Lehramt – ein Blick über die Grenzen

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Im Laufe meiner Dienstzeiten unterrichtete ich an einem brasilianisch- schweizer College in Sao Paulo auf der Stufe colégial ( mit Abschluss mit Bachelor-Titel ). Gleichzeitig war sie eine International School.Flagge Brasilien

Diese Einrichtung hatte eine gemeinsame Schule vom Kindergarten bis zur 12. Schulstufe mit verschränkter Ganztagsschule zu bieten. Die einzige Unterscheidung fand dadurch statt, dass es im Deutsch- und Englischunterricht unterschiedlich zu erreichende Sprachniveaus gab.

Die LehrerInnen der Sekundarstufe I hatten etwa dieselbe Ausbildung wie bei uns in Österreich bisher Lehrer der NMS, für die Stufe colégial brauchte man ein abgeschlossenes Universitätsstudium sowie kontinuierlich durch die brasilianische Schulbehörde vorgeschriebene fachliche und methodische Weiterbildungen. Das Niveau war in Deutsch und Englisch  sehr hoch, Bachelors schlossen mit Kompetenzniveau C und alle anderen mit B- Level ab. Es war vom Lehrenden ein differenzierter Unterricht vorzubereiten und zu halten, der sich auch bei der Matura und der brasilianischen formatura zu Buche schlug.

Die Schüler wechselten problemlos danach auf die staatliche Universität mit einem sehr strengen Auswahlverfahren, viele von ihnen kamen in amerikanischen Universitäten, ja sogar Stanford und Harvard unter.

Da gerade der Zeitpunkt ist, an dem sich die neue Lehrerbildung von PH und Universität mit Inhalten füllen sollte, sich neue Kooperationen der beiden Bildungseinrichtungen herausbilden, finde ich es nicht schlecht, das Konzept des Stufenlehrers mit der Möglichkeit der Wissensvertiefung und Spezialisierung bis hin zur wissenschaftlichen Befähigung nicht ganz fallenzulassen.brita

Vieles kann Hand in Hand gehen, vor allem bei der Ausbildung zum Bachelor. Da wird man wahrscheinlich gut daran tun, Didaktik, Sozialpädagogik und Fachwissen sich die Waage halten zu lassen. Das Masterstudium, das alle absolvieren müssen, sollte speziell auf die Schulstufen, für die ein Lehrer/ eine Lehrerin vorbereitet wird, eingehen. Es ist immens wichtig, Kenntnisse über Projektunterricht, Offenes Lernen, alternative Formen der Wissensvermittlung zu erlangen, wobei immer zu berücksichtigen ist, dass sich auch hier in der Pädagogik in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Weiterentwicklungen ergeben werden, die in der Lehrerfortbildung vermittelt werden müssen.

Genauso wichtig ist es, einen Stock an Fachkräften zu haben, die ein gutes Maturaniveau mit ihren SchülerInnen erreichen, ihnen z.B. bei der vorwissenschaftlichen Arbeit helfen können, weil sie selbst wissenschaftlich arbeiten können.

Durch die Zentralmatura werden natürlich andere Maßstäbe angelegt werden als die bisher bekannten: Von außen werden Kenntnisse eingefordert, auf die Pädagogen und SchülerInnen hinarbeiten. Ich kenne das vom Konzept der International Schools, dort wird ebenfalls für den Abschluss der Kanon und die Prüfung von außen vorgegeben. Trotzdem gibt es Bereiche, in denen nicht alles vorgegeben werden kann und auch z.B. bei mündlichen Prüfungen auf die Individualität der Kandidaten eingegangen wird (Ich denke hierbei im Sprachbereich daran, dass es über die Jahre kaum ohne eine individuelle Leseliste aus der Weltliteratur gehen kann.) Hier ist der Lehrer/ die Lehrerin weiterhin mit der ganzen Fachkompetenz gefragt, um zu fördern und zu lenken. Es ist auch durchaus nicht weniger Fachwissen vonnöten, wenn man als Lehrender mit den SchülerInnen im gleichen Boot sitzt, denn, man gestatte mir den Vergleich, der Kapitän sollte die Nautik  in bekannten wie unbekannten Gewässern sehr wohl beherrschen.

Mit großem Interesse sehe ich der Weiterentwicklung der Lehrerausbildung und Fortbildung entgegen, wie sie nun zwischen PHs und Universitäten, wie mir bekannt ist, durchaus nicht in allen Bundesländern gleich, abgesprochen werden wird.

Was mir in Österreich derzeit Sorge bereitet, ist bisher das Fehlen von Muster-Curricula, die man begutachten könnte.

Was mir fraglich erscheint, ist, wie man ein Mehr an Curriculum in eine kürzere Studienzeit unterbringen will. Ich sehe auch realistischerweise eine Belastung auf das Schulsystem insgesamt zukommen, wenn eine ganze neue Lehrergeneration ihre Ausbildung während und neben der Arbeitszeit fertigzustellen beginnt. Es wird in wenigen Jahren zu einer zeitlichen Überschneidung mit der bereits beginnenden Pensionierungswelle der 60- bis 65 Jährigen kommen. Wer springt für die jungen LehrerInnen ein, die neben dem Studium arbeiten sollen?

Das Stufenlehrersystem hätte den Vorteil, dass es keine zeitliche Begrenzung gäbe, um sich weiterzubilden. Es hätte den Vorteil, keine Drop- Outs zu schaffen. Es lässt die Möglichkeit zur Orientierung des einzelnen offen, wie viel er sich zumuten möchte. Und ich glaube nicht dass dadurch 2 Klassen von LehrerInnen entstehen. Ich habe selbst erlebt, wie friktionsfrei der Alltag abläuft, wenn alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um weiterzukommen, aber kein Druck vorhanden ist, entweder zu entsprechen oder das Ziel zu verfehlen.

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