von Alexandra Schmidt

Verkostung 2

Weinverkostung

In letzter Zeit fragen mich Leute öfter nach meinen Trinkgewohnheiten. Neulich, während eines beruflichen Abendtermins: „Tust du was anderes auch noch als Wein trinken?“. Ich hatte auf facebook eine Verkostungsnotiz gepostet. Und ein anderer Bekannter: „Die sauft!“ Wirklich? Mal sehen: Ja, ich bin eine Weinfreundin. Vor 15 Jahren habe ich bei einer Verkostung der „Freien Weingärtner Wachau“ mit Willy Klinger Lust bekommen.  Seitdem mag ich diesen Zaubersaft – er ist immer anders: von der Arbeit im Weingarten bis zum Lesen, Pressen, Vergären, Reifen und Abfüllen. Auf 7,5 Mio Hektar weltweit – rückläufig übrigens, 45.000 davon in Österreich. Und jedes Jahr ein neuer Jahrgang.

Ich schwenke, rieche, schmatze, schlucke oder spucke und bewerte einen Wein. Entscheide, ob ich ihn kaufe und ob ich ihn bei zwölf Grad für Jahre in den dunklen Lagerschrank lege. Ich habe seit 1999 viel gelernt, gelesen, gesehen, verkostet, gekauft – und ja:  viel getrunken. Der Unterschied zwischen verkosten und trinken ist riesig. Bei einer Verkostung gibt es  oft nur eine Flasche für 16 Leute. Ein, zwei Schluck müssen für ein Urteil genügen. Ich spucke viel wieder aus – meist in meinen eigenen, roten Spucknapf. Grad wenn Weine um über 100 Euro die Flasche dabei sind wundert das manche Leute. Ich will aber nicht alles schlucken. Ich würde betrunken und hätte kein Urteilsvermögen mehr.

Spucknapf

Mein Spucknapf

Wenn es aber eine gute Flasche zum Essen gibt, genieße ich jeden Schluck: wie der Wein nach ein paar Minuten im Glas riecht oder wie er zu einem Bissen Wildragout passt. Dann kann´s passieren: ich werde beschwipst. Ist ja nicht das schlechteste Gefühl. Durchaus angenehm. Sorglos. Verlockend, dass man es öfter herbeiführt – nur so. Das kann gefährlich werden. Wenn man Alkohol trinkt wegen des Gefühls ist es zur Sucht nicht weit. Und einmal süchtig ist für immer. „Trockene“ Alkoholkranke dürfen nie mehr auch nur einen Tropfen trinken. Das ist schade, weil ihnen ein Genuss entgeht. Ich bin nikotinsüchtig: Bis September 2006 hab ich geraucht,  schmecken würd´s mir noch immer. Also passe ich auf.

Mir sind mehr als zwei alkoholfreie Tage pro Woche wichtig und an ärgerlichen Tagen ganz besonders. Natürlich sind zwei, drei Gläser Champagner nett, wenn die Arbeitswelt böse war. Da könnt ich schadenfroh werden, denn dieselbe Arbeitswelt ermöglicht mir den teuren Champagner. Aber genau dann überleg ich es mir lieber. Die Medizin sagt, genießen ist der beste Schutz vor Sucht. Drum trink ich bei Festen lieber Soda Zitron, weil ich auf den Festen mit Genuss-Wein selten eingeladen bin. Ja, auch beim Wein ist es so: Qualität ihren Preis. Hie und da gehen ein paar Schluck zu viel die Kehle runter:  weil´s eine Gaudi war oder einfach soooooooo gut oder ein besonderer Wein, ein Glas Sociando-Mallet 1995 vielleicht – das war ich sogar selber schon dort. So geht es fast allen manchmal. Die Menge macht das Gift. Meine Leberwerte sind die von einem Baby. Also, ich „saufe“ nicht, klar? Und ihr solltet es auch nicht tun. Spart euch die „billigen Räusche“, legt ein paar Euro drauf und genießt.

Das empfiehlt euch eure Xela (und den 1996er Chardonnay, Ried Hasel vom Weingut Topf aus dem  Kamptal/Österreich, verkostet am 17.9. im Weinloft Rieger)

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