Interessantes zum Thema Gesellschaftspolitik

Schreie sind zu hören, es rumpelt und poltert. Dann wird die Tür aufgestoßen, zwei Personen schleppen Carnegiea gigantea, einen riesigen Kaktus, in ein Polizeibüro. Dann beginnt ein 90minütiges Verhör. Der Kaktus ist ein Gefährder, ein Schläfer. Auf dem Frankfurter Flughafen soll er einen Terroranschlag geplant haben. Vier Personen verhören den Kaktus: eine Polizeianwärterin mit Abitur, ein Polizeianwärter mit Hauptschulabschluss und türkischem Migrationshintergrund, ein Oberrat der Bundespolizei und ein GSG 9 –Beamter. Siespielen alle Stückerl eines Verhörs. Good und Bad Cop, Anschreien, Schläge und Elektrofolter.Der Kaktus

Die Satire „Der Kaktus“ von Juli Zeh, aufgeführt in den Kammerspielen, lässt keine Plattheit und kein Vorurteil aus. Das macht die Stärke des Stücks aus. Spritzig und doch nachdenklich inszeniert von Astrid Großgasteiger, lässt es viel Stoff zum Diskutieren und Hinterfragen. Was sind unsere Vorurteile? Wem können wir vertrauen? Wer trägt die Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben? Wie halten wir es mit der Terrorbekämpfung? Opfern wir unsere Grundrechte und unser Recht auf Freiheit der Angst? Wer kann schon sicher sagen, dass er richtig handeln würde?

Es gibt keine sichere Antwort, aber eine Gewissheit: Die Angst darf nicht die Herrschaft übernehmen, denn dann ist die Menschlichkeit in Gefahr.

Zu sehen ist „Der Kaktus“ noch bis 12. Mai- es lohnt sich!

http://www.salzburger-landestheater.at/subnavigation/schauspiel/show/der-kaktus

Gestern am Residenzplatz sah ich ein Mädchen. Die Füße steckten in Taucherflossen. Sie watschelte voller Vergnügen über den Platz. Ich habe keine Ahnung, warum sie im April mit den Flossen am Residenzplatz auftaucht. Aber das Warum ist eigentlich egal. Sie hatte einfach nur Spaß. Und viele staunende Blicke folgten ihr. Aber auch Blicke, die sagten: „Ja, was tut die denn da?“. Ist ja kein Schwimmbecken da weit und breit. Und der Residenzbrunnen ist nicht tief genug zum Schwimmen und Tauchen.Kind

Ich habe ihr eine Zeit lang zugeschaut und mich zurück erinnert, wie schön es war als Kind. Einfach etwas zu tun, ohne Ziel, ohne Begründung. Als Erwachsene haben wir vielleicht den Mut verloren etwas ohne Sinn, also etwas UNSINNIGES zu machen. Ich weiß nicht, wann dieser Übergang passiert vom Kind, das Freude am Unsinn hat zum Erwachsenen, der sich nicht traut, zumindest nicht, wenn andere zusehen können.

Eines weiß ich sicher, ich werde es nicht wagen mit Taucherflossen über den Residenzplatz zu watscheln. Auch, wenn es Spaß machen würde!

 

Wie schon vor ein paar Wochen geschrieben, wollte ich den Blog eigentlich wetterfrei halten.gartenzwerge

http://zartbitter.co.at/augenblicke/der-leere-teller-und-das-wetter/

Aber mal ehrlich, bei diesem herrlichen Frühlingswetter darf ich nochmals was schreiben.

Diesmal beklage ich mich nicht. Ich muss auch keine Teller mehr leer essen und Petrus scheint wieder guter Laune zu sein.

Nachdem ich schon vor zwei Wochen wagemutig den Balkon bepflanzt habe, durfte ich heute eine wunderbare Überraschung erleben. Die ersten Samen sind aufgegangen und die Kapuzinerkresse steckt schon neugierig die Köpfchen heraus. Die Ameisen finden ihre alten Wege auf der Fensterbank wieder. Und den Bäumen kann es nicht schnell genug gehen, sie wollen ihre Blätterpracht zeigen.kapuzinerkresse

Irgendwie kommt mir vor, dass viele Menschen besonders gute Laune haben, mich eingeschlossen. Das liegt sicher auch am Frühlingsduft. Die Gastgärten sind voll, die Radwege bevölkert und die Magnolien am Makartplatz tun ihr Bestes, um prachtvoll zu blühen. Vergessen sind die kalten, grauen Tage, die lange genug wahre Stimmungskiller waren. Und als ich heute an der Salzach entlang gefahren bin, habe ich mich gefreut einen Rasenmäher zu hören und den Duft von frisch gemähtem Gras in die Nase zu bekommen. Das Getöse der Laubbläser bleibt uns noch lange erspart.

 

Robert Gisshammer, 45 Jahre, ist Sprachdienstleister. Natürlich liebt er Sprachen, er spricht Deutsch, Englisch und Französisch und er experimentiert unter anderem mit Russisch, Spanisch und Türkisch.

Zartbitter trifft ihn, um mehr über Sprachen zu erfahren.

Zartbitter: Eigentlich bist du Jurist, gibst deinen Beruf aber als Sprachdienstleister an. Was können wir uns darunter vorstellen?

Robert: Ich mache alles, was Unternehmen im Bereich Sprache brauchen. Übersetzungen, Sprach- und Kommunikationstrainings, Lektorate und Textproduktionen.

Zartbitter: Was fasziniert dich an Sprache?

Robert Gisshammer

Robert Gisshammer

Robert: Was man mit Sprache bei Menschen bewirken kann. Es ist nicht egal, was man wie sagt. Mit Sprache bewirkt man, ob sich Leute gut oder beleidigt fühlen. Sprache kann sehr präzise sein. Aber mit Sprache ist es auch möglich etwas zu verschleiern, was ich nicht so gut finde. Ich mag Präzision.

Zartbitter: Was macht dir Freude bei deiner Arbeit?

Robert: Die verschiedenen Themen, die ich mit jeder Aufgabe kennenlerne. Und wenn Menschen mit Sprache gestalten, aktiv etwas erarbeiten.

Zartbitter: Was ist die ungewöhnlichste Sprache mit der du zu tun hattest?

Robert: Eindeutig Wolof. Zuerst dachte ich, es ist ein Scherz, als die Anfrage kam. Aber Millionen Menschen sprechen Wolof im Senegal. Oder sagt man jetzt doch in Senegal? Da sieht man wieder, wie Sprache sich ändert. (er schmunzelt)

Zartbitter: Was ist deine Lieblingssprache?

Robert: Deutsch. Es ist meine Muttersprache. In meiner Muttersprache kann ich mich in allen Lebenslagen ausdrücken. Ich sehe die Veränderungen im Deutschen und ich kann durch meine Arbeit auch den Sprachgebrauch mitlenken, zum Beispiel, wenn ich Texte gestalte.

Zartbitter: Was rätst du Menschen, die Angst vorm Lernen einer Fremdsprache haben?robert

Robert: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand Angst vorm Lernen hat, sondern vorm Erlernen. Viele sind anfangs oft entmutigt. Sie denken daran, was sie nicht können. Ein Tipp an alle: Freut euch über das, was ihr schon gelernt habt. Niemand lernt in zwei Monaten eine Sprache. Also Schritt für Schritt und dranbleiben!

Zartbitter: Was ist dein Lieblingswort im Deutschen und im Englischen?

Robert: Freunde und friends!

Zartbitter: Viel Freude weiterhin und Danke für das Gespräch!

http://www.sprachservice.at/

 

Gabriele Rechberger ist Wirtschaftstrainerin und Geschäftsführerin des Verein VIELE. Ihr Alter gibt sie mit „erwachsen“ an und sie ist ein sprachliches Multitalent. Sie spricht Deutsch, Englisch und Französisch und kann in 17 Sprachen ein Bier bestellen.gabriele rechberger

Zartbitter trifft sie im Cafe, um ihr Projekt „Sessl“ besser kennen zu lernen.

Zartbitter: Für was engagierst du dich besonders?

Gabriele: Für die Umwelt und für Menschen. Und seit 2010 engagiere ich mich für das Projekt „Sessl“- Salzburg entsorgt sich verantwortungsvoll. Alleine 2012 haben wir 30 LKW-Ladungen voller brauchbarer Sachen nicht im Müll entsorgt, vom Baumaterial bis zum Kaffeelöffel!

Zartbitter: Warum machst du das?

Gabriele: Ich will nicht, dass alles gedankenlos weggeschmissen wird, was andere noch brauchen können. Es gibt da ein Entfremdungsproblem. Viele Menschen fragen nicht mehr nach, ob jemand etwas brauchen könnte. Der Wert der Sachen ist bestimmt durch den Kaufpreis und nicht, ob es noch einen Nutzen hat und auch handwerklich wertvoll.

Zartbitter: Was hat dich eigentlich heute geärgert und besonders gefreut?

Gabriele: Geärgert hat mich heute nichts. Und besonders schön war es heute, die Vorlesung mit meinen Studierenden im Freien gemacht zu haben.

Zartbitter: Was hast du für die Leser unseres Blogs für einen besonderen Wunsch?gabriele

Gabriele: Wir sollen öfter versuchen gewohnte Wege zu verlassen und den Mut haben auch etwas Neues zu probieren. Selbst wenn man nur den Seitenscheitel wechselt!

Zartbitter: Danke und weiterhin alles Gute für dein tolles Projekt „Sessl“!

Was uns Gabriele noch verraten hat ist sehr spannend. Sie hat dazu beigetragen, dass 1996 erstmals Papst Johannes Paul II live im Internet zu sehen, als er Salzburg besucht hat!

Weitere Infos zu „Sessl“ findet ihr hier:

http://www.sessl.at/

http://www.facebook.com/5020sessl?fref=ts

kollegienkirche

Kollegienkirche

Ein ganz normaler Arbeitstag. Am Abend dann noch ein Termin in der Katholischen Hochschulgemeinde. Und dann ein unvermutetes Angebot. Christian lädt mich ein mir die Rektorengruft in der Kollegienkirche zu zeigen. Normalerweise ist die Gruft mit einem zentnerschweren Stein verschlossen. Für die Renovierungsarbeiten in der Kirche wurde sie geöffnet. Das kann ich mir nicht entgehen lassen.

Hier liegen die Rektoren der benediktinischen Universität Salzburgs. Die Salzburger Benediktiner waren aufgeschlossene Humanisten, die neben der Würzburger Universität, sich als erste mit Immanuel Kants Philosophie auseinandersetzten. Die Bayern , die Salzburg besetzt hatten, schlossen vor 200 Jahren die Universität und nahmen auch das Universitätszepter mit nach München. Mit der Neueröffnung der Salzburger Uni 1962 kam auch das Zepter wieder retour. Jeder Universitätsrektor hat das Recht sich hier begraben zu lassen. Ein Recht, das in absehbarer Zeit kein Rektor in Anspruch nehmen wird, da auch für die Familie der Zugang zum Grab durch den schweren Stein unmöglich ist.

 

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Abgang zur Gruft- Faulräume links und rechts

Wir steigen mit Taschenlampen ausgerüstet die Stufen hinab, links und rechts vor der Gruft gibt es zwei kleine Räume. Christian sagt mir, dass dies wahrscheinlich „Faulräume“ waren. Mein fragender Blick führte zu einer etwas gruseligen Erklärung. Bevor man den Leichnam in der Gruft einmauerte, legte man ihn für ein Jahr in den Faulraum. Zeit genug, dass das Fleisch vermoderte und nur das Skelett übrig blieb, das dann würdig in der Gruft bestattet wurde. Das dürfte auch nicht sehr angenehm gerochen haben. Wie auch sonst zu jener Zeit die Gerüche eher als Gestank bezeichnet werden können. Darum gab es in den Kirchen einen übermäßigen Gebrauch von Weihrauch. In manchen Kirchen gab es besonders große Weihrauchkessel, die den ganzen Tag Wohlgeruch verströmten, erklärt mir Christian.

 

gruft 3

Grab eines Rektors

 

Die Gruft flößt mir Ehrfurcht vor der Ewigkeit ein. Danke Christian für die Augenblicke aus einer anderen Zeit, die du mir an einem ganz normalen Arbeitstag zum Geschenk gemacht hast.