ich habe 23 kundenkarten, zwei kreditkarten, ein iPhone, accounts bei facebook, skype und gmx. ich benutze google, kaufe bei e-bay, bei amazon und lade e-books auf meinen e-book-reader. ich habe ein mulmiges gefühl deswegen, denn ich hab den dokumentarfilm „alles unter kontrolle“ von werner boote gesehen. boote zeigt darin, wie daten gesammelt, verarbeitet, verknüpft und verwertet werden: social media daten, das online einkaufs- und suchverhalten, und die daten der unzähligen überwachungskameras (ab heute verkneife ich mir öffentliches popeln. und ich lächle unterwegs viel öfter. oder besser gar nicht mehr?).

werner boote spricht mit einem kritischen geist, der sogar die fingerabdrücke auf seinem wasserglas abwischt. seltsam mutig-naiv verfolgt er zwei tage lang autos, die aus dem nsa-gelände kommen für ein interview mit jemandem, der dort arbeitet. was glaubt ihr – gelingt es ihm?

er bereist indien, wo die regierung in einem riesigen programm persönliche und biometrische daten sammelt, um damit zb sozialleistungen besser zu verwalten. als er die leiterin des programms nach möglichem missbrauch fragt, antwortet sie mit einem zitat: „worry is a misuse of your imagination“ – sinngemäß übersetzt mit: „ängste zerstören deine fantasie“. das system sei sehr sicher und nur dazu da, gutes für die menschen zu leisten.

boote trifft einen spezialisten, der kommentare auf facebook, twitter und ähnlichen plattformen auf ihre gefühle hin analysiert für eine kommerzielle nutzung. in hongkong interviewt er eine aktivistin der demokratiebewegung vor einer riesenwand voller bunter papier-post-its. das lässt mich zunächst schmunzeln, aber dann zeigt sie auf ein großes transparent hinter ihr, und als sie es vorliest, kommen ihr die tränen: „you may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one“. da schlucke ich auch und denke: „mist, da sitze ich in meiner heilen, demokratischen welt, verteile facebook-likes, freue mich über kunden-rabatt und bin damit vielleicht dabei, die freiheit aufs spiel zu setzen, für die so viele kämpfen?“

und doch: nicht ein phänomen an sich ist „böse“, sondern immer nur, was wir damit machen (dürfen). das gilt für ein banales messer genauso wie für eine riesendatenbank voller personenbezogener informationen. denn es gibt auch die open-data-bewegung. dabei „öffnen“ zb kommunen ihre daten für die allgemeinheit. findige nerds programmieren daraus apps, mit denen sich etwa blinde menschen orientieren können. helsinki macht das, die jänner-ausgabe von brand eins berichtet darüber: die transparente stadt

viele daten, anonymisiert genutzt, können gutes bewirken. viele daten der gleichen datenbank, personenbezogen ausgewertet und in den falschen händen, das gegenteil.

„alles unter kontrolle“ läuft zur zeit im das kino in salzburg . werner boote bietet auch schulvorstellungen an: homepage von werner boote

ps: in diesem blog fehlt eine funktion: menschen, die diesen blogpost gelesen haben, interessieren sich auch für…

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