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Georg Djundja, 25-30 Jahre alt, ist gelernter Bautechniker, engagierter Rettungssanitäter beim Samariterbund und leidenschaftlicher Organist.

Zartbitter: Georg, du spielst seit deinem 14. Lebensjahr Orgel, warum immer noch?

Georg spielt auf der Domorgel in Passau

Georg: Die Orgel fasziniert mich, dazu die Musik und die Literatur. Sie ist ein Ausgleich zu meiner Arbeit. Weißt du, wie schön das ist, wenn man Orgel spielt, dazu singen 200 Menschen. Das sind einfach erhebende Gefühle.

Zartbitter: Was ist das Besondere an einer Orgel?

Georg: Schon Mozart sagte: „Es ist der  (!) König der Instrumente.“ Die Vielfalt des Klangs, das geht von den leisen, zarten Tönen bis zur feierlichen, erhabenen, prunkvollen Musik. Ich liebe die Kompositionen aus dem 15 Jahrhundert genauso wir die des 20. Jahrhunderts. Aber der größte Komponist bleibt für mich Johann Sebastian Bach. Am Anfang ist der Zugang zur Orgelmusik schwierig, aber dann! Dann kann es zur Sucht werden. Ich habe Hunderte CDs, Berge von Noten, ohne sie je alle spielen zu können. Ich bin vom Orgelvirus befallen. In jeder Stadt führt mein erster Weg in die Kirche, um die Orgel zu sehen.

Zartbitter: Woher kommt eigentlich die Orgel?

georg 3Georg: Ursprünglich war sie ein Zirkusinstrument im alten Rom. Damals hatte sie die Größe einer Drehorgel. Über die Karolinger ist sie dann ins Deutsche Reich gekommen. Die Entwicklung der Orgelmusik und des Orgelbaus hat sich gegenseitig hochgeschaukelt. In den USA gibt es eine Orgel mit mehr als 300 Registern und 8 Klaviaturen. Aber wir Menschen haben nur zwei Hände. Diese Orgel kann man nicht spielen.

Zartbitter: Was ist dein größter Traum als Organist?

Georg: Ich habe da mehrere Träume. Einmal auf der Orgel in Sankt Sulpice in Paris zu spielen, das ist die aus Dan Browns „Da Vinci Code“. Und einfach Organist auf einer tollen Orgel zu sein. Was mir eine große Freude wäre, den Bau einer Orgel begleiten zu dürfen. Ich bin sehr dankbar, wenn die Menschen beim Sonntagsgottesdienst bis zum letzten Takt des Auszugsliedes warten, manchmal applaudieren sie auch. Ja und ich möchte nicht durch eine CD ersetzt werden.

Zartbitter: Danke Georg und weiterhin viele schöne Momente beim Orgelspielen.

Info: Georg könnt ihr jeden Samstag um 19 Uhr und jeden Sonntag um 9 Uhr beim Gottesdienst in der Pfarre Ebenau hören und manchmal spielt er auch in der Franziskanerkirche.

Berta 1Berta Wagner, 48 Jahre, gelernte Bürokauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist leidenschaftliche Sängerin beim Salzburger Volksliedchor

Zartbitter: Berta, du singst für dein Leben gern im Chor. Wie ist es dazu gekommen?

Berta: Mit 5 Jahren habe ich mein erstes Instrument, eine Melodika, gelernt, dann Klavier und Kirchenorgel. So bin ich dann zur Kirchenmusik gekommen. Ich habe dann im Kirchenmusikverein in Schwanenstadt gesungen. Als ich dann nach Salzburg übersiedelt bin, habe ich einen Chor gesucht und bin beim Salzburger Volksliedchor gelandet.

Zartbitter: Was macht das Singen im Chor so besonders?

Berta: Es ist die Gemeinschaft. Die Mitglieder sind aus verschiedensten Kulturen. Die Vielfalt der Sängerinnen, Sänger und der Lieder spricht mich an.

Zartbitter: Was macht das Singen mit dir als Person?

Berta: Es ist Entspannung, Freude, Emotion. Und es sind die Freundschaften und das musikalische Erleben.

Zartbitter: Hast du einen Lieblingssong?

Berta: Ja, von Dietrich Bonhoeffer das Lied „Von guten Mächten“. Das Umfeld, in dem der Text entstanden ist, ist sehr aussagekräftig und passt auch in unsere Zeit.

Zartbitter: Wird heute eigentlich zu wenig gesungen?

Berta: Ja, weil in den Familien nicht mehr gesungen wird. Die Kinder lernen es nicht mehr, obwohl sie es brauchen würden. Der Zugang zum Singen fehlt. Ich wünsche mir, dass das Singen täglicher Bestandteil des Unterrichts ist.

Zartbitter: Hörst du auch Popmusik?

Berta: Natürlich von Elton John bis Heavy Metal. Ich bin in jeder Musikrichtung zu Hause, aber besonders in der Klassik, damit bin ich aufgewachsen.

Zartbitter: Danke Berta. Wir wünschen dir noch viel Freude beim Singen und dass sich deine Begeisterung auf andere überträgt.

Mehr über den Chor hier:  http://www.salzburgervolksliedchor.at/

Und unter diesem Link findet ihr Bertas Lieblingslied, gesungen vom Salzburger Volksliedchor: http://www.salzburgervolksliedchor.at/jubilaeums-cd/

Sofa

Heimkino: Zusammenrücken und Filme genießen

Heimkino. Unter diesem Titel trifft sich hier in Salzburg eine Gruppe von 15 bis 20 Leuten einmal im Monat zum gemeinsamen Filmschauen. Ich kann das nur zur Nachahmung empfehlen.

Der Zirkel der Geladenen beim Heimkino ist recht exklusiv. Ich bin ganz stolz, dass ich mit dabei sein darf. Das heißt: Druck. Ich will ja nicht gleich wieder ausgeladen werden.
Schon beim ersten Mal war ich denkbar knapp dran. Haus nicht gleich gefunden … peinlich. Heute hetze ich eine Viertelstunde zu spät hin, mit einem halb sitzengebliebenen Joghurt-Zitronen-Gugelhupf unterm Arm. Ich hatte das Gefühl, ich sollte was mitbringen. Auch wenn die Initiatorin, die mich auch eingeladen hat, eine Kundin von mir ist, so ist das Ganze doch recht privat. (Und nebenbei: Sitzengeblieben oder nicht – das Backwerk wurde nicht nur höflichkeitshalber gelobt, sondern auch vollständig verputzt).

Aber zurück zum Filmabend. Unsere Location ist ein Künstleratelier. Zugegeben, nicht jeder verfügt über so etwas. Aber mit einem mittelgroßen Wohnzimmer und etwas Willen zum etwas engeren Auffädeln auf Sofas und Auf-dem-Boden-Sitzen (Kissen drunter und passt schon) kann man das auch zu Hause organisieren. Wer einen Beamer oder großen Fernseher besitzt, sollte diesen sowieso seinen Freunden und Bekannten stolz vorführen wollen. In den 80er Jahren gab‘s bei uns in Salzburg Kinos mit kleinerer Leinwand als das, was man da heute so im Wohnzimmer als Fernseher stehen hat.

Also, Beamer und Lautsprecher stehen am Freitagabend im Atelier bereit, projiziert wird auf eine große, weiße Wand. Die ausgewählten Filme sind alt, da spielt es keine Rolle, dass die Wand nicht die Schärfe einer Leinwand bringt. Beim ersten Treffen gab es Vive la Vie von Claude Lelouche aus dem Jahr 1984 und heute war es Vertigo von Alfred Hitchcock aus 1958. Hochauflösend war weder in den 80ern noch in den 50ern eine relevante Kategorie. Genauso wenig wie Dolby 9.1.

gwtw

Vielleicht auch mal dieser Klassiker

Alte Filme als Programm? Ist doch fad. Nein, ganz im Gegenteil. Interessant ist, dass man in so einer Runde Filme recht konzentriert und interessiert anschaut, bei denen man alleine vorm Fernseher nach spätestens 20 Minuten wegzappen würde. Vive la Vie ist sehr statisch und heute etwas seltsam zu schauen. Typisch französischer 80er Jahre Film – besser kann ich das momentan nicht erklären. Der Kalte Krieg war frostig wie eh und je und es ging eine Angst vor einem Atomkrieg um die Welt. Der Film hatte hierzu eine Friedensbotschaft – oder so schien es zuerst. Verschiedenste Ebenen wurden dann gegen Ende des Films nach und nach freigelegt und die Geschichte wurde dann doch verstörend. Ganz clever konstruiert; vielleicht wollte er aber letztendlich ein bissl zu clever sein.

Vertigo hingegen ist ein Klassiker. Aber als Film ist er schon sehr weit von heutigen Sehgewohnheiten entfernt. Vieles wirkt schwerfällig und bei den schmalzigen Kuss-Szenen mit mal aufbrausendem, mal triefendem Geigensound fängt fast die ganze Runde zu prusten an. Die Reaktion ist erfrischend und stört niemanden. Wer kichert schon alleine vorm Fernseher vor sich hin, wenn alte Filme für heutige Begriffe unfreiwillig komisch werden? Aber sonst ist eines klar: Klappe halten. Diskutiert und kommentiert wird nach dem Film.

Und das hört sich dann so an: „Die Kim Novak ist doch heute schon recht alt und mit einem adoptierten Schaumburg-Lippe zusammen. Echt? Aber nicht von dem Zweig, der auch in Salzburg wohnt, oder? Haben die nicht jedes Jahr einen ganz tollen Flohmarktverkauf? Ja genau.“ Da muss ich dann schmunzeln, dass hier in dieser Runde, wo sich Bildung und Intellekt nur so stapeln, auch solche Klatsch-Gespräche stattfinden. Es wird dann aber schon noch auch über den Film selbst geredet. Einzelne Szenen, Hintergrundgeschichten, Bedeutungen … und die komisch-schmalzigen Kuss-Szenen. Wie oft macht man das sonst? Mit dem eigenen Partner oder der Familie nach dem Abendfilm? Eher nicht. Da heißt es höchstens: Heute war aber den ganzen Abend wieder überhaupt nix Gescheites im Fernsehen. Unsere Filmvorschläge für die nächsten, monatlichen Filmabende würden reichen, um das Programm bis 2018 abzudecken.

Kuchen 1

Ich kann nur empfehlen, dass mehr Leute solche Runden bilden. Man lernt Leute kennen, schaut Filme, die man sonst nicht sehen würde – entweder weil sie älter oder nicht gerade Blockbuster-Filme sind. Anschließend ergeben sich echt interessante und lustige Gespräche über den Film samt eingestreutem Promi-Klatsch. Und es wird auch der sitzengebliebene Kuchen gelobt. Selbst habe ich mich mehr an den Dipps der anderen schadlos gehalten.

Es war wieder ein gelungener Abend und ich freu mich auf den nächsten im Mai. Da gibt es dann City of God zu sehen.

 

Vor kurzem hab ich einen wunderbaren Film gesehen, über den ich unbedingt berichten möchte. So einen Film sieht man nämlich nicht alle Tage. Und das sollte man vielleicht auch gar nicht. Denn, wenn man Filme wie diesen nur alle Nasen lang sieht, behalten sie ihren märchenhaften Zauber. Wes Anderson macht alle Nasen lang so einen Film. Großartig.

hotelThe Grand Budapest Hotel ist von den Novellen und Romanen Stefan Zweigs inspiriert. Das ist ungewöhnlich. Nämlich auch deswegen, weil Wes Anderson sich nicht einer bestimmten Geschichte des österreichischen Autors bedient. Es ist zwar lange her, seit ich zuletzt einen Roman von Stefan Zweig gelesen habe – in der Schulzeit, also seeehr, seeehr lange – aber ich habe trotzdem das Gefühl, er wäre mit der Hommage des amerikanischen Regisseurs zufrieden gewesen. Zugegebenermaßen dachte im beim Zuschauen sogar ein wenig mehr an einen anderen berühmten österreichischen Autor: Alexander Lernet-Holenia.

Im fiktiven Land Zubrovka, in fiktionalen 1930er Jahren, steht das Grand Budapest Hotel wie ein absurd riesiger, unförmiger Art-Deco-Klotz in Zuckerlrosa auf einem Berg. Es haftet ihm der Glanz imperialer Zeiten an. Das Hotel ist mit einer Zahnradbahn zu erreichen, die auf abenteuerlich steilen Schienen den fast vertikalen Felsen hochfährt. Der Besitzer des Hotels ist unbekannt, aber einer hat die absolute Kontrolle über alles, was in der luxuriösen Herberge geschieht: der köstliche Monsieur Gustave [Ralf Fiennes], seines Zeichens Concierge des Hauses. Er ist Herr über alle Mitarbeiter und behandelt sie streng. Beim Mittagessen belehrt er sie von einem Rednerpult aus. Jede berufliche Verfehlung der Hotelangestellten prangert er an, als wäre diese ein Verrat an ihm höchstpersönlich. Danach liest er den eben noch gescholtenen Mitarbeitern Liebes-Lyrik vor – während diese gierig und ohne zuzuhören ihr Essen hinunterschlingen. Den Pagen behandelt er einerseits wie seinen persönlichen Lakaien, andererseits betrachtet er ihn als seinen Protegé. Die Gäste lieben Monsieur Gustave, besonders die weiblichen. Alle Damen von hohem Stand und (Geld-)Adel sind ihm verfallen, beglückt er sie doch bis ins hohe Alter mit Diensten, die nicht seiner Stellenbeschreibung entsprechen dürften. Als eine der Damen [Tilda Swinton] stirbt, vermacht sie ihm ein Bild von unschätzbarem Wert – zum großen Missfallen ihrer hässlichen Töchter und sinistren Söhne. Kurz darauf wird Monsieur Gustave des Mordes an der alten Dame verhaftet.

stefan zweigDer ganze Film dreht sich um Monsieur Gustave. Er ist eine schillernde Figur, die fasziniert. Anfangs nur ein etwas aufgeblasener, parfümierter, leicht schmieriger Charmeur, bietet er den Schergen des neuen, strengen Militärregimes, dessen ZZ Flaggen bald das ganze Hotel zieren sollen, mit Vehemenz die Stirn, um seinen Pagen, einen Kriegsflüchtling aus einem arabischen (Fantasie-)Land, tapfer zu beschützen. Auch als er dafür harte Schläge einstecken muss, gibt er nicht nach. Mir blieb vor Überraschung darüber der Mund offen stehen.

Monsieur Gustave ist ein Charakter, der selbst in diesen, hier natürlich nicht akkurat gezeigten, 30er Jahren als ein Anachronismus gelten musste, ist er doch die Verkörperung der Diszipliniertheit eines k. u. k.-Offiziers des 19. Jahrhunderts. Ich hatte beim Zuschauen ein richtiggehend schlechtes Gewissen, als mir bewusst wurde, dass ich ihn wegen seiner Beziehungen zu den reichen Damen zu rasch als unmoralisch, opportunistisch und wegen seines Verhaltens gegenüber den Hotelangestellten als selbstgefällig schubladisiert hatte. Er belohnt die bedingungslose Hingabe, die er anderen abverlangt, indem er die seine dafür anbietet. Außerdem merkt man im Laufe des Films, dass seine Liebe zur Lyrik echt und tief empfunden ist und dass sie nicht nur dazu dient, die ihm unterstellten Mitarbeiter zu quälen. Er ist ein grenzenloser Romantiker, der obendrein mit einem an Naivität grenzendem Optimismus davon überzeugt ist, dass am Ende das Gute und Gerechte sich durchsetzt. Und weil Monsieur Gustave sich obendrein noch als Abenteurer und Draufgänger herausstellt, bietet der Film sogar noch richtige Action: samt Gefängnisausbruch und James Bond-würdiger Verfolgungsjagd den tiefwinterlichen Berghang hinunter. Sein Page und er stehen sich dabei stets treu zur Seite. Ebenso wie die Verlobte des Pagen, eine junge mutige Patisseurin, deren Backkunst und Anstellung bei der Konditorei Demel – Entschuldigung, Mendl (Die Ähnlichkeiten, die man in so vielen Details erkennt!) – mehr als nur einmal hilfreich ist, bis hin zum großen Showdown.

Der Ausstatter, der Kostümbildner und der Perückenmacher durften sich bei dem Film völlig wegschmeissen und haben ihn zum wahren Augenschmaus gemacht. In Verbindung mit der oft Monty-Phython-esken Tricktechnik ist auch immer klar, dass nichts davon allzu ernst gemeint ist. Ebenso ein Augenschmaus: Die Besetzung. All die großen Namen mussten wohl Schlange gestanden haben, um mitspielen zu dürfen. Wes Anderson hat anscheinend Woody Allen im Status bereits überrundet. Neben Ralph Fiennes sind auch noch Tilda Swinton, Jude Law, Adrien Brody, Bill Murray, Edward Norton, Owen Wilson, Saoirse Ronan, Jeff Goldblum, Harvey Keitel und auch der österreichische Schauspieler Karl Markovics zu sehen. Sie alle spielen mit sichtbar großer Lust und Gaudi an der Sache.

Die operettenhafte Farce macht nicht nur den Mitwirkenden Spaß. Ich habe mich als Zuschauer mehr als bereitwillig auf die naive (im besten Sinne des Wortes) Geschichte mit ihren schwarz-weiß gezeichneten Charakteren eingelassen. Jeder Dialog und jedes Bild waren ein Genuss. So wie die pickig-süß glasierten Kunstwerke des Konditors Mendl.

Meine Bewertung auf IMDB: 9 Sterne

Weil dieser Film ein seltener Glücksfall ist. Und beim zweiten Mal ansehen könnte es sein, dass ich sogar noch einen Stern drauflege.

Neugierig darauf? Hier ist der Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=2bTbW70umbQ

Und hier der Trailer auf Deutsch:

http://www.youtube.com/watch?v=QhmnNBkS_C8

vielfalt 2Man kann zu Facebook und Co stehen wie man will, aber da kommt manch Gutes raus. Rochus Gratzfeld hat vor einiger eine Facebook-Gruppe gegründet, die sich mit Multi-Kulti auseinandersetzt. Aber es blieb nicht beim Kontakt im Cyberspace. Es gab schon Treffen der Mitglieder und dann die Idee von Rochus: „Machen wir ein Multikulti-Lesebuch“. Er hat alle eingeladen ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Er hat den Tandem Verlag gewonnen das Buch zu verlegen und jetzt ist es da. Es ist eine bunte Mischung an AutorInnen und Inhalten. Es geht um Heimat, Asyl, Sprache Religion und Politik. Es ist ein buntes Mosaik an Erinnerungen, Gedanken, Erlebnissen und Analysen. Ein Lesebuch, das anregt der Multi-Kulti Gesellschaft angstfrei und vorurteilsbewusst zu begegnen. Danke Rochus, dass du es uns ermöglicht hast unsere Betrachtungen zu Multi-Kulti aufzuzeigen. Lesenswert!

Und hier geht’s zum Buch:

http://www.edition-tandem.at/index.php/buecher/sachbuecher/206-vielfalt-bereicherung-oder-bedrohung-ein-multi-kulti-lesebuch

wall streetSchon in den ersten zwei Minuten stellt die Hauptfigur dem Publikum vor, wie sein Leben so aussieht: Er besitzt alles, was man besitzen kann – vom riesigen Anwesen über eine Yacht bis zum Luxusgeschöpf von Ehefrau. Aber es hat auch alles seine schmuddelige Seite, denn er säuft wie ein Loch, kokst immer und überall und kauft sich täglich Sex. Total zugedröhnt setzt er seinen (eigenen) Hubschrauber recht unsanft aus fünf Metern Höhe am Boden auf.

The Wolf of Wall Street beschreibt den Aufstieg eines jungen Mannes [Leonardo DiCaprio] aus kleinen Verhältnissen zu einer berühmt-berüchtigten Persönlichkeit an der Wall Street. Er besitzt ein Überzeugungstalent, mit dem er alles verkaufen kann. Dabei beginnt seine Karriere gar nicht vielversprechend. Seinen Job als zugelassener Börsenmakler tritt er ausgerechnet am 19. Oktober 1987 an. Wegen des gewaltigen Börsencrashs ist dieser Tag als der Schwarze Montag bekannt. Der junge Mann, Jordan Belfort, verliert gleich wieder seinen Job und muss sich daraufhin damit begnügen, abseits der Wall Street sogenannte Penny Stocks zu verkaufen. Die Preise dieser Schrottaktien liegen bei wenigen Cents, aber bei Provisionen von satten 50 Prozent muss man nur ausreichend umsetzen. Dann füllen sich die Taschen des Maklers trotzdem gut. Und so bringen diese Geschäfte Jordan 70.000 Dollar im Monat ein. Wenn kümmert’s, dass er seinen Kunden Dreck verkauft. Aber Jordan will mehr und gründet seine eigene Firma. Er schart eine Gruppe Leute um sich – keine Leuchten, aber sie sind geil auf Geld und können verkaufen. Die Firma ist erfolgreich und wächst. Nach richtig guten Tagen tanzt eine Parade von Blasmusikern (halbnackt), Huren (ganz nackt) und kleinwüchsigen Menschen (in Wurfzwerg-Berufskleidung: Overalls und Sturzhelm) durch das ganze Büro. Es wird viel getrunken, gebumst und gekokst – mitten im Büro und eigentlich den ganzen Tag über. Freilich sind auch die Geschäfte nicht durchwegs legal und das FBI wird bald auf die dubiosen Makler aufmerksam.

Diese Geschichte wurde von Martin Scorsese als recht schmissige Satire inszeniert und Leonardo DiCaprio spielt hervorragend den lpMafiaboss Jordan Belfort. Hab ich da eben Mafiaboss geschrieben? Er ist natürlich Börsenmakler. Trotzdem habe ich den ganzen Film über einen Film-Mafiaboss vor mir gesehen – mit allem dazugehörigen Gestus, Habitus und Lebensstil. Die Figur des Jordan Belfort könnte direkt aus etlichen anderen Scorsese-Filmen stammen. Und das ist nicht das Einzige, das mir bekannt vorkam. Auch die Geschichte vom Aufstieg eines Mannes, der seine Bodenhaftung völlig verliert, sich als unverwundbar einschätzt und daher sehr tief fällt nimmt seinen ganz konventionellen Verlauf. Bei so viel Lob und so vielen Nominierungen für alle möglichen Preise hatte ich mich auf Originelleres eingestellt. Es geht zwar ganz amüsant dahin, manchmal sogar recht schräg und aberwitzig, trotzdem ist The Wolf of Wall Street nicht so richtig kurzweilig, dass man ihm die Überlänge nicht anmerkt – immerhin 2 Stunden 59 Minuten, wenn man es ganz genau nimmt. Zu sehr geht es ständig um Drogen-, Alkohol- und Sex-Exzesse und um Männer, für die Geld Macht bedeutet, und dort wo noch mehr Machtdemonstration nötig ist, wedeln sie nicht nur mit ihrem Geld herum, sondern mit dem, was sie in der Hose haben (oft nur verbal – typisch). Das wird ein bisschen anstrengend, wenn man nicht gerade eine besondere Vorliebe für Vulgarität hat.

Übrigens, The Wolf of Wall Street beruht auf einer wahren Geschichte. Jordan Belfort verbrachte wegen Betrugs und Geldwäscherei vier Jahre im Gefängnis. Er hat Anleger um viel Geld gebracht und muss insgesamt 110 Millionen Dollar Schadenersatz leisten. Selbst als hochbezahlter Motivationstrainer und Buchautor wird er die Summe noch eine Weile abstottern müssen. Die Filmrechte haben ihm jedenfalls einiges eingebracht. Ich frage mich: Ist er auch an den Einspielergebnissen beteiligt? Wenn ja, dann hier mein Aufruf: Helft den Opfern Jordan Belforts und kauft euch alle ein Kinoticket für diesen Film! Dann kann sich auch jeder selbst ein Bild darüber machen und darf mir widersprechen.

Meine Bewertung auf IMDB: 7 Punkte

Tolle Bilder, tolle Ausstattung, tolle Schauspieler, aber die Story bringt nichts Neues. Ich hätte mich gerne überraschen lassen. Richtig sehenswert ist aber der Cameo-Auftritt von Matthew McConaughey, der erklärt, worum es an der Wall Street wirklich geht: Keiner weiß, wie die Kurse sich entwickeln, Makler am allerwenigsten. Deren Ziel ist es nur, die Kunden ordentlich zu schröpfen und das Geld in Form von Provisionen in ihre eigenen Taschen zu stopfen. Alles andere ist reine Chimäre.