Erinnerungen an Hannes

Halleluja! Mit diesem schönen Lied wurde am Freitag die Urne des lieben Johannes, auch Hannes, auch Hannelore, Putscher auf dem Friedhof in Salzburg Aigen beigesetzt.

Ich lernte Hannes Anfang der 90er Jahre kennen. Er war Kellner in einer neueröffneten Schwulenbar in Salzburg. Natürlich war die ganze Szene gespannt auf das neue Lokal. Gab es bis dahin ja nur zwei Lokale in Salzburg für “unsere Wiese“: eines abschreckend, das andere skurril. Aber jetzt gab es ja was Neues. Nichts wie hin! Aufgetakelt und einparfümiert wie ein siebenstöckiges Freudenhaus zu späterer Stunde aus der Tiroler Weinstube durch die Steingasse zum Zweistein an der Staatsbrücke.

Bei der Verabschiedung gab es schokoladige Erinnerungen an Hannes

Bei der Verabschiedung gab es schokoladige Erinnerungen an Hannes

Als Lebensgefährte des damaligen Inhabers war Hannes von Anfang an dabei. Anfänglich war mir sein herber Charme etwas suspekt. Aber ich war selbst ja auch nicht gerade zart besaitet, so konnte ich damit schnell umgehen. Irgendwie gefiel mir mit der Zeit sogar sein Mundwerk, war es doch witzig anzusehen, wie manch neuer Gast einen leicht erschrockenen Gesichtsausdruck hatte. Später gesellten sich im Service zwei gschnappige Hetenweiber (Originalton Hannes, ICH würde so was NIE sagen ☺ ), die Mitzi und unser Rauschgoldengerl, die Schramm´in dazu. Das war dann ein gutes Team und ich möchte behaupten, dass die Mädels auch zu Hannes Freundinnen wurden. Alle hatten viel Spaß – auch bei den unzähligen Veranstaltungen. Hannes lud dazu meist die Dragqueen France Delon ein.

Mit der Zeit ging ich immer weniger aus. Einerseits durch das fortschreitende Alter, andererseits durch die mittlerweile glückliche Beziehung, die ich damals hatte. Somit machte ich im Lokal Platz für die nachrückende Jugend. Lange Zeit sah ich Hannes nicht, bis zu dem Zeitpunkt, als er mich anrief und um ein Treffen bat. Bei diesem Treffen erzählte er mir, dass er das Zweistein übernehmen wird. Hannes hatte bereits seine privaten Versicherungen bei mir. Nun wollte er ein Offert für seinen zukünftigen Glückshafen. Freudig sperrte er sein Lokal an einem 1. September, seinem Geburtstag, auf. Leider fällt mir das Jahr nicht mehr ein. Ich erwähnte ja schon das fortschreitende Alter! Er renovierte das Lokal nach seinem Geschmack und hatte viel Freude als eigener Chef.

Hannes-2Wieder nach einiger Zeit zog ich mich aus dem Nachtleben gänzlich zurück und so sah ich Hannes wieder viele Jahre nicht. Eines Tages klingelte wieder das Telefon und der Hannes war dran. Ich war zu diesem Zeitpunkt allerdings in einer Rehaklinik, da ich durch eine Chemotherapie ein Nervenleiden bekam. Hannes wollte mich um Hilfe bei einem Versicherungsfall im Lokal bitten und war alsgerade erschrocken, als er hörte, dass ich erkrankt war. Aber durch sein freundliches und liebes Wesen bot er mir gleich an, mich mit dem Rollstuhl durch die Lokale zu schieben. Ich lehnte aber dankend ab, denn ich war nicht so mutig wie er, wie sich später rausstellte. Da ich es in den Beinen und nicht am Mund hatte, konnte ich seinen Versicherungsfall fernmündlich erledigen. Der Schaden wurde bezahlt.

Leider verlor Hannes nur wenig später sein Lokal und er fing wieder als Angestellter zu arbeiten an. Heuer bekam ich wieder einen Anruf. Diesmal aber nicht vom Hannes, sondern von einem gemeinsamen Freund. Dabei erfuhr ich, dass der liebe Hannes auch an Krebs erkrankt ist. Diesmal erschrak ich. Bei dem Telefonat wurde ich gebeten, ob ich mich um seine Versicherungsangelegenheiten kümmern kann. Konnte ich natürlich. Und natürlich besuchte ich ihn im Krankenhaus. Zwischen den Chemotherapien trafen wir uns zweimal zum Abendessen. Bei beiden Treffen wurde er von einem lieben jungen Freund von ihm im Rollstuhl geschoben. Hannes erzählte mir, dass er nach der nächsten Chemo nach Hamburg zu einer Hochzeit fährt. Während dieser besagten Chemo besuchte ich ihn und sah, wie er immer schwächer wurde. Trotzdem hielt er an seinen Reiseplänen fest. Ich musste zugeben: So mutig war und bin ich nicht. Ich wäre während meiner Therapie des Öfteren von meinen lieben Freunden abgeholt worden, traute mich aber gar nicht aus dem Haus. Und Hannes? Der ließ sich nicht aufhalten! Wir vereinbarten, dass wir uns bald wieder treffen – wenn er wieder aus Hamburg zurück ist.
An einem Montag erhielt ich von ihm eine SMS, in der er freudig schrieb, wie schön Hamburg ist. Ich müsse unbedingt mal mit ihm dort hinreisen. Zwei Tage darauf bekam ich die Nachricht von Hannes Tod.

[Hört und schaut euch hier eine Version des wunderschönen Songs Halleluja an – oder lest unten weiter]

Trotz seines schlechten Zustands hat Hannes das Leben, das ihm blieb, bis zum letzten Tag ausgenutzt. Er hat noch getan, was ihm Freude macht. Jetzt hat er sein schweres Leiden hinter sich: Halleluja.

6 Kommentare
  1. Anja sagte:

    Der Hannes bleibt mir immer als ganz lieber Kollege in Erinnerung, immer hilfsbereit und freundlich – eine Seele von Mensch!

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  2. Christoph sagte:

    Scharfe Zunge, aber ein butterweiches Herz. Wer sich die Zeit nahm ihn besser kennenzulernen, wird ihn immer im Herzen tragen. Bis auf die letzten Wochen und Tage haben wir immer Tränen gelacht.
    Danke Hannes für die wundervollen Jahre.
    Falls es einen Himmel gibt, hast du sicher deinen Platz dort oben, mit ner Bar, viel Schlager, ohne viel „g’schisti – g’schasti“, aber viel Herzlichkeit.

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  3. Renate sagte:

    Diese Seite ist eine schöne Geste an unseren unvergesslichen, unverwechselbaren Hannes!
    Ein „Klasser Mensch“, er hatte sein Herz an der richtigen Stelle! Mir ist es ebenso gegangen wie Christian, als ich Hannes kennengelernt habe. Einen Menschen mit so einem trockenen Humor hab ich zuvor noch nie getroffen. Die letzten ca.4 Jahren habe ich ihn mehrmals im Jahr gesehen, immer dann wenn ich im Stadtwirt ausgeholfen oder dekoriert habe. Aber die wenigen Stunden mit ihm waren bereichernd und herzlich, Hannes hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Seine Offenheit und Ehrlichkeit haben mich schwer beeindruckt. Ich habe ihn in mein Herz geschlossen, und im Frühjahr als ich ihn das letzte Mal sah, hätte ich es nicht für möglich gehalten das es das letzte Mal sein sollte…….Er hatte noch so viele Pläne,….! Ich hoffe seine geliebte Katze hat einen Lebensplatz gefunden wo sie alt werden kann….Hannes hat sie sehr geliebt, und er war sehr Bedacht darauf das es ihr gut geht! Hannes war einer von den GUTEN, er hatte es nicht einfach, und doch hat er sich nicht unterkriegen lassen……..

    “ Das kostbarste Vermächtnis eines Menschen ist die Spur,
    die seine Liebe in unseren Herzen zurückgelassen hat.“

    Wir sehen uns, machs gut und bleib so wie Du bist!

    Renate& Andi

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  4. Michael Schölzl sagte:

    Er war der Grund warum sich die Gatgeweberler aus der Umgebung (Büro,Steinsitz,etc) nach der Sperrstunde noch im Zweistein getroffen haben

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  5. Reinii sagte:

    Hannes war ein sehr guter chef soeinen chef bekommt man selten . Nun hat er sein leiden hinter sich gebracht und findet nun hoffendlich seinen frieden den er sich verdient hat 🙁 Ruhe in Frieden Hannes du wirst immer in meinen herzen weiter leben !

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  6. bernie rothauer sagte:

    …er war ein wunderbarer Mensch mit einer ganz liebevollen Seele, grossartigem Humor und einem ganz grossen Herz…er hat das Zweistein zu einem Ort mit sehr feiner Atmosphäre gemacht…Danke dass es solche Menschen gibt.

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