(m)eine ennstaler geschichte

wenn du durch’s ennstal fährst, kommt irgendwann der grimming in deinen blick, minutenlang fährst du an dem langgezogenen berg vorbei. er ist mächtig und voller geschichten. nicht weit von hier war der urgroßvater der autorin kaisertreu. hier starb eine verwandte an lungenentzündung, während ihre schwester im nebenzimmer ihr erstes kind bekam.

wilderer, holzarbeiter, reisende

hier waren die großonkel wilderer und ihre söhne jäger. die männer gingen neben ihren berufen „ins holz“, schwer und gefährlich war die waldarbeit, aber ein guter zuverdienst. wenn sich einer verletzte, desinfizierten sie die wunde mit urin (dieser ist bei gesunden menschen steril).

eine großtante wanderte zuerst nach berlin, dann nach kanada aus. von ihr kamen lange, eng beschriebene briefe auf dünnem luftpostpapier.

holz und grimming

dialekt, inschriften, schnaps

hier sagt man „ die bredn kiina“, wenn man den ungezogenen nachwuchs meint. wer vom vorjahr spricht, sagt „feeecht“, sehr weich, nicht „feacht“ oder „feascht“, wie weiter westlich, wo die täler enger sind und der ton rauer.

neben dem kleinen kirchlein von pürgg liegt ein großvater begraben. innen zeugt eine arabische inschrift von der langen friedlichen koexistenz von menschen muslimischen mit jenen christlichen und jüdischen glaubens im mittelalter, vor allem in andalusien. ein paar haben sich bis hierher gewagt.

damals wie heute gibt es schwarze schafe, braune kühe, blauen enzian, grüne halme im wind, rosa bäume, die nur kurz blühen und rote vogelbeeren – giftig, aber es wird der beste schnaps aus ihnen. wer auf einen „voglbee“ eingeladen wird, genießt höchste anerkennung, wer die einladung ausschlägt, hat sie für immer verwirkt.

auf den almen rund um den grimming haben die großmutter und ihre schwestern als sennerinnen gearbeitet – einst der selbstbestimmteste beruf für frauen. wer angeklopft hat und ein „kooch“ zu essen bekam, der hat ein gericht aus mehl, butter und milch gegessen. als „miasl“ oder „muas“ ist es nicht cremig und mit mehr fett. auf der alm, wenn ein gewitter droht, „is wetta“, da lernst du beten. weil du sonst nichts tun kannst, wenn „da bouch kimmt“ oder „da roa“, wenn der almbach zum reißenden verderben wird, oder ein hang.

wirtschaftsgeschichte

im krieg haben die frauen ihre  kinder „ausg’stift“, auf bauernhöfe, zum arbeiten und damit sie selber arbeiten gehen konnten. eine arbeit war nicht mühevoll sondern eine „große oawat“.

der bau der bundesstraße hat aufschwung und arbeit gebracht und die „fremdenzimmer“ waren auch im sommer belegt, mit den bauarbeitern.

diese bundesstraße war die „gastarbeiterroute“. viele starben auf dem zu langen weg ins damalige jugoslawien oder in die türkei, ihre autos zu voll mit allerlei schätzen, am steuer zu müden menschen.

die ennstaler kinder haben „auto zählen“ gespielt und viele mussten über die straße in die volksschule. wer beim heimgehen die milch vergessen hatte, vom bauern am weg, musste nochmal zurück. es ist fast nie etwas passiert.

das grimmingtor

das grimmingtor geht manchmal auf. wer hineingeht zu den sagenwesen, kommt nicht mehr zurück. es soll schön sein drinnen, voller edelsteine.

wer einen juchaza tut und seinen hut hinter sich über den gipfel schmeißt, den verlässt das glück sieben jahre nicht mehr. aber nur, wenn er nicht zurückschaut.

zum wikipedia-artikel über den grimming.

1 Antwort
  1. Otto Lorenz says:

    Ja, ich kenne den Grimming
    Nicht weit von ihm ist Bad Mitterndorf, dort gibt es einen echten Biobauern. Er verwendet, weil er ein tatsächlicher Biobauern sein will keinen Traktor sondern macht alle Wiesen- und Waldarbeiten mit Pferden so wie früher. Er ist mit Recht der Meinung, Traktoren verdichten den Boden und verstinken die Luft. Im Ort wird er der Spinner genannt, aber Servus TV berichtete in zwei Hauptabendprogrammen „Ich,Bauer“ über ihn. Er ist auch in unserem Verein „Talente Tauschkreis Salzburg“ Mitglied.

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