
Franz Borstner beim Arbeitslosenkreuz der Mädchen vom Projekt Meet mit Doris Witzmann und Michael Bernert
In den letzten Tagen hat sich Einiges getan. Während der neue Papst gewählt wurde mit dem durchaus viel versprechenden Namen Franziskus, die Witwe des Kriegsdienstverweigerers Franziska Jägerstätter 100jährig zu ihrem Mann heimgekehrt ist, hat es noch jemanden erwischt: Einen ganz Großen. Franz Borstner war ein unbequemer Mensch. Als gelernter Tischler aus dem slowenisch sprachigen Kärnten lernte er nicht nur sein Handwerk, sondern entwickelte schon früh ein Gespür für ungerechte Lebenssituationen.
Er wusste, dass es im leben mehr gibt. So studierte er Theologie in Salzburg. Ein Jahr verschlug es ihn in das Priesterseminar. Das war dann nicht ganz sein Weg. Aber eine Verbindung aus Glauben und Engagement für Gerechtigkeit fand er in der Betriebsseelsorge der Katholischen Aktion. Sehen, urteilen, handeln waren für ihn keine leeren Worte. Er begleitete arbeitslose Jugendliche in Hallein und Salzburg. Schweißte mit ihnen aus Alteisen das Arbeitslosenkreuz, das heute noch beim ABZ – Haus der Möglichkeiten zu bewundern ist. Sein Vorstellungssatz „Ich bin ein alter Tischlergeselle“ ist unvergessen.
Ebenso unvergessen sind seine Kabarettauftritte: Ein brachiales Naturtalent, das es nie zum Quatsch Comedy Club geschafft hat, weil seine Pointen eben kein Quatsch waren. Beispiele aus der Jobbörse gefällig?„ Suchen Glaser mit einschlägiger Erfahrung.“ Oder: „Fleischhauerei sucht Lehrling. Sie werden sofort eingearbeitet.“
Franz und ich waren nicht immer einer Meinung. Mir war er in seiner Einstellung manchmal zu negativ. Er beherrschte die „positive Kraft des negativen Denkens“. Seine Scheidung, der tragische Unfalltod seiner 16jährigen Tochter haben Spuren hinterlassen, die auch seinen Körper schwer gezeichnet haben. Franz, es ist so traurig, dass du nicht mehr unter uns bist.
Unser gemeinsames Kirchenkabarett „Petrus und Franziskus“ war zwar nicht unser Durchbruch, aber es hat echt viel Spaß gemacht! In diesem Sinne gibt’s hier noch einen Ausschnitt unseres
Papa-Ratzi-Raps
1. Kennst Du ihn denn schon – diesen weißen Mann.
Er redet ganz viel – und lässt keine ran.
Unlängst war er doch. – dort in Köln.
Aber nicht um bayrisches Bier. – zu bestell‘n.
Refrain: Ja –Ja –wunderbar .
Er war da (2x)
2. Und er sprach –und sprach –und sprach – und sprach.
Bis die Funkverbindung endlich brach.
Es gab Regen – es war nass-
ja es war echt krass.
Es gab viel Gatsch – es war bitter kalt
Alle war‘n jung – nur er war alt.
Refrain: Ja –Ja – wunderbar.
Er war da. (2x)
3. ) Wofür war das alles – denn wohl gut?
Wenn nur einer redet – keiner was tut!
Von ihm hört man oft – ein soziales Wort
seine Rede verhallte gleich – an diesem Ort.
Und er ließ die Jugend im Regen steh‘n
Stieg ein in den Flieger – ward nicht mehr geseh‘n.
Refrain: Ja –Ja –wunderbar . Er war da
Ja –Ja –wunderbar . Er ist unkündbar
Ja –Ja –wunderbar . Er ist unfehlbar
Ich wünsche dir, lieber Franziskus, dass du deiner Tochter im Himmel begegnest. Und komm‘ uns, wenn wir an der Reihe sind, mit einem guten Witz entgegen!
http://www.comedyimpub.com/index.php?option=content&pcontent=1&task=view&id=10&Itemid=67&-Franz-Borstner
Der leere Teller und das Wetter
Augenblicke, GesellschaftEigentlich habe ich mir vorgenommen, niemals über das Wetter zu schreiben. Das Wetter ist normal der perfekte Eisbrecher um ins Gespräch zu kommen, mehr nicht. Aber jetzt muss es sein, das Wetter bekommt einen eigenen Blog-Eintrag. Weil es mich nervt und ich denke, da bin ich nicht alleine.
Ich will ja schon keine Wettervorhersagen mehr lesen und schauen. Seit Wochen warten alle auf ein erlösendes „frühlingshaft“. Aber nichts – stattdessen immer wieder: Tiefdruckgebiete, die von irgendwo herkommen, drohende Regenschauer, heftiger Schneefall, eisige Winde, stark bewölkt, zeitweise bedeckt, kalte Luft und so weiter und so weiter. Das drückt natürlich aufs Gemüt, selbst die Vögel singen in der Früh eher verhalten oder kommt mir das nur so vor?
Es hilft auch die jährlich heiß diskutierte Umstellung auf die Sommerzeit nicht, was hab ich von der Helligkeit, wenn ich ständig an eine Wärmflasche denken muss. Das alte Rezept ja seinen Teller leer zu essen schlägt sich aufs Gewicht, ändert aber nichts am Wetter. Und Petrus, der Wetterheilige, hat den anstehenden Wechsel der Jahreszeit wohl verschlafen oder gibt es ihn etwa wirklich nicht? Ja, ja ich weiß, man sollte nicht jammern, schon gar nicht über das Wetter.
Aber der Frust musste raus und jetzt ess ich nochmals brav meinen Teller leer, vielleicht hilft’s ja doch!
Der Flughafen – Die andere Welt
Augenblicke, GesellschaftKürzlich war ich Stunden in der Warteschleife am Flughafen. Zeit genug, um darüber nachzudenken, was einen Flughafen so besonders macht. Klar ist, wenn man eine Flugreise macht, braucht man einen Start- und einen Landeplatz. Aber anders als auf einem Bahnhof funktioniert ein Flughafen auf besondere Weise.
Es ist eine andere Welt. Beim Sicherheitscheck gibt man jede Selbstbestimmung ab, man ist nur mehr Passagier. Die Logik der Flüssigkeitenkontrolle besteht in der Förderung des Plastiksackerlabsatzes. Aber nur in der EU, anderswo kommt man auch ohne Sackerl durch die Kontrolle. Man darf nur ein Feuerzeug im Handgepäck mitführen. Das führt dann zu so skurillen Situationen wie am Freitag. Einer kann mit 4 Feuerzeugen durch die Kontrolle, da hat man was übersehen. Beim anderen wird aus dem einzigen mitgeführten Feuerzeug das Gas herausgelassen. Der Sinn ist nicht klar. Aber niemand wagt es, dem Sicherheitspersonal zu widersprechen, man will ja mitgenommen werden und verhält sich tunlichst unterwürfig.
Wenn ich vorher meinte, man sei nur mehr Passagier, hab ich was Wichtiges vergessen. Man ist Passagier mit Geld. Warum am Flughafen ein Kaffee nicht unter 4 Euro zu bekommen ist, ist klar. Man hat keine andere Wahl, genauso bei einem einfachen Brötchen mit irgendwas drinnen, es kostet einfach. Da zahlt man für eine kleine Jause gleich so viel wie anderswo für ein nettes Abendessen. Die Wartezeit verlockt natürlich dazu die Duty Free Shops zu besuchen. Smarties im Kilopack, Toblerone verfolgt einen sowieso und Alkohol bis zum Abwinken.
Was den Wiener Flughafen auszeichnet sind seine kilometerlangen Gänge zu den Gates. Man trainiert sich die Toblerone gleich wieder ab und ist gerüstet für den nächsten Halbmarathon. Ist man beim richtigen Gate angekommen und das Boarding beginnt, habe ich mich immer gewundert, warum so viele gleich aufspringen und dann lange anstehen, um ins Flugzeug zu kommen. Jetzt weiß ich warum.
Es ist der unbewusste Drang dem Flughafen zu entfliehen.
Die Katze in der Hagia Sophia
Augenblicke, Geschichte, Gesellschaft, KulturSicher schon mehr als zehn Mal habe ich die Hagia Sophia besucht und immer wieder bin ich überwältigt.
Von außen sieht sie aus wie eine alte Schildkröte, die nichts erschüttern kann, die schon alles gesehen hat. 1500 Jahre bestimmt sie schon die Silhouette von Istanbul, vormals Konstantinopel, vormals Byzanz. In nur 6 Jahren als Kirche erbaut, dann Moschee und jetzt Museum, trotzt sie den wechselnden Herrschaften und lässt alle Besucher staunen. Schon die Vorhalle wäre ein Gotteshaus für sich, die Haupthalle mit ihrer riesigen Kuppel macht einen ergriffen. Immer wieder. Die wundervollen Mosaike erzählen von Jesus, Kaisern und Engeln.
Wer daran glaubt, kann die „Schwitzende Säule“ berühren.
So sollen Wünsche in Erfüllung gehen, manch einer wurde der Legende nach schon von einer schweren Krankheit geheilt.
Und dieses Mal wartet noch eine Überraschung in der Hagia Sophia.
Eine Katze scheint sie als ihr Revier gewählt zu haben. Von den Touristen holt sie sich ihre Streicheleinheiten. Majestätisch sitzt sie am Geländer und verteilt ihre Gunst an die vorüberziehenden Menschen aus aller Welt. Und nur wenige können widerstehen und an ihr vorübergehen ohne sie zu betrachten oder zu berühren. Sperrt die Hagia Sophia zu, dann wird aus der Samtpfote wohl ein Mäusetiger.
Die ganze Nacht hat sie Zeit sich die fettesten Nagetiere für ein Festmahl zu holen.
Mahlzeit!
Franz ist tot, es lebe Franziskus
Entertainment, Gesellschaft, Kultur, Leben, Miteinander, SpirituellFranz Borstner beim Arbeitslosenkreuz der Mädchen vom Projekt Meet mit Doris Witzmann und Michael Bernert
In den letzten Tagen hat sich Einiges getan. Während der neue Papst gewählt wurde mit dem durchaus viel versprechenden Namen Franziskus, die Witwe des Kriegsdienstverweigerers Franziska Jägerstätter 100jährig zu ihrem Mann heimgekehrt ist, hat es noch jemanden erwischt: Einen ganz Großen. Franz Borstner war ein unbequemer Mensch. Als gelernter Tischler aus dem slowenisch sprachigen Kärnten lernte er nicht nur sein Handwerk, sondern entwickelte schon früh ein Gespür für ungerechte Lebenssituationen.
Er wusste, dass es im leben mehr gibt. So studierte er Theologie in Salzburg. Ein Jahr verschlug es ihn in das Priesterseminar. Das war dann nicht ganz sein Weg. Aber eine Verbindung aus Glauben und Engagement für Gerechtigkeit fand er in der Betriebsseelsorge der Katholischen Aktion. Sehen, urteilen, handeln waren für ihn keine leeren Worte. Er begleitete arbeitslose Jugendliche in Hallein und Salzburg. Schweißte mit ihnen aus Alteisen das Arbeitslosenkreuz, das heute noch beim ABZ – Haus der Möglichkeiten zu bewundern ist. Sein Vorstellungssatz „Ich bin ein alter Tischlergeselle“ ist unvergessen.
Ebenso unvergessen sind seine Kabarettauftritte: Ein brachiales Naturtalent, das es nie zum Quatsch Comedy Club geschafft hat, weil seine Pointen eben kein Quatsch waren. Beispiele aus der Jobbörse gefällig?„ Suchen Glaser mit einschlägiger Erfahrung.“ Oder: „Fleischhauerei sucht Lehrling. Sie werden sofort eingearbeitet.“
Franz und ich waren nicht immer einer Meinung. Mir war er in seiner Einstellung manchmal zu negativ. Er beherrschte die „positive Kraft des negativen Denkens“. Seine Scheidung, der tragische Unfalltod seiner 16jährigen Tochter haben Spuren hinterlassen, die auch seinen Körper schwer gezeichnet haben. Franz, es ist so traurig, dass du nicht mehr unter uns bist.
Unser gemeinsames Kirchenkabarett „Petrus und Franziskus“ war zwar nicht unser Durchbruch, aber es hat echt viel Spaß gemacht! In diesem Sinne gibt’s hier noch einen Ausschnitt unseres
Papa-Ratzi-Raps
1. Kennst Du ihn denn schon – diesen weißen Mann.
Er redet ganz viel – und lässt keine ran.
Unlängst war er doch. – dort in Köln.
Aber nicht um bayrisches Bier. – zu bestell‘n.
Refrain: Ja –Ja –wunderbar .
Er war da (2x)
2. Und er sprach –und sprach –und sprach – und sprach.
Bis die Funkverbindung endlich brach.
Es gab Regen – es war nass-
ja es war echt krass.
Es gab viel Gatsch – es war bitter kalt
Alle war‘n jung – nur er war alt.
Refrain: Ja –Ja – wunderbar.
Er war da. (2x)
3. ) Wofür war das alles – denn wohl gut?
Wenn nur einer redet – keiner was tut!
Von ihm hört man oft – ein soziales Wort
seine Rede verhallte gleich – an diesem Ort.
Und er ließ die Jugend im Regen steh‘n
Stieg ein in den Flieger – ward nicht mehr geseh‘n.
Refrain: Ja –Ja –wunderbar . Er war da
Ja –Ja –wunderbar . Er ist unkündbar
Ja –Ja –wunderbar . Er ist unfehlbar
Ich wünsche dir, lieber Franziskus, dass du deiner Tochter im Himmel begegnest. Und komm‘ uns, wenn wir an der Reihe sind, mit einem guten Witz entgegen!
http://www.comedyimpub.com/index.php?option=content&pcontent=1&task=view&id=10&Itemid=67&-Franz-Borstner
Gestrichen aus meinem Wortschatz: Randgruppe
Augenblicke, Gesellschaft, MiteinanderHeute ist mir wieder mal das Wort „Randgruppe“ untergekommen. Und heute habe ich beschlossen dieses Wort nicht mehr zu gebrauchen. Beim Obusfahren hatte ich genug Zeit darüber nachzudenken, was es für mich bedeutet. Das Wort „Gruppe“ ist ja ganz in Ordnung. Es gibt unzählige Gruppen. Jeder von uns gehört zu mehreren Gruppen, die sich durch etwas definieren. Etwa eine Volkstanzgruppe, eine Berufsgruppe oder die Fröschegruppe im Kindergarten. Das Wort „Rand“ gibt allerdings dem Wort „Gruppe“ einen richtig negativen Beigeschmack. Weil der „Rand“ halt nicht in der Mitte ist und der „Rand“ so eine Grenze bezeichnet, hinter der sich oft etwas Unbekanntes auftut. Vor 500 Jahren hatten Seefahrer noch große Angst an den Rand der Welt zu kommen und dann einfach runter zu fallen. Das ist irgendwie geblieben, dass sich hinter dem Rand was verbirgt, was Angst macht. Als Randgruppen werden viele verschiedene Menschengruppen bezeichnet. Das können sein:
Menschen, die eine Beeinträchtigung haben
Menschen, die wenig Geld oder auch sehr viel verdienen
Menschen, die einer ethnischen, religiösen oder kulturellen Minderheit angehören
Menschen, die eine besondere Krankheit haben
Menschen, die in einem besonderen Viertel wohnen
Menschen, die nicht heterosexuell sind
Menschen, die einem gesellschaftlich geächteten Erwerb nachgehen, wie Prostituierte oder Bettler
Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind
Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.
Ich bin ja keine Bevölkerungsstatistikerin, aber Daumen mal Pi gerechnet dürften alle Mitglieder aller Randgruppen zusammengerechnet eine schöne Mehrheit ergeben. Also ist der Begriff Randgruppe eigentlich irreführend, denn alle gehören doch dazu zu der großen Gruppe der Menschen.
Ab heute ist das Wort „Randgruppe“ aus meinem Wortschatz gestrichen.
Flüchtlingsfest 2013
Augenblicke, Gesellschaft, MiteinanderDie Getränkeladen sind gut gefüllt. Das Buffet ist aufgebaut. Noch einmal proben die drei Sängerinnen aus dem Kosovo, Indien und der Türkei ihr selbstgeschriebenes Lied. Das ABZ öffnet pünktlich seine Türen für das Flüchtlingsfest 2013. Um 18 Uhr kommen die ersten Besucherinnen und
Besucher. Schnell füllt sich das Haus. Es ist ein kunterbuntes Durcheinander von Menschen verschiedener Herkunft, Sprachen und Religionen.
Ich darf an der Bar arbeiten, freue mich alte Bekannte zu treffen und neue Menschen kennenzulernen. Es gibt einiges an Neuigkeiten. Ein junger Flüchtling aus Afrika hat eine Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann. Ein Mädchen, das ich schon sehr lange kenne, wird heuer maturieren. Ihre Eltern sind sehr stolz. Ein junger Afghane beginnt im nächsten Monat eine Lehre als Elektrotechniker. Schöne Nachrichten. Aber das Wichtigste heute ist das Feiern. Die drei Sängerinnen präsentieren ihr Lied und bekommen einen Riesenapplaus. Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt einer Schuhplattler-Gruppe. Viele Flüchtlinge sehen erst staunend zu, dann versuchen es alle gemeinsam und es macht Spaß.
Tanzen macht hungrig und durstig. Das Buffet wird gestürmt, an den Tischen mischen sich die Leute, es wird geplaudert und gelacht.
Es ist ein Abend, an dem die Freude und das Miteinander im Vordergrund stehen, für einige Stunden sind die Sorgen, Unsicherheiten und Probleme vergessen. Morgen ist dann wieder Flüchtlingsalltag.