„Der Dritte Ort“

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von Sabine Walch

o1Beim Warten in Ordinationsräumen nehme ich automatisch eine Zeitschrift zur Hand. Meine Erwartungen sind nie sehr hoch, meist bin ich in Gedanken woanders, mit dem Blättern soll einfach nur die Zeit gefühlsmäßig schneller vergehen. Bei meinem letzten Blättern fand ich eine Überschrift: „Der dritte Ort“. Neugierig geworden schlug ich die Seite nach und begann zu lesen.

Es war von dem Buch „The great good place“ die Rede. Ich kenne dieses Buch nicht, aber in dem Artikel stand, dass es diesen „dritten Ort“ schon immer gab, aber nur die jeweilige Person weiß, wo sich dieser genau befindet, wenn sie sich auf den Weg macht. Blöderweise war ich als nächste dran und konnte den Artikel nicht fertig lesen – aber zu Hause begab ich mich sofort ins Internet und las nach.

Ray Oldenburg, ein Soziologieprofessor hat in den 80iger Jahren diesen Begriff „der dritte Ort“ kreiert und in dem Buch „The great good place“ näher ausgeführt. Er sieht als „dritten Ort“ die „guten alten Plätze“ an. Wichtig für Ray Oldenburg war, dass diese Orte authentisch sind. Er übte Kritik an den neuen „dritten Orten“, wie Fast-Food Restaurants und Shopping Malls, da diese zu inszeniert sind.

Für mich bedeutete aber, wenn es einen dritten Ort gibt, muss es auch einen Ersten und Zweiten geben und da ich neugierig geworden bin, habe ich beim Weiterlesen erfahren, dass der erste Ort, das Zuhause ist, der zweite Ort – der Arbeitsplatz, kristallisierte sich in Amerika in den 60igern durch das Zulassen, dass am Arbeitslatz etwas eigene Persönlichkeit eingebracht werden durfte, heraus.

o2Jede/r kennt natürlich diesen Ort und hat diesen schon oft besucht. Dieser „dritte Ort“, ist der Platz, wo wir uns hinbegeben, wenn wir Ruhe oder Glück, Sicherheit und/ oder Erinnerungen finden wollen, Menschen treffen die genau denselben dritten Ort gewählt haben. Dies kann eine Bücherei, der Garten, ein bestimmtes Café, der Bäckerladen oder das Stammlokal sein.

Ich begann zu überlegen, wo denn für mich der „dritte Ort“ ist und ich wusste sofort wo ich ihn finden würde – wobei ich mehrere Orte fand, die durchaus auch den Platz drei einnehmen konnten, aber im Wesentlichen unterschieden sich die dritten Orte in zwei Kategorien.
Ein dritter Ort ist für mich – wo ich alleine bin und doch nicht, weil viele Erinnerungen mich begleiten – der zweite dritte Ort ist der– wo ich ganz sicher andere Menschen treffe, die ich mag und mir wichtig sind, mit denen mich etwas verbindet und mit denen ich gemeinsam etwas erlebt habe.

Das Schöne an beiden „dritten Orten“ ist, dass sie sich um Menschen und Ereignisse handeln und sich dadurch um Erinnerungen immer wieder erweitern und so die beiden Orte miteinander unzertrennlich verwoben sind.

Vielleicht sollten jede/r wiedermal überlegen, wo ihr/sein „dritter Ort“ ist und diesen auch besuchen – am besten heute noch!

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