Schönheit verfolgt uns tagtäglich oder besser gesagt vermeintliche Schönheit. Der wir nacheifern sollten. Sagt uns die Werbung. Das hieße wir sollten eigentlich alle gleich aussehen. Die gleichen glänzenden Kopfhaare, die Frauen rasierte glatte Beine, die Männer alle mit Bart. Die gleichen schönen Dinge sollten uns umgeben. Und wir müssen den gleichen Kaffeeduft und die gleiche Kreuzfahrt schön finden. Das ist die uniforme Schönheit, die uns nur unter Druck setzt und den Geldbeutel leert.

Aber können wir die andere Schönheit finden, die unserer Seele gut tut? Wie kann das gehen?

Schönheit löst ein inneres Gefühl des Glücks aus. Habt ihr schon einmal ein inneres Glück gespürt, wenn ihr auf ein Plakat für Haarshampoo geschaut habt? Wahrscheinlich wurden die wenigsten von euch von einem Glücksgefühl durchflutet.

In dieser Fastenwoche will mir jeden Tag an einem meiner Plätze der Ruhe Schönheit finden, die nicht auf einem Plakat ist. Vielleicht stelle ich mir ganz bald den Wecker. Denn die Vögel beginnen jetzt schon kurz vor Anbruch des Tages mit ihren Liedern. Ich öffne das Fenster, lege mich wieder ins warme Bett, schließe die Augen und höre zu. Welche Vogelstimmen gibt es draußen? Laute, zurückhaltende, aufgeregte, melodische? Ich weiß, dass es mir sicher ein a1Lächeln ins Gesicht zaubert in aller Herrgottsfrühe. An einem anderen Tag setze ich mich vor ein altes Gebäude. Ein richtig altes Gebäude. Wie ist es gebaut? Welche besonderen Fenster hat es? Gibt es Verzierungen, die mir bis dato noch nie aufgefallen sind? Was haben sich die Menschen damals gedacht, als sie es gebaut haben? Meine Augen gehen langsam über das ganze Gebäude. Ich genieße jede Ecke, jede Rundung.

Und an einem weiteren Tag setze ich mich in ein Kaffeehaus. Ich bestelle mir einen Kaffee und eine Torte. Ich genieße jeden Schluck Kaffee ganz bewusst, jedes Stückchen der Torte. Immer wieder schließe ich die Augen, höre auf den Lärm, das Geplauder der anderen Gäste, das Mahlen der Kaffeemühle. Ich rieche die Mehlspeisen.

Ein anderes Mal zieht es mich in den Park. Ich gehe ganz langsam über die Wiese und suche den Boden nach den ersten Blumen ab. Ist da ein Schneeglöckchen, ein Krokus? Oder gar schon das erste Gänseblümchen. Wenn ich sie entdecke, hocke ich mich hin, streiche mit den Fingern über die Blüten, das Gras daneben.

So einfach ist es Schönheit zu finden, die der Seele gut tut.

Warum Fasten für die Seele?

Wenn es um das Fasten geht, dann denkt man eigentlich sofort an den Körper. Auf was verzichtet man? Fleisch? Schokolade? Alkohol? Zigaretten?

Aber eigentlich soll das Fasten ja Geist und Seele reinigen. Wie hektisch und stressig ist doch oft unser Alltag. Wir ärgern uns. Über eine Arbeitskollegin. Den Buschauffeur, der einem vor der Nase weggefahren ist. Den jungen Mann, der sich an der Kassa schnell vordrängelt. Und über sich selbst, weil man wieder etwas nicht gesagt hat, was man eigentlich sagen wollte. Weil man zu langsam war, zu vergesslich, zu feige, zu bequem. Alles das frisst sich in unseren Geist, in unsere Seele.

Also sollten wir die Fastenzeit nutzen. Lassen wir die Körperkilos drauf. Aber entledigen wir uns von seelischer Last und tanken Ruhe, Gelassenheit, Schönheit, Vertrauen und Aufmerksamkeit.

Hier geht es zu Teil 1 – Plätze der Ruhe finden

Hier geht es zu Teil 2 – Gelassenheit oder mit sich selbst liebevoll sein

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