von Carolin Schiefer

Ich liebe das Gefühl, mit mir alleine zu sein – ohne auf irgendetwas zu achten außer auf mich selbst. Sich selbst spüren und einfach mal nachdenken. Tun und lassen können, was immer ich will. Es gibt auch andere Tage, die irgendwie dunkler sind, in denen ich nichts mit mir anfangen will oder kann, in denen ich lieber wenig Zeit mit mir alleine verbringe.

Tage der Einsamkeit?
Was Einsamkeit bedeutet, kann nur jeder für sich selbst feststellen.
Was heißt „einsam sein“ für Menschen, die sozial isoliert sind, weil sie bettlägerig sind oder weil sie nicht angepasst genug sind, unsere Sprache nicht sprechen oder absichtlich ausgegrenzt werden? Deren einzige Kontakte sind oft der Hausarzt, die Dame im Amt oder der Sitznachbar im Bus.

So empfinden manche Menschen das Alleinsein als positiv oder als negativ. Nie kann man sich selbst so nahe sein, sich spüren und über Ziele, Wünsche, die eigenen Leistungen oder das eigene Versagen nachdenken. Das kann natürlich auch sehr schnell schmerzhaft sein, wenn man verpassten Gelegenheiten nachtrauert und nicht gelernt hat, im Jetzt zu leben – oder es nicht aushält.

Buddha_meditatingDazu eine passende Geschichte

Eines Tages kamen zu einem einsamen Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: „Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille und Meditation?“
Der Mönch war damit beschäftigt, Wasser aus einem tiefen Brunnen zu schöpfen. Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Leute blickten in den tiefen Brunnen: „Wir sehen nichts!“
Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch die Leute erneut auf: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr jetzt?“
Die Leute blickten wieder hinunter: „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“
Der Mönch sprach: „Nun, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Man sieht sich selber! Und nun wartet noch eine Weile.“
Nach einer Weile sagte der Mönch erneut: „Schaut jetzt in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Menschen schauten hinunter: „Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“
Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“

Einsamkeit macht krank
Laut Studien ist Einsamkeit das soziale Gegenstück zu körperlichem Schmerz. Die Einsamkeit erhöht den Kortison-Spiegel und damit den Stress. Dadurch kommt es zu Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen, aber auch zu Herz- und Kreislauferkrankungen. Darüber hinaus steigt die Sucht- und Selbstmordgefährdung ganz wesentlich.

Menschen in stabilen Beziehungen haben statistisch eine höhere Lebenserwartung als Alleinlebende. Demnach ist Einsamkeit genauso schädlich wie zum Beispiel Rauchen, Alkohol, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel. Jeder vierte Mensch unter 18 Jahren fühlt sich einsam. Bei über 65-jährigen sind es sogar 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, also jeder dritte.

Kleinigkeiten machen den Unterschied
Eine Lösung gegen Einsamkeit, die für alle passt, gibt es nicht – weil jeder von uns gleichermaßen wundervoll und erschreckend einzigartig ist. Aber jeder kann etwas beitragen.

Schon eine scheinbar nebensächliche Bemerkung gefolgt von einem freundlichen Kommentar führt dazu, dass sich Menschen von ihrer Umgebung wahrgenommen und weniger einsam fühlen. Oft reicht schon ein gut gelauntes „Schönes Wetter heute!“

Es geht also um ganz banale Dinge. Darum möchte ich mit einer ganz einfachen Aufforderung schließen: Seid einfach nett zu anderen. Und zwar immer!

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