Zwei Mal im Jahr habe ich die Freude mich mit den Pflegeeltern und den Pflegekindern der Stadt Salzburg zu treffen. Heute war es wieder so weit. Ein Termin im Jahr ist immer den Kindern gewidmet. Wir waren heute gemeinsam im Theater. Die zuständigen Sozialarbeiterinnen haben das Toihaus ausgesucht. Das Stück heißt „Du, ein Sandkorn und ich“. Es gibt keinen Text, nur Mimik, Gestik, Tanz und Musik. Vor Beginn des Stücks herrschte turbulentes Treiben im Vorraum des Theaters. Die Kinder sausten herum, spielten, waren auch aufgeregt. Für die Kleinsten war es der erste Theaterbesuch. Uns gab dann die Toihaus-Chefin Myrto Dimitriadou noch viele Anweisungen, was wir alles zu beachten hätten. Leise sein, die Kinder nicht auf die Bühne lassen, immer bei den Kindern sein und so weiter. Ob das gut gehen würde mit Kindern zwischen zwei und 10 Jahren, ein Stück ohne Text und alle die Anweisung, was zu beachten sind?

a2

Die Tür ging auf und mit Musik gingen wir in den Theaterraum. Ein Sesselquadrat, davor Polster und in der Mitte ein riesiges Stück weißes Papier. Auftritt der Tänzerin. Und ab diesem Augenblick waren die Kinder voll konzentriert. Über eine halbe Stunde fesselten Julia Schwarzbach und Yorgos Pervolarakis mit ihrem Spiel. Unter dem weißen Papier entdeckt die Tänzerin Dinge. Einen kleinen Sessel, eine schwarze Kreide, ein Silberberg, eine Kiste voller Sand, den sie auf die Insel rieseln lässt. Sie sucht, manchmal ist sie enttäuscht, weil sie nichts findet. Dann wieder große Freude über eine weitere Entdeckung. Und aus dem großen weißen Papier macht sie sich ihre kleine Insel, wo alles Platz hat. Die Freude, die Enttäuschung und die Hoffnung. Und dann lädt sie den Musiker ein zusammen auf der Insel zu sein.

Großer Applaus, strahlende Kinderaugen und dann noch ein besonderes Erlebnis. Julia Schwarzbach kommt nochmals und lädt auch die Kinder auf ihre Insel ein, redet mit ihnen über die vielen Dinge. Einer der Buben wünscht sich für den Silberberg ein Gipfelkreuz, was sie gemeinsam machen. Ein Mädchen möchte ihren Namen in den Sand schreiben. Und dann dürfen sich alle Kinder noch ein Stückchen der Insel mitnehmen.

Wir allen waren berührt, jede von den Erwachsenen hat sich im Herzen auch ein Stückchen Kinderinsel mitgenommen. Und mir ist so klar geworden, was Pflegemütter und –väter für die Kinder bedeuten: Die Insel, auf der sie nicht alleine sind, sondern auf der sie von tollen Menschen ein Stück ihres Lebensweges begleitet werden.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.