von Ayad Salim

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Ich konnte es nicht glauben, als ich die Grenze meiner Heimat, Irak, überquerte und die Türkei betrat. Es war Ende August 2014. Das waren meine ersten Schritte in eine unsichere Zukunft. Was mich antrieb, war nur ein kleines Licht der Hoffnung. Aber, was mich am meisten schmerzte, waren die Sorgen und die Belastung, die Erinnerungen und das Leid in meiner Heimat. Meine erste Frau, die Mutter meiner drei Kinder, ließ sich 2010 von mir scheiden. Sie konnte die Gefahren meines Berufs nicht mehr ertragen. Ich bin nicht mehr bei meinen Kindern und ich werde nicht miterleben, wie sie aufwachsen. Ich werde Ihnen nichts von dem mit auf den Weg geben können, was ich selbst über das Leben gelernt habe.

Der schwierigste Moment meines Lebens war, als ich meiner Familie eröffnete, dass ich das Land verlasse. Ich konnte es ihnen nicht früher sagen – aus Angst vor Verfolgung. Auch meine neue Frau, die mich verstand und liebte, hatte keine Ahnung. Sie kam nicht mit, weil sie ihre einzige Tochter nicht alleine zurücklassen wollte. Und so nahmen wir Abschied voneinander. Es ist sehr schwierig, diese Belastungen zu tragen – und all die Abschiedstränen. Es war nicht leicht, eine lange Geschichte und das, was ich trotz widriger Umstände erreicht hatte, zurückzulassen.

Ich wanderte in den Straßen der Türkei und kannte niemanden. Ich sah die Straßen, die Lichter, die Gebäude und Leute an. Manchmal lächelte ich, weil ich auf eine bessere Zukunft hoffte. Andere Male lamentierte ich, weil ich nicht wusste, was mich erwartete. Nach stundenlangem Wandern hatte ich nichts als einige Namen und Adressen von Hotels, die mir Freunde gegeben hatten. Ich musste die Nacht irgendwo verbringen und meine Verwandten, die in einer anderen Provinz lebten, kontaktieren, mich organisieren und herausfinden, wie ich zu ihnen komme. Ich fand eine billige Bleibe und verstaute meine Sachen in einem kleinen Zimmer für eine Person. Ich setzte mich hin, um mich zu erholen. Aber wovon erholte ich mich? Ich weiß es nicht. Von der Müdigkeit? Von den Sorgen? Oder von dem, das als Nächstes kommt?

Ich blieb ungefähr anderthalb Stunden im Badezimmer unter der Dusche, wo ich nachdachte und träumte. Dann lag ich auf meinem Bett und starrte an die Decke und malte mir aus, was ich in den nächsten Tagen erreichen wollte. Ich versuchte, negative Bilder zu verdrängen, bis ich erschöpft war. Trotzdem wälzte ich mich nur im Bett herum. Ich weiß nicht, wann ich einschlief. Die Minuten vergingen sehr langsam in den schlaflosen Stunden und meine Träume schienen so lange zu sein, als ich endlich schlief. Ich weiß noch nicht, ob es ein schöner Traum oder ein Alptraum wird.
Fortsetzung folgt …

Why Austria … Episode 2
I couldn’t believe it when I crossed the borders of my country Iraq and entered Turkey. It was the end of August 2014. These were my first steps into an uncertain future. What kept me going was a small flame of hope, but what hurt me were the worries and burdens, memories and suffering in my country. I had worked long and hard to become a well-known journalist and to raise a family. My first wife, the mother of my three children, and I separated in 2010, because she couldn’t bear the dangers of my career. My children are not with me; I can’t see them grow up before my eyes and teach them life lessons I have learned.
The most difficult moment was when I told my family I was leaving. I couldn’t tell them beforehand for fear of prosecution, so they only found out just before I left. Even my new wife, who was a friend and sweetheart, did not know about it. She didn’t come with me, because she was afraid to leave her only daughter alone, and so we parted. It is very difficult to carry all these burdens and all the farewell tears. So hard leaving behind a long past and achievements, despite the odds.
I walked in the streets of Turkey and didn’t know anyone. I looked at the streets, lights, buildings and people. I smiled at times, because I hoped for a better future, but also lamented at other times because I didn’t know what lay ahead. After hours of walking around, I knew no more than the names and addresses of some hotels given to me by friends. I had to spend the night somewhere and contact my relatives in another province in order to arrange my situation and get details on how to find them. I found a cheap place to stay and put my stuff in a very small room for one person. I sat down to recover. But to recover from what? I do not know. Because I was tired? Or from worries? Or from what would happen next?
I stayed in the bathroom for almost an hour and a half, thinking and dreaming under the shower. Then I lay on my bed looking at the ceiling and visualising what I wanted to realise in the days to come, and trying to utterly blot out negative images until I was exhausted yet only able to toss and turn in bed. I don’t know when I fell asleep. The minutes seemed too long during those sleepless hours, and my dreams seemed too long when I finally slept. I don’t know whether I will achieve a nice dream or whether it will turn into a nightmare.
To be continued …

لماذا النمسا .. الحلقة الثانية
لم اصدق اني عبرت العراق بلدي ووصلت الى تركيا في اواخر شهر آب من عام 2014. اولى خطواتي نحو مستقبل مجهول لا احمل في طريقه سوى شعلة من الامل. لكن ما كان يؤلمني هو اثقال الهموم والذكريات والمعاناة في بلدي. عمرٌ ليس بالقصير وجهد ليس باليسيرفي بناء اسمي الصحفي وتكوين عائلتي. زوجتي ام اطفالي انفصلت عني لانها لم تتحمل معي اخطار مهنتي. اولادي ليسوا معي لكي اراهم وهم يكبرون امامي واعلمهم دروس الحياة التي مررت بها.
اصعب اللحظات وانا اقول لاهلي اني راحل الان. لم يعلموا برحيلي الا عندما غادرت البلاد. لم اكن استطيع اخبارهم قبل ذلك خوفا من الملاحقة. حتى زوجتي الثانية التي كانت صديقة وحبيبة لم تعلم باني مسافر. لم تاتي معي لانها تخاف على ابنتها الوحيدة ان تبقى لوحدها ولهذا افترقنا. صعب جدا ان تحمل كل هذه الاعباء وكل دموع الوداع دون ان تذرفها. صعب ان تجر معك ماض طويل وانجازات رغم الصعاب.
مشيت في شوارع تركيا لا اعرف احدا. انظر الى الشوارع والانارة والبنايات والناس. ابتسم تارة لاني آمل بمستقبل افضل واتحسر تارة اخرى لاني لا اعرف ماذا سيحصل. ساعات اتجول لا اعرف سوى عناوين اعطاها لي بعض الاصدقاء لاسماء فنادق. لابد ان اقضي الليلة في مكان ما حتى اتصل باقرباء لي في محافظة اخرى من اجل ترتيب الاوضاع. وجدت مكانا رخيصا ووضعت اغراضي في غرفة صغيرة جدا لشخص واحد. جلست استريح لكن لااعرف مما استريح، هل من التعب؟ ام من الهموم؟ ام من الذي سيحصل بعد ذلك؟
اتصلت بمن اعرفهم في تركيا. عرفوا اني وصلت وبدؤا بوضع خطة من اجل الوصول اليهم. بقيت حوالي ساعة ونصف تقريبا تحت ماء الدوش بين التفكير وبين الهدوء وبين الحلم. بعدها، استلقيت على فراشي انظر الى السقف وارسم صورا اريد ان تتحقق في ايامي القادمة، واحاول ان امحو صورا لطالما ارقتني واتعبتني ولا اريدها ان تتكرر. لا اعلم متى نمت لكنها كانت ليلة طويلة في دقائق التفكير وطويلة في دقائق النوم من اجل حلم لا اعرف هل سيتحقق ام سيتحول الى كابوس.
الى اللقاء في الحلقة المقبلة .. لتكملة القصة

1 Antwort
  1. helene Sonntagbauer sagte:

    Ich finde es in der gegewärtigen Situation ganz besonders wichtig, dass Flüchtlnge ihre Geschichte erzählen, in allen Einzelheiten. Verständnis, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft können erst wachsen, wenn wir mehr über die Menschen wissen, die zu uns kommen. Ayad Salims Texte leisten genau das!

    Antworten

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