Stell dir vor du steckst in einem Fass. Zwischen Deckel und dir ist noch eine Schicht Oregano, um dich vor der Entdeckung zu schützen. Du steckst in dem Fass und weißt nur eins, du willst wieder lebendig raus – du willst überleben – du bist auf der Flucht.

Oh Land der Berge, Land am Strome. Oh Land, in dem es keine Türken gibt.

Bei uns da gibt es nur die Dome, denn der Halbmond, der ist nicht beliebt.

aus2

vlnr: Erwin Holleis, Nuray Isik, Monika Petschenig, Stefan Buchner

Mit dieser neuen österreichischen Bundeshymne, die wieder befreit ist von den Töchtern, startet „Auswandertag“. Eine Familie ist auf der Flucht aus dem diktatorischen Österreich in die sichere und reiche Türkei. Mama Chiara, Papa Fabian und die Kinder Maximilian und Valentina schaffen es mit Hilfe von Schleppern Österreich zu verlassen. Aber es nimmt kein gutes Ende. So wie viele hunderte andere Fluchtgeschichten auch – täglich!

Regisseur Claus Tröger und seinem Team Friederike Bernau und Rolande Eibl gelingt es in 70 Minuten eine Flucht mit all ihren Absurditäten und Notwendigkeiten auf die Bühne zu bringen. Eigentlich ist Papa Fabian ja ein Wirtschaftsflüchtling, aber seine verzweifelten Handlungen machen ihn gleichzeitig zum politisch Verfolgten. Mama Chiara erkennt, dass religiöse Heilsversprechen ihr Leben nicht wieder in Ordnung bringen. Und die Kinder nehmen das Heft in die Hand, organisieren die Flucht, Tochter Valentina prostituiert sich, um genügend Geld für die Schlepper zu haben. Flucht heißt Überleben wollen, das ist auch auf der Bühne zu spüren. Aber der Tod ist ständiger Begleiter, trifft auch die Familie.

Der Bürgerbühne des Salzburger Landestheaters gelingt es auch im fünften Jahr ihres Bestehens ein aktuelles Thema kraftvoll zu inszenieren. Die Profis Britta Bayer (Mutter), Walter Sachers (Vater) und Ludwig Hohl (Sohn) sind das Gerüst der Aufführung. Anne Aichriedler als Tochter Valentina zeigt, dass ein Model auch schauspielern kann. 13 Laienschauspieler der Bürgerbühne geben dem Stück den notwendigen Drive, Ernst aber auch Humor. Erwin Holleis als religiöser und politischer Heilsbringer ist überzeugend. Und mit Nuray Isik als türkische Polizistin sind die Szenen im türkischen Erstaufnahmezentrum ganz real.

Zwei Mal gibt es noch die Chance auf den „Auswandertag“- Infos hier:

Salzburger Landestheater

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