something wicked this way comes … Das Finale des Films deutet bereits darauf hin!

Aber zuerst seh ich mir Fantastische Tierwesen noch einmal an. Vielleicht war ich beim ersten Ansehen überkritisch, weil ich nichts als Perfektion sehen wollte, damit ich 10 Punkte vergeben kann.

Meine (vorläufige) Bewertung auf IMDB: 8 Punkte
Nicht perfekt, aber eine gute Einführung in ein neues Franchise, bei dem zwei Geschichten in zwei verschiedene Richtungen ziehen. Auf jeden Fall hat Fantastische Tierwesen visuell und an Details sehr viel zu bieten, auch wenn man sich für das erwachsene Publikum realistischere CGI-Tierwesen wünscht.

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