Ich hätte ich mir nie gedacht, dass ich mal nach Medjugorje komme. Einer der beliebtesten Wallfahrtsorte vieler Katholiken, von der Kirche nicht anerkannt. Offizielle Wallfahrten hierher sind den Katholiken von der Kirche nicht erlaubt. Was aber eine Million Menschen nicht davon abhält trotzdem zu kommen. Mich auch nicht. Es war Teil einer einwöchigen Rundreise durch Bosnien und Kroatien. Ich habe mich an die Anweisung unseres Reiseleiters Peter gehalten und bin völlig wertungsfrei an den Ort rangegangen. Von „Was für ein Humbug“ bis zu „Hier begegnet man der Königin Maria“ ist an Meinungen zu Medjugorje alles möglich.
Begonnen hat die Erfahrung mit einem deutschsprachigen Gottesdienst. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Priester fängt mit dem Schuldbekenntnis an.

IMG_5490Da war ich schon ein bisschen irritiert. Die Worte kamen automatisch über meine Lippen, obwohl ich es seit meiner Jugend nicht mehr in einer Messe gehört habe. Gehört wohl dazu hier, hab ich mir gedacht. Nach einem Lied und der Lesung begann der Priester zu predigen. Der erste Donnerstag des Monats ist der Priesterdonnerstag erklärte er, da geht es um die Berufung zum Priester. Was dann folgte war eine Ansprache im Stile amerikanischer Prediger, wortgewaltig, unterstrichen mit ausladender Mimik und Gestik. Er lobte die Italiener, die die begnadeten Hände der Priester küssen würden, was im deutschsprachigen Raum leider nicht gemacht würde. Er küsste seine Hände dabei. Obwohl diese Hände segnen würden, heilen und Trost spenden. Wie bitte? Dann müsste ich auch die Hände meiner Freunde und meines Zahnarztes küssen, was ich nicht vorhabe zu tun. Und er erklärte, dass Maria bei jedem Gottesdienst hinter dem Priester stünde. Die Aufgabe des Priesters wäre es Maria zu dienen und dabei immer kleiner zu werden, bis der Priester wieder Kind ist und er zurück in den Schoss und das Herz Marias könne. Aha! Schnitt!!!
IMG_5492Diese Predigt hat es mir sehr schwer gemacht jetzt wertfrei auf den Erscheinungsberg zu gehen. Der Anstieg ist steil, es gibt keinen Weg, man muss ihn sich selbst suchen. Über rotbraune Steine geht es hinauf, viele schon glatt gescheuert von den Unmengen an Pilgern. Es begegnen mir Menschen, die einen Rosenkranz beten. Andere erklimmen ihn barfuß. Manche steigen in großem Tempo nach oben. Andere setzen bewusst Fuß vor Fuß. Oben angelangt erwartet mich die Statue Marias, an dem Ort an dem sie monatlich ihre Botschaften bekannt geben soll. Viele Menschen sitzen auf den Steinen, lassen den Ort auf sich wirken. Viele beten, manche kniend, andere stehend. Einige murmeln, die meisten sind still ins Gebet versunken. Bei der Statue liegen unzählige Dinge. Fotos, Gegenstände, kleine Zettel mit Bitten oder Danksagungen drauf. Das ist der Moment, an dem mir bewusst wird, wie wichtig für viele Gläubige dieser Ort wohl ist. Hier lassen sie ihren Kummer, ihre Freude, ihre Hoffnungen.
Ich habe andere Orte, die mir spirituell Kraft und Hoffnung geben.

Zurück im Ort schlendere ich noch durch die Straße, die gesäumt ist von unzähligen Andenkengeschäften. Von der lebensgroßen Marienstatue bis zum Kühlschrankmagneten ist hier alles zu erwerben. Wallfahrtsortangebot wie überall auf der Welt, wie jede religiöse Kultstätte das kennt.

Ich verlasse Medjugorje wie ich gekommen bin, wertungsfrei. Nicht beseelt aber auch nicht abgestoßen. Nur die Predigt wird noch lange in mir nachhallen, aber mich darin bestärken, dass die Sicht des Priesters nicht meine christliche Sicht ist. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin und das freut mich.

 

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